Dichtung indianischer Kulturen

Mündliche Dichtung in den indianischen Kulturen Nord- und Mesoamerikas

J.J. FOX hat schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass noch extensive work on North American Indian poetry remains to be done [1]. Einige der älteren Arbeiten reichen allerdings aus, um den grammatischen Parallelismus amerikanischer Kulturen Dichtung zu erläutern. Gute Beispiele für die Auseinandersetzung mit in ritueller Rede vorgetragener mündlicher Dichtung liefern die Studien der sogeannten Ethnography Of Speaking. Deren Interesse galt aber weniger der Form, als den sozialen Bedingungen der Rede. [2]

D.G. BRINTON äußerte sich schon Ende des vorigen Jahrhundert über die aboriginal poetry nordamerikanischer Indianer, und bezeichnete die Wiederholung einzelner sprachlicher Elemente als wesentlichstes Merkmal dieser Dichtung.[3] Nicht sehr viel später hat Franz BOAS diese Beobachtung aufgegriffen und die mündliche Dichtung der Kwakiutl der pazifischen Nordwestküste Kanadas als Beispiel eines grammatischen Parallelismus beschrieben. Er beschreibt das herausragende Merkmal dieser Dichtungen wie folgt:

The repetition in a series of verse proves that they are fixed units (…) Stress is most frequently given by repetition (…) Emphasis is also given by an accumulation of synonyms. Alternate terms are often used in this manner and in the original they often have an added rhythmical value on account of the homology of their form. [4]

Was BRINTON und BOAS unter repetition verstanden haben, zeigt ein Textsegment aus einer Danksagung der Irokesen, das FOSTER in seinen Artikel aufgenommen und exemplarisch erläutert hat. Das heißt aber nicht gleichzeitig, dass Dichtungen wie die folgende in allen indianischen Kulturen Nordamerikas formal und inhaltlich identisch sind:

And now we will speak about his Helpers,
those he himself appointed, Our Creator.
They are Our Guardians, and give us
health and happiness.
So again give thanks to them this evening.
And thus it will be in our minds
.

Now we come to Our Creator, he who dwells
in the true world beyond the sky.
Reverently we thank him again this
evening
For health and happiness he gives us,
And thus it will be in our minds
. [5]

Beide Verse sind nur semantisch, nicht aber syntaktisch parallel. Sie sind, wie FOSTER es ausdrückt attested to be the generally similar pattern of repeated elements in each, by the presence of thanking performances in each, and by the use of standard closing formula ´And thus it will be in our minds´ at the end of each one. [6]

Hinsichtlich verschiedener Mächte (Helpers und Guardians), die die Verse unter den Schöpfer (Our Creator) subsumieren sowie hinsichtlich des Ausdrucks des Dankes (again we give thank to them this evening bzw. we thank him again this evening) enthalten die Verse semantisch parallele Arrangements. Die Ausdrücke der erhaltenden Gabe (health and happiness) sowie der verschließenden Zeile (and thus it will be in our minds) sind auch syntaktisch parallel, da sie grammatisch identisch sind. Die dichterische Gestaltung und Komposition der Verse als Ausdruck komplementärer Überzeugungen (semantisch, aber auch syntaktisch) bezieht sich auf ein unterliegendes Muster. Wie FOSTER bemerkt, ist die soziale Situation in der diese Verse entstehen für die Wahl des Ausdrucks entscheidend.

Im Vergleich zu nordamerikanischen Indianerkulturen ist die Forschung zum Gegenstand rituelle Rede und mündliche Dichtung in mesoamerikanischen Kulturen erheblich fortgeschritten. FOX hat diese Region, neben Ostindonesien, als another major area for the study of parallelism (…) whose complex oral traditions can be traced to an earlier pre-columbian period, bezeichnet. [7]
Der Hinweis von THOMPSON [8] auf einen Parallelismus in den hieroglyphischen Schriften der Maya sowie Garibays [9] umfangreiche Geschichte der Nahuatl-Literatur führte zur Neuübersetzung antiker Texte, deren Höhepunkt wohl die Übersetzung und Neubearbeitung des Popul Vuh der Quiche Maya in Guatemala durch EDMONSON war.[10] Die Verwendung von zwei- oder auch dreizeiligen Versen, gestaltet entsprechend des oben beschriebenen grammatischen Parallelismus, ist für die nahuatl-Texte, für Sprachen wie Otomi, Quiché sowie die Yucatan Maya gut belegt, sodass die folgende Definition der couplet poetry mittelamerikanischer Kulturen von LEÓN PORTILLA genügen soll:

Sometimes a thought will be complemented or emphasized through the use of different metaphors which arouse the same intuitive feeling, or two phrases will present the same idea in opposite form (…) consist (die parallelen Verse; HWJ) of uniting two words which also complement each other, either because they are synonym or because they evoke a third idea, usually a metaphor (…). [11]

In seiner Publikation demonstriert EDMONSON beispielsweise, dass die Dichtung des Popul Vuh auf der Verwendung eines Kanons sowie der Kombination traditioneller Paarbildungen beruht

NORMAN demonstriert am Beispiel der Quiché-Maya in Guatemala, um welche Art des grammatischen Parallelismus es sich in Mesoamerika handelt. Er beschreibt den grammatical parallelism in Quiché ritual language. [12] In einem Textsegment anlässlich einer Brautwerbung bei Quiché-sprechenden Gemeinschaften in Guatemala heißt es in der Interlinear-Übersetzung von NORMAN:

10 and-so the today so-thanks
perhaps it-got-light
it-dawned a holy world
I-was-brought now-here
I-was-raised now-here

15 before the my-wall
before the my-fortress
above my-walking
above my-crawling
20 And-so-now I-reverently-so-blessed myself
I-reverently-so-thanked myself
I-brought so maybe this crossed road
this crossed path
(…) [13]

Auf den ersten Blick wechseln, wie erwartet, in diesem Textsegment Zeilen (Worte) ohne parallelen Partner (10, 11, 20 und 21) mit zweizeiligen, parallelen Versen, in denen ein paralleles Wortpaar am Zeilenende auftritt (13 bis 18, z.B. my-wall // my-fortress sowie my-walking // my crawling). Alternierend wechseln Zeilen, in denen bestimmte Worte nicht parallel sind, miteinander ab (11 und 12). Es sind u.a. besonders zwei Merkmale, die NORMAN in seiner kurzen Analyse des grammatischen Parallelismus der Quiché-sprechenden Maya hervorhebt, die für die unten folgende, formale Analyse der tonis-Verse der ostindonesischen Atoin Meto wichtig sind:

  • Die Möglichkeit mehrfacher Wiederholung paralleler Wortpaare (lexical pairs) in einem Text in der gleichen Anordnung der Morpheme dieses Paares ist insofern garantiert, als die Reihenfolge der Worte eines parallelen Paares aufgrund der festgelegten Bedeutung dieses Wortpaares nicht verändert werden darf. Die Bedeutung der einzelnen Lexeme eines solchen Wortpaares ist metaphorisch oder idiomatisch, und erst die gemeinsame Interpretation der Lexeme offenbart die wahre Bedeutung eines parallelen Wortpaares (z.B. tz` aaq // k` axtuun (wall // fortress = home); sowie b` iineem // chakaneem (walking // crawling = daily activites).

NORMAN macht in diesem Zusammenhang auf ein wichtiges Phänomen mündlicher Dichtung aufmerksam, das vor ihm auch schon Milman PARRY aufgefallen war, und ihn zu seiner Theorie der Mündlichkeit inspiriert hat. Indem NORMAN die Frage stellt, wie der Sprecher ritueller Rede seine linguistische Kompetenz erwirbt, konnte er beobachten, dass a lexical pair is treated as a single complex lexeme, ein Sachverhalt, der automatically have the consequence that both members of the pair would appear in the same syntactic environment. [15]

Was NORMAN repetition strategy oder repetition rule nennt, gewährleistet während der mündlichen Komposition der Dichtungen wie selbstverständlich die weitgehende syntaktische Identität der Halbpaarverse sowie die Unversehrtheit der parallelen Wortpaare und ihrer vorgeschriebenen Ordnung. Möglicherweise existiert hinsichtlich der vorgeschriebenen Anordnung der parallelen Wortpaare die gleiche Funktion, wie sie KUHNT-SAPTODEWO für die tampak der Ngaju Dayak beschrieben hat, bei denen der bawi-Teil immer dem hatue-Teil folgen muss, da er diesen präzisiert. Die Morpheme, die zu einem parallelen Wortpaar zusammengefasst werden können, müssen außerdem der gleichen grammatischen Kategorie angehören, d.h. Nomen mit Nomen, Verben mit Verben, Adjektive mit Adjektive etc. (content words). Bei den Morphemen, die in den Zeilen der Verspaare keinen parallelen Partner benötigen, handelt es sich um Präpostionen, Pronomen, Konjunktionen oder um andere untergeordnete Wortklassen (function words). [16] Worte, die ausgenommen in parallelen Wortpaaren auftreten, sind ebenfalls Bestandteil des Lexikons der rituellen Rede.
Parallele Wortpaare in Quiché müssen derselben semantischen Kategorie angehören, d.h. sie müssen ein Minimum an semantischer Übereinstimmung aufweisen. Die semantische Beziehung, die zwischen den Quiché-Morphemen eines parallelen Paars besteht, beschreibt NORMAN als polar oppositions, und führt unter dieser Bezeichnung Wortpaare wie q` iij // aq` ab (day // night) oder aqan // q` ab (foot // hand) an. In anderen Fällen sind die semantischen Beziehungen zwischen den Gliedern paralleler Paare eher antonym, wie choh // poloh (lake // ocean), synonym wie in b` eh // jook (road // path), oder bestehen aufgrund von Berührung (Nachbarschaft) wie in q` aaq // xk` uub (fire // trivet).

  • Die vorgeschriebene Anordnung paralleler Wortpaare in der gleichen syntaktischen Umgebung bedeutet einen syntaktisch korrespondierenden Morphem-für-Morphem-Parallelismus der beiden Halbpaarverse eines Verses (identical lexical items), eine Regel, von deer nur das letzte Morphem einer Verszeile ausgenommen ist. Zusammen bilden die letzten Morpheme der beiden Verszeilen ein paralleles Wortpaar, unter der Voraussetzung, dass sie die gleiche semantische Beziehung in den jeweiligen Zeilen einnehmen wie in den folgenden Verspaaren:

15 chwa ri nutz`aaq
before the my-wall
chwa ri nuk`axtuun
before the my-fortress
chwii nub`iineem
above my-walking
chwii nuchakaneem
above my-crawling

(…)
xaa chwii loo jun ooch`
just above maybe a growing-ear-of-corn
jun pakaay
a pacaya

Wie das letzte Verspaar zeigt, und das ist im obigen Zitat schon aufgefallen, scheint es nicht unbedingt notwendig zu sein, die identischen Morpheme in der zweiten Zeile zu wiederholen, sondern es genügt die parallele Entsprechung am Ende der Zeile. NORMAN spricht daher von a expanded or a condensed form paralleler Verse mit mehreren Zwischenstadien, die den umfangreichsten vom verdichtesten Vers trennen.
Nachdem er vorgeführt hat, dass die Quiché ritual language lediglich aus der Kombination eines special vocabulary plus two simple repetition rules besteht, bezeichnet er diese Rede als a kind of linguistic game. Sollte dies wirklich der Fall sein, und es bestehen hinsichtlich meines Kuan-Fatu-Materials vergleichbare Vermutungen, so braucht rituelle Rede in grammatischer Hinsicht nicht mehr zu sein, als eine Variation der Alltagsprache, allerdings, und auch darauf macht NORMAN aufmerksam, by adding a few rules to ordinary Quiché. [17]

Die interessantesten Beispiele der Untersuchung des Parallelismus mündlicher Dichtung rezenter Maya-Kulturen liefern BRICKER unter dem Stichwort couplet poetry der Zinacantecos im Hochland von Chiapas (Yucatan, Mexiko) [18], GOSSEN für die metaphorical couplets der Tzotzil-Maya [19] sowie SHERZER für die Cuna in San Blas, da alle drei darauf beharren, mündliche Dichtungen in ihrem sozialen Kontext (als rituelle Rede) zu untersuchen. [20]
BRICKER kritisiert in ihrem Artikel über Gebete (krasya) und Lieder (k`evuh) der Tzotzil sprechenden Maya aus Zinacantecan im Hochland von Chiapas (Mexiko) berechtigt, dass Autoren wie THOMPSON, GARIBAY oder EDMUNDSON die semantische Struktur der metaphorischen Verse detailliert untersucht haben, den ethnographischen Kontext, die Situation, in der diese Texte gesprochen wurden und ihre Funktion erfüllten, nicht berücksichtigen konnten, da sie in ihren Analysen größtenteils historisches Quellenmaterial verwendet haben. In Ansätzen diachronisch ist die Analyse, die BRICKER selbst vorgelegt hat, da sie historische sowie rezente Quellen aus Chiapas und Yucatan verwendet und zeigen kann, dass die couplet structure is identified exclusively with ritual or ritualized speech. Structure, context, content, and use are salient varaibles of Zinacanteco speech. [21]
Gebete und Lieder, so BRICKER, beschreiben und begleiten Zweck, Verlauf und Inhalt eines Rituals. Sie ähneln sich dann inhaltlich, wenn sie sich auf dieselbe rituelle Situation beziehen. Die Argumentation (k` op) der rituellen Rede ist dabei auf das non-verbale Verhalten der Sprecher bezogen. Ein kurzes Beispiel der Form der mündlichen Dichtung der Zinacanteco Maya kann dies illustrieren:

2 How long have you been waiting here for my earth?
How long have you been waiting here for my mud?

3 I am gathering together here;
I am gathering here.

4 I see the house of poverty;
I see the house of wealth.

5 Of his laborer,
of his tribute-payer.

6 Holy Esquipulas, thou art my father;
Thou art my mother.
 [22]

BRICKER bezeichnet diese sprachliche Ausdrucksweise als k` op (ancient speech) und kontrastiert diese Form der Rede mit lo ´il (informal speech). [23] STROSS hat schon darauf hingewiesen, dass zum Repertoire der Tzeltal-Sprecher (Chiapas) der Begriff k` op gehört, den er aufgrund von 416 Beispielen als den Begriff identifiziert hat, den die Tzeltal Maya verwenden, um unverwechselbare Weisen der Rede zu bezeichnen. In einer Taxonomie zeigt STROSS, dass alle k` op-Reden in nur zwei Rede-Kategorien gegliedert werden können, in poko k` op (ancient speech) und in ´ac ´ k` op (recent speech). Er schreibt, dass informants made it clear to me that the Tenejapa Tzeltal speaker tends to think of poko  k` op as being the way and the words that the people spoke in ancient times (elegant, stylized, serious, non-malicious speech, slowly and clearly enunciated) and ´ac ´ k` op as being the way and the words that people speak today. [24] Überraschenderweise verwenden die Tzeltal Maya mit k` op einen Begriff, der ähnlich weit gefasst ist wie lasi in Amanuban. STROSS nennt als allgemeinsten Nenner des Begriffs k` op: discussion involving several people who have assembeld to decide something. Wie lasi besitzt auch k` op einen ungewöhnlich großen Umfang an Bedeutungen, die alle etwas mit einer Rede über Angelegenheiten zu tun haben, die als poko k` op ancient speech sind. Unübersehbar bezeichnen sowohl lasi als auch k` op die von Fox ancestral language genannte Rede, k` op als poko k` op und lasi als paralleles Wortpaar lasi // tonis. Wie STROSS macht auch BRICKER darauf aufmerksam, dass diese Ahnensprache (poko  k` op) durch Kriterien wie gut (lekil) oder schlecht (copol), und zwar in Bezug auf Form, Inhalt und Vortrag, von der Alltagssprache unterschieden wird. Die von diesen Autoren verwendeten Termini ancestral oder ancient verweisen auf den Sachverhalt, dass die in Versen gebundene Sprache der rituellen Rede eine beträchtliche zeitliche Tiefe aufweist, insofern also traditionell ist (vgl. PARRYs traditional oral poetry). Wie schon mehrmals bemerkt, bestehen auch hinsichtlich der Zinacanteco-Verse Probleme der Übersetzung und der Rezeption, die mit der Verwendung eines teilweise archaischen Lexikons zusammenhängen. [25]
Die beiden Zeilen der oben zitierten Zinacanteco-Verse sind grammatisch parallel im Sinne der Anforderungen von JAKOBSONs Definition. Beide Zeilen sind syntaktisch parallel, da bis auf das letzte Morphem der beiden Zeilen alle Elemente identisch sind. Dieses letzte, semantisch komplementäre Element bildet ein paralleles Wortpaar. [26] Solche parallele, Wortpaare nennt BRICKER meaning sets, d.h. sie bilden synonymparallele (Erde // Schlamm) oder analogparallele (antithetisch; house of poverty // house of wealth) Wortpaare nach STEINITZ, die in ihrem Zusammenwirken eine dritte Vorstellung oder Qualität erzeugen, die wie z.B. oben in Vers 5 laborer // tribute-payer als Untergebene, in Vers 6 father // mother als Eltern gelesen werden muss. Metaphorische Paarbildungen wie diese, synonym oder antonym, erzeugen auf polare Weise ein Drittes und widerlegen so die dualistische Diktion, den Grundsatz des ausgeschlossenen Dritten (des tertium non datur). Gemeinsam beziehen sie sich auf die Vorstellung einer dritten Komponente, einer Qualität, die durch das Zusammenwirken der polaren Paare der Metapher assoziativ gefördert wird.

26 Green bone,
Green muscle;

27 Rise then;
Get up.

28 Look, holy bone!
Look, holy muscle!

29 Stand erect then!
Stand firm then!

(…)
35 Remember your place, bone!
Remember your place, muscle!

36 Don´t leave your cave, muscle!
Don´t leave your cave, bone!
 [27]

Auch die Struktur dieser Verse ist grammatischparallel angelegt, mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass die parallelen Wortpaare nicht nur an das Zeilenende plaziert sind, sondern ebenfalls an den Beginn (Vers 27) oder in die Mitte (Vers 29). Zusammenfassend kennzeichnet BRICKER Verse wie diese als verbal expression of a dualistc principle. Sie nähert sich mit dieser Bewertung der unten noch zu kritisierenden Diktion von FOX.
BRICKER zitiert jedoch auch Tzotzil-Verse, die aufgrund einer etwas anderen grammatischen Struktur gebildet wurden. Bei diesen Dichtungen handelt es sich Mythen, wie BRICKER glaubt. Der Parallelismus dieser Verse ist in der Tat weniger zwingend und erinnert an das oben zitierte Beispiel der Irokesen-Danksagung: The couplet structure of myth (…) is loser and less consistent: [28]

21 The dwarfs died,
The first people, half died;

22 Half shut themselves up in coffins,
Half climbed trees;
 [29]

Wie die beiden Verse zeigen, weist loser and less consistent anscheinend auf eine durchgehende Verwendung des grammatischparallelen Strukturprinzips hin, sodass ein vorhandener Parallelismus als entweder syntaktisch oder semantisch, und nur gelegentlich als syntaktisch-semantisch, d.h. grammatisch, komponiert ist. Überwiegend semantischparallel ist auch die Komposition der Sprichworte und Redewendungen in Chiapas.

Sehr ausführlich hat GOSSEN die unterschiedlichen Gattungen der Rede (speech genre) der tzotzilsprechenden Tzeltal-Maya in Chamula (Chiapas, Mexiko) im Rahmen ihrer zentralen Metapher beschrieben, die sie zur formalen und sozialen Klassifikation dieser Gattungen verwenden. In seiner Analyse unterscheidet er drei Ebenen der Rede, die, mit zunehmender Hitze in den Herzen der Sprecher, von der Alltagssprache über eine Übergangsform der Rede in die rituelle Rede historischer Überlieferung, religiöser Gebete und Lieder einmünden. [30] Im Zusammenhang mit der Hitze, die den jeweiligen Redegattungen inhärent sind, unterscheidet GOSSEN

  • die Alltagssprache (lo` il k` op), hinsichtlich Stil, Form und Inhalt ohne besondere Bedeutung (kalt, idiosynkratisch und nicht-redundant) und nur der sozialen Situation und der korrekten Anwendung grammatischer Regeln verpflichtet;
  • die Sprache für Leute mit erhitztem Herzen (k` op sventa sk` isnah yo` nton li kirsanoe), weder alltäglich noch rituell sowie
  • die reine oder traditionelle Sprache (puru k` op)von der die Chamula behaupten: pure words do not know how to change, und die die eigentliche Gattung mündlicher Dichtung, vorgetragen in ritueller Rede, darstellt. [31]

Die Klassifizierung von Redegattungen entlang einer Achse zunehmender Hitze unterstellt die Überzeugung, dass moderne Worte kälter sind, da sie sich nicht auf den vollständigen Zyklus der vier Schöpfungen beziehen, alte Worte (archaisch; im Sinne von historisch) dagegen heißer, da sie sich auf Ereignisse von Anbeginn der Ordnung an beziehen.
Während die Rede mit erhitztem Herzen nur in Ansätzen formalisiert und kanonisch ist, dem Sprecher noch einen weiten Spielraum für individuelle Variation und Komposition einräumt, ist die reine oder traditionelle Rede zwingend und durchgehend formalistisch:

Beispiel 1: Sequenz einer Rede vor Gericht

Many times already you have stolen.
You steal sheep.
You steal chicken.
You steal potatoes.

(…)
The only things you don´t steal
from peoples are their testicles;
And those you only eat
. [32]

Beispiel 2a: wahre moderne Erzählungen (true recent narrative)

When the fever came long ago
It was because of the crimes of the carrancistas.

It came from the Hot Country.

Our Father, the Sun, brought it upon them,
The Saints called it down upon them.

But then something else happend. [33]

Beispiel 2b: wahre alte Erzählungen (true ancient narrative)

The Ladino woman,
The Ladino girl;
How many were there?
Two of them.

Behind her it walked,
Behind her it travelled:

She and the dog,
She did not walk alone. [34]

Beispiel 2c: Gebete und Lieder

It is the day of your fiesta,
It is the day of your joy,
Great San Juan,
Great Patron,

How soon we are to be walking!
How soon we are to be commencing the procession!

It is the day of your flowery face,
It is the day of your flowery countenance. [35]

Den gerade zitierten Beispielen mehr oder weniger ritueller Rede weisen die Chamula ein unterschiedliches Maß an Hitze zu, mit der Voraussetzung, dass genres of ´pure heat´ have greater metaphorical heat value than the intermediate category which bears its name. [36] Hand in Hand mit zunehmender Hitze gehen Merkmale der rituellen Rede einher wie sie oben schon aus anderen Kulturen beschrieben wurden: zunehmender Formalismus, zunehmende Redundanz sowie eine zunehmende Unveränderlichkeit der grammatischen Komposition und des Sprachgebrauchs der rituellen Rede. Formalismus, Redundanz und Invarianz des sprachlichen Ausdrucks stehen in interdependenter Beziehung zur Gestaltung und Durchführung ritueller Handlungen. Auch Chamula-Dichtungen offenbaren bei näherem Hinsehen ihre Fähigkeit zur Ritualisierung von Handlungen. Der Formalismus der grammatischen Komposition und des Vortrags der Rede (greater metaphorical stacking and greater density ot the semantic load [37] wie GOSSEN es ausdrückt) sowie deren offensichtliche Unterordnung unter die Anforderungen des Kanons stellt die Symbolik der Ordnung evozierenden und garantierenden Hitze zur Verfügung.
Wie die oben zitierten Beispiele zeigen sind Chamula-Verse der traditionellen Rede in parallelen Zeilen angeordnet (metaphoric couplets). Sie verwenden dieses stilistische Mittel allerdings in unterschiedlichem Umfang. Während die Rede mit erhitztem Herzen nur unregelmäßig, fast willkürlich parallele Wortpaare verwendet nimmt die Verwendung dieser Paare mit ansteigender Hitze zu. Ist die Verwendung paralleler Wortpaare zuerst noch individueller Variation offen und steht dem Sprecher ein erheblicher Spielraum willkürlich-kombinatorischer Komposition zur Verfügung, ist die traditionelle (reine) Rede gebunden und kanonisch. Sprecher, deren Herzen heiß sind, sagen die Chamula, wissen nicht im Voraus, was sie sagen. Form und Inhalt ihrer Rede orientieren sich zwar am Kanon ritueller Rede (v.a. an der Redundanz von Stil und Form), sind aber dennoch individueller Manipulation zugänglich, da die Rede ihrem Inneren, und nicht der Tradition entspringt: ihre Rede ist nicht kollektiv (d.h. traditionell) wie BOGATYREV und JAKOBSON es genannt haben. Court speech und political oratory nennt GOSSEN als Beispiele für diese Redegattung. Er beschreibt die Situationen, in denen diese Redegattung vorkommt, als semi-rituell. Form und Rhetorik der Rede entspricht dieser Charakterisierung, da sie, wie in court speech-Beispiel (1), einen syntaktischen Parallelismus mit synonymparallelen Worten am Zeilenende mit Zeilen ohne parallelen Partner für die Intensivierung der Aussage kombiniert, und er daneben noch weitgehend idionsynkratisch und in nicht-standardisierten Situationen auftritt.
Die reine oder traditionelle Rede unterliegt, wie die zitieren Beispiele (2b und 2c) deutlich belegen, jedoch drei Einschränkungen:

  • dem Zwang, eine vorgeschriebene Form unverändert zu reproduzieren:
  • dem Zwang, einen vorgeschriebenen Inhalt unverändert zu erzählen sowie
  • dem Zwang zu einer bestimmten sozialen (rituellen) Situation.

Die Gattungen der traditionellen Rede sind die dauerhaften Formen der rituellen Rede in der Chamula-Kultur, antik (archaisch) in ihrer Bewertung und unbedingt bezogen auf den Beginn der kosmischen und sozialen Ordnung. Zeigen die als true recent narratives bezeichneten historischen Überlieferungen einen schwachen Bezug zum überlieferten Kanon ritueller Rede (in Beispiel 2a ist nur der dritte Vers parallel und auch nur in semantischer Hinsicht), ist in diesen Versen ein metaphorical stacking mehr oder weniger ausgeprägt (Redundanz von Form und Inhalt, metaphorische Verse, grammatischer Parallelismus etc.) und relativ schwach vertreten, so stellen die true ancient narratives, die Gebete und Lieder, ausgezeichnete Beispiele für eine Dichtungsart dar, deren wesentlichstes Merkmal JAKOBSON als die Verwendung ständig wiederkehrender Elemente definiert hat. Je größer die symbolische Bedeutung einer rituellen Handlung ist, desto formalistischer (d.h. heißer) ist die Rede, die diese Handlungen begleitet. Verspaare (oder die beiden Halbpaare eines Verses) sind syntaktisch vollkommen parallel, enthalten gewöhnlich allerdings ein synonymparalleles Wortpaar am Zeilenende (woman // girl; San Juan // Patron etc.). Verse mit mehr als einem parallelen Wortpaar kommen nicht vor. [38] GOSSEN beschreibt die mündlichen Dichtungen der Chamula als soziale Tatsachen und ermöglicht so eine erweiterte Sicht auf dieses Phänomen als viele andere Autoren in ihren Untersuchungen anstrebten. Seine Forschungsergebnisse beziehen die Form der mündlichen Dichtung auf ihren sozialen Kontext. So verleihen sie dem Begriff rituelle Rede eine erweiterte Perspektive. Stilistische Redundanz der Rede und gute Performance (auch des Vortrags) stellen die wesentlichen Merkmale für die Qualität der rituellen Rede dar. Im noch erforderlichen Vergleich zwischen den beiden Redegattungen der Atoin Meto (Tonis und Pseudo-tonis), die in unterschiedlichen sozialen Kontexten in Amanuban üblich sind, werde ich darlegen, wie sehr die Situation, in der rituelle Rede auftritt, für die formale und stilistische Qualität dieser Rede verantwortlich ist.

In einem kurzen Aufsatz aus dem Jahre 1944 diskutiert WHITE ein von ihm ceremonial vocabulary genanntes Phänomen nordamerikanischer Pueblo-Kulturen. [39] Mit diesem Begriff weist er auf die Bedeutung des sozialen Kontextes hin, der Situation der rituellen Rede: We have discovered at the Pueblo of Santa Ana a well defined ceremonial vocabulary. It consists of words which are used only on ceremonial occasions, in ritual context. [40] Ihm war der Sachverhalt aufgefallen, dass namhafte Ethnographen der Pueblo-Kulturen bestimmte Worte oder Wortpaare unterschiedslos und unreflektiert, ohne berechtigte Belege, als archaisch bezeichnet hatten, archaisch im Sinne von unverständlich, unübersetzbar, poetisch im Ausdruck oder grammatisch parallel. Die Unterordnung bestimmter Worte, die für bestimmte soziale Situationen reserviert sind, unter Qualitäten wie unverständlich, altertümlich, heilig sowie ihre daraus resultierende Kennzeichnung als archaisch, konnte White nicht fraglos hinnehmen. Er stellte dieser Behauptung seine These gegenüber, dass archaisch nicht mehr bedeutet als a special vocabulary of ceremoial terms. [41] Das Ergebnis von WHITEs kurzer Analyse archaischer Worte im Rahmen ihres sozialen Kontextes war für seine Zeit überraschend. Seine Wortliste enthält 36 parallele Wortpaare, die jeweils aus einem alltagssprachlichen und einem nur im rituellen Kontext verwendeten Lexem zusammengesetzt sind. Nach WHITE sind diese, als archaisch gebrandmarkten Wortpaare der Pueblo-Kulturen in semantischer Hinsicht synonymparallel. Er entlarvt mit Schärfe den vermeintlichen Archaismus dieser parallelen Wortpaare als ethnographische Konstruktion. Vielmehr, bemerkt er, sind Lehnworte benachbarter Sprachen, Lautverschiebungen und von der Alltagssprache abweichende Aussprache aus Gründen von Wohlklang und Rhythmus im Lied oder Gebet, Parallelismus oder metaphorischer und poetischer Sprachgebrauch die Ursache für dieses spezielle Vokabular. [42] Aus berechtigten Gründen setzt sich WHITE dafür ein, dass the mere fact that ceremonial terms are restricted to certain situations and personnel nicht dazu führen darf, sie als archaisch auszugeben. Denn, so schreibt er: We should not allow this characteristic to obscure or conceal a fact of much greater ethnological importance: their special function as cermonial terms. As ceremonial terms these words are just as modern, just as meningful and significant, just as vital and indispensible as any other class of words in Pueblo culture. [43] In dieser Auffassung nimmt er die grundlegende Kritik der erst 20 Jahre später auftretenden ethnography of speaking vorweg, die mit Begriffen wie social occassion, social context oder performance auf die Bedeutung der Situation der Rede verweist.

Doch auch NORMAN setzt sich in seiner Untersuchung des grammatischen Parallelismus der rituellen Rede der Quiché-Maya Guatemalas, bedauerlicherweise wieder unter dem Terminus ritual language, mit dieser Situation auseinander. Wie bereits erwähnt, äußert er in diesem Zusammenhang, dass die Quiché ritual language lediglich aus der Kombination eines special vocabulary plus two simple repetition rules besteht. Schon auf der richtigen Spur, aber noch wenig konkret, charakterisiert er diese Rede, bei der es sich in Wirklichkeit um ein Ritual handelt, etwas lapidar als a kind of linguistic game. Folgen wir allerdings der Argumentation von WHITE und NORMAN besteht ausreichender Grund für die Anwendung von LOTMANs Begriff des sekundären modellbildenden Systems auf mündliche Dichtungen, die in ritueller Rede vorgetragen werden. In grammatischer Hinsicht ist diese rituelle Rede nicht mehr als eine Variation der Umgangs- beziehungsweise der natürlichen Sprache einer Kultur, allerdings, und auch darauf macht NORMAN mit Bezug auf die von ihm in Guatemala vorgefundene Situation aufmerksam: by adding a few rules to ordinary Quiché. [44]

Anmerkungen

[1] Fox:1977:69.

[2] Vgl. die Artikel von Darnell, 1974, Philipps, 1974 und M. Foster, When words become deeds: An analysis of three Iroquois longhouse speech events, in: Bauman und Sherzer, 1974:354-367.

[3] Brinton, D.G., American aboriginal poetry, Proceedings of the Numismatic and Antiquarian Society of Philadelphia. Dort schreibt: The same verse may be repeatet over and over again; or the wording of the verse may be changed but each may be accompanied by a burden of refrain, which is repeated by the singer or the chorus. These are the two fundamental characteristics of aboriginal poetry, and are found everywhere on the American continent (1887-1889:18-19).

[4] Boas, F.,1927, Primitive Art, New York. (…) in poetry repetition of identical formal units are frequent; ebenda, S.314). Vgl.a. G.A. Reichard, Prayer: The compulsive word, Monograph of the American Ethnological Society 7, University of Washington, Seattle, die in ihrer systematischen Analyse von Navaho-Gesängen Beispiele für die von Boas definierte Form rhythmischer Wiederholungen vorgelegt hat.1944:316-319.

[5] Foster, 1974, 360-361.

[6] Foster, 1974, 361. Für weitere Beispiele vgl. ebenda, 366-367.

[7] Fox, 1988:7; vgl.a. Ders.:1977:.69.

[8] Thompson; J.E.S., Maya hieroglyphic writings: Introduction, Carnegie Institution of Washington, Publication 589, 1950:61-62.

[9] Garibay, A.M., Historia de la literatura nahuatl, 2 vols., Mexico, 1953.

[10] Edmonson, M.B., Notes on a new translation of the Popul Vuh, Alcheringa 1, 1970,14-23; ders., The book of counsel: The Popul Vuh of the Quiche Maya of Guatemala, Middle American Research Institute, Publication 35, New Orleans, 1971.

[11] León Portilla, M., Pre-Columbian literatures of Mexico, 1969,76-77.

[12] Norman, 1980:387-399. Obwohl antiquiert, verwendet Norman den Begriff ritual language, um diesen dann im Verlauf seiner Argumentation immer häufiger korrekt durch zu ersetzen.

[13] Norman, 1980:388.

[14] Norman, 1980:396.

[15] Für den Nachweis dieser These, die Norman als leftward repetition (d.h. wiederhole links von A` alle diejenigen Elemente links von A; A und A` benennen die Glieder des parallelen Wortpaares am Ende der Zeile eines Halbpaarverses) bzw. als verbal repetition (d.h. wiederhole rechts von A=Verb alle Elemente, die sich rechts von A`=Verb befinden) bezeichnet (1980:395-397). Since stock lexical pairs have an idiomatic semantic interpretation, it would be reasonable to suppose that, like idioms, they constitute complex lexemes: single dictionary entries which consists of more than one grammatical or phonological word (395). Ein paralleles Wortpaar als ein zweiwortiges Lexem mit nur einer Bedeutung zu behandeln ist insofern bedeutsam, da sie zu verstehen hilft, wie die Sprecher ritueller Rede ihr linguistisches Repertoire erwerben.

[16] Mit den Begriffen content words und function words definiert Norman Bedeutung und Beteiligung dieser beiden Wortklassen bei der Bildung paralleler Paare (1980:392). Vgl. die Listen paralleler Wortpaare, die Fox für Rote gegeben hat sowie meine eigenen Angaben später im Text, die diese Regel für die Bildung paralleler Paare ebenfalls für Südwesttimor belegen (Fox, 1971:252-255.

[17] Norman, 1980:397.

[18] V.R. Bricker, The ethnographic context of some traditional Mayan speech genre, in: Bauman, R. & J. Sherzer, Explorations in the ethnography of speaking, Cambridge University Press, 1974:368f.

[19] G.H. Gossen, Chamula genres of verbal behavior, in: Paredes, A. und R. Bauman, Toward new perspectives in folklore, Austin, 1972,145-167; ders.:1974, Chamulas in the world of the sun. Time and space in a Maya oral tradition, Cambridge, Mass.; ders. in: Bauman & Sherzer, 1974:389.

[20] Sherzer, ebenda 1974.

[21] Bricker, 1974:369-

[22] Bricker, 1974:370-371. Wie Fox (1974) für die Bildung der parallelen Verse der mündlichen Dichtungen aus Rote beschrieben hat, so komponieren auch die Zinacanteco Maya parallele Wortpaare, die aus einem eigensprachlichen und einem entlehnten Begriff gebildet werden und zwar in der Weise, dass the loan word function as synonymic complemnets for Tzotzil words that may not have Tzotzil synonyms (Bricker, 1974:372-373). Für Rote beschreibt Fox dagegen die Verwendung eines Morphems aus einem benachbarten Dialekt zur Bildung paralleler Paare, d.h. hier werden Dialektkontraste aus Gründen der Dekodierung der Inhalte der rituellen Rede genutzt.

[23] A bewildering number of processes, abstractions, and things can be glossed as k` op, which refers to nearly all forms of verbal behavior, including oral tradition. The term k` op can mean the following: word, language, argument, war, subject, topic, problem, dispute, court case, or traditional verbal lore (Gossen, 1974:394).

[24] Stross, 1974:220-221; s.a. Fox (1974 :83) und seinen Begriff ancestral language sowie Keenans Beschreibung des geschlechtspezifischen Unterschieds zwischen kabary– und sesaka-Stil in Bauman und Sherzer, 1974:141-

[25] Zinacantecos do not explictly classify their speech genres in those terms, but when asked, in the case of each speech genre, which of the two terms best applies, the responses invariably place the formal (or couplet) genres in the ´ancient´ category and the informal genres in the ´recent´ category. By ´ancient´ the Zinacantecos mean that formal genres are traditional in contrast with informal speech which is spontaneous or ´new´ (Bricker, 1974:379). Auf die Analogie zu indirectness (kabary) als angemessene Form ritueller Rede und directness (sesak) als sozial wenig geschätzte Form der Alltagssprache habe ich mit Keenans Untersuchung einer madegassischen Gemeinschaft bereits hingewiesen. Für die Tzeltal Maya s. Stross, 1974:224-225. In ihrer Bewertung verschiedener Weisen der Rede klassifizieren die Tzeltal poko k` op als highly valued,, als benficial to the social order, auf der anderen Seite Klatsch und eine grammatisch schlechte Rede als disvalued und in ihrer Konsequenz threaten the social order.

[26] Diese formale Struktur der Verse bezeichnet Bricker als charakteristisches Merkmal des Zinacanteco-Parallelismus: (…) not only semantically parallel, they are also syntactically parallel. Syntactic parallelism is characteristic of many, but not of all, Zinacanteco couplets. Each of the five verses in question is composed of (1) a frame, part or all of which appears in both lines of the verse, and (2) one or more slots which are filled by pairs of variable elements that complement each other (ebenda, 371). Zinacanteco-Verse mit solchen der Halbinsel Yucatan vergleichend schreibt sie: Yucatec Maya prayers are always semantically, but only rarely syntactically parallel (ebenda, 384).

[27] Dieses Gebet wurde im Rahmen eines Scheingefechtes (mock battle) einer Heilungszeremonie gesprochen, wie sie jedes Jahr zu Weihnachten oder am Neujahrstag stattfindet. Die parallelen Wortpaare kommunizieren eine Sexualsymbolik (bone // muscle, Penis; cave // place, Vagina), die aber erst durch die Handlungen des Heilers eklatant werden, der, während er das Gebet spricht, den Genitalbereich berührt (Bricker, 1974:377-378).

[28] Bricker, 1974:375.

[29] Bricker, 1974:375.

[30] Sprache (als Rede) ist nur einer der Bereiche, den die Chamula mit Hilfe der Hitze-Metapher gliedern und interpretieren (andere sind: rituelle Handlungen, Lebenszyklus, landwirtschaftlicher Zyklus, die Tage und das Jahr, politische Macht, ökonomischer Status). Hitze ist göttlich und ursprünglich und entspringt letztendlich Vater-Sonne, der die (soziale) Ordnung auf der Erde begründete. Er tat dies in vier aufeinanderfolgenden Schritten, aber erst die vierte Schöpfung mündete erfolgreich in die heutige Weltordnung. Ein wesentlicher Aspekt der rituellen Handlungen der Chamula, die sich auf die Sonne beziehen, ist die Rede, die zur Durchführung dieser Rituale verwendet wird. Rituelle Rede, Gebete und Lieder sind mit Metaphern der Hitze durchsetzt, beziehen sich auf den Zusammenhang von Hitze und Kälte, Leben (Fruchtbarkeit) und Tod, Mann und Frau. Language, particulary the oral tradition, is a crucial tool for the defense, continuity, and ritual maintenance of the Fourth Creation. Perhaps the most important trait of language which provides power in Chamula social life is its capacity to express metaphorical heat in controlled predictable cycles (Gossen, 1974:391). Den Unterschied, den Gossen zwischen ritueller Rede und Gebet / Lied macht, basiert auf einer religiösen Unterscheidung hinsichtlich unterschiedlicher Rezipienten der Rede. Prayer is ritual language addressed to supernaturals (…) ritual speech includes all ritual language not directed to supernatural (409-410). Diese Unterteilung ist prinzipiell sinnvoll, da sie den Begriff mündliche Dichtung für die Form beider Redegattungen zulässt. Der Begriff rituelle Rede, der implizit Mündlichkeit unterstellt, kann aus diesem Grund völlig auf die jeweilige Situation bezogen werden, innerhalb welcher mündliche Dichtungen vorgetragen werden, eine Situation, die gleiche Form bei unterschiedlichem Inhalt und Rezipienten gestattet.

[31] Auch hier führt der,von Gossen benutzte, Terminus language in die Irre, da es sich bei den k` op-Gattungen um Redegattungen (speech genre), und dies zeigt gerade Gossen außergewöhnlich detailliert, handelt (1974:395-396).

[32] Textsegment zitiert nach einer von Gossen als court speech bezeichneten Untergattung der Rede mit erhitztem Herzen (1974:401-402).

[33] Gossen, 1974:404.

[34] Gossen, 1974:408.

[35] Gossen, 1974:411.

[36] Gossen, 1974:394.

[37] Was Gossen metaphorical stacking nennt ist nichts anderes als die Verwendung eines durchgehenden kanonischen Parallelismus als dichterisches Stilmittel: the tendency to repeat lines and themes for emphasis, in slightly different form, the greater the repetition, the more crucial the information (1974:399).

[38] Wie Fox, Bricker u.a. fasst auch Gossen die parallele Konstruktion der mündlichen Dichtung der Chamula als dyadic construction auf: These have been recognized cross-culturally as important stylistic devices. These dual or parallel constructions behave as elemantary structures of Chamula formalism (399).

[39] Leslie White, A ceremonial vocabulary among the Pueblos, International Journal American Linguistics 10, 1944:161-167.

[40] White, 1944:163. Oder aber: But, to think of them as archaism only is to overlook a fact of prime importance in Pueblo life: these special words are first and foremost ceremonial terms (ebenda).

[41] White, 1944:161. Vgl. Du Bois, der die Kennzeichnung archaic elements ebenfalls nur unter diesen Vorbehalten verwendet, jedoch anmerkt, dass die emische Überzeugung von der Altertümlichkeit ritueller Rede charakteristisch sei (1986:317) .

[42] Vgl. Fox für Rote und Bricker für Mexiko. Beide weisen darauf hin, dass Lehnworte aus benachbarten Sprachen oder Dialekten für die Bildung paralleler Wortpaare verwendet werden.

[43] White, 1944:167.

[44] Norman, 1980:397.

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