Die Weltanschauung der Atoin Meto

Zusammenfassung

In seiner Antrittsrede von für das Amt eines Hochschullehrers (1935:5-9) bezeichnete de Josselin de Jong den indonesischen Archipel als ein ethnologisch studieveld. Mit dieser Einschätzung kennzeichnete er Indonesien als eine Region, die in kultureller Hinsicht homogen und eigenständig ist. Die schon oben erwähnten Kriterien, mit denen er die kulturelle Eigenständigkeit Indonesiens charakterisierte, sind insbesondere die Hälften-Organisation (phratrie-dualisme) und die Heiratsregel der asymmetrischen Präskription (clan-connubium). Lévi-Strauss greift diese Charakterisierung indonesischer Kulturen erneut auf, wenn er seine für diese Kulturen typische Kombination von Dualismusformen des diametralen und konzentrischen Typs diskutiert (1978:148). Ohne weiter in die Tiefe zu gehen (daß hier beispielsweise eine Polarität vorliegt) spricht Lévi-Strauss Argumentation für sich. Er schreibt, daß dieser Dualismus in sich doppelt ist: einmal begriffen als Ergebnis einer zwischen sozialen Gruppen ausbalancierten Welt und der moralischen oder metaphysischen Attribute: das heißt – wenn wir den weiter oben vorgeschlagenen Begriff etwas verallgemeinern – eine Struktur von diametralem Typus; zum anderen in einer konzentrischen Perspektive, mit dem Unterschied allerdings, dass die beiden Gegensatzpaare hinsichtlich des sozialen oder religiösen Prestiges (oder beider zugleich) notwendig ungleich sind (1978:156) Diese kurze Bemerkung zu den Strukturprinzipien sozialer Systeme indonesischer Kulturen entspricht den Ordnungsvorstellungen der Atoin Meto-Kultur. Das soziale System der Atoin Meto zeigt einen scheinbaren Widerspruch zwischen einer drawidischen Verwandtschaftsterminologie in Kombination mit einer asymmetrischen Heiratsregel, wobei die Zweiteilung mit einer Dreiteilung der Gesellschaft verbunden wird. Beide Prinzipien werden im konventionellen
Verhalten der Kulturteilnehmer durch die feto-mone-Beziehung repräsentiert, die ein Ordnungsprinzip darstellt, das auf eine Hälfteneinteilung verweist. Schulte Nordholt sieht in der feto-mone-Beziehung die bedeutendste Unterteilung der Atoin Meto-Kultur, die soziale und kosmische Beziehungen zum Ausdruck bringt: this particular form of polar opposition may act as a frame of reference for the distinction between different kinds of relationships (1971:411). Gleichzeitig bringt eine feto-mone-Beziehung auch die Polarität dieser Beziehung zum Ausdruck, indem sie auf die Einheit der beiden Pole hinweist, die einzeln nicht existieren können. Eine Dreiteilung der sozialen Beziehungen tritt in den Situationen in den Vordergrund, in denen durch das Zusammenwirken der polaren Paare ein Drittes entsteht. Ist dieses Dritte entstanden wird die Zweiteilung erneut das wichtigste Ordnungsprinzip. So zeigt Lévi-Strauss eine bemerkenswerte Eigenart der asymmetrischen Heirat in Indonesien: sobald ihre Bedingungen erfüllt sind, taucht das Prinzip einer dualistischen Dichotomie auf, die auf dem Gegensatz männlich-weiblich beruht. Dass dieser dem System inhärente Gegensatz in Indonesien das Modell geliefert hat, von dem aus es seine dualistischen Organisationen aufgebaut hat, geht aus der Tatsache hervor, daß die indonesischen Hälften immer als männlich oder weiblich gedacht werden (1978:174).

Die Zweiteilung nanan-mone (innen-außen als konzentrische Struktur) verläuft parallel zu feto-mone (als eine diametrale Struktur). Oben wurde ausgeführt, dass die Kombination der Zwei- und Dreiteilung innerhalb der politischen Organisation wirksam ist und wie die asymmetrische Heiratsregel Hälften mit gegenseitigen Rechten und Verpflichtungen hierarchisiert. Gerade im politischen Bereich wird deutlich sichtbar wie die Strukturen des diametralen (feto-mone) und konzentrischen (nanan-mone) Typus miteinander in Beziehung stehen. Weitere Beispiele, die die dargestellte These von der gleichzeitigen Wirksamkeit der Zwei – und der Dreiteilung, finden sich in Schulte Nordholts Untersuchung (1971:406-27).

Die Vorstellung, dass jede Kategorie eine Entsprechung und Ergänzung benötigt, so dass polare Paare entstehen die gemeinsam ein größeres Ganzes bilden, ist auch auf die Musterung der Ritualtextilien der Atoin Meto nicht ohne Konsequenzen geblieben. Obwohl die Zweiteilung das herausragende Ordnungsprinzip ist, hat der Symbolismus der Zahl drei bei der Musteranordnung seinen Niederschlag gefunden, und bezieht sich auf polare
Paare, die gemeinsam ein Drittes bilden. Erst die (mindestens) drei Gruppen, die bei der Einhaltung der asymmetrischen Heiratsregel nötig sind gewährleisten den Fluß des Lebens. Im Anschluß an Beispiele, die die Bedeutung der Dreiteilung in der Lebenswelt der Atoin Meto zeigt, äußert sich Schulte Nordholt: so here three stands for the totality of the hidden forces (1971:409).

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