Archiv für die Kategorie Textilien

Kleidung als Wohnung des Leibes

Ikonographische Betrachtungen zur textilen Motivik der Atoin Meto in West-Timor1

Gegenstand dieser Betrachtung ist ein Aspekt der traditionellen Motivik der Atoin Meto im Territorium Amanuban (Westtimor, Indonesien), welche die Bedeutung eines textilen Verzierungselements dieser Ethnie klären soll. Paradigmatisch sollen kulturspezifische Überzeugungen verdeutlicht werden, welche die Bevölkerung Amanubans mit der Musterung ihrer Kleidung verbindet. Die Anwendung von zwei Konzepten der Neuen Phänomenologie kann der ethnologischen Forschung den Weg weisen und die Bedeutung dieses Verzierungselements und generell die Funktion verzierter Kleidung in Amanuban besser zu verstehen. Bei diesen beiden Konzepten handelt es sich zum einen um die Räumlichkeit der Gefühle, zum anderen, damit verbunden, um die Theorie der Wohnung als Umfriedung. Die Auffassung, daß in Bezug auf die Bedeutung der Motivik indonesischer Textilien allenfalls geschulte Vermutungen (educated guesses) angestellt werden können, teile ich nicht,2 vor allem, da Janet Hoskins und Danielle Geirnaert inzwischen die gewebten Botschaften der Kodi-Textilien (Westsumba) teilweise entschlüsselt haben.3

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Die Weltanschauung der Atoin Meto

Die Kultur der Atoin Meto in Westtimor
Ein quellenkritischer Überblick über die ethnographische Literatur

Einleitung

Gegenstand dieses kommentierten Literaturüberblicks sind die symbolischen Klassifikationen und die religiösen Überzeugungen der Atoin Meto in Westtimor wie sie die verfügbaren ethnographischen und ethnologischen Quellen dargestellen. Die Qualität eines solchen Überblicks hängt immer von Zustand der vorhandenen Artikel, der Buchbeiträge und der wenigen Monographien ab. Diese Synopsis der Quellen greift auf Untersuchungen zurück, die zwischen 1830 und 1980 publiziert wurden.

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Ein Greenhorn in Amarasi

Könige, ein Vogelmotiv und ein häßlicher Schal

Ich bin in Timor angekommen. Nicht nur physisch. Ich fühle mich willkommen und kann mit meinen Forschungen über die Kultur der Atoin Meto beginnen.
Für einen ersten Besuch wähle ich Baun aus, eine Ortschaft südöstlich von Kupang gelegen. Baun liegt zweihundertvierundfünfzig Meter über Normalnull. Das Klima ist hier angenehmer als in der feuchtheißen Kupangbucht.
Baun ist eine Ortschaft im Regierungsbezirk Kupang. Im Landkreis Amarasi Barat. Amarasi, einst eines von zehn feudalen Königreichen, und von einer Dynastie mit absoluter Machtfülle regiert. In Amarasi, und so auch in Baun, spricht man einen ganz eigenen Dialekt und trägt eine differenzierende Tracht. Die Atoin Meto erkennen an der Musterung der Kleidung, woher der andere kommt.

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Homophile Weber in Westtimor

Non Bife: Männer in Frauenrollen

Der kurze Text über die Existenz webender Männer in Amanuban ist, bezogen auf die Bedeutung dieses Themas, äußerst fragmentarisch und inhaltlich unbefriedigend. Erforderlich ist meines Erachtens unbedingt

  • die Erhebung biographischer Daten der wahrscheinlich letzten webenden Männer in Westtimor sowie
  • weitere ethnologisch-historische Forschungen zur sozialen Stellung, zur kulturellen Bedeutung und historischen Entwicklung sowie zum kulturellen Wandel angesichts zunehmender Globalisierungstendenzen auch in Ostindonesien.

Die einzige Rechtfertigung, meine dünne Datenlage in diesem Rahmen zu publizieren, besteht darin, auf diesen Gegenstand aufmerksam zu machen, und dazu zu motivieren, weitere Forschung zu leisten.

Otniel Be`is traf ich an einem Nachmittag im Mai 1990. In einem kleinen Handwerkbetrieb in Niki Niki, der Atoin-Meto-Textilien für den Verkauf in Amanuban oder den touristischen Bedarf in Ostindonesien produzierte. Jerimia Mellu, der Besitzer dieser Kerajinan, stellte mir Otniel vor. Om Nelis, wie ihn alle nennen. Er sei ein webender Mann, so Mellu, und wies mich damit auf eine Kuriosität hin. Er präsentierte mir Otniel als Exoten in der modernen Atoin-Meto-Kultur. Cornelis Talan, den zweiten webenden Mann, traf ich Monate später, im August in seinem Haus, in Oepuah. Erst in dieser Begegnung begriff ich, was ich damals in Niki Niki nicht verstanden hatte: Männer in Frauenrollen besaßen in der Kultur der Atoin Meto eine lange zurückreichende Tradition.

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Die Textilien der Atoin Meto

Technologie und Ikonographie als Ethnic Marker in Westtimor

Meine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der ostindonesischen Kultur der Atoin Meto begann mit der farbenprächtigen textilen Tradition dieser Ethnie, der dominierenden Population im Westen der Insel Timor. Meine nur hier publizierte Untersuchung Textilen der Atoin Meto: Variationen eines Stils in Westtimor (Teil 1 und Teil 2) war als Grundlagenforschung für die Dokumentation von musealen Sammlungen gedacht.

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