Lasi Ni Neno: Dichtung

Textsegment 1, Vers 1 – 19: Auftakt
Die inhaltliche Gliederung

Textsegment 1 fasst die Verse 1 bis 19 zu einer inhaltlichen Einheit zusammen, die in zwei Themen unterteilt ist:

  • Die Verse 1 bis 14 nehmen nach dem Vorbild der biblischen Legende von der Migration der Söhne Noahs, Ham, Sem und Jafet – deren Nachkommenschaft Afrika, Asien und Europa bevölkerte – zu meiner Anwesenheit in Nai Lete Stellung. L.M. Seo gelang eine äußerst kreative, inhaltlich innovative Gestaltung dieser einleitenden Verse im Rahmen der Migration der Neno-Kanaf aus Molo nach Südamanuban, die ein deutliches Licht auf den improvisatorische Freiheit des aus dem Stegreif komponierenden Dichters-Sprechers wirft, solange dieser sich an die kanonische Form der Dichtung hält. Indem Seo die christliche Legende von den Söhnen Noahs aufgreift, seine eigene Ethnie als Nachkommen Sems, meine Familie und mich als Jafets Nachkommen begreift (V 5 und 6: Yafet in sufan in ka`un in palan in naman in taon in mahonin), entsteht ein kulturell intelligibles Interpretationsschema, das mein Forschungsprojekt mit den Motiven der um ihre ethnische Existenz ringenden Atoin-Meto-Intelligenz auf innige Weise verknüpft. Mit Seos Rückgriff auf den jüngeren Jafet und den älteren Sem entsteht eine soziale und politische jüngerer Bruder-älterer Bruder-Hierarchie (olif-tatif), die eine gemeinsame Abstammung (uf mese) sowie die Möglichkeit und Notwendigkeit der Koopertation legitimiert, die den sozialen Vorrang der Herren des Waldes (nai lamu) als ältere Lineage markiert, und die die Rückkehr des Blüte (sufan) zum Stamm (uf) signalisiert. Die Gleichsetzung des aus dem Westen nach Amanuban kommenden Forschers mit Noahs jüngsten Sohn Jafet, der entsprechend der Legende zur Landnahme nach Westen aufbrach (V 4: pulau bian tasi bian), ordnet die Bedeutung des Historiker-Treffens in Kuan Fatu einerseits in den kulturellen Kontext Westtimors ein. Andererseits entkräftet L.M. Seos dichterische Innovation jeglichen Verdacht des Verrats esoterischen Wissens – Sem und Jafet sind von einem Stamm (uf mese), es ist selbstverständlich, dass sie endlich wieder zusammensitzen, und über ihre Geschichte diskutieren (tokan ma taeuk lek-lekom tatef lek-leok).
  • Mit Vers 15 bis 19 weist M. Seo schon zu Beginn der Erzählung auf die politische Hierarchie Amanubans und auf die politische Abhängigkeit der Herren des Lamu von der Herrschaft der Nope-Allianz in Niki-Niki hin (V 15). Allein ihrer Entscheidung und Großmut verdankt der erstgeborene der Kriegerköpfjäger (der mone nae) Ni Sole Le`u die Herrschaft über den Lamu (V 16).

Die Tonis-Dichtung

1 Lasi neno pinat neon aklahat – au matua kaum mausi kaut au maama kaum [maena kau]
Diese Lasi-Angelegenheit aus unserer gemeinsamen Vergangenheit, Strahlender Himmel, Sonne, du Versengende – ich habe einen Herrn und habe einen Herrscher und habe auch einen Vater und [habe eine Mutter] [1]

[1] Es gibt zwei Anreden:
1. die rituell relevante: Neon Apinat Neon Aklahat für den Uis Banam;
2. die politisch relevante: Tua / Usi sowie die sozial relevante: Ama (Herr und Herrscher) / Ena (Vater und Mutter) für die aristokratische Elite.

2 Neu au tua kenum au uis kenu au am kenum [au en kenu]
Wird berichtet für meine Herren und meine Herrscher, für meine Väter und [für meine Mutter]
3 Taekum tatefat tan mu`i in elnam in otnat in pepnam [in sanum]
Wir treffen hier zusammen und wir versammeln uns hier, besitzen Kontinuität und Dauer, haben einen]Anfang und auch ein [Ende] [2]

[2] Das parallele Wortpaar ela ma ota drückt eine ununterbrochene Abstammung von einem Ursprung metaphorisch aus: eine kontinuierliche Bewegung in die Zukunft. Sowohl ela als auch ota sind botanische Termini, die sich auf das Wachstum von Pflanzen beziehen. In den Tonis-Texten bezeichnen die Dichter-Sprecher mit ihnen prozessuale Verläufe, die darauf verweisen, dass ein sich Prozess in der Zeit fortgesetzt hat, ohne sich von seinem Ursprung zu lösen. Diese Kontinuität macht sich der Dichter-Sprecher in seinen Kompositionen zu nutze, und erinnert daran, dass eine Abstammungslinie, oder eine Geschichte, bis heute nicht abgerissen ist, sondern immer weiter voranschreitet, so wie auch die Pflanze immer weiter wächst.

4 Es hit ama hit ena bi pulau in bianam tasi [in bian]
Sodass unser Vater, unsere Mutter, der von einer anderen Insel stammt, und von einem Meer, [einem anderen]
5 Ni Yafet in sufnam in ka`unet in palnam [in nanam]
Ni Jafets Blüte, sein herabgefallenes Blatt, sein Besitz und [ein Teil von ihm]
6 Taonem [mahonim]
Von seinem Charakter und von seiner [Abstammung]
7 Naletuonam nemat nafoion [nem]
Er machte sich auf den Weg, brach auf und [kam an]
8 Nemat nain in elan in otan ai` naim in pepnem [in sannum]
Kam an, und machte sich auf die Suche nach der Kontinuität und der Dauer, nach dem Anfang und nach [dem Ende]
9 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
10 Nemantia Maemletet Kua Mukem [Bi Taek]
Kam nach Mae und Nai Lete, nach Kua Muke und [Bi Taek]
11 Toknam taeuk lek-lekom tatef [lek-leok]
Sitzt mit uns zusammen und versammelt sich mit uns, wie es sich gehört, trifft uns, [wie es sich gehört]
12 Taketi lek-lekom tatoma [lek-leok]
Sitzt Seite an Seite mit uns, ordentlich, und ist bei uns, [wie es Brauch ist]
13 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
14 Tok-tok neu neno i na taekum tatefat maela maota mapepam [masanu]
Sitzt heute mit uns zusammen, trifft uns und versammelt sich mit uns, die Kontinuität und Dauer besitzen, die einen Anfang haben und [ein Ende]
15 Es Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban, Ni Toi – in neknam in tainat in nopnam [in nanan]
Nämlich mit Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban, Ni Toi – ihr Denken und ihr Entschluss, ihr Fühlen und [ihr Empinden]
16 Es nahakeb mone nae bi Klabnam Tain Lasit Maunum [Nik Nik]
Sodass der Mone Nae sich erhebt, in Klaban und Tain Lasi, in Maunu und [Niki Niki]
17 Tan bi nunuh ina pupnam man bi lete [ina pupun]
Die Spitze des Waringin-Baumes und des Lete-Baumes [Wipfel]
18 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
19 Es matua kaum mausi kaut maama kaum [maena kau]
Ich habe nämlich einen Herrn und einen Herrscher, besitze einen Vater und [eine Mutter]

Textsegment 2, Vers 20 – 57: Die erste Migration: Kusi Pitai und Lili Mata Kbeti
Die inhaltliche Gliederung

Gemeinsam bilden die Verse 20 bis 59 die narrative Einheit des zweiten Textsegments der Neno-Dichtung, die intern in vier Themen gegliedert ist:

  • In den Versen 20 bis 31 berichtet Leni Seo vom Auszug der ersten Neno-Generation aus ihrem Dorf Nunbena im Norden von Molo (heute Kecamatan Molo Utara), um im relativ bevölkerungsarmen Südamanuban, dem weiten und ausgedehnten Land, wie es in der umgangssprachlichen Nacherzählung heißt, einen neuen Zweig der Neno-Lineage zu gründen (V 20: maela maota mapepa masanu). Er erzählt auch von ihrer Ankunft in der Nope-Residenz Niki Niki, Zentralamanuban (V 22 bis 27: Klaban, Tain Lasi, Maunu, Nik-Nik), von den von der Adat vorgeschriebenen Verhandlungen (V 22: kan fun kotim kan non koit fa) und der Erlaubnis des Fürsten (uis) von Banam zur Landnahme im Lamu (V 28 bis 31: natlulu natleka).
  • Die Verse 32 bis 37 überliefern die Begegnung der ersten Neno-Migranten mit den politischen Funktionsträgern (amaf) Kuan Fatus: mit Ton und Finit, mit Babis und Sapai (Mae, Nai Lete, Kua Muke, Bi Taek).
  • Die Bitte um Erlaubnis zur Landnahme in den Grenzen des Territoriums Kuan Fatu, die politisch-territoriale Vereinigung mit Ton und Finit, Babis und Sapai (V 38 bis 43: simo lek-lekom man topu lek-leok), die Zuweisung des Siedlungsraumes durch die Herren Kuan Fatus (V 44 bis 47: sae neu Kele ma Banabas tan Nifu Loi ma Hau Mahatas) sowie die Gründung des Dorfes Tublopo (V 48) überliefern die Verse 38 bis 49.
  • In den Versen 50 bis 59 berichtet Musa Leni Seo von den jährlichen Erntetributen, den die Fürstentümer (Usiftümer) der einzelnen Atoin-Meto-Territorien an die herrschenden Namengruppen des politischen und rituellen Zentrums in Niki Niki entrichten mussten (an Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope oder metaphorisch buni in sufan ma nikis in sufan beziehungsweise koko in anan ma naibate in anan oder lete in pupun nunuh in pupun), um diese, im Tausch für militärischen Schutz, mit Nahrung zu versorgen (V 50 bis 59: nahao ma nafati). Diese Tribute hat auch Neno bei seiner Bitte um Landnahme in Amanuban der Nope-Lineage garantieren müssen (V 33: kan el nale`um man talhai nale`u).

Die Tonis-Dichtung

20 Na` neno i Ni Neno fenam nemat ae maela maota mapepam [masanu]
Und eines Tages machte sich Ni Neno auf den Weg, erwarb sich Kontinuität und Dauer, bekam Anfang und [Ende]
21 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
22 Nemat kan fun kotim kan non koit fa – neno pinat neon [aklahat]
Kam nicht durch die Hintertür, kam auch nicht heimlich an – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
23 Man nao noka Klabnam Tain Lasit Maunum [Nik Nik]
Sondern machte sich auf den Weg nach Klaban und Tain Lasi, nach Maunu und [Niki Niki]
24 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
25 Matua mausi maamam [maena]
Besitzt einen Herrn, einen Herrscher, hat einen Vater und [eine Mutter]
26 Neu Ni Nuban Ni Toi Ni Koli Ni Toli Ni Amu Ni Nope bi nunuh ina pupnam anbi lete [ina pupumn]
Kam zu Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope zur Waringingspitze und zu des Lete-Baums [Wipfel]
27 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
28 Na` natotim natanat ai` anseom nonot nak: Au aim siuk manuanam pasa [manuan]
Dort fragte er nach, dort bat er und bot an, bedachte und sprach: „Ich suche das weite Land und das Buschland, [das Weite!“]
29 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
30 Natlulum natleka – neon apinat neon [aklahat]
Zeige es mir und bestimme es für mich – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende]
31 Nak: Siuf manuanat es Tapnam Tuik Neno pasa manuanat es Tapnam [Tuik Neon]
Und dieser sprach: „Das weite Land ist Tapan Tuik Neno, das ausgedehnte Land ist Tapan und [Tuik Neno]
32 Na` naletuonam nemat nafoionam [nem]
Genau dorthin machte er sich auf den Weg, und dahin brach er auf, und (kam dort an]
33 Kan el nale`um man talhai [nale’u]
Übertrat kein Gebot dabei und verletzte auch keine [Regel]
34 Mone nae bi Maemletet Kua Muke [Bi Taek]
Zum Mone Nae in Mae und Nai Lete, in Kua Muke und [Bi Taek]
35 Nok am fenu keos ha`am moen [ha]
Und zu seinen Würdenträgern, den vier Stieren und den Männer, den [vieren]
36 Es Ton Finit Baibsam [Sapai]
Nämlich Ton und Finit, Babis und [Sapai]
37 Tan simo lek-lekom man topu [lek-leok]
Diese empfingen ihn ordentlich, und nahmen ihn auf, [wie es sich gehört]
38 Na` natotim natana – neno pinat neon [aklahat]
Und er fragte sie und er bat sie – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
39 Nak: aut ninat au ain si`uf manuanam pasa [manuan]
Sprach zu ihnen: „Ich suche das weite Land, bin auf der Suche nach dem Land, dem [ausgedehnten!“]
40 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
41 Es na` natlulu lek-lekom natleke [lek-lekom]
Bis es mir gezeigt wird, wie es dem Brauch entspricht, bis es mir bestimmt wird, [wie es sich gehört]
42 Neon apinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
43 Na` naletuonam nafoionat naub nanam natai [nan]
Und so brach ich auf und machte mich auf den Weg, bis ich zum Bleiben aufgefordert werde, bis ich es einkreisen kann, und es [in Besitz nehmen kann]
44 Noknan sae neu Kelem Banabsat Nifu Loiyam [Hau Mahatas]
Zusammen stiegen sie hinauf nach Kele und Banabas, nach Nifu Loi und [Hau Mahatas]
45 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
46 Nak: Maut hem sen piowan mam sen [kobi]
Sie sprachen: „Nimm dieses Land und pflanze Zwiebeln an und pflanze [Kohl an!“]
45 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
48 Naonan nao neu sonaf Tublopom onan tunonam binem man naeyon [bin]
Er ging und gründete den Palast Tublopo, siedelte sich dort an und blieb [dort]
49 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
50 Okat nabela in neknem in tainat in nopnem [in nanan]
Und er fasste einen Entschluss, äußerte seine Gedanken und seinen Willen, äußerte seine Gefühle und [sein Empfinden]
51 Nak: Hen sen kobiam man sen pio – neno pinat neon [aklahat]
Und sprach: „Denn hier möchte ich Kohl anpflanzen, und hier möchte ich Zwiebeln setzen – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
52 Henaiti kahat kobi nanesam na`afat mustale nanesam [na`af]
Damit mein Kohl Frucht trägt und reif wird, und mein Mustal heranwächst und [reift]
53 Pio nanesam na`afat nai so` nanesam [naaf]
Die Zwiebeln Frucht tragen und reifen, der Nai So` gedeiht und [reift]
54 Na` nasuam naloi he nahaoam nafati koko an em naibate [ana]
Er dies alles auf seinen Kopf nehmen kann, dich ernähren kann und dir Nahrung bringt, Kind der Koko und der Naibate [Kind] [9]

[9] Koko und Naibate sind Metaphern der respektvollen Anrede für den Uis Banam und seine Kinder. Koko ist eine in den Wäldern Amanubans lebende, schwarze Schlange, mit der die Atoin Meto reziproke (freundschaftliche oder verwandtschaftliche) Beziehungen unterhielten. Koko und Saekoko sind Kanaf- oder Akun-Namen, die als Beleg für eine einst existierend Beziehung zu dieser Schlange gewertet werden. Kaun le`u lautet ein anderer, ehrenvoller Name für die Koko, und ist gleichzeitig die Anrede für die Gemahlin (kato) des Uis Banam in ihrem gefürchteten Aspekt. In Noemuti wird der Usif als Usi Koko angeredet, und zwar dann, wenn man seinen erschreckenden, strafenden Aspekt hervorheben will. Die Koko wird als übernatürliches Wesen betrachtet und verehrt. Nicht zuletzt verdankt der die Nope-Dynastie dieser Schlange ihre Herrschaft über Amanuban (s.a. kok mapaku). Frauen, besonders alleinstehende, kinderlose oder Witwen pflegen gute Beziehung zu dieser Schlange, rufen sie, und füttern sie. Von einer Heirat mit der Koko oder einer Metamorphose Mensch-Koko erzählt man sich in Amanuban. Ebenfalls. Die Kinderlosigkeit von Frauen, die mit der Koko-Schlange Umgang pflegen, wird auf eine solche Heirat zurückgeführt. Diese Frauen nennt man auch Kind der Koko (koko in anan).
Die naibate ist nach Y.Ch. Sapay eine große Schlange, die allerdings niemanden anderer zu kennen scheint. Ob es sich bei dieser Bezeichnung um einen esoterischen Namen für den Felspython handelt, sei dahingestellt, denkbar wäre es, da diese Schlange einst, neben dem Krokodil, hoch verehrt wurde (Uis Oe, das Kokodil als Fürst des Wassers; Uis Meto</em, der Felspython als Fürst des trockenen Landes). Ob eine Beziehung zur kbate-Raupe besteht ist ebenfalls ungeklärt.
Nai könnte als Präfix darauf hinweisen, dass es sich um eine respektvolle Anrede für adelige Persönlichkeiten handelt. Bei den benachbarten Tetum bezeichnet Nai den Herrscher. In Südzentraltimor wandelte sich Nai zu Ni beziehungsweise Na, Partikel, die heute zu persönlichen Artikeln vor Eigennamen geworden sind. Nai oder Naif war in der Vor-Niki-Niki-Periode Amanubans eine übliche Anrede für den höchsten politischen Würdenträger, zuerst für Nuban, später für Nope.

55 Ai` buni in sufnam ma nikis [sufan]
Oder der Blüte des Buni und des Nikis [Blüte]
56 Lete ina pupnam nunuh [ina pupun]
Der Lete-Spitze und des Waringinbaums [Wipfel]
57 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]

Textsegment 3, Vers 58 – 62: Der Überfall der Kase Metan und die Zerstörung Tublopos
Die inhaltliche Gliederung

Das kurze Textsegment 3 fasst lediglich fünf Verse zu einer narrativen Einheit zusammen. Die Verse berichten vom Überfall der Kaes Metan und der Zerstörung der jungen Siedlung Tublopo:

  • In Vers 58 erinnert der Dichter-Sprecher an den Überfall der Kaes Metan, der für die neuen Siedler mit einem Fiasko endet, in dem sioe alles verlieren Vers 59 teilt dies dem Uis Banam in absentia mit.
  • Die Verse 60 und 61 berichten vom Untergang der Siedlung Tublopo und dem Scheitern der ersten Migration. Die Verben – senan und kusan, die der Dichter-Sprecher verwendet, sind eine Metapher für die Endgültigkeit, mit der Tublopo verschwindet.

Die Tonis-Dichtung

58 Es ae bolkam kaes metan sasi pan muti tefa tua`am nah nanekum niun [naneku]
Die Kaes Metan kamen aus Sasi Pan Muti, kam Tefa Tua, sie aßen alles auf und tranken [alles aus] [10]

[10] Der sasi pan muti ist ein kleinerer, schwarzer Vogel, an dessen Schnabel beidseitig weiße Lappen hängen. Tefa Tua ist ein Eigenname: Tefa ein in Nordzentraltimor gebräuchlicher Vorname; tua, Herr, eine respektvolle Anrede für höherstehende Personen.
Sasi pan muti ist eine gebräuchliche Metapher für die schwarzen Portugiesen (die Kaes Metan), für die der schwarze Vogel mit den weißen Lappen eine treffende Metapher darstellt, da die Kaes Metan ihre europäische Abstammung nicht verbergen. Tefa Tua könnte eine bestimmte Person sein, vielleicht sogar der Anführer des Überfalls, vielleicht der bezeichnen, möglicherweise aber auch eine andere Bezeichnukng für die Schwarzen Portugiesen.

59 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
60 Semam natena – neno pinat neon [aklahat>
Versunken war nun alles und es wurde still – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
61 Kusan nanekum man senan [naneku]
Vernagelt und verschwunden, begraben und [verschwunden] [11]

[11] Kusan, Nagel, verweist auf die übernommende Gewohnheit die Deckel von hölzernen Särgen kurz vor dem Begräbnis zu vernageln. Diese Aufgabe steht heute dem Atoin Amaf zu. Sena, begraben, ist das parallele Lexem der rituellen Rede (alternativsub nitu</em).

62 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]

Textsegmente 4, Vers 63 -133: Die zweite Migration: Tanesib Neno und Bi Ke`an
Die inhaltliche Gliederung

Textsegment 4 fasst die Verse 63 bis 133 zu einer narrativen Einheit zusammen, die der Landnahme von zwei Mitgliedern der Neno-Kanaf gewidmet ist. Er erzählt von den einzelnen Phasen der Migration, von Begegnungen und von geknüpften Beziehungen:

  • Die Verse 63 bis 77 berichten von weiteren Migrationen, die auf der Suche nach Land Niki Niki erreichen. Als Benu keine Nachricht von der ersten Migration erreicht, brechen andere auf, um nachzuforschen, was aus Kusi Pitai und Lili Mata Kbeti geworden ist. In Niki Niki angekommen, erfuhren sie vom Untergang der Siedlung Tublopo und vom Tod der Bewohner.
  • Vers 78 nennt die Namen einer Frau, Bi Ke`an und eines Mannes Ni Tanesib, beide Kanaf Neno, die zweite Migration in den Lamu repräsentieren. Ihre Auftrag bestand darin, die Siedlung Tublopo neu aufzubauen (Vers 80 und 83). In weiteren Versen () legt der Dichter-Sprecher Zeugnis von dem Weg und den Ereignissen ab, die schließlich zu einer neuen Landnahme der Neno-Kanaf führte. In den Versen 96 bis 99 und 101 werden der Siedlungraum und die dadurch entstehenden Allianzen genannt, die Einheimische und Neuankömmlinge in einer sozialen und politischen Einheit verbindet.
  • Die Verse 110 bis 115 erzählen von Ni Tanesib Nenos Schicksal. Er erhält von den Herren von Kuan Fatu (Vers 114 und 115) erneut das Siedlungsland, das seine Vorgänger bereits bewirtschaftet haben. Auf diese Weise wird der Lehnsherr von Ton und Finit, Babis und Sapai (s.a. die Verse 120 bis 132).
  • In wenigen Versen (116 bis 118) deutet der Dichter-Sprecher an, dass Bi Ke`an Neno sich von Ni Tanesib trennt, und nach Kualin heiratet, und so aus der Überlieferung von Kuan Fatu verschwindet.
  • In den Versen 119 bis 132 geht der Dichter-Sprecher erneut auf Ni Tanesib ein, und berichtet, dass es ihm gelungen ist, in Kele Fuß zu fassen, und dass er mit den Landgebern gute Beziehungen eingegangen ist.

Die Tonis-Dichtung

63 Oktan tia puin nua`am manak [nua]
Bis schließlich die zwei Maiskolben, und die Köpfe [die beiden]
64 Telim natuin tan naom [natuin]
Den gleichen Weg betraten, ihm folgten und aufbrechen, ihm [folgten]
65 Kis-kisom poi neno esam fai`yesat nabela nek kenum tai kenut nop kenum [nan kenu]
Ihn sahen für einen Tag und für eine Nacht, äußerten sie ihre Gedanken und ihren Willen, äußerten ihre Gefühle und [ihr Empfinden]
66 Nak ka nemam bolan kit man poin kit fam bi kua mnasi bael [mnasi]
Und sagten: Sie kommen nicht bis zu uns und erscheinen nicht bei uns, im alten Dorf und am Ort, dem [alten]
67 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
68 Na` nabela sin nek kenum sin tai kenut sin nop kenum [sin nan kenu]
Und sie äußerten ihre Gedanken und ihren Willen, äußerten ihre Gefühle und [ihr Empfinden]
69 Na` antelim natuin tan naom [natuin]
Betraten den Weg und folgten ihnen, machten sich auf den Weg und [folgten nach]
70 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
71 Na` ansen piowam man sen kobiat ae kobiat kan senanam kana mneo nanfa – neno pinat neon [aklahat]
Pflanzten Zwiebeln und pflanzten Kohl, der nicht wuchs und nicht gedieh – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende] [12]

[12] Mneo, gerade. Im Kontext dieses Verses weist mneo auf den nicht wachsenden Kohl hin. Im übertragenem Sinn auch; etwas ereignet sich mit Sicherheit nicht, ist nicht richtig.

72 Ni Nuban Ni Toi Ni Koli Ni Toli Ni Amu Ni Nope kis-kisom neno ha`an tesah tan kis-kisom neno na`an mofu`ah – neno pinat neon [aklahat]
Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope schauten nach Westen, schauten zur untergehenden Sonne – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
73 Es au matua kaum mausi kaut au maama kaum [maena kau]
Zu meinem Herrn und Herrscher, meinem Vater und [meiner Mutter]
74 Ni Neno in elnem in otnat in pepem [in sanum]
Ni Neno’s Wachsen, seine Dauer, sein Anfang und [sein Ende]
75 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
76 Es aub on iyam utaim [on i]
So trage ich es vor, und ich diene [so]
77 Neu au tua kenum au usi kenut au am kenum [au en kenu]
Für meine Herren, und meine Herrscher, meine Väter und [meine Mütter]
78 Ntia Bi Kenam Ni Tanesiab tan telim natuin tan naom [natuin]
Bis dann Bi Ke`an, und Ni Tanesib den gleichen Weg betraten und ihnen folgten, sich auf den Weg machen und [ihnen folgten]
79 Kis-kisom – neno pinat neon [aklahat]
Um sie zu sehen – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
80 Seuntat kana mneo lekom kana mnon [leok]
Um zu ersetzen, was nicht richtig war, was nicht zusammenpasste [gut]
81 Nok neu semnam naten eun tan maet niutnam man nekun – neno pinat neon [aklahat]
Was unterging und still wurde, gestorben und verschwunden ist – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende] [13]

[13] Seman, versinken, untergehen; naten eun, ruhig werden; mate, tot, sterben; nitu, Leiche, im übertragenem Sinn: der Verstrobene als Defunctus.

82 Esna kan tipun fainam kan li`ok [fain]
Sodass sie nicht mehr zurückkehrten, und nicht mehr [zurückkamen]
83 Hen seun apao kuan nenum apao son fenu – neno pinat neon [aklahat]
Sie wollten den Wächter des Dorfes und den Wächter des Hauses ersetzen – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
84 Esna ankis-kiusnam man lin-liunat tan telim natuinat tan naom [natuin]
Und sie sahen ihn und erblickten ihn, betraten ihn und folgten ihnen, machten sich auf den Weg und [folgten ihnen]
85 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
86 Kan el nale`um man talhai [nale`u]
Verletzten keine Norm und übertraten [keine Regeln]
87 Neu Ni Nuban Ni Toi Ni Koli Ni Toli Ni Amu Ni Nope bi Klabnam Tain Lasit Maunum [Nik Nik]
Kamen zu Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope nach Klaban und Tain Lasi, nach Maunu und [Niki Niki]
88 Matua enum mauis enut maam enum [maen eun]
Zu ihren Herren und ihren Herrschern, ihren Väter und [ihren Müttern]
89 Nak aut ninat eon nua lan nua kama huk enum kama noib enut – neno pinat neon [aklahat]
Und sprachen: Ich glaube, es gibt zwei Türen, es gibt zwei Wege ohne Fußabdrücke und ohne Spuren – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
90 Es hai mitenab hai nek kenum hai tai kenut hai nop kenum [hai nan kenu]
Und wir bemerkten, unsere Gedanken und unseren Willen, unser Fühlen und [unser Empfinden]
91 Telim mituin sin tam naom [mituin sin]
Den Weg zu betreten, ihnen zu folgen, uns auf den Weg zu machen, und [ihnen zu folgen]
92 Maut he matua eun kaim mauis eun kait maam eun kaim [maen eun kai]
Mögen wir einen Herrn und einen Herrscher finden, einen Vater und [eine Mutter]
93 Neun tokon et sonaf mem pano me matua kaum mausi kaut maama kaum [maena kau]
In welchem Haus mögen wir wohnen, in welchem Palast – mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [meine Mutter]
94 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
95 Kison ho matmem pene [ho matan]
Wende deinen Blick hierher und blicke mit [deinen Augen]
96 Neu Fatu Pup Molo Tapnam Tuik Nenot Hau Pup Molo Tapnam [Tuik Neon]
Zum Stein mit der gelben Spitze, nach Tapan Tuik Neno, zum Holz mit der gelben Spitze, nach Tapan [Tuik Neno]
97 Man tian Maemletet Kua Mukem [Bi Taek]
Bis hinüber nach Mae und Nai Lete, nach Kua Muke und [Bi Taek]
98 Mone Naeyan tunon nanim man naeyon [nain]
Dort wohnt der Mone Nae, und dort lebt er [nämlich]
99 Nok keos ha`am moen [ha]
Mit den vier Stieren, und den Männern, den [vieren]
100 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
101 Nemantia Maemletet Kua Mukem [Bi Taek]
Sie kamen bis nach Mae und Nai Lete, bis nach Kua Muke und [Bi Taek]
102 Ansium sin lek-lekom man top sin [lek-leok]
Und dort wurden sie empfangen, wie es dem Brauch entsprach, dort wurden sie aufgenommen [wie es ich gehörte]
103 Toit sin lek-lekom natan sin [lek-leok]
Sie fragten was die Adat erfordere und sie baten [wie es dem Brauch entspricht]
104 Nak haim telim mituinat tam naon [mituin]
Und sie sprachen: Wir betraten den Weg und folgten ihnen, und wir machten uns auf den Weg und [folgten ihnen nach]
105 Noib ahun tenum huk [ahunut]
Den früheren Spuren, den Fußabdrücken, den [vergangenen]
106 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
107 Nak aut ninat kobi kama tua ma usi kama paham [kama nama`]
Und sie sprachen: Ich glaube, der Kohl hat keinen Besitzer und keinen Herrn mehr, hat kein Land mehr und [kein Gebiet]
108 Sasi Pan Muti Tefa Tua`am mubolkam Kaes Metan nah naneuk sinim niun [naneuk sin]
Die Sasi Pan Muti, Tefa Tua, erschienen: Die Schwarzen Fremden haben alles aufgegessen und haben es ausgetrunken, [das Ganze]
109 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
110 Na` Ni Nes Nenot tan suban nanekum senan [naneku]
Und Ni Tanesib Neno grub um und säte [aus] [14]

[14] Suban, vergraben, sodass etwas ganz mit Erde bedeckt ist, wie beispielweise der Samen von Pflanzen. Senan, ganz allgemein für (ein-)pflanzen, sodass das Gepflanzte etwas über das Bodenniveau hinausragt (beispielsweise ein Steckling). Kub, etwas zeitweilig eingraben, es mit Erde, Blättern, einem Tuch oder Ähnlichem bedecken, sodass es nicht mehr sichtbar ist.
Nsub, etwas für immer begraben, mit Erde und es nicht mehr hervorholen. Poho, bedecken mit beiden Händen; obe, bedecken mit einem Gegenstand, wie einem Teller, einem Korb oder Ähnlichem. (Ein-)tauchen, mit dem Kopf unter Wasser: nsub oe pinan.

111 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
112 Maut hem itlam saem mam atal [am sae]
Erhob seinen Fuß und stieg hinauf, brach auf um [hinaufzusteigen]
113 Neu kobiam mustalet piowam [nai so`]
Zum Kohl und zum Mustal, zu den Zwiebeln und dem [Nai So`]
114 Es Kelem Banabsat Nifu Loim [Hau Mahatas]
Nach Kele und Banabas, nach Nifu Loi und [Hau Mahatas]
115 Lekam mantia Kelem Banabsat Nifu Loim [Hau Mahatas]
Kommt so nach Kele und Bananas, nach Nifu Loi und [Hau Mahatas]
116 Bi Ke`an natnanan lek-lekom nakesion [lek-leok]
Und auch Bi Ke`an folgt dem Brauch, und nähert sich, [wie es sich gehört]
117 Nekem Kualinat Kualinam [Kua Tae]
Nach Neke und Kualin, Kualin und [Kua Tae]
118 Nensat natua neunam nauis neu nat ona mamat natua neunam nauis [neun]
Bringt den Tribut für ihren Herrn und ihren Herrscher, den Betel für ihren Herrn und Herrscher, [den ihren] [15]

[15] Natuaneun nauis neun, jemand wird als Besitzender, als Herr (tuan) beziehugsweise als Herrscher (usif betrachtet. Folgt dieser Ausdruck einem Gegenstand oder einer Sache, so bedeutet das, dass dieser Gegenstand oder diese Sache jemandem gehört, von jemandem kontrolliert wird.

119 Neno Pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
120 Na` Ni Taniseb tok nabalaham nam auk [nabalah]
Und Ni Taniseb wohnt dort für immer, siedelt [auf ewig]
121 Sen kobi`am mustalat piowam [nai so`]
Pflanzt Kohl und Mustal dort, Zwiebeln und [Nai So´]
122 Henait pio nanes nanam na`af [nan]
Damit die Zwiebelknolle groß wird, damit sie reifen [kann]
123 Kobi nanes nanam na`af [nan]
Der Kohl groß wird und reifen [kann]
124 Tolam nat natat naubam natai Ni Nuban Ni Toi Ni Koli Ni Toli Ni Amu Ni Nope bi Klabnam Tain Lasit Maunum [Nik Nik]
Versammeln sich um ihn und nehmen ihn in die Mitte, Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope in Klaban und Tain Lasi, in Maunu und [Niki Niki]
125 Matua kaum mausi kaut maama kaum [maena kau]
Meinen Herrn und meinen Herrscher, meinen Vater und [meine Mutter]
126 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
127 Esna neno in tunon lek-lekom man naiyon [lek-leok]
Bis heute wohnt er dort, weil es der Brauch so bestimmt hat, siedelt dort, [wie es sich gehört]
128 Nemat am fenu moen haam keos haat puin haam nak [ha]
Unsere Väter kamen, die vier Männer und die vier Stiere, die vier Maiskolben und die Köpfe, [die vier]
129 Ton Finit Baibsam [Sapai]
Ton und Finit, Babis und [Sapai]
130 Naif lek-lekom man faf [lek-leok]
Und sie hoben ihn sehr gut auf ihrem Schoß, und nahmen ihn an als Kind, [wie es Brauch ist]
131 Tanusu lek-lekom man poho [lek-leok]
Bedeckten seinen Leib sehr gut, und hielten ihn in der geschlossenen Hand, [sehr gut] [16]

[16] Tanusu in Süd-Amanuban, oder tanusa anderswo Amanuban, sind Derivate von tanus, beschützen, pflegen, versorgen. Tanusu hier im Sinne von den Körper mit Kleidung bedecken, ihn schützen.

132 Masuik lek-lekom man matol [lek.leok]
Sind sich gegenseitig eine Hilfe und unterstützen sich [sehr gut] [17]

[17] Suki Keil‘, tola, Stock‘ oder Stab repräsentieren metaphorisch sich gegenseitig (unter-) stützen beziehungsweise helfen.. Die sukif ma tolaf sind die Vasallen, die Gefolgschaft eines politischen Herrschers, eine Beamten und Krieger.

133 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]

Textsegment 5, Vers 134 bis 147: Moralische Belehrung der Zuhörer
Die inhaltliche Gliederung

Die Verse 134 bis 147 bilden die Quintessenz der Dichtung von der Migration der Namengruppe Neno nach Südamanuban. In diesem Textsegment fasst der Dichter-Sprecher zusammen, welche Verpflichtugen die gemeisame Geschichte fordert:

  • Die Verse 134 bis 137 enthalten die charaktistische Boten- und Zeugnisformel der rituellen Rede (em>tonis, mit der sich der Dichter-Sprecher an den Usi Banam und die Aristokratie wandte, und um die Glaubwürdigkeit seiner Worte nachsuchte.
  • Die Verse 138 bis 147 klingen wie ein Vermächtnis, in denen der Dichter-Sprecher seine Zuhörer ermahnt, nicht zu vergessen, dass ihre gemeinsamen Überlieferungern, ihre Geschichte, sie einander zu Unterstützung und Gemeinsamkeit verpflichtet.

Die Tonis-Dichtung

134 Es aub on iyam utaim [on i]
So trage ich es vor, und ich diene [so]
135 Ablas on iyam ubhae [on i]
Verschränke meine Arme so, und erwarte die Anordnung [so]
136 Au tua kenum au uis kenut au am kenum [au en kenu]
Meine Herren und meine Herrscher, meine Väter und [meine Mütter]
137 Hit ama hit ena na`ko Nel Panan – natian nen toinat nahinem nen a`net [nahin]
Unser Vater, unsere Mutter aus Nel Panan – mögt ihr meine Rede hören und sie verstehen, meine Worte hören und [sie begreifen]
138 Nok neu neno i taekum tatefat pah Maemletet Kua Mukem Bi Taek maela maotaan mapepam [masanu]
Wegen des heutigen Tages, an dem wir uns versammeln und uns treffen, im Land Mae und Nai Lete, in Kua Muke und Bi Taek, wo es Fortstzung und Dauer gibt, einen Anfang und [ein Ende]
139 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
140 Sukif am tolaf maela maota mapepam [masanu]
Unterstützen und helfen wir uns gegenseitig, haben Fortsetzung und Dauer, haben einen Anfang und [haben ein Ende]
141 Neman onan lonum man saefafot onan popom [nalen]
Kommen um aufzufüllen und zu vermehren, bis zum Rand zu füllen, [um aufzufüllen]
142 Ton Finit Babis Sapai bi ni` in nanan man bi baki [in nanan]
Ton, Finit, Babis, Sapai, am inneren Pfosten und am Zaun, [dem Inneren]
143 Neno pinat nok konif in tuanam in uisnat on maf in tuanem [in usin]
Strahlender Himmel: Mit dem Eckzahn, seinem Herrn und seinem Herrscher, mit der Zunge, seinem Herr und [seinem Herrscher]
144 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
145 Es aub on iyam ubhae [on i]
So trage ich es vor und erwarte die Anordnungen [so]
146 Ablas on iyam ubhae [on i]
Verschränke die Arme so und erwarte die Anordnungen [so]
147 Nok neu afi neno un-unum fai [un-unun]
Und weil einst, in den früheren Tagen und in den Nächten, [den vergangenen]

Textsegment 6, Vers 148 bis 176: Zusammenfassung und Ausklang
Die inhaltliche Gliederung

In seinem letzten Textsegement geht L.M. Seo erneut auf das Ergebnis der verschiedenen Neno-Migrationen in der Lamu ein:

  • In den Versen 148 bis 163 erinnert er an Ni Tanesib und die politischen Allianzen, die er einging, und nennt die Namen realiter (148 und 153) und metaphorisch (156 und 163).
  • Die Metaphern in Vers 156 stehen für die Herren von Kuan Fatu und einen Eidpakt, den Sole und Sapai, als Meo Mone und Meo Feto, vor langer Zeit geschlossen haben. Die unübersetzte Formel in Vers 158 bezieht sich auf eine Sache, die Ni Tanesib als Kompensation für das Land, das er erhielt, oder aber als Zeugnis für den geschlossen Bund angeboten hat.
  • Die Verse 165 bis 176 enthalten eine weitere Mahnung, die Ereignisse der Vergangenheit als ethisches Leitmotiv für die Zukunft zu verstehen.

Die Tonis-Dichtung

148 Nok Ni Utan Ni Poe Ni Mamon Ni Amnekun Ni Fanu Ni Tkeser Ni Sipa Ni Alun Ni Bahan Ni Tain Benan Ni Kono Ni Oematan Ni Babu Ni Bife Ni Mela Ni Manbait bi Molom Meumafot Pai Nenom Oenan – neno pinat neon [aklahat]
Gemeinsam mit Ni Utan, Ni Poe, Ni Mamon, Ni Amnekun, Ni Fanu, Ni Tkeser, Ni Sipa, Ni Alun, Ni Bahan, Ni Tainbenan, Ni Kono, Ni Oematan, Ni Babu, Ni Bifel, Ni Mela, Ni Manbait in Molo und Miomafo, und auch in Pai Neno und Oenan – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
149 Matua kaum mausi kaut maama kaum [maena kau]
Mein Herr und mein Herrscher, mein Vater und [meine Mutter]
150 In neknem in tainet in nopnem [in nanan]
Seine Gedanken und sein Wille, seine Gefühle und [sein Empfinden]
151 Na` anpolin kua mnasi`am bael [mnasi]
Sie ließen das alte Dorf hinter sich zurück, den Ort, [den alten]
152 Na` naletu`onam nemat nafoi`onam [nem]
Brachen auf und kamen an, machten sich auf den Weg und [kamen an]
153 Neman nao Ni Koli Ni Toli Ni Amu Ni Nope Ni Nuban Ni Toi bi Klabnam Tain Lasit Maunum [Nik Nik]
Kamen zu Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban, Ni Toi nach Klaban und Tain Lasi, nach Maunu und [Niki Niki]
154 Na` anlekan lek-lekom man lulun [lek-leok]
Dort zeigte man es ihnen sehr gut, und bestimmte es für sie [der Ordnung gemäß]
155 Nem neu Maemletet Kua Mukem [Bi Taek]
Und sie kamen nach Mae und Nai Lete, nach Kua Muke und [Bi Taek]
156 Nem konif in tuanam in uisnat maf in tuanem [in usin]
Kamen zum Eckzahn, dem Herrn und dem Herrscher, der Zunge, dem Herrn und [dem Herrscher]
157 Na` Ni Neno nabela nanim namautun [nani]
Und Ni Neno legte es nieder, und deponierte [es dort]
158 Naka tol besi Banamam matol tias [banam]
Man sagt: Tol Besi Banam Matol Tias [Banam]
159 In tuanam in uisnat – neno pinat neon [aklahat]
Seinem Herr und seinem Herrscher – Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
160 Na` neno i nabiabon lek-lekom natalbon [lek-leok]
Und heute sind sie sehr gut befreundet, sind leben miteinander [sehr gut] [18]

[18] Nabiabon und natalbon ergänzen sich in ihrer Bedeutung, ohne synonym zu sein. Die Bedeutung von nabiabon/em> konnte ich nicht aufklären. In Frage kommen könnte biaf, Freund, oder bian, die andere Seite. Nabiabon könnte auf ein Paar verweisen, dessen Verhältnis sehr eng oder intim ist. Dieses Paar könnten ein vertrauter Freund, ein Ehepartner, aber auch zwei sozial verbundene Gruppen sein.
Natalbon leitet sich von talan, schließen, ab: sich gegenseitig annähern um sich zu verbinden. Natalbon beduetet auch: übereinstimmend, zueinander gehören.
Das parallele Wortpaar nabiabon / natalbon bringt eine Harmonie, eine Eintracht, zum Ausdruck, die durch die Verbindung eines Paars entsteht, eines Paars, dass gegenseitig füreinander eintritt, sich ergänzt und unterstützt.
Das Schließen von Tür oder Fenster (ek) ist eine einseitige Bewegung, die nur zu einer Seite hin geschieht, während die andere passiv bleibt.

161 On Mone Nae`yan bi Maemletet Kua Mukem [Bi Taek]
Mit dem Mone Nae in Mae und Nai Lete, in Kua Muke und [Bi Taek]
162 On namnon nok namkoa nok kelo kotot on natua neu sinim na`uis [neu sin]
Gut befreundet betrachten sie sich, mit dem Kelo Koto, der ihr Herr ist, der Herrscher [für sie] [19]

[19] Mamnon, Umgang miteinander pflegen, einen sehr engen, sehr vertrauten Umgang, wie ihn Menschen haben, die „Freud und Leid“ miteinander teilen.
Namkoa, ein Lexem des Molo-Dialekt (in Amanuban namkak</em<) ist in diesem Zusammenhang weniger deutlich, und dient dem Zwang zum Parallelismus. Namkoa enthält eine negative Konnotation, meint das neugierige Anstarren mit geöffnetem Mund, ein Verhalten, das in Amanuban als blöde oder dumm aufgefaßt wird.
Kelo koto bezeichnet metaphorisch die Landschaft Lamu in Südamanuban. Ein Kelo koto ist ein Affe (kelo), dessen Fell gescheckt, gemustert (koto, ist, dessen Fellfärbung von der normalen Fellfarbe abweicht.

163 Ai` faif kamnat natua neu sinim na`uis [neu sin]
Dem Faif Kama , der ihr Herr ist und der Herrscher [für sie] [20]

[20] Faif kama, Wildschwein (eigentlich: fafi fui). Die Bedeutung von kama ist ungeklärt. Beide Bezeichnungen, Kelo koto und Fafi kama, sind metaphorisch und stehen für die Landschaft des Lamu.

164 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
165 Es aub on iyam utaim [on i]
So trage ich es vor und erwarte Anordnungen [so]
166 Ablas on iyam ubhae [on i]
Verschränke die Arme so und erwarte Anordnungen [so]
167 Au tua kenum au uis kenut au am kenum [au en kenu]
Meine Herren und meine Herrscher, meine Väter und [meine Mütter]
168 Naiti nu`nam naleta neu tut muni taul [muni]
Möge die Chronik erzählt werden, von der Herkunft früher, damit die Verbindung [in Zukunft]
169 Henait nafilim nabalahat naponim [nabalah]
Bewahrt bleibt für immer, und sie beachtet wird, [dauerhaft]
170 Tutam nabalahat tan talum [nabalah]
Beantwortet wird für immer, und zusammengebunden [auf Dauer]
171 Ina suik munim taul [muni]
Unterstützt wird auch später, und verbunden wird [zukünftig]
172 Naleta suik muni taul [muni]
Weiter erzählt wird von der Unterstützung, von der Fortsetzung [in Zukunft]
173 Neno pinat neon [aklahat]
Strahlender Himmel, Sonne, du [Versengende]
174 Esa ablas on iyam ubhae [on i]
Nämlich so verschränke ich die Arme und erwarte Anordnungen [so]
175 Au tua kenum au uis kenut au am kenum [au en kenu]
Meine Herren und meine Herrschen, meine Väter und [meine Mütter]
176 Naiti nen toinat nahinem man nen a`net [nahin]
Hört meine Rede und versteht sie, hört meine Worte hört [ begreift sie]

Copyright 2011. All Rights Reserved (Texte und Fotografien)

Die Texte der Atoin Meto-Forschungen sind urheberrechtlich geschützt. Die Seiten (Websites) Lasi Ni Neno dürfen nicht kopiert und die Inhalte nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.
Jegliche unautorisierte gewerbliche Nutzung ist untersagt.

%d Bloggern gefällt das: