Grammatischer Parallelismus und mündliche Dichtung

Grammatischer Parallelismus in den Tonis-Dichtungen der Kuan Fatu-Chronik

Meine Zuhörer sind inzwischen Leser geworden.
Sie sitzen nicht mehr im Kreis, sondern allein, jeder für sich
.
Wim Wenders, Der Himmel über Berlin, 1987

1. Parallelismus als Mittel der grammatischen Form

Das herausragendste Mittel zur Steigerung von Konzentration und Aufmerksamkeit der Zuhörer auf Inhalt und Mitteilung der Tonis-Dichtungen ist der grammatisch-kanonischeParallelismus der Form dieser Dichtungen, der so gut wie alle Verse kennzeichnet. Grundlegend basiert die dichterische Komposition in Amanuban auf dem sogenannten durchgehend grammatischen Parallelismus, wie ihn Lowth, Steinitz, Jakobson und zuletzt Fox ausführlich analysiert und kommentiert haben. 1

Den Rest des Beitrags lesen »

Pages: 1 2 3 4 5 6

Hinterlasse einen Kommentar

Ein Greenhorn in Amarasi

Könige, ein Vogelmotiv und ein häßlicher Schal

Ich bin in Timor angekommen. Nicht nur physisch. Ich fühle mich willkommen und kann mit meinen Forschungen über die Kultur der Atoin Meto beginnen.
Für einen ersten Besuch wähle ich Baun aus, eine Ortschaft südöstlich von Kupang gelegen. Baun liegt zweihundertvierundfünfzig Meter über Normalnull. Das Klima ist hier angenehmer als in der feuchtheißen Kupangbucht.
Baun ist eine Ortschaft im Regierungsbezirk Kupang. Im Landkreis Amarasi Barat. Amarasi, einst eines von zehn feudalen Königreichen, und von einer Dynastie mit absoluter Machtfülle regiert. In Amarasi, und so auch in Baun, spricht man einen ganz eigenen Dialekt und trägt eine differenzierende Tracht. Die Atoin Meto erkennen an der Musterung der Kleidung, woher der andere kommt.

Den Rest des Beitrags lesen »

Hinterlasse einen Kommentar

Homophile Weber in Westtimor

Non Bife: Männer in Frauenrollen

Der kurze Text über die Existenz webender Männer in Amanuban ist, bezogen auf die Bedeutung dieses Themas, äußerst fragmentarisch und inhaltlich unbefriedigend. Erforderlich ist meines Erachtens unbedingt

  • die Erhebung biographischer Daten der wahrscheinlich letzten webenden Männer in Westtimor sowie
  • weitere ethnologisch-historische Forschungen zur sozialen Stellung, zur kulturellen Bedeutung und historischen Entwicklung sowie zum kulturellen Wandel angesichts zunehmender Globalisierungstendenzen auch in Ostindonesien.

Die einzige Rechtfertigung, meine dünne Datenlage in diesem Rahmen zu publizieren, besteht darin, auf diesen Gegenstand aufmerksam zu machen, und dazu zu motivieren, weitere Forschung zu leisten.

Otniel Be`is traf ich an einem Nachmittag im Mai 1990. In einem kleinen Handwerkbetrieb in Niki Niki, der Atoin-Meto-Textilien für den Verkauf in Amanuban oder den touristischen Bedarf in Ostindonesien produzierte. Jerimia Mellu, der Besitzer dieser Kerajinan, stellte mir Otniel vor. Om Nelis, wie ihn alle nennen. Er sei ein webender Mann, so Mellu, und wies mich damit auf eine Kuriosität hin. Er präsentierte mir Otniel als Exoten in der modernen Atoin-Meto-Kultur. Cornelis Talan, den zweiten webenden Mann, traf ich Monate später, im August in seinem Haus, in Oepuah. Erst in dieser Begegnung begriff ich, was ich damals in Niki Niki nicht verstanden hatte: Männer in Frauenrollen besaßen in der Kultur der Atoin Meto eine lange zurückreichende Tradition.

Den Rest des Beitrags lesen »

Hinterlasse einen Kommentar

Weihnacht im Wilden Osten

Die protestantische Kirche in Amanuban besteht aus einer großen Anzahl von Basisgruppen. Die Gruppen orientieren sich an den Nachbarschaften der dörflichen Siedlungsstruktur. Jede Kirchengemeinde in Amanuban ist in diese kleinen, gut überschaubaren und kooperativen Gruppen gegliedert.
Jede dieser protestantischen Basisgruppen führt einige Tage vor Weihnachten eine Zeremonie durch, die Pohon terang, der strahlende Baum, oder Pohon natal, Baum der Geburt, genannt wird. Einige dieser Gemeinden haben mich gebeten, mit ihnen zusammen Weihnachten zu feiern. Für mich waren diese Feiern ein eigenartiges Erlebnis. Getragen von einer warmen sozialen Atmosphäre wirkten sie auf mich grotesk und unpassend aus einem christlichen Kontext adaptiert.

Den Rest des Beitrags lesen »

Hinterlasse einen Kommentar

Kaib amtekes nane 4

Empfang und offizielle Begrüßung in Amanuban

Das Historiker-Seminar im Februar 1992 in Kuan Fatu, Südamauban, diente der intensiven Zusammenarbeit von Ethnologe und Informant. Es orientierte sich an den Bedürfnissen der Atoin-Meto-Informanten, die im Rahmen dieses Seminars ihre kanafzentische Version regionaler Geschichte diskutieren und in ritueller Rede produzieren wollten.
Für die Durchführung des Seminars wählten Y.K. Sapay und Musa Seo einen der drei großen Lopo in Nai Lete, im Zentrum von Kuan Fatu, aus. In drei Nächten entstand ein Entwurf der Geschichte der Namengruppen-Konförderation Ton, Finit, Babis und Sapai, die ich als Kuan-Fatu-Chronik publiziert habe.

Den Rest des Beitrags lesen »

Pages: 1 2 3 4

Hinterlasse einen Kommentar

Kaib amtekes nane 3

Empfang und offizielle Begrüßung in Amanuban

In den Wochen zwischen Dezember 1991 und Januar 1992 entstand die Idee, die Lebenszyklusrituale, wie sie einst, in vorchristlicher Zeit, durchgeführt wurden, dramatisch zu inszenieren und auf der Bühne aufzuführen. Januar 1992 war diese Idee allgemein akzeptiert. Um die kommende Zusammenarbeit offiziell zu eröffnen und zu legitimieren, hielt Lukas Banamtuan eine Rede, die mich, erneut, offiziell einführte. Dieser Empfang, und verschiedene Gespräche, fand im Haus des Kepala Desa von Niki Niki Un, Karel Na`at, statt.

Den Rest des Beitrags lesen »

Pages: 1 2

Hinterlasse einen Kommentar

Kaib amtekes nane 2

Empfang und offizielle Begrüßung in Amanuban 1

Der etwas verspätete, offizielle Empfang und die Begrüßung durch Lukas Banamtuan war sicherlich dessen anfänglicher Unsicherheit geschuldet. Obwohl wir uns bereits flüchtig während des Totenrituals für Felipus Lanu` begegnet waren, konnte er mein Anliegen an ihn nicht einschätzen. Letztlich entschloss er sich aber, mein Oko Mama von vor einer Woche entsprechend zu würdigen und mit einem offiziellen Empfang zu erwidern und unsere Zusammenarbeit, die er letztlich auch wünschte, zu legitimieren. Mit seiner Rede bestätigte er öffentlich diese Zusammenarbeit und gab dazu sein Einverständnis.

Den Rest des Beitrags lesen »

Pages: 1 2

Hinterlasse einen Kommentar