Lasi Ni Neno:Prosa

Vorbemerkung

Die kanafzentrische, regionalhistorische mündliche Dichtung der Migration der Neno-Namengruppe liegt, wie jede der von mir dokumentierten Dichtungen aus Kuan Fatu, in zwei unterschiedlichen Textsorten vor. Beide Texte wurden anlässlich des Historiker-Seminars in Nai Lete, Kun Fatu (Südamanuban) in der Nacht vom 13. Februar 1992 vorgetragen:

  • die von Leni Musa Sea mündlich improvisierte, aus dem stegreif vorgetragene Tonis-Dichtung;
  • die von Yohan Christian Sapay vorgetragene, umgangssprachliche Erzählung.

Die einzelnen Kapitel der aus dem Uab Meto ins Deutsche übersetzten, prosaisch-umgangssprachlichen Erzählung folgt der Gliederung weitgehend der Tonis-Dichtung. Inhaltlich unterscheiden sich beide Textsorten jedoch, denn in der Dichtung findet sich für die beiden Textsegmente 4 und 6 keine Entsprechung.
Die in den Text integrierten Anmerkungen zu bestimmten Formulierungen oder Inhalten beziehen sich auf die Originalversion von Y.Ch. Sapay, sind also nicht unbedingt der deutschen Übersetzung zu entnehmen. Ihre Funktion besteht darin, die als Sage vorgetragene Überlieferung verständlicher zu machen. Die in Klammern kursiv gesetzten Zitate sind die Formulierungen Sapays aus dem Originaltext.

Textsegment 1, Vers 1 – 19: Auftakt in Molo

Früher, als Ni Neno [1] noch einen Großvater hatte, lebte er in dem Weiler Benu am Fusse des Mutis, im Land Molo, im zentralen Bergland Westtimors. Aber Ni Neno erinnerte sich und schaute hinunter in den Lamu, wo es freies Land (pah) im Überfluss gab, wo er seinen Teil der Siedlungsfläche (nama`) erwerben konnte. Dort konnte sich dann seine Lineage auf eigenständige Weise entfalten (taos), konnte auch seine Nachkommenschaft leben (mahonin). Und dort gab es auch kundige Männer, die Regen rufen und das Land fruchtbar machen konnten. [2]

[1] Der Eigenname Neno ist ein Kanaf-Name und in Molo, darüber hinaus auch in Nordzentraltimor (TTU), weitverbreiteter Name, der als Vorname und als Familienname gebräuchlich ist.

[2] Die vier Termini, pah und nama` sowie taos und mahonin, die dem rituellen Register des Tonis entnommen wurden, benennen Ni Nenos Motivation und Bedürfnis die Migration in den Lamu zu wageb:
Pah, das Land als Heimat und Nama`, einen Anteil an der vorhandenen Siedlungsfläche werden im Tonis als parallele Lexeme verwendet, die beide das Bedürfnis nach neuem Siedlungsland zum Ausdruck bringen.
Taos, Eigenart und Charakter im genetischen Sinn, sowie Mahonin, Abstammung und Nachkommenschaft, bringen bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass mit der Neuerwerbung von Siedlungsfläche, auch die Möglichkeit der Fortsetzung der Lineage möglich wird. Erst die Verbindung von Land, das heißt Gärten, in denen ausreichend Nahrung produziert werden kann, sichert den Fortbestand der Lineage.
Ein tobe ist der Deckel, mit dem das Essen bedeckt wird oder angebotene Gabe gereicht werden. Im Dialekt Nordzentraltimors wird der religiöse Funktionsträger, der für den Regen und die Fruchtbarkeit der Böden zuständig, mit diesem Titel angesprochen. Tobe wird auch in metaphorischer Bedeutung für die beschützende und beschirmende Funktion und Fähigkeit des Usif verwendet. Neben fruchtbarem Land und kontinuierlicher Nachkommenschaft sind Schutz und Akzeptanz der Herrschenden die dritte Voraussetzung für eine friedlichen Existenz.

Textsegment 2, Vers 20 – 57: Die erste Migration – Kusi Pitae und Lili Mata Kbeti

Zuletzt brachen Nai Kius Pitae und Nai Lil Mata Kbeti auf und machten sich auf den Weg nach Süden. Sie kannten die Adat (lasi) und kamen nicht heimlich, und erst recht nicht durch die Hintertür, zu unserem Herrn und Herrscher, zu unserer Mutter und zu unserem Vater Ni Koli, NI Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban und Ni Toi, die in Klaban und Tain Lasi, in Maunu und Niki Niki in ihrem Palast und in ihrer Residenz lebten. Kius Pitae und Lil Mata Kbeti kamen zum Fürst Nope und erwiesen diesem ihren Respekt.
Schließlich fragte sie der Fürst von Banam (Uis Banam): „Wo wollt ihr hin?“
Und sie antworteten ihm höflich, so wie es dem Brauch entsprach: „Wir wollen in den Lamu, ins weite Land.“
Daraufhin erwiderte ihnen der Fürst von Banam: „Wenn ihr in das Gebiet des Lamu wollt, weil eure Väter und Mütter und eure Ahnen dort leben, und damit auch eure Kinder dort leben können, dann werde ich euch dort Land geben. Dann werde ich euch in den geschlossenen Händen halten und euch festhalten, damit ihr ins Land eurer Väter und Mütter kommt. Nämlich zu Ton und Finit, zu Babis und Sapai, nach Mae und Nai Lete, nach Kua Muke und Bi Taek, aber auch zu Tkofa und Leosae, zu Tbet und Patnai, nach Neke und Kualin, nach Kualin und Kua Tae. Wenn es dort weites Land gibt, wenn ihr dort freies Land findet, das ihr roden und bearbeiten könnt, wo ihr Kohl und Mustal, [3] Zwiebel und Nai So` [4] anpflanzen und kultivieren könnt, dass die Zwiebeln groß werden und gut gedeihen, dass der Kohl gut wächst und gedeiht, [5] dann möget ihr mich ernähren und mir Nahrung bringen nach Klaban und Tain Lasi, nach Maunu und Niki Niki.“
Daraufhin erließ der Fürst von Banam den Befehl, die beiden Migranten fest mit den Händen zu umschließen, sie fest in den Händen zu halten, sodass der fruchttragende und samentragende Kohl (kobi in sufan in fuan), das gedeihende und üppig wachsende Mustal-Gemüse (mustal in sufan in fuan), das Beste der Zweibeln (pio in nesan) und das Fett des Nai So`-Gemüses (nai so` in afan) in der geschlossenen Hand gehalten werden können.
Dann machten sich Kius Pitae und Lil Mata Kbeti auf den Weg in den Lamu, übertraten dabei kein Gebot, verletzten auch nicht die Ordnung, bis sie schließlich nach Mae und Nai Lete, nach Kua Muke und Bi Taek kamen. Hierher zog sie ihre Erinnerung, hierin wandten sie ihren Blick.
Unser Herr und unser Herrscher Ni Koli und Ni Toli, Ni Amu und Ni Nope, die hatten es so bestimmt, die hatten es so verfügt.
So kamen die beiden Wanderer zu Ton und Finit, zu Babis und Sapai, zu ihrem Herrn und ihrem Herrscher, zu ihrer Mutter und ihrem Vater. In ihre Hand nahmen sie ein Schmuckstück, einen Silbermond (noni funan mese) und reichten sie an Ton und Finit, an Babis und Sapai mit der Bitte um Land und um See (pah ma nifu; Heimat), um das weite Land und um das freie Land. Unser Herr und unser Herrscher, unsere Mutter und unser Vater erhörte sie und akzeptierte sie. Er bestimmte für sie ihr Land, wies ihnen ihren See an, damit sie dort Kohl und Zwiebel, Musatl und Nai So` anpflanzen konnten.
Ton und Finit, Babis und Sapai, gemeinsam mit ihrem Herrn und ihrem Herrscher, nämlich Ni Sole Le`u, dem großen Krieger-Kopfjäger von Banam (Meo Nae Banam) nahmen den silbernen Mondschmuck (noni funan) an und bewahrten ihn gut. Sie umschlossen Kius Pitai und Lil Mata Kbeti mit ihrer geschlossenen Hand und hielten sie fest.
Sie selbst nahmen Ni Sole Le`u, den Herrn des Lamu, in ihre Mitte. Und der Herr des Lamu erhob den Fuß . . . [6], nach Kele und Banabas, nach Nifu Loi und Hau Mahatas, hin zum weiten Land und zum freien Land, damit sie dort ihre Zwiebeln und ihr Nai So`-Gemüse, ihren Kohl und ihr Mustal-Gemüse anpflanzen können.

[3] Das entlehnte kobis, Kohl (Brassica oleracea), vom Malaiischen kubis abgeleitet, ist dem Molo-Dialekt entnommen; in Amanuban ist kol, dem Niederländischen entlehnt, gebräuchlicher. Von dorther soll Kohl auch ursprünglich nach Westtimor exportiert worden sein.
Mustal ist ein Blattgemüse, vom Aussehen dem Chinakohl vergleichbar, im Geschmack aber viel bitterer.
Pio ist die Sammelbezeichnung für Zwiebeln und Knoblauch, die je nach der Farbe als weiße Zwiebel oder rote Zwiebel bezeichnet werden.
Nai so` ein anderes Blattgemüse, in Aussehen und Geschmack dem Spinat ähnlich (eine Amaranthus-Art).
Dass Neno diese Gemüse im Lamu im relativ trockenen Südamanuban anbauen will, mutet eigenartig an, da die klimatischen Bedingungen höchstens in Molo günstig sind. Besonders Kohl ist hinsichtlich der Wasserversorgung sehr anspruchsvoll. Insgesamt sind diese vier Gemüsesorten wohl importiert, und haben in der Atoin-Meto-Küche keine lange Tradition. Die seit alters her in den Gärten angebauten Gemüsearten sind mehrere Bohnenarten, Erdnüsse, Kürbis- und Gurken. Diese Gemüse können nur kultivert werden, solange der Boden ausreichend Feuchtigkeit enthält, also in der Regenzeit. Heute wird der Gemüseengpaß durch einen systematischen Gemüseanbau in der Trockenzeit verringert. Da diese Pflanzungen künstlich bewässert werden müssen, ist dies aber nur in wenigen Gunstlagen möglich. Die meisten Atoin Meto haben in der Trockenzeit die Möglichkeit, dieses Gemüse, wozu vor allem Kohl gehört, auf den Märkten zu kaufen. Dies scheitert oft an der Bargeldknappheit in den Dörfern, sodass nur der mehrmonatige Verzicht auf Gemüse oder das Sammeln von Pflanzen, wie Tapioka- und Papayablättern in den Gärten, oder das Sammeln von wildwachsendem Gemüse im Wald übrig bleibt. Zu den wildwachsenden, für eine nährstoffreiche Ernährung notwendigen Blattgemüsen zählen: ut manu und ut no`, die Blätter des Chili-Strauches, sowie neonsae. Im Gegensatz zu Tapioka- und Papayablättern werden die Waldgemüse mit Mais vermischt gegessen.

[4] Sen, anpflanzen; bebin, das Vorziehen von Pflanzen in einem Frühbeet, von wo sie später ins Freiland umgepflanzt werden. Im Frühbeet erfahren die Pflanzen eine größere Sorgfalt als denjenigen, die sofort ins Freiland kommen.
In Bezug auf Menschen verwendet man häufig das parallele Wortpaar hao ma fati. Das Verb hao, zu essen geben oder ernähren, fari dagegen weist auf eine außergewöhnliche Situation hin, in der einem Menschen zu essen gegeben wird, er gefüttert wird, weil er durch Krankheit oder Auszehrung selbst dazu nicht mehr in der Lage ist.
Im weitesten Sinne gilt diese Analogie auch für sen ma bebin: überlässt man die ins Freiland ausgesäten Pflanzen sich selbst, so pflegt und umsorgt man die Pflanzen im Frühbeet solange, bis sie kräftig genug sind, sich im Freiland zu behaupten.

[5] Im Originalext heißt es (na-)nesan (na-)afan. Das Substantiv nesan ist die Essenz, der begehrte Inhalt einer Sache oder Person (als Charisma). Mit diesem Begriff bezeichnet man das Beste, den Wert dieser Sache oder der Person. Hier sind es die essbaren Früchte, die Knollen und Wurzeln der Pflanze, die für die menschliche Ernährung bedeutend sind, und die daher als nesan bezeichnet werden. Der parallele Begriff afan, Fett, ist in Bezug auf eine Pflanze ungewöhnlich. Er entspricht eher dem erwünschten Zustand von Schweinen und Rindern. Als parallele Ergänzung eines Wortpaares und in synonymer Weise meint er aber wie nesan die besondere Qualität des später zu erntenden Produkts der landwirtschaftlichen Arbeit, die groß und fett sein soll.

[6] An dieser Stelle ist der Text aus technischen Gründen fragmentarisch, sodass offen bleibt, was der Ni Sole Le`u unternimmt, um nach Kele aufzubrechen. Man kann allerdings davon ausgehen, dass das fehlende Wort das synonym-parallele Lexem von it lenum, gerade in diesem Moment aufbrechen, ist. Der Wortstamm ital verweist auf den vorgesetzten Fuß, während der andere Fuß, obwohl im nächsten Moment vom Boden hochgehoben, diesen noch mit den Zehenspitzen berührt. Ital markiert den ersten Schritt, ohne dass eine Person sich schon von der Stelle bewegt hat. Auf diesen Momentcharakter der Bewegung weist lenum hin. Ein verwandter Begriff ist ite, auf den Zehenspitzen stehen und den Körper nach oben recken.

Textsegment 3, Vers 58 – 62: Der Überfall der Kase Metan und die Zerstörung Tublopos

Lil Mata Kbeti siedelte zusammen mit Nai Kusi Pitae, dem Vater von Ni Mutis Neno, im Lamu. Als Mutis Neno geboren wurde, lebten sie in dem Dorf Tublopo, war Tublopo ihre Siedlung. Die Pfosten ihres Speicher- und Versammlungshauses (lopo) stehen noch heute. Auch den Zaun um den Lopo gibt es noch immer. Auch der Zaun um das Haus steht noch immer dort, und auch ihr Dorf gibt es noch.
In Tublopo lebten sie, versammelten sich und bewahrten dort ihre Adat. [7] Schließlich brach der wilde Feind herein, schlich in die Siedlung und kam herein. Und auch der wilde Stier schlich sich heimlich an und kam herein. Die man die schwarzen Fremden nannte, brachen auf und machten sich auf den Weg, folgten ihren Spuren. Sie kamen aus Tnan Kelo und aus Noemuti, kamen aus Teti, Ablo Mathai Neno und Bi Toi. Sie folgten ihren Spuren und griffen sie in Tublopo an, sodass Kius Pitai und Lil Mata Kbeti die Flucht ergriffen, ihren Besitz nahmen und ihre Kinder.
Auch Ni Mutis Neno und seine Frauen ergriffen die Flucht, flohen und versteckten sich auf dem Hügel Tuik Neno. Ni Lili Mata Kbeti und Ni Kusi Pitae waren schon tot. Dort blieben sie zurück, bis zuletzt ihr Kind, Ni Muit Neno, hinging und auf dem Gipfel des Hügels eine Festung (uat) errichtete. Niemand wusste, ob der wilde Feind und der schwarze Stier wieder zurückkamen, um sie auf dem Tuik Neno anzugreifen.

[7] Wenn vom Bewahren der Adat die Rede ist, so meint der Erzähler damit, dass die Rechstnormen und die konventionelle Etikette, also die guten Sitten und die erwartete Höflichkeit, gewahrt werden. Die Vorschriften der Adat garantieren ein friedliches und gerechtetes Zusammenleben der Gemeinschaft.
Manauk-manaukan bedeutet: sich gegenseitig mit dem Akun-Namen ansprechen.
Mit der Ankunft der Kaes Metan wurde diese Ordnung zerstört wurde.

Textsegment 4, Vers 63 -77: Muti Nenos Sieg am Tapan

Daraufhin rollten die Frauen ihr Gold und ihre Perlen, ihre Armbänder und ihr Silber, ihre Teller und ihre Kessel in Hüfttücher ein (mau und tais). Und die Frauen befahlen den Dienern nach Koa Tenu zu gehen, um Ni Muti Neno abzuholen.
Sie sprachen zu ihm: „Wir tragen dich auf den Schultern, da der Feind kam, uns besiegt und den Palast zerstört hat. Solange, bis dein Vater Ni Kusi und bis Ni Lil gestorben sind. Die schwarzen Fremden haben unsere Kleider und unser Gold gestohlen, und sind in ihr Land nach Neomuti, zurückgekehrt.“
Zur gleichen Zeit beteten die Frauen und riefen das Land an, teilten ihr Leid und ihre Not dem Tapan und dem Tuik Neno mit. Bis schließlich der Tapan und der Tuik Neno ihre Armeen sandten, [8] bis sie den Blutegel, die Hornisse und die Wespe schickten. [9]
Und die Wespe stach tot, die Hornisse stach tot und der Blutegel biss tot, denn die schwarzen Fremden kamen zurück, kamen wieder um zu töten. Ni Neno schickte ihnen sein Heer entgegen, nämlich die Hornissen, die Blutegel und die Wespen. Und die Hornissen vertrieben die schwarzen Fremden, jagten sie vor sich her und ließen erst in Mnela Anen von ihnen ab.
Als die Schlacht gewonnen war, betete Ni Neno und sandte das Heer zurück, sandte seine Diener (in opas), [10] die Wespe, die Hornisse und den Blutegel, zurück zum Tapan, zurück zum Tuik Neno. Und Ni Muti Nenos Herz war von Bitterkeit erfüllt. [11]
Er brachte seine Frau und seine Kinder, nahm seine Hennen und seine Hähne, all die Dinge, die die Fremden nicht gestohlen hatten, nahm er mit sich und ging hinunter nach Kuan Bi Musu. Er stieg hinab nach Kobe Nai Pasi und folgte dem Lauf den Nai Nono, bog schließlich nach links ab. Er kam so zu einem großen Felsen mit einen Höhle an dessen Fuß, wohin er zuletzt abbog. Im Inneren der Höhle versteckten sie sich alle, brachten all ihre Kleider hinein, alle Teller und alle Löffel, alle Hühner und irdenen Gefäße. [12] In dieser Höhle, in diesem Loch im Felsen, legten sie sich zur Ruhe nieder. Als sie erwachten, hatte sich der Eingang in den Felsen geschlossen. Die Hähne krähten, [13] und wollten hinaus, kamen aber nicht hinaus, denn der Fels hatte sich ohne einen Spalt geschlossen. Den Felsen nennt man bis heute Nenos Felsen (Fatu Ni Neno), das Wasser an seinem Fuß, Nenos Quelle (Oe Ni Neno). [14]
Der Fürst von Banam (uis amnanut) hörte von Ni Nenos Schicksal, hatte gesehen, wie er Zwiebel anpflanzte, den Kohl und das Mustal-Gemüse kultivierte, damit sie Frucht tragen und zahlreich werden. Und nun sah er und erblickte, dass der Weg verschlossen und versperrt war, sah dass die Adat zerstört und verletzt war, und dass das Ende gekommen war. [15]

[8] Im Originaltext spricht Sapay von solalus, und meint damit Soldat. Solalus ist eine Entlehung aus dem malaiischen, die lautliche Anpassung von serdadu an das Uab Meto. Der indigene Terminus ist meo, der aber auch das Heer bezeichnet.
In der Nähe von Niki Niki gibt es eine Wasserstelle, die Oe Solalus genannt wird, weil sie im zweiten Weltkrieg von den Japanern, die in Niki Niki stationiert waren, für ihre Zwecke monopolisiert wurde.

[9] Oin babu ist ein, der Hornisse ähnliches, schwarzes Insekt, dessen Stich äußert schmerzhaft ist. Dieses Insekt ist ein Einzelgänger, nicht staatenbildend, und lebt nur zeitweise mit einem Weibchen in einem kleinen Stock zusammen.

[10] Opas bezeichnet einen Dienstboten. Im Kontext der vorliegenden Erzählung handelt es sich um kaun opas, um bösartige Insekten, die eine Königin ernähren und ein organisiertes Staatswesen unterhalten (Soldaten).

[11] Mit in nekan namle`u beschreibt der Erzähler den emotionalen Zustand von Ni Neno, dessen Herz (nekan) von Reue und Vorwürfen gequält wird (namle`u), da er die ihm anvertrauten Menschen und deren Besitz nicht vor den Kaes Metan schützen konnte.

[12] Mit in die Höhle gebracht wurde auch aba teme, noch nicht entkernte, frisch vom Strauch gepflückte Baumwolle (abas, Baumwolle; teme, unversehrt, intakt; jungfräulich. Auf gar keinen Fall, so die Atoin Meto, dürfe Aba teme in eine Höhle mitgenommen werden. Verstösst jemand gegen dieses Gebot, so schließt sich die Höhle mit Sicherheit hinter ihm.
Eine Erklärung für diese Überzeugung ist nicht unmittelbar, und erschließt sich auch nicht sofort. Die Brücke, die die Atoin Meto zwischen der noch nicht entkernten Baumwolle und der sich schließenden Höhle herstellen, vermittelt das Attribut teme: Das Verb natem bedeutet wieder intakt werden oder wieder in den unversehrten Zustand zurückkehren. Die Unversehrtheit der Baumwolle kontrastiert die Versehrtheit des Felsens durch eine Höhle. Die Frage, die bleibt, ist folgende: Warum ist es gerade die Baumwolle, die die Höhle schließt? Warum nicht die Jungfrau, die im Uab Meto als ao teme, unversehrter Körper, bezeichnet wird, und die eine Höhle ohne Angst betreten kann. Trotzdem: eine sexuelle Konnotation drängt sich auf.

[13] Das Krähen von Hähnen bezeichnet das Uab Meto als kokleo. Andere Begriffe für die Stimmen von Hühnern sind: kokoe, das typische Gackern einer Henne, bevor sie ein Ei legt, sokateo, ihr Gackern nachdem sie ein Ei gelegt hat. Das Gackern der Junghühner heißt kikio.

[14] Der Name Stein (fatu) und Quelle (oe) Ni Neno für diesen Ort ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich hier um den Ursprungsort (auch fatun) einer Kanaf handelt, den Ritualort für diese Gemeinschaft, der in ihrer Geschichte zu allererst besiedelt wurde. Fatu Ni Neno und Oe Ni Neno ist der Ort, an dem vereinte Namengruppe Neno als der Groß-Klan (kanaf, wie ein Name) ihre Rituale zelebriert.

[15] Mit el batan bezeichnet der Erzähler hier die Übertretung der Adat. Ele, übertreten, überspringen; batan, ein kleiner, etwas höher als das Bodenniveau liegender Weg, ein Deichweg zwischen Reisfeldern.

Textsegment 5, ab Vers 78: Die zweite Migration – Tanesib Neno und Bi Ke`an

Ni Tanesib und seine Schwester Bi Ke`an (auch Bi Ke Neno) lebten in ihrem Dorf und ihrem Land, nämlich in Benu. Sie dachten und erinnerten sich an Ni Lil Mata Kbeti und an Ni Kusi, die vorausgegangen waren in den Lamu. Inzwischen trug man sie dort schon auf dem Rücken, waren ihre Pflanzungen schon zahlreich und trugen reiche Frucht. Sie hatten sich dort wohl schon fortgepflanzt und viele Kinder gezeugt. [16]
So brachen auch Ni Tanesib und Bi Ke`an eines Tages schließlich auf, um sie zu suchen. Sie folgten den Fußabdrücken und den Fußspuren, und kamen zum Fürsten von Banam. Sie baten ihn und befrugen ihn, über frühere Zeiten, fragten nach Ni Lil und Ni Kusi, worüber sie mit ihm geredet hatten, welchen Weg sie eingeschlagen hatten. Der Fürst von Banam sollte ihnen den richtigen Weg weisen, ihnen den Pfad zeigen, damit sie nicht falsch gingen und vom rechten Weg abkamen. Damit sie sich nicht im Unterholz der Bäume verfingen, sondern entlang der kleinen Sträucher sicher gingen. [17] Um durch die anständige Tür (eno mnutu) zu gehen, und um dem höflichen Weg (lanan mnutu) zu folgen, um endlich bei ihren Großvätern Ni Lil und Ni Kusi anzukommen.
Bi Ke`an und Ni Tanesib kamen bis in das Land Mae und Nai Lete, Kua Muke und Bi Taek, trafen auf Ton und Finit, auf Babis und Sapai. Die Herren des Lamu, die Krieger-Kopfjäger des Lamu, teilten ihnen mit was geschehen war, berichteten ihnen davon, und zeigten ihnen das Land und erklärten es ihnen.
Sie sprachen: „Wir glauben der Kohl und das Mustal-Gemüse, die Zwiebeln und das Nai So`-Gemüse, sie befinden sich noch dort und sie wachsen dort noch, nämlich in Kele und Banabas, und auch in Niuf Loi und Hau Mahatas. Die wilden Fremden kamen hereingeschlichen und traten ein, die wilden Fremden sind hierhergekommen und hereingekommen, sodass Ni Lili und Ni Kusi versanken und abgeschüttelt wurden, gestorben sind sie und nicht mehr hier. Ihren Sohn Ni Muti Neno schloß der Felsen ein, sodass auch er starb. Untergegangen sind sie, abgeschüttelt wurden sie.“
Dann zeigten ihnen Ton und Finit, und auch Babis und Sapai, wo die Zwiebeln wuchsen und kultiviert wurden, wo das Mustal-Gemüse gepflanzt und gepflegt wurde. Sie forderten sie auf, mit ihnen hinaufzusteigen nach Kele und Banabas. Und sie schickten Boten nach Neke und Kualin, nach Kualin und Kua Tae, zu Ni Tkofa und Ni Leosae, und auch zu Ni Tbet und Ni Patnai, die sich gleich auf den Weg machten und aufbrachen, [18] hinauf nach Kele und Banabas, nach Niuf Loi und Hau Mahatas.
Und Ni Tanesib und Bi Ke`an siedelten dort und errichteten ihre Siedlung dort, bekräftigten und versprachen die Adat zu bewahren. Durch Bi Ke`an und Ni Tanesib wuchsen die Zwiebeln und Nai So` wieder, pflanzte man erneut Kohl und Mustal-Gemüse an, [19] dort in Kele und Banabas, in Niuf Loi und Hau Mahatas.
An den folgenden Tagen und in den folgenden Nächten zeigten und bestimmten Ni Toni und Ni Sole ihnen ihr Land, zeigten und bestimmten sie ihnen ihre Heimat, teilten sie den Boden für sie auf und teilten das Land für sie ein.
Und Bi Ke`an heiratete Ni Toni, ging mit ihm auf die andere Seite des Hügels, verschwand mit ihm auf die andere Seite der Anhöhe, [20] um die Arekapalme zu beschützen und die Kokospalme zu pflegen, [21] in Neke und Kualin, in Kualin und Kua Tae.
Ni Tanesib aber blieb und siedelte, am Ort des Kohls und des Mustal-Gemüses, am Platz der Zwiebeln und des Nai So`, in Kele und Banabas, in Niuf Loi und Hau Mahatas. Ni Tanesib blieb kinderlos, in den Tagen, die da kamen. Er zeugte keine Kinder und pflanzte sich nicht fort, wurde kein Ursprung und keine Wurzel (ka maun ka matunaf). Er lebte dort, bis er zurückging, zurück zum Mutis und nach Babnain, nach Molo und Miomafo, bis zum Noe Labet. Dort wurde er krank, bekam Fieber und Kopfschmerzen, litt unter Husten und Schnupfen. Schließlich starb Ni Tanesib und seine Leiche wurde in Noe Labet begraben.

[16] Nanes nanan na`af nanan / nahoin nanan nataobon nanan im Originalext bringen die Hoffnung zum Ausdruck, dass es den Migranten im Lanu inzwischen gut geht, sie reiche Ernte und viele Kinder haben. Die Lexeme nan oder nanan folgen immer dann dem Verb, wenn sich etwas schon ereignet hat, etwas schon durchgeführt wurde.
Nan(an) kann auch nehmen bedeuten.

[17] Der Wortstamm bua besitzt mehrere Bedeutungen:

  • Das Verb nabua, sich zusammenballen, sich klumpen. In Amanuban gibt es kleine Wäldchen, die aus Sträuchern und kleineren Bäumen bestehen. Die Sträucher und Pflanzen stehen dort so eng, dass sie mit Schlingpflanzen und Lianen, die auf ihnen schmarotzen, ein fast undruchdringliches Dickicht bilden. Durch diese kleinen Wäldchen zu gehen ist mühsam und gefährlich. Mühsam, da man sich durch das dichte Pflanzengewirr und Unterholz drängen muss, gefährlich, da diese Wäldchen der bevorzugte Aufenthaltsort von großen Schlangen wie dem Felspython (luiksae) und der Koko-Schlange sind. Hirsche (lus) wurden auf der Jagd bevorzugt in diese Wäldchen gehetzt, da sie sich dort mit ihren Hörnern verfingen und für den Jäger eine leichte Beute wurden. Andererseits finden Wildschweine (fafi fui), ihrer geringen Körperfülle wegen, dort Zuflucht vor ihren Verfolgern.
  • Bua ist auch eine Bezeichnung für die in Astgabel und Astursprung wachsenden Orchideen. Diese Orchideen umgeben diese Stellen, sodass es schwierig wird, den Baum zu besteigen. Die mit Orchideen bewachsenen Aststellen sind bevorzugte Orte für Vogelnester. Das Uab Meto kennt noch einen anderen Namen für die Orchidee, tope. Erst wenn sich mehrere Orchideen an einer Stelle befinden, diese verengen und schwer passierbar machen, verwendet man bua.
  • Die eng zusammenliegenden Palmfasern der Arenpalme bezeichnet man als bua nao. Der Wortstamm bua dient auch in diesem Fall der Bezeichnung der Beengung. Im übertragenen Sinn meint man damit die verfilzten Haare.
    Indem Ni Tanesib und Bi Ke`an den Usif Banam in Niki Niki aufsuchen, halten sie die Vorschriften der Adat ein. Sie beabsichtigen sich unter den Schutz des Usif zu stellen, um auf ihrem Weg durch Amanuban nicht in Bedrängnis oder in unkalkulierbare Gefahren zu geraten. Sie wählen mit ihrem Verhalten den leichten Weg, durch die gut überschaubare Buschsavanne, an den kleinen Bäumen (hau anah) vorbei. Sie sind bemüht, das unübersichtliche, bua>/em> genannte Gelände vermeiden.

[18] Im Originaltext heißt es ital nem ma atal nem. Die Bedeutung von ital habe ich bereits oben erläutert Atal scheint eine durch die Forderung der Tonis-Dichtung nach parallelen Wortpaaren entstandener Begriff zu sein: ital / atal. Semantisch sind beide Lexeme identisch, sie unterscheiden sich nur in ihrer Form.
Als austronesische Sprache kennt die Bahasa Indonesiea viele Beispiele solcher Wortveränderungen: kasak-kusuk, Geflüster, in Bezug auf Angelegenheiten, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen; hiruk-pikuk, durcheinander lärmemder Tumult oder hilir-mudik, hin- und hergehen und so weiter.

[19] Im Original verwendet Y.Ch. Sapay das parallele Paar nahakeb / namni. Während nahakeb, sich aufrichten, sich aufstellen, einen abgeschlossen Prozess bezeichnet, ist der Prozess des sich Aufrichtens mit namni noch nicht beendet: eine Person steht mit gebeugten Knien, die Hände berühren stützend den Boden.

[20] Enib, umdrehen, im Sinne von auf den Kopf stellen. Wenn Bi Ke`an mit Ni Toni über den Hügel auf die andere Seite steigt, entzieht sie sich, sobald sie den Gipfel überquert hat, dem Blick des Hinterherschauenden.

[21]Puah tolo oder noah tolo, die gerade aus dem Boden hervorgekommene Pflanze. Im Gegensatz dazu: puah tunan die junge Pflanze, bei der die ersten Blätter sprossen.

Textsegment 6, ohne Verskorrespondenz: Die dritte Migration – Natu Neno und Nubai Neno

Und dann kamen Ni Naut Neno und Ni Nubai Neno. Sie sahen den Weg, der verschlossen und versperrt war, sie erblickten die Tür, die geschlossen und verriegelt war. Sie kamen und folgten den Spuren und den Fußabdrücken ihrer Väter. So kamen sie auch zu unserem Herrn und unserem Herrscher, unserer Mutter und unserem Vater. Sie baten ihn und sie frugen ihn, nach den zwei früheren Wegen und den zwei vergangenen Malen, fragten nach Ni Kusi und Ni Lili, erkundigten sich nach Ni Tanesib und Bi Ke`an, von denen sie in Benu nichts mehr gehört hatten, von denen keine Nachricht kam. Sie wollten ihren Spuren folgen, beabsichtigten in ihre Fußstapfen zu treten, wollten sehen, ob sie gut wohnten und ob sie sich gut angesiedelt hatten, an ihrem Ort und in ihrem Weiler. Dies wollten sie hören, darüber wollten sie etwas erfahren. Und der Fürst von Banam (uis amnanut) wies auch ihnen den Weg und zeigte ihnen die Fährte.
Und schließlich brachen sie auf, machten sich auf den Weg, bis hinunter nach Mae und Nai Lete, nach Kua Muke und Bi Taek, zu Ton und Finit, zu Babis und Sapai. Dort trafen die Migranten sie, begegneten ihnen, gemeinsam mit ihrem Herrn und ihrem Herrscher, nämlich Ni Sole Le`u. Die Herren des Lamu, die Krieger-Kopfjäger des Lamu, zeigten Ni Natu den Ort und wiesen Ni Nubai den Weg, den Pfad nach Kele und Banabas, nach Niuf Loi und Hau Mahatas.
Der eine Maiskolben und der Kopf, der eine, nämlich Ni Nubai, kehrte um und ging zurück, ging hinunter und stieg hinab, ging nach Kiu in Noen, ging nach Linah in Noen, nämlich nach Sunam und Niuf Usi, nach Kiu Lai und Oe Biuk. Der ältere aber, Ni Natu, wurde Ursprung und Wurzel, trug Blüten und brachte Nachkommen hervor, ältere und jüngere, nämlich Ni Neno, Ni Neno Usi, den älteren, Ni Neno Besi den mittleren und die beiden jüngsten, Ni Neno Pa`e und Ni Neno . . . [22]
Die vier Maiskolben und die vier Köpfe begründen Ni Nenos Namen und Ruf, seinen fafi iukan ma konat tai nonom ua sisin, [23] hängen herab und hängen an Ni Nenos oef ma so`it, verbinden sich mit ihm bis zum heutigen Tag, bis zur heutigen Nacht, sodass das Land Neke und Kualin, Kualin und Kua Tae, gefüllt und angefüllt ist mit Ni Nenos pah nama` taon mahonis. [24]
Und auch das Land Mae und Nai Lete, der See Kua Muke und Bi Taek, wurde angefüllt und gefüllt. [25] Und auch Ton und Finit, Babis und Sapai tragen Ni Nenos in nenu in pah in nama` in tao in mahonin auf ihrem Rücken.

[22] Der Originalext ist an dieser Stelle aus technischen Gründen fragmentarisch, sodass der Name des jüngsten Neno vorerst noch unbekannt bleibt ist.

[23] Fafi iuk ma konat, der Teil des geschlachteten Schweines, der für eine sozial hochstehende Person bestimmt ist (fafi iuk, Schweineschwanz mit den Haaren). Dieser Anteil enthält außerdem das Fleisch, dass die Wirbelsäule des Tieres umgibt.
Als tain nonon bezeichnet man den Anteil des geschlachteten Tiers, der den Ahnen zusteht. Dazu zählen alle Teile vom Unterkiefer abwärts bis zum Darm.
Ua sisin bezeichnet fast den gleichen Teil des geschlachteten Tieres, der oben faif iuk genannt wurde, jetzt aber den unteren Rücken (uat, Muskel, Sehne, Ader; sisi, Fleisch). Bei diesen Teilen handelt es sich um die beiden großen Muskelpartien, die im Uab Meto auch keot genannt werden.
Bei oef (Hahnenfedern, die auf einem Kreuz vorne an der Stirn getragen wurden; oe maun fanu) und so`it (Haarkamm aus Büffelhorn, mit dem Haar auf dem Hinterkopf zu einem Knoten zusammengefasst wurde) handelt es sich um Bestandteile der Atoin-Meto-Tracht, die vom Adel oder den Krieger-Kopfjägern als Kopfschmuck getragen wurden.

[24] Die beiden parallelen Wortpaare pah / nama` // taon / mahonis wurden schon oben erläutert. Der Erzähler verwendet auch in seinem Prosa-Text diese Paare aus dem Register der rituellen Rede (tonis), da sie für das Ergebnis der Ansiedlung der Neno-Kanaf im Lamu fundamental sind. Die Migranten aus Molo bringen diese Qualitäten mit, sie bereichern das Leben der vor ihnen gekommenen, sie sind willkommen.

[25] Name`me`o, so viel und so schnell essen, bis man satt, vom Essen aber kurzatmig geworden ist.

Textsegment 7, Verse 148 – 163: Ni Nenos Territorium – Das Land zwischen Ni Sole und Ni Toni

Ni Ton aber hatte einen eigenen Willen, fasste seinen eigenen Entschluss. Und auch Ni Babis hatte einen eigenen Willen und fasste seinen eigenen Entschluss, und sie sprachen:
„Nun gut, wir siedeln Ni Neno in Kele und Banabas an, befestigen ihn in Niuf Loi und Hau Mahatas, auf dem Gipfel des Hügels und auf der Spitze der Anhöhe. Dann kann er von Ni Tonis Land essen, von Neke und Kualin, und Kualin und Kua Tae, kann ebenso gut von Mae und Nai Lete, von Kua Muke und Bi Taek, nämlich von Ton und Finit, von Babis und Sapai, essen. Möge es so gut sein.“

Textsegment 8, Verse 134 -147 sowie 168 – 176: Die moralische Belehrung der Zuhörer

So lautet die Überlieferung der Ankunft Ni Nenos im Lamu, der Bericht über die drei Migrationen, und über die Rolle, die Ton und Finit, Babis und Sapai, zusammen mit Ni Tkofa und Ni Leosae, mit Ni Tbet und Ni Patnai, mit ihren Herren und mit ihren Herrscher, Ni Toni und Ni Sole, dabei spielten.
Dies alles ereignete sich in Mae und Nai Lete, in Kua Muke und Bi Taek, und auch Neke und Kualin, in Kualin und Kua Tae. Dort wurde Ni Neno auf dem Rücken getragen, wurde er auf den Schoß gehoben, vom ersten über das zweite Mal bis heute.
Erinnert euch noch in den kommenden Generationen daran. [26] Möge die Nadel fortwährend eingestochen, der Faden fortwährend durchgezogen werden, damit wir und Ni Neno uns achten, damit Ni Neno kein Verdruss erwächst und damit wir ihn nicht loslassen. [27]
Früher hatten wir unsere eigenen Gedanken, hatten unsere eigenen Gefühle, unseren eigenen Willen und unser eigenes Empfinden. Unser Herr und unser Herrscher, der große Krieger-Kopfjäger, nämlich Ni Sole Le`u, nahm Ni Neno auf, sodass er bei uns siedeln konnte, seine Adat bewahren konnte. Wir verbanden uns mit ihm, und wir lebten mit ihm zusammen auf dem Gipfel des Hügels, auf der Spitze der Anhöhe.

[26] Das parallele Wortpaar tun muni / taul muni übermittelt folgende Bedeutung: tunas muni, der neue, noch potentielle Spross einer Pflanze; taul muni, eine neue Fortsetzung (Verbindung). Gemeinsam verweist diese Formulierung auf die nächste, die kommende Generation.
Alternativ: tutus muni / talus muni, was zuletzt gepflanzt wird, was danach gepflanzt wird.

[27] Lisan ma akal, das meist verwendete, parallele Wortpaar zur Bezeichung eines tadelswertes, schlechtes Verhalten. Lisan, Charakter oder Verhalten wird negativ verstanden. Die Ergänzung akal, Strafe oder Züchtigung, fügt dem Verhalten die Handlung hinzu.
Lisan in Verbindung mit einem Personalpronomen, in lisan, gilt als neutral oder ohne Bewertung des Verhaltens, aufzufassen.

Verehrte Väter, [28] ich, der ich dies erzählt habe, dies Ereignisse weitergebe, heiße Yohan Christian Sapay. Erinnert euch an meine Worte, damit wir ebenso handeln, bedenkt, was ich euch berichtete und für euch bewahre.

[27] Amfini, der Plural von amaf, so wie ein Vater sein (ama, der biologische Vater; ama=f, ein politischer Funktionsträger; am=fini, die ehrenwerten Väter). Y.Ch. Sapay wendet sich mit diesem Titel an die am Historiker-Seminar teilnehmenden Amaf aus Kuan Fatu und Kualin.

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