Makenat Kolo Banunaek: Dichtung

Die Errichtung des Sona Bnao und die Berufung der vier Meo Naek Banam

Die Kopfjagd, die Y.Ch. Sapay in der nachfolgenden Tonis-Dichtung überliefert, und die für die Errichtung des Sona bnao von Tubani Nope durchgeführt werden musste, richtete sich gegen den Usif Kolo Banunaek in Nunkolo, Südamanatun.

Tubani Nope befand sich im Krieg gegen Kolo Banunaek, um sein Territorium weiter nach Südwesten zu vergrößern. Das vorindonesische Banam war damals noch kein eigenständiges Usiftum, sondern Nope führte noch die Kriege, die der Gründung von Banam vorausgingen. In den Überlieferungen der Kuan-Fatu-Chronik ist der Banunaek-Krieg (maekat Banunaek), nach dem Abi Loemnanu-Krieg, die zweite militärische Auseinandersetzung zur Gründung Banams. Nopes Anliegen war es, die seit alter Zeit bestehenden Grenzen zu Ungunsten von Banunaek weiter nach Osten und Süden zu verschieben.

Y.Ch. Sapay berichtet, dass Tubani Nope den überdimensionalen Lopo, den Sona bnao, wirklich errichten ließ. Das Dach konnte aber erst bis zur Spitze gedeckt werden, der bu`it konnte erst dann gebunden werden, wenn eine Kopfjagd erfolgreich durchgeführt worden war. Die erbeuteten Köpfe mussten erst in Niki-Niki präsentiert wurden.

Banunaeks wirklicher Name lautete Luku Neno. Da aber sein Vater früh starb, und er seine Mutter versorgen musste, sie ernährte und kleidete, nannte man ihn Banunaek (banu, Witwer, Witwe; naek, groß). Middelkoop () brachte eine vergleichbare Bedeutung in Erfahrung: der er die Witwe (alekat naek, ante naek, bi fe banu) seines verstorbenen Vaters versorgte und beschützte, gab man Luku Neno diesen Namen.

Y.Ch. Sapay weiß über Banunaeks Herkunft und seine Ankunft in Timorfolgende Mythe zu berichten:
In alter Zeit erreichte Banunaek, von den Molukken kommend, und der Südküste Timors folgend das heutige Amanatun. Luku Neno, wie er damals noch hieß, kam nicht allein nach Timor. Seine Familie begleitete ihn. Luku Neno war der jüngste von drei Brüdern, sein ältester Bruder hieß Mea, der spätere Liulai von Südbelu. Der zweitälteste war Ba`i, der später Sonba`i genannt wurde.
Als die drei Brüder die Südküste Timors auf der Höhe des heutigen Boking erreichten, fanden sie dort einen einzelnen Felsen im Wasser stehend vor, der bis heute Tun Am genannt wird. Dort angekommen waren ihre Vorräte verbraucht, sodass sie vom Hungerstod bedroht waren. Gezwungenermaßen töteten sie ihren Vater, hatten wieder zu essen und konnten ihre Reise forsetzen. In Erinnerung an diese Tat nannten sie den im Wasser stehenden Felsen Tun Am (tun, Abkürzung von tunaf, rösten, backen; am, Abkürzung von ama, Vater).

Mea und Ba`i zogen von Boking, nachdem sie ihren Bruder Luku Neno und seine Mutter in Amanatun zurückgelassen hatten, weiter ostwärts und erreichten den Süden von Belu. Dort sprach Mea, der älteste der drei Brüder zu Ba`i: Verlasse nun meinen Palast und wandere weiter nach Norden (nach Molo-Miomafo-Poi Neno-Onam) und suche dort dein eigenes Land, deinen eigenen Palast. Wenn du dies alles gefunden hast, schicke mir Nachricht, damit ich weiß, dass auch du dein Land gefunden hast. Aufbrechen, um freies, unbesiedeltes Land zu suchen, bezeichnet das Uab Meta als sona`, woraus der Name Sonba`i wurde.
Y.Ch. Sapay lieferte noch einer zweite Erklärung für den Namen Sonba`i: Der Name Sonba`i verweist auf einen hölzernen, bootsförmigen Trog (ba`i), auf das Boot, mit dem der Sonba`i Timor erreicht haben soll.
Sapays Herkunftsmythe mit, ihrer volkstümlichen Etymologie, erklärt den Ursprung der drei bedeutenden Reiche des feudalen, vorindonesischen Westtimor aus einer gemeinsamen (verwandtschaftlichen) Wurzel: Banunaek in Nunkolo, Sonba`i in Fatu Mnutu, Liulai in Wehale, drei Brüder, die ihren Vater verspeisten.

Prolog (Vers 1 – 9)
1 Neno pinat neon aklahat – matua kaut mausi kaut maama kaum [ maena kau ]
Himmel du Strahlender, Sonne, du Versengende – mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]

Das parallele Lexempaar Neno Pinat, Neon Aklahat oder korrekter Neon Apinat, Neon Aklahat bezeichnet den Uis Banam der Nope-Dynastie und ruft diesen als Zeugen für die Richtigkeit des im folgenden Text gesagten. Uis Banam ist der Titel des höchsten politischen Regenten (usi) des feudalen Amanuban, der Herr von Banam. Das Substantiv usi beziehungsweise usi=f (metathesiert uis) ist die Titulatur, mit der ranghohe politische Funktionsträger innerhalb der Aristokratie des feudalen Amanubans angeredet wurden.
Das Uab Meto kennt aber das Verb na=uis, das im Kontext der christlichen Liturgie in der Bedeutung von verehren, huldigen, Gott Ehre und Respekt bezeugen verwendet wird. Während der Titel usi allein für den obersten Regenten des feudalen Gesellschaftsystems reserviert war, redete man die Repräsentanten der exekutiven Funktionen der feudalen Bürokratie mit usif an. Das Verb nauis drückt nun genau die Empfindungen aus, die die Bevölkerung des feudalen Amanuban einst ihren Herren und Herrschern (tuan / usi) bis heute entgegenbringen.

Pieter Middelkoop leitet diese Titulatur vom jawanischen Titel Gusti ab (Middelkoop, 1960, S.21). Ich kann dieser Etymologie nur bedingt zustimmen. In der Literatur über das politische System der Atoin Meto finden sich undifferenziert die Nomen usi, ohne dass im Einzelfall deutlich wird, welcher politische Funktionsträger gemeint ist. Ausschließen kann ich allerdings nicht, dass bei der Übernahme hindu-javanischer Symbolsysteme zur Wirksamkeitssteigerung und Stabilisierung politischer Macht und Kontrolle die klanglichen Assoziationen zwischen nauis, usi und gusti genutzt wurden. Die Existenz der beiden Nomen usi und usif weist auf eine weitere Schwierigkeit hin, die P. Middelkoop übergeht, wenn er usif mit the highest chief i.e. the king ins Englische überträgt. Entspräche dies der Anredepraxis des feudalen Amanuban, so gäbe es keine Möglichkeit den höchsten Regenten von seiner untergebenen Bürokratie durch einen Titel zu unterscheiden und die alternative Titulatur usi (uis) wäre zu einer sprachlichen Schablone ohne differenzierende Bedeutung reduziert. Nun setzt sich das Nomen usif grammatisch aber aus dem Wortstamm usi und dem Suffix [-f] zusammen. Während P. Middelkoop (ebd. S.21) das [-f] bei Substantiven wie beispielsweise monef-atonif (der männlichste Mann als Titulatur des authochthonen politischen System der Atoin Meto) lediglich als Hinweis auf etwas oder jemand Besonderen auffasst, beispielsweise eine besonders imponierende Eigenschaft, stellt Clarke E. Cunningham diesen Suffix im Insana-Dialekt des Uab Meto in einen Zusammenhang mit Respekt und Ehrerbietung (ama, Vater; ama=f, vatergleicher Mann). In Amanuban war niemand geneigt, die von C.E. Cunningham angegebene Bedeutung zu unterstützen, sondern man verwies mit Nachdruck darauf, dass die Funktion des [-f] darin besteht, ein Substantiv in seiner Bedeutung so zu erweitern, dass etwas so ist wie der Wortstamm oder ähnlich/identisch ist mit dem Wortstamm. Aus diesem Grund muss usif als wie ein usi gelesen werden und die [-f]-Suffigierung gibt an, dass Ergänzung und Entsprechung oder sogar Identität gemeint ist. Obwohl der hier aufgezeigte semantische Unterschied zwischen usi und usif nur gering ist, ist er hinsichtlich der Verwendung dieser Titulatur entscheidend, da nur so die politische Hierarchie innerhalb der Atoin Meto-Aristokratie, in der der usi die Spitze einer Pyramide einnimmt, deutlich sichtbar wird. Der Titel usi gebührt allein dem höchsten politischen Regenten und das ist in Amanuban der jeweilige Uis Banam aus der Dynastie der Nope. Der Titel usif dagegen steht für den exekutiven Zweig der Nope-Dynastie sowie für die vielen Lehensträger dieser Dynastie in Amanuban.

Banam oder pah banam nifu banam (das Land Banam, der See Banam, die Heimat) im Titel des Uis Banam ist der Name für die Landschaft Amanuban im Vokabular der Tonis-Dichtung.

Das parallele Lexempaar neno apinat / neno aklahat weist durch die durch die beiden Verbstämme pina und nlal (strahlen und rösten) ausgedrückten Qualitäten auf die himmliche Herkunft desUuis Banam hin. Die Substantivierung des Verbstamms pina in der a-Stamm-t-Form bezeichnet denjenigen, der für den Prozess verantwortlich ist, der durch den Verbstamm angegeben wird (a=pina=t, der Strahlende). Die Stamm-t-Form bezeichnet das Ergebnis der durch den Verbstamm angegebenen Bedeutung (pina=t, das Strahlen). In der wörtlichen Übersetzung bedeutet neon apinat also Neno der Strahlende, während neno pinat das Strahlen des neno meint.

Der Begriff neno besitzt im Uab Meto gleich mehrere Bedeutungen, die sich alle auf etwas Himmliches beziehen lassen: a) Tag (neno) wie in neno i (heute, der heutige Tag), neno mese (erster Wochentag, Montag); b) in Verbindung mit dem Mond (funan) bezeichnet neno in den Texten der Tonis-Dichtung die Sonne, während das entsprechende Lexem der Alltagsprache manas (Sonne) ist. Neno in der Bedeutung von Sonne findet auch bei der Bezeichnung der Himmelsrichtungen Anwendung wie in neonsaet, Sonnenaufgang (Osten), neontes, Sonnenuntergang (Westen); c) Himmel (neno) wie in uis neno bedeutet Fürst des Himmels, das die Erde beschirmende Himmelsgewölbe, das dort kreisende Tagesgestirn, die personifizierte Sonne, dem die Menschen Licht, Wärme und damit ihr Leben verdanken, eine Überzeugung, die sich aus dem eng gesteckten Rahmen der Abhängigkeit von Monsunregen und Sonne bewegt.

Diese Symbolik von neno in Alltagssprache und Tonis-Dichtung, deren prinzipielle Bedeutungselemente Tag, Licht, Himmel oder Sonne sind, überliefern auch der Erzählkreis der mysteriösen Herkunft des Sonba`i, des Herrn und Herrschers in Molo, Miomafo, Pai Neno und Oenam. In seiner Textsammlung zur Person dieser Herrschergestalt berichtet P. Middelkoop von der ambivalenten Einstellung der Atoin Meto hinsichtlich der mythischen Herkunft des Herrschers dieser Territorien nördlich von Amanuban (Middelkoop, 1938, S.394; 1938,S. 394).  Diese narrative Variante der Herkunft des Sonba`i bezeichnet ihn als jüngeren Bruder des legendären Liurai von Wehali-Waiwiku (Südbelu), der auf der Suche nach freiem Siedlungsraum westwärts zog. Auch die mündliche Dichtung aus Kuan Fatu bewahrt die Herkunft des Sonba`i und nennt ihn den jüngeren Bruder des Liurai und des Uis Banunaek in Südamanatun. Dort geht man davon aus, dass einst drei Brüder aus dem Westen mit einem Boot an der Südküste Timors strandeten, dort wo sich der Tun Am erhebt, an der Küste des heutigen Boking. F.A.E. van Wooden berichtet in seiner Dissertation von 1935: A south Tétun myth reported by Grijzen runs as follows: some hunderd years ago four tribes (hutun rai hat, literally: tribes, countries, four) left their country, Sina Muti Malakkan (China white Malaya) in order to find somewhere else to live (…). Three of the four tribes had leaders, but the fourth had none. The three headmen, who were brothers, had brought various objects and goods with them from their homeland (…). The colonists, because of their better weapons, were able to bring the indigenous population – (…) – under subjection with little difficulty (…) The ruling house of Waihale employed an indirect method of extending its sway, by founding new settlements and by marrying its daughters to the rulers of the first population (van Wouden, 1968, S.45-47 sowie S.49-57). Y.Ch. Sapay bewahrt die Herkunft (Malaya) und die Namen von drei Brüdern und erzählt weiter, dass es nicht nur drei Brüder waren, sondern dass sich in dem gestrandeten Boot außerdem der Vater dieser drei Männer sowie weitere Familienangehörige befunden hätten. Weit von ihrer Heimat, ohne Hoffnung und Nahrung beschlossen die Brüder, ihren Vater, der diesen Plan guthieß, zu essen, damit nicht alle verhungerten. J.Ch. Sapay überliefert ihre ursprünglichen Namen als Mea, Luku Neno und Ba`i. Nachdem sie ihren Vater getötet und gegessen hatten, trennten die Brüder sich am Tun Am. Luku Neno, der seinen Namen in Banunaek änderte, bliebt im heutigen Amanatun (Nunkolo) zurück, Mea und Ba`i  zogen entlang der Südküste weiter nach Osten, nach Wehale (heute Belu, Maluku). Während Mea sich dort niederließ und als Liurai in die Geschichte Timors einging, zog Ba`i weiter nach Nordwesten bis zum Mutis. Dort blieb er und gründete das Reich von Molo und Miomafo, Oenam und Pai Neno das in der Geschichte der Atoin Meto überragende Bedeutung gewinnen sollte. Auch er änderte in Anbetracht seiner erfolgreichen Landnahme seinen Namen und nannte sich fortan Sonba`i.

In einer Erzählung, die M.S. Laubscher als Schöpfungsmythe klassifiziert, kommt Sonba`i, schmutzig und in Lumpen gehüllt von Osten (aus der Richtung der aufgehenden Sonne, aus Belu), verwandelt sich nach seiner Ankunft aber schnell in einen strahlenden Prinzen. Auch Nope, dessen Laufbahn als Uis Banam im Viehkraal von Abi Neno in Amarasi begonnen hatte, betritt die historische Bühne Timors in der Gestalt des Außenseiters, arm, zerlumpt und verschmutzt, bevor er sich listig und verschlagen seine neue Rolle erobert und er Nai Nuban und seinen Krieger-Kopfjägern (meo) als Lichtgestalt, leuchtend wie Gold, in einer Höhle auf dem Hügel Tunbesi erscheint. Beide Herkunftsmythen, der Sonba`i-Mythos wie ihn P. Middelkoop vor über 50 Jahren aufgezeichnet hat sowie der Nope-Mythos den J.Ch. Sapay heute erzählt, greifen ein Thema auf wie es in Atoin Meto-Mythen weitverbreitet ist: Der arme Bettler, der sich durch Glück, Mut und List in einen leuchtenden Prinzen verwandelt.

Apinat ist die Substantivierung des Wortstamms pina, der in seiner Verbform na=pina strahlen, glänzen, leuchten bedeutet und unmittelbar auf diese Qualität der Sonne bezogen ist; sie ist apinat, die Glänzende, die Strahlende. Das Nomen neno war früher anscheinend der höfischen Sprache und dem Tonis-Register vorbehalten. Daneben findet man in den Pseudo-Tonis-Texten der ländlichen Bevölkerung den Ausdruck man apinat in der gleichen Bedeutung. Während neno der personifizierte Himmel, die Sonne als abstrakte Qualität bezeichnet, meint manas die Sonne als am Himmel anschaulich gegebenes Gestirn.

Die Etymologie des Wortes aklahat lässt sich nur über den Umweg über alalat erhellen, ein Molo-Lexem, das immer wieder als Synonym für aklahat auftaucht. So stößt man in manchen Tonis-Dichtungen auf den pleonastisch anmutenden Parallelismus aklahat alalat. Das in Molo gesprochene Uab Meto verwendet das Nomen alalat in der gleichen Absicht wie die Tonis-Rede in Amanuban aklahat. In Molo bezeichnet das Verb nlal eine bestimmte Art des Röstens am Feuer, wobei Fleisch oder Ähnliches an einer Seite des Feuers langsam gegart wird. In Amanuban bedeutet nse`i das Grillen oder Rösten von Fleisch und anderem. Gemeint ist damit allerdings eine ganz andere Art der Zubereitung: nse`i ist ein Grillen oder Rösten über dem Feuer und nicht an seiner Seite. Möglicherweise sind die Dichter-Sprecher auf das Molo Verb nlal gekommen, weil das Amanuban-Idiom des Uab Meto keinen adäquaten Begriff besitzt. Nse`i in Bezug auf den höchsten Regenten (den Uis Banam) zu verwenden, ist den Dichter-Sprechern in Amanuban unmöglich, ein Sakrileg, da Feuer, Wärme und Hitze in den Texten als Symbol für die alles erhaltende und alles vernichtende Macht dieses Regenten auftreten. Würde die Substantivierung von nse`i als Symbol für den Uis Banam verwendet, so wird dessen Macht durch die Assoziation, dass sich etwas über diesem absoluten, von einem Gott abstammenden Herrscher befindet, wie das geröstete Fleisch über dem Feuer, herabgesetzt. Nlal kann dagegen die Eigenschaften dieser Energiequelle hervorragend symbolisieren, einer Energiequelle, der sich der einfache, unwürdige Untertan respektvoll und unterwürfig von der Seite her nähert, immer den notwendigen Abstand einhaltend, damit ihn der Blick des Uis Banam oder die von ihm abgestrahlte Energie nicht verbrenn“.

A=hoi=t oder ahoit alalat ist eine weitere der üblichen Anreden, die in der höfischen Sprache Amanubans für soziale oder politisch ranghöhere Personen bei der Begegnung und in der Kommunikation verwendet wird. Im feudalen Amanuban war diese Anrede ebenfalls dem Uis Banam vorbehalten und anderen bei Androhung des Todes verboten. Diese Anrede bringt die Selbsterniedrigung desjenigen zum Ausdruck, der sich dem Uis Banam nähert und mit ihm spricht. Wie das Molo-Verb nlal bezieht sich auch das Amanuban-Verb hoi auf eine Wärmequelle, die im ersten Fall etwas gart und die im zweiten Fall etwas trocknet (hoi, in der Sonne trocknen). Es besteht Grund zu der Annahme, dass das die Tonis-Dichtungen in Amanuban ursprünglich die Anrede ahoit verwendet haben. Die Suche nach immer neuen, der Allgemeinheit unverständlichen Wortbildungen, führte im Lauf der Zeit zur Entlehnung von alalat und später zur weiteren Kodierung aklahat.

Uis amnanut, der große Herr (a=mnanu=t als Substanitiverung des Wortstamms mnanu, lang; atoin hae mnanu, Mensch mit langen Beinen, ein großer Mensch), ist eine weitere Anrede, die in Tonis-Vorträgen für den höchsten politischen Potentaten Banams vorkommt. Aber auch der Gott Uis Neno, der Fürst des Himmels, der höchste Gott (afinit, amnanut) sowie der oberste Regent in Insana, der Us Finit, der Supreme Lord Of Heaven (afinit anesit).

Der längste Wurzelausläufer des einst im Zentrum jeder Siedlung üblichen, dreigabeligen Baum-Altars (tola) trug als Symbol für den Himmel den Namen uis neno mnanu (der große Uis Neno) im Gegensatz zu dem kleineren uis neno pala (der kleine Uis Neno), der die Erde repräsentierte.

Zuletzt weist auch die Bezeichnung neno in anan (des Himmels bzw. der Sonne Kind) für den Uis Banam auf die himmliche Herkunft dieses Regenten, auf seine göttliche Abstammung, hin. Heute ist dieser Titel für alle ranghöheren Personen in Gebrauch und durch christliches Gedankengut entschärft. Auch das parallele Lexempaar neon apinat / neon aklahat bezeichnet in den Tonis-Dichtungen den Uis Banam als den Sonnengleichen, als denjenigen, der leuchtet und strahlt wie die Sonne, denjenigen der Sonnenwärme abstrahlt, Leben erhält, garantiert und ermöglicht. Er ist das Gott-Kind (neno anan). Sein Ursprung ist der vorchristliche Gott der Atoin Meto, der Himmel beziehungsweise die Sonne, seine täglich sichtbare irdische Manifestation. Der Uis Banam, das Gott-Kind, ist der Repräsentant der Sonne auf Erden.

Ohne zu behaupten, dass die Bedeutung des Verses neon apinat / neon aklahat (Himmel, du Strahlender, Sonne, du Versengende) in Amanuban heute von jedem so verstanden wird, berücksichtigt die hier vorgeschlagene Übersetzung die Vielschichtigtkeit dieser Metapher. Die Symbolik des kodierten Tonis-Registers war zu keiner Zeit allgemein verständlich, war nie mehr als latentes, esoterisches und nur Spezialisten zugängliches Wissen. In einer Zeit, in der Bedeutung und inhaltlicher Umfang der Tonis-Metaphern mehr und mehr verflachen, kann die simplifizierende, da wörtlich genommene Übersetzung dieser poetischen Metapher nicht widerspruchslos hingenommen werden. Die Übersetzung von neon apinat / neon aklahat als shining day glowing day, wie in Andrew McWilliam Studie über Nabuasa` (1989, S.196 ), mag zwar den Interessen von christlicher Kirche und Nationalstaat entgegenkommen, der Dokumentation und Sicherung des kulturell relevanten Wissens der Atoin Meto schadet sie dagegen sehr.

2 Ta`ekum tatefat bi Maemletet Kua Mukem [ Bi Taek ]
Wir treffen uns, treffen zusammen in Mae und Nai Lete, in Kua Muke und [ Bi Taek ]

Mae und Nai Lete, in Kua Muke und Bi Taek ist das Kuan Fatu repräsentierende Ortsnamenbündel. Es handelt sich hier um Orte, die bei der Migration und Landnahme für die ersten Siedler eine besondere rituelle Rolle spielten.

3 Mapepa masanu malikam [ ma`ota ]]
Besitzen Anfang, besitzen Ende, besitzen Stiel und [ besitzen Instinkt ]
4 Maut he unoina ain kim ubata [ ain kit ]
Möge ich euch berichten, möge ich es bewahren [ für euch ]
5 Neu afi tait un uaham bat [ unu ]
Von früher, nur von füher, über die Zeit [ die vergangene ]
6 Naiya Lamu Humone na`nun u`okam [ nabua ]
Die Herren des Waldes und der Savanne versammelten sich und sind [ zusammengekommen ]
7 Het mo`e kanaf Banamam mabonif [ Banam ]
Sie wollten den Namen Banam groß machen und den Ruf vergrößern [ von Banam ]
8 Henati ai pina nuam manu hana[ nua ]
Denn das Feuer hatte zwei Flammen und der Hahn hatte die Stimmen [ die beiden ]
9 Neno pinat neon aklahat – matua kaut mausi kaut maama kaum [ maena kau ]
Himmel du Strahlender, Sonne, du Versengende – mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]

Das parallele Wortpaar mapepa und masanu bezieht sich auf die Flecharbeiten der Atoin Meto, eine Arbeit der Frauen und jungen Mädchen. Pep mese, pep nua und pep tenu bezeichnet das Flechtmuster, das in verschiedene Richtungen geflochten ein anderes Muster ergibt. Pepa meint das Voranschreiten eines Geflechts, das aus der Verbindung von mehreren sich kreuzenden Lontarblattstreifen entsteht. Ist das Geflecht fertiggestellt, schneiden die Frauen die übrig gebliebenen Spitzen der Lontarblattstreifen ab. Dieser Arbeitsvorgang wird sanu genannt. Sanu heißt auch der Abschluss jedes Geflechts oder die im Geflecht verbleibenden Endstücke des Lontarblattstreifens. Ein sinnverwandter Begriff lautet fukaf, der den durchtrennten oder undurchtrennten Fransenteil eines mau bezeichnet.
Likam ist der Stiel, der die Frucht mit der Pflanze oder dem Baum verbindet und malika bedeutet die entsprechende Verbindung – einen Stiel haben.

Otan ist die Denkfähigkeit und maota bedeutet über etwas (nach-)denken, sich Gedanken über etwas machen. Otan bezeichnet aber auch die Fähigkeit sich zu behaupten, Selbstschutzeigenschaften bestimmter Tiere, und Pflanzen, etwas Mimikri, die die Atoin Meto als eine dem Verstand ähnelnde Funktion auffassen. Nur wer diese Fähigkeit besitzt, überlebt, und überleben in diesem Sinne heißt Fortpflanzung.
Insgesamt verwendet die rituelle Rede (tonis) der Atoin Meto drei parallele Wortpaare, Metaphern beziehungsweise Symbole aus Natur und Technologie, die die Vorstellung einer in der Zeit andauernde Verbindung oder Bewegung symbolisieren:

  • mapepa // masanu;
  • malika // maota und;
  • maela // mamata..

Ela ist der glatte Teil eines Bambussegmentes, der sich zwischen zwei Internodien befindet. Die Sprossabschnitte selbst heißen bu`uf. An diesen bu`uf genannten Abschnitten befinden sich die matan genannten Blattknospen, die Augen (des Wachstums). Das aus diesen drei Elementen bestehende Segment nennt man mo`an. Gewöhnlich spricht man von mo`an mese oder gleich von ela mese. Das Verb maela bezeichnet also das Vorhandensein eines solchen Segmentes, das heißt einer Wachstumsphase des Bambus. Mamata, ein solches Auge besitzen, bezieht sich auf einen Ursprungsort, einen Ort, von dem aus neues Leben ausgeht, sprosst wie die Knopse oder das Blatt aus den Internodien. Eine vergleichbare Beziehung besteht auch zwischen dem Paar un (Stamm) und tunan (Spitze) oder zwischen eno (Tor) und lanan (Weg), die ebenfalls in der rituellen Rede verwendet werden.
Das gemeinsame Element dieser parallelen Wortpaare ist die Bewegung, das Hervorbringen, einer Bewegung in und durch die Zeit, die an einem Ausgangspunkt beginnt und deren Dynamik sich wachsend weiter fortsetzt, wie es auch die Lineages und Klans der Atoin Meto seit jeher tun.

Krieg und Kopfjagd in Amanatun (Vers 10 – 25)

Um das feudale Amanuban zu schaffen führte Tubani Nope verschiedene Expansionskriege um sein Territorium zu vergrößern, so auch gegen Banunaek, den Usi in Nunukolo im benachbarten Amanatun. Damals war Baman noch kein eigenständiges Usiftum. Tubani Nope musste, nachdem er Abi Leomnanu vertrieben und dessen Reich besetzt hatte, einen weiteren Krieg führen, um selbst, den fremden Usurpator als Uis Banam behaupten zu können. Dazu musste er die seit alter Zeit bestehenden Grenzen zwischen dem ehemaligen Tunbesi und Nunkolo, diesmal zu Ungunsten von Banunaek, weiter nach Osten und Süden verschieben.

Der gewaltige Lopo Sona Bnao, den Tubani Nope zu diesem Zweck errichten ließ, symbolisierte seinen Anspruch und seine Macht. Das Dach dieses überdimensionierten Lopo konnte nur bis zur Spitze gedeckt werden, der bu`it, Haarknoten des Mannes,in dem die Dachbedeckung wie die Haare im Knoten der Männer zusammengefasst werden musste, konnte erst dann gebunden werden, wenn eine Kopfjagd erfolgreich durchgeführt wurde und die erbeuteten Köpfe im Sonaf Nopes wie die Erstlinge der Ernte präsentiert wurden. Der oberste Teil eines jeden Hausdaches selbst, der Teil, der beim Decken des Daches zuletzt geschlossen wird, heißt penet. Das Schließen nennt man tef pene. Erst wenn der oberste Teil des Lopo- oder Ume kbubu-Daches geschlossen ist, kann der Bu`it gebunden werden. Das Verb napene bedeutet von weither zu sehen. Um die für dastef pene erforderliche Kopftrophäe zu bekommen, organisierte Nope ein Kopfjagdunternehmen gegen Banunaek.

Wie schon angedeutet steht der Lopo Bnao als ein Symbol für die Einheit und Größe des Banams. In den Tagen, als der Lopo Bnao errichtet wurde, so geht die Sage, war Banam, und damit Nope, noch nicht zuu seiner späteren Bedeutung entwickelt. Deshalb durfte der Bau dieses Lopos erst beendet werden, wenn Nope Banam unter seiner Herrschaft geeint hatte. Dazu bedurfte es aber noch der Unterwerfung Amanatuns, sprich Banunaeks, und der Korrektur regionaler Grenzen nach Nopes Vorstellungen. Als Zeichen des Sieges und der Einigung Banams mussten am Lopo Bnao Schädeltrophäen, die aus dem Krieg gegen Banaunaek stammten, deponiert werden. Mit dieser rituellen Niederlegung wäre der Lopo Bnao eingeweiht und seiner repräsentativen Funktion für die Einheit Banams zugeführt. Der Bu`it kann gebunden werden und der Lopo Bnao kündet als Wahrzeichen von der Größe Banams. Auch die rituelle Abkühlung (manikin) des gigantischen Lopo, der eine Innovation darstellt, und möglicherweise gefährlich ist, geschieht am besten durch Kopftrophäen, der Essenz des Krieges (makenat in nesan), und die Präsentation dieser Schädel am Lopo. Nachdem das Ritual vollzogen ist, bewahrt der Meo, der die Köpfe geerntet hat, diese an seinem Wohnort, in der Spitze seines Lopos, auf.

Ursprünglich hieß Banunaek Luku Neno. Da aber der Vater von Luku Neno auf eine eine ungewöhnliche Weise starb und Luku Neno seine Mutter versorgen, ernähren und kleiden musste, erhielt er den Namen Banunaek (banu, Witwer; naek, groß; vgl. Middelkoop, 1963; alekat naek, ante naek, bi fe banu).

Y.Ch. Sapay kennt eine Sage, die über die Ankunft Banunaeks in Südtimor erzählt wird:
In alter Zeit erreichte ein Boot, von den Molukken kommend, und der Südküste Timors folgend das heutige Amanatun. Luku Neno kam nicht allein nach Timor, sondern wurde von seiner Familie begleitet. Luku Neno war der jüngste von drei Brüdern, seine beiden älteren Brüder hießen Mea und Ba`i.
Als die drei Brüder die Südküste Timors auf der Höhe des heutigen Desa Boking erreichten, fanden sie dort einen einzelnen Felsen im Wasser stehend vor. Dort angekommen waren ihre Vorräte verbraucht, sodass sie vom Hungerstod bedroht waren. Gezwungen durch diese Situation töteten sie ihren Vater (ein endokannibalisches Ritual gemäß der Adat; so Y.Ch. Sapay, der diese Tat als lasi rechtfertigte) und gewannen so neue Nahrung. Auf diese Weise gestärkt, setzten die Brüder ihre Reise fort. Zur Erinnerung an den Opfertiot des Vaters nannten sie den im Wasser stehenden Felsen Tun Am (tun[af], rösten, backen; am[a], Vater).

Mea und Ba`i zogen von Boking, nachdem sie ihren Bruder Luku Neno und seine Mutter in Amanatun zurückgelassen hatten, weiter ostwärts und erreichten den Süden von Belu. Mea ist der älteste Bruder, weshalb ihm der Titel Uis Nae zusteht. Uis Nae im Idiom der Atoin Meto wird zu Liurai im Tetun (liu = usif; rai = nae). Dieser Etymologie von Y.Ch. Sapay folgend bedeutet Liurai der ältere Usif, was aber, ungeklärt, der Bedeutung Erde, Land für Tetun rai[?] widerspricht.

In Belu angekommen sprach Mea, der ältere zu seinem jüngeren Bruder Ba`i: Verlasse meinen Palast und wandere weiter nach Norden, nach Molo und Miomafo, nach Poi Neno und Onam, und suche dort dein eigenes Land, deinen eigenen Palast. Wenn du diesen gefunden hast, schicke mir Nachricht, damit ich weiß, dass du dein Land gefunden (sona`) hast. Andere behaupten, der Name Sonba`i beziehe sich auf einen hölzernen, bootsförmigen Trog (ba`i), das Boot, mit dem Sonba`i Timor erreicht haben soll (sona` = sonaf [?]).

Gemäß dieser Sage sowie Sapays volkstümlicher Etymologie stammen die Usiftümer von Banunaek (in Nunkolo), Sonba`i (in Fatu Mnutu) und Liulai (in Wehale) vom gleichen Vater und von der gleichen Mutter ab.

10 Es afi ta`nun u`okam [ tabua`ok ]
Sodass wir uns früher versammelt haben und [ zusammengekommen sind ]
11 Bi niuf ainaf Banam tais ainaf [ Banam ]
Bei der Mutter des Sees Banam, der Mutter des Meers [ von Banam ]
12 Nunu pupuf Banam lete pupuf [ Banam ]
Der Waringin-Spitze von Banam, der Lete-Spitze [ von Banam ]
13 Sona bnao ni faun na haekbonam [ nanibon ]
Der Sona Bnao mit den acht Pfosten stand dort und dort [ erhob er sich ]
14 Neno pinat neon aklahat – matua kaut mausi kaut maama kaum [ maena kau ]
Himmel du Strahlender, Sonne, du Versengende – mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]

Die Bezeichnung des Lopo mit den acht Pfosten (ni) als Sona bnao ist ungewöhnlich. Allein die Tatsache, dass dieser Lopo acht Pfosten besitzt, entspricht nicht der Realität. Nirgendwo in Amanuban findet man einen solchen. Die noch vorhandenen Lopo in den Höfen, oder die als Denkmal ethnischer Identität neu errichteten, stehen auf vier Pfosten. In Oelolok, (Insana) soll es einen Lopo mit zwölf Pfeilern geben, den ich aber nicht gesehen habe. Dieser symbolisiere die zwölf Amaf naek (die großen Väter), politische Funktionsträger, die unter diesem Lopo ihre politschen Versammlungen abgehalten haben sollen. Wie dem auch sei, ein Lopo mit mehr als vier Pfosten ist auf jeden Fall eine Seltenheit. Dieser Lopo, der außerdem als Sonaf, Palast, bezeichnet wird, gehört mit Sicherheit einem Adeligen, in diesem Fall dem Uis Banam. Ob die acht Pfosten ebenfalls politsche Funktionsträger oder Funktionen repräsentieren, bleibt vorerst hypothetisch.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Wort bnao (Schiff). Die Atoin Meto sind Bewohner des trockenen Landes (pah meto). Schiffe sind für sie jeher exotische Gefährte, die die meisten von ihnen nur aus Erzählungen kennen. Die wenigsten waren in einem der Häfen oder am Meer. Ein Schiff zu besteigen oder nur in einem See zu schwimmen ist für die Mehrzahl eine grauenerregende Zumutung.

Warum heißt dann dieser eine Lopo, der im Inneren Amanubans errichtet wird, Schiff-Sonaf? Es gibt in Ostamanuban einen außergewöhnlichen Felsen, der Faut Kopa, Felsen aus Kupang, genannt wird. Die benachbarten Tetun nennen denselben Felsen Fatu Ro, Felsen-Schiff. Beide Ethnien erinnert dieser Felsen an ein Schiff und diese Ähnlichkeit, die dieses Felsens mit einem Schiff ist tatsächlich frappierend. Die Atoin Meto verbinden die Hafenstadt Kupang im Westen der Insel mit dem Meer, einem Hafen und dort ankommenden Schiffen. Alles Eigenartige, Fremde und schwer zu erklärende kommt ohnehin aus Kupang (Kopan).

Die Atoin Meto wussten natürlich schon immer, dass Schiffe viereckig und nicht rund sind, wie ihr Lopo. Dazu war die Insel des Sandelholzes wegen zu lange ein Zentrum des südasiatischen Überseehandels, Drehscheibe zwischen China, Indien und Arabien.
Ist der Sona bnao genannte Lopo etwa eine lang-rechteckige Konstruktion? Heißt dieses Gebäude nur weiter Lopo, weil er den Männern als Treffpunkt für ihre Palaver dient und nicht wegen seiner Form? Seiner Funktion, nicht seiner Form wegen? Erinnert man sich an vergleichbare Objekte aus Sumba oder Tanimbar, findet sich eine durchaus plausible Erklärung für diesen eigenartigen Namen. Berücksichtigt man weiterhin, dass alle Atoin-Meto-Herrscher aus Übersee kamen, insbesondere der für Amanuban so wichtige Nope, dann überzeugt die folgende Hypothese: Der Lopo mit den acht Pfosten ist ein Privileg des Uis Banam und nur ihm steht das Recht zu, einen solchen zu errichten. Weder seine Amaf oder Meo, und schon gar nicht die nicht-adelige Bevölkerung, besaß je einen Lopo dieser Art. Ihnen steht nur der mit den vier Pfosten zu.
Als der über 100 Jahre aufgebahrte Usi von Neomuti, Tua Sonba`i, 1950 begraben wurde, lag er immer noch in einem Baumsarg, der aus einem Stück gearbeitet war. Das ständig unter dem Sarg glimmende Feuer, das mit Sandelholz unterhalten wurde (se`i), hatte die sterblichen Reste des Sonba`i mumifiziert und ihn vor der Verwesung bewahrt. Dieser Baumsarg hieß ebenfalls Sona bnao. Aufgebahrt war Tua Sonba`i unter seinem Lopo, der den Namen Lop Bnao trug. Wieviele Pfosten der Lop Bnao besaß, weiß ich nicht.
Bemerkenswert ist auch, dass die erste katholische Kirche in Neomuti den Namen Sona Bnao für sich in Anspruch nahm. Dies unterstreicht seine Bedeutung im indigenen Denken.

15 Okat Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban, Ni Toi bi niuf ainaf Banam tais ainaf [ Banam ]
Schließlich stellten uns Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban, Ni Toi auf die Probe, die Mutter des Sees Banam, die Mutter des Meeres [ von Banam ]

Die in Vers 15 aufgezählten Namen stellen eines der für die mündliche Dichtung Kuan Fatus charakteristischen Eigennamenbündel dar. Bei den Namen handelt es sich um sogenannte amaf, Plural amfini (ama, Vater; mit finalem [-f] wie ein Vater), ein Titel politischer Funktionsträger, Vasallen der Nope-Dynastie, Krieger-Kopfjäger oder Helden historischer Texte, die zusammen mit den Meo Naek Banam Tubani Nopes Expansionskriege führten. Der Titel amaf wird in diesem Vers mit Meo gleichgesetzt. Es handelt sich bei diesen Personen um meo asu, kleine Meo. Den Titel meo naek, große Meo führen allein Sole, Nome, Nabuasa` und Teflopo.
Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope, Ni Nuban und Ni Toi verweisen auf die Nope-Isu-Allianz des Niki-NIki-Sonaf, die dort die beratende Funktion von Experten in Regierungsgeschäften innehatten. Diese sechs Eigennamen sind sogeannnte kan akun, zeremoniell verliehene Ehrennamen: Koli ist Isu, Toli ist Nakamnanu, Amu und Nope repräsentieren Nope, Nuban und Toi ist Nubatonis). Andere Texte und Informanten rechnen diese Namen zu den nai humone`, den Herren der Savanne in Nord- und Zentralamanuban, im Gegensatz zu den nai lamu, den Herren des Waldes in Südamanuban, zu denen auch die Kuan-Fatu-Allianz gezählt wird.
Die Angabe Toi für Nubatonis ist zweifelhaft. Andere Informanten nennen stattdessen Sae und Ba`ok in Babuin, zwei amaf der dortigen Nebenlinie der Nope-Dynastie. Geht man davon aus, dass die Angabe für Toi richtig ist, so stehen Amu und Nope möglicherweise für den Nitbani im Neke-Sonaf der Nope-Dynastie.

Das Verb amu, eingewickelt, und die Bedeutung des Namen Nope, Wolke, die hier als kan akun für die Nope-Dynastie verwendet werden, gleichgültig ob Haupt- oder Nebenlinie, hängen vielleicht mit der Geheimniskrämerei zusammen, die man auch heute noch um den Namen Nope betreibt.
Y.Ch. Sapay bezeichnet diese Funktionsträger als die Exekutivgewalt des Nope-Sonaf, des Uis Banam, des ehemaligen atupas im rituellen Zentrum der politischen Macht. Es scheint mir aber zweifelhaft, ob Nope noch die Funktion eines Atupas, wie von H.G. Schulte Nordholt für Insana beschrieben, für sich beanspruchen kann.
Vorwegnehmend sei noch erwähnt dass dieamafbzw. amfini in Kuan Fatu, Tino, Finit, Toni, Bonat, Tusi, Tanu, Leo und Benu sind, die administrativ-politische Ebene unterhalb der Meo Naek Banam.

16 Anlaikit man ea` kit henati me ma`uit nono manas [ bano ]
Wurden wir geprüft, auf die Probe gestellt, sodass deutlich wurde, wessen Penis lang ist wie eine Schlingpflanze, wessen Hoden prall gefüllt sind mit [ Samen ]
17 He kalu kahat tan kenam ma`nukat tan otem [ na`nuka ]Denn wenn nicht Verdruss bereitend geschossen wird und geschnitten wird, [ Verdruss zu bereitend ]
18 Na neno i Kena Kaebuna Ita Labut`at, Tfuan, Tampani, Tefa, Tualaka, Ni Seo, Ni Manas, Ni Uki, Ni Abnao, Ni Li, Ni Klus, Ni Boi, Ni Banlopo, Ni Manu, Ni Leokoi, Ni Tefa, Ni Tualaka bi Kil`uam Nunkolot Otuam [ Buanao ]
Denn in diesen Tagen waren Kena Kaebuna, Ita Labuta, Tfuan, Tampani, Tefa, Tualaka, Ni Seo, Ni Manas, Ni Uki, Ni Bnao, Ni ­Li, Ni Klus, Ni Boi, Ni Banlopo, Ni Manu, Ni Loekoi, Ni Tefa, Ni Tualaka in Kili und Nunukolo, in Otu und [ Buanao ]

Eine Anhäufung von Personen- und Ortsnamen wie in Vers 18 nenne ich Eigennamen- oder Ortsnamenbündel. Es ist nicht immer möglich jeden Namen zu interpretieren. Eigennamen beziehen sich auf Klan (kanaf)- oder Ehrennamen (kan akun), Ortsnamen auf Siedlungen oder auffällige Landmarken.

Das Ortsnamenbündel in Vers 18 bindet Banunaek und seine Vasallen an bestimmte rituell bedeutende Orte in Nunkolo, die mit der Migration einer Namengruppenallianz in diese Region zusammenhängen – Kini und Nunkolo, Otu und Buanao.
Ni Kena ist der kan akun von Banunaek, Ni Kaebuna der kan akun von Nenometan. Ni Ita sind Ni Labuta sind wahrscheinlich kan akun von Misa`, möglicherweise verbirgt sich aber noch eine andere Namengruppe hinter diesen beiden Ehrennamen. Wer Ni Tfuan ist konnte ich nicht erfahren. Ni Tampani, Ni Tefa, Ni Tualaka und Ni Seo sind allgemein bekannte Klannamen kanaf. Ni Manas wiederum ist ein kan akun und zwar von von Leokoi, dessen kan akun Manas ist. Ni Uki ist ein Klanname. Wer Ni Bnao, Ni Li, Ni Klus und Ni Boi sind, weiß ich nicht. Ni Banlopo wiederum ist ein Kanafname, Ni Manu ist der kan akun von Ni Uki.
Kena und Kaebuna` ist semantisch komplex und scheinen Bestandteil der Kriegsmagie (le`u musu) der beiden Namengruppen zu sein. Kena bezeichnet das zielgenaue Schießen mit einem Gewehr. Kaebuna` bezeichnet die in Ikatzwickel gesetzten Buna`-Motive, weist aber auch auf ein Tabu hin, was die Verwendung buna`-verzierter Kleidung betrifft.
Nunkolo in Südamanatun ist der Sitz Banunaeks. Nunkolo gehört zu einer der Regionen, in denen keine ikatverzierten (futus) Textilien gefertigt und getragen werden. Nunkolo-Textilien sind in Kettentechnik (lotis) verzierte Seitenbahnen, die eine ehemals weiße, unverzierte oder lotisgestreifte Mittelbahn einschließen. Nunkolo-Textilien ähneln einem in Molo üblichen Textilstilen und sind leicht mit diesem zu verwechseln. Dieser Sachverhalt thematisiert die gemeinsame Herkunft von Herrscherpersönlichkeiten wie Banunaek, Sonba`i und Liurai (Südbelu; s.o.). Die Verwendung der weißen Farbe und die gemeinsame Verwendung der Lotis- und Buna`-Technik (Molo sotis<; Belu fotis) weist ebenfalls in diese Richtung. Amanuban und Amanatun gelten traditionell als schwarze Ikatprovinzen und die erwähnten Textilstile bezeugen fremde Einwanderung. In Südbelu tragen Männer im Innern der Wohnung weiße, gänzlich unverzierte Textilien. Verzierte schwarze Textilien sind erst in der Öffentlichkeit üblich.

Zurück zum Ortsnamenbündel in Vers 18, dass sich ausnahmsweise auf die vier bereits genannten Ort bezieht: Kilih, Nunkolo und Otu, drei Orte im heutigen Nunkolo gehören zu Banunaek. Mit Buanau liegen Sunu, Taneka, Sabun und Noe Nono im heutigen Südamanantun). Lilo, Tua Ton, Anas, Faut Fuaf, Bonan, Sambet, Toi und Kua Fatu Lobus gehören nach Nordamanatun und Anas und Tibaki ins heutige Südbelu.

19 Sunubam Tanekat Saubnam [ Noe Nono ]
In Sunu und Tanekat, in Sabun und [ Noe Nono ]

Auch das Ortsnamenbündel in Vers 19 konnte nur teilweise entschlüsselt werden. Sunu und Sabun sind Siedlungen in Südamanatun, Noe Nono, ein sich vielfach windender (nono) Wasserlauf, sehr wahrscheinlich im Süden Amanatuns. Die Lage von Taneka bleibt unklar.

20 Heliu Lototonat Ansam [ Noe Tais ]
Heliu, Lototonat, in Anas und [ Noe Tais ]
21 Neno pinat neon aklahat – matua kaut mausi kaut maama kaum [ maena kau ]
Himmel du Strahlender, Sonne, du Versengende – mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]

Anas ist der Name einer Landschaft in Nordamanatun, im Grenzgebiet der Atoin Meto und Tetun (Belu). Er ist auch die Bezeichung für eine ethnische Untergruppe der Atoin Meto. Anas wird häufig auch mit der Ortschaft Skinu identifiziert.
Die Orte oder Landmarken Heliu, Lototonat sowie Noe Tais, ein weiterer Fluss, der wahrscheinlich eine Gebietsgrenze markiert sind unbekannt.

22 Bolnam Sambetat Ansam Tibakit Lobsam Tibakit To`iam Kua Faut – neon apinat neon [ aklahat ]
Erschienen in Sambet und Anas, in Tibaki und Lobsam, in Tibaki und Toi und in Kua Faut – Himmel du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Sambet (Südamanatun), Tibaki (Kamanasa (Nähe Betun), Malaka Barat), Lobus (Toi Anas, Nordamanatun) und Toi beziehungsweise Toi Anas sind Ortschaften in Nordamanatun. Kuan Fatu ist eine Siedlung in Südamanuban und Wohnsitz von Ton, Finit, Babis und Sapai, den Bewahrern der von mir Kuan-Fatu-Chronik genannten mündlichen Dichtungen.
Tubaki oder Tibaki war früher ein römisch-katholisches Zentrum mit einer der ältesten Kirchen dieser Region, deren Einfluß sich bis nach Anas hin erstreckte. An hohen christlichen Festtagen, wie Ostern und Weihnachten pilgerten die Gläubigen aus Anas und anderen Teilen Amanatuns nach Tubaki. Heute ist die Kirche eine Ruine, und die in einer nahegelegenen Höhle am Berghang, in der sich früher eine Marienstatue befand, verlassen. Die Gemeinde hat im nahe gelegenen Betun eine neue Kirche errichtet.

23 Henati enam mnasi amam mnasi Kena Kaebuna Itiam [ Labuta ]
Sodass die Alte Mutter und der Alte Vater, Kena Kaebuna Ita [ Labuta ]
24 Nati niun oe hau kolnat nalalit nati nekun hun kol kunat [ nalali ]
Das Oe Hau Kolnat auszutrinken muss, das Hun KolKkunat aufessen [ muss ]
25 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel du Strahlender, Sonne du [ Versengende ]

Der in Vers 24 genannte kolo kunat ist das Material, aus der Vögel ihre Nester bauen, eine Metapher, die großen Hunger bezeichnet. Die Nahrung ist so knapp geworden, dass die Bewohner eines belagerten Gebietes ihre Siedlungen nicht mehr verlassen können. Sie sind gezwungen, den Inhalt ihrer Vogelkäfige, und zuletzt die Vögel essen müssen. Metaphorisch zu verstehen ist auch das oe hau kolat, das Regenwasser, das sich in Höhlungen von Bäumen sammelt. Der spärliche Rest trinkbaren Wassers im besetzten Gebiet.
Beide Wendungen beziehen sich auf den Krieg, den Tubani Nope gegen Banunaek führt. Seinen Krieger-Kopfjägern befiehlt er, in diesem Krieg so vorzugehen, dass das Volk von Amanatun in so große Bedrängnis gerät, dass sie ihr Essen und ihr Tinken vom kolo kunat und aus den hau kolat nehmen müssen. Das heißt, sie essen das Gras der Vogelnester als einzige, letzte Nahrung und trinken das brakige Wasser aus den Löchern in den Bäumen. Sie können ihre Siedlung nicht verlassen, die vom Feind umzingelt ist, können weder Nahrung sammeln, noch Wasser holen.

Die Berufung der Meo Banam (Vers 26 – 40)

26 Es na neno i sis lakit mak lakit nahaekbonam [ nanibon ]
Wurde an diesem Tag das Sis Lakit Mak Lakit aufgestellt und wurde [ serviert ]

Lakit steht in Vers 26 in der Bedeutung großen Mut zeigen oder mutig sein und diesen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Derjenige, der lakit zeigt, ist auch zuversichtlich, diesbezüglich erfolgreich zu sein. Lakit motiviert, gibt einen Anreiz, den Stimulus zu einer Handlung. Der so Angesprochene fühlt sich in seinem Stolz, seiner Eitelkeit, gepackt fühlt, was seine Motivation freisetzt.
Das sisi maka ist ein Gericht, ein Ritualessen, das anlässlich besonderer Festen oder Zeremonien zubereitet wird. Es besteht aus gekochtem oder geröstetem Fleisch (sisi) und gekochtem Reis (maka). Weitere Beilagen gehören nicht dazu. Besonders Gemüse und Mais, das Essen des Alltags, ist verpönt, wird in formellen Situation als Affront oder Zeichen von Armut gewertet. Besonders wichtig ist die Menge des konsumierten Fleisches. Einzelne Atoin-Meto-Männer rühmten sich mir gegenüber, Fleischmengen zu verzehren, die bei uns für ganze Gesellschaften ausreichen würden.
Das im Vers erwähnte sis lakit mak lakit ist ein Essen, das aus Fleisch und Reis besteht, die den Anfordernissen formeller Situationen genügen. Es zu essen bedarf besonderen Mutes oder außergewöhnlicher Verwegenheit. Im Kontext der riutuellen Rede bestimmt das Adjektiv lakit den besonderen Kontext des Banunaek-Krieges.

Im Rahmen der Zeremonie, die im Vorfeld des Kopfjagdunternehmens gegen Banunaek im Sonaf von Niki-Niki durchgeführt wurde, sollte bestimmt werden, wem von den anwesenden Meo Lamu Humone` (den Krieger-Kopfjägern des Waldes und der Savanne) Erfolg in dem bevorstehenden Krieg beschieden sein würde. Wer ist mutig, kühn und verwegen genug, Banunaeks Meo anzugreifen und als erster mit Schädeltrophäen nach Niki-Niki zukehren würde. Von den anwesenden Meo Lamu Humone` qualifizierten sich vier Meo in dieser Prüfung. Diese wurden durch den Uis Banam zu Oberbefehlshabern, den (Meo Naek Banam), berufen und über alle anderen Meo Banam gesetzt.
Für diese Prüfung wurde im Sonaf zu Niki-Niki ein Büffel geschlachtet. Das geröstete Fleisch (sisi) dieses Büffels wurde in Form eines männlichen Genitals zubereitet und serviert; der gekochte Reis (maka) analog zum Fleisch in der Form des weiblichen Genitals. Das Gericht wurde auf das Ende einer langen, hochgelegten Planke aufgebaut. Die Prüfung sollte den Meo herausfinden, der die männlich-aggressive Potenz, die Qualifikation als männlichster Mann, aufweisen konnte. Jeder, der sich diesen Test zutraute, musste über die ausgelegte Planke auf das Gericht zu tanzen. Dabei waren ihm die Hände auf dem Rücken gefesselt. Seine Aufgabe bestand darin, tanzend, nur mit dem Mund, ohne die Hände zur Hilfe zu nehmen, von dem Gericht am Ende der Planke zu essen.

Und Uis Banam soll zu den Meo, so berichtet Y.Ch. Sapay, gesprochen haben: Wer von euch besitzt den Mut, auf diese Weise von den menschlichen Genitalien zu essen? Erst wen sich einige von euch qualifiziert haben, können wir gegen Banunaek ins Feld ziehen und uns die benötigten Kopftrophäen holen um das Dach des Lopo Bnao zu binden.
Vier Meo bestanden diese Prüfung: Sole in Kuan Fatu (Südamanuban; Lamu), Nome in Hoi (Zentalamanuban; Humone`), Nabuasa `in Lasi (Südamanuban; Lamu) und Teflopo (in ? Zentralamanuban; Humone`). Entsprechend der Reihenfolge, in der die vier Meo das Sis Lakit Mak Lakit aßen, legte der Uis Banam ihren Rang fest, den er an der famliaren Geschwisterhierarchie orientierte. Als erster erreichte Sole das Gericht und er erhielt den zusätzlichen Titel eines Meo Nae (nae, älterer)- Er wurde als älterer Bruder den übrigen Meo, seinen jüngeren Brüdern, übergeordnet. Sole wurde durch seinen Sieg der erste und höchste Meo in Banam. Als zweiter erreichte Nabuasa`, als dritter Nome und als vierter Teflopo das Ziel. Alle drei unterstanden als Meo Kliko (kliko, jünger) Sole, dem Meo Nae.
Die vom Uis Banam geforderte Probe, so erzählt die Sage, sollte beweisen, wer die Fähigkeiten besitzt, der zukünftig höchste der Krieger-Kopfjäger Amanubans, der Meo Nae der Meo Naek Banam, der höchste militärischer Rang, zu sein. Um diesen Titel streiten sich bis heute die mächtigen Namengruppen (kanaf) Südamanubans, Sole (Babis) in Kuan Fatu und Nabuasa` in Lasi. Die vorliegende Tonis-Dichtung der Kuan-Fatu-Chronik legitimiert die älteren Rechte Kuan Fatus an diesem Titel, zumindest in der kanafzentrischen Perspektive von Sole und dessen Alliierten.

27 Mak laibtat nahaekbonam [ nanibon ]
Wurde das Mak Lakit aufgestellt, wurde es [ serviert ]
28 Puin ha ma nak [ ha ]
Für die vier Maiskolben und die Köpfe [ die vier ]

Die vier Maiskolben, die vier Köpfe sind die für die Prüfung bereitstehenden vier Meo, Sole, Nome, Nabuasa` und Teflopo.

29 Keos ha`am luil [ ha ]
Die vier Männlichen und die Wasserreservoirs [ die vier ]
30 Es i nahaekbonam [ nanibon ]
Dies war es, was aufgestellt wurde, was [ serviert wurde ]
31 Naeya es Ni Sole Le`u nahaekbonam [ nanibon ] Der Älteste, nämlich Ni Sole Le`u, richtete sich auf und [ erhob sich ]

Das Adjektiv le`u hat die Funktion, die magische Kraft und gefährliche Potenz von Sole dramatisch zu steigern, vorab darauf hinzuweisen, wer als Sieger aus dem Ritual hervorgeht.
In den Banunaek-Krieg gezogen ist Ni Mnanu Sole, der später der erste Meo Nae wurde, zusammen mit seinem ältesten Sohn, Pilis Sole, seinem anah kanan.

32 Meo kliko es Ni Kaba Nabuasa` nok in oil kinim [ in muin kini ]
Meo kliko, das nämlich wurde Ni Kabas Nabuasa`, mit seinen jüngeren Brüdern und [ seinen Nachkommen ]

In seiner Arbeit über eine der Klanmythen der Nabuasa`-Namengruppe im heutigen Südamanuban hat Andrew McWilliam (1989,113) eine kurze Genealogie, die von ihm einschränkend principal male line genannt wird, hinsichtlich einiger Nabuasa`-Ahnen veröffentlicht. In der dritten Generation, vom apical ancester aus gerechnet wird ein Kabas Nabuasa` erwähnt. Der nächste in der Linie ist ein gewisser Antoin Nabuasa`. Dieser Antoin Nabuasa` ist die einzige namentlich erwähnte Person in der von McWilliam bearbeiteten Klanmythe. An einer anderen Stelle in seiner Untersuchung (1989,77) findet sich der Hinweis, dass dieser Antoin Nabuasa` in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Rolle in einem der Molo-Miomafo-Kriege gespielt hat, und dass er die Expansion der Nabuasa` von Lasi aus westwärts eingeleitet haben soll. An dieser Stelle findet sich auch die Angabe, dass Antoin Nabuasa` eine seventh generation ancestral figure ist. Setzt man voraus, dass die auf Seite 113 veröffentlichte Genealogie nur prinzipielle Gültigkeit beanspruchen kann, und dass Kabas Nabuasa` nur möglicherweise der leibliche Vater von Antoin Nabuasa` ist, so lassen sich McWilliam’s Angaben relativ chronologisch doch so auffassen, dass Kaba Nabuasa` sehr wahrscheinlich Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts beim Versuch der Meo Nae von Banam zu werden gescheitert ist und dieses Privileg Mnanu Babis überlassen mußte.
Entsprechend der Kenntnis von Y.Ch. Sapay siedelte Kabas Nabuasa` während des hier berichteten Banunaek-Krieges bereits in Lasi (?). Ni Utan Nome siedelte damals in Linamnutu, Ni Suni Teflopo in Konbaki (Polen).
Vor der Sis-Lakit-Mak-Lakit-Prüfung, so Sapay, habe es keine Differenzierung innerhalb des Meo-Standes gegeben.

Sole beziehungsweise Babis, einer meiner Informanten der Kuan-Fatu-Chronik, sind identisch. Hinsichtlich des Namen Babis gebe es ein Tabu (nuni), das verbiete, diesen Namen auszusprechen (s.u.).
Der eigentliche, ursprüngliche Name ist Sole. Die Sole-Namengruppe gehörte ursprünglich zu den Vasallen Abi Loemnanus und soll bis zu dessen Vertreibung aus Amanunban durch Tubani Nope mit diesem verwandtschaftlich (affinal ?) verbunden gewesen sein. Abi soll einst in Ofu sein Kind (gemeint ist Sole) verlassen haben. Da Sole auf diese Weise von seinen Eltern getrennt wurde, nannte man ihn fortan Sole (sole na`ko enaf amaf). Der Namer Sole bedeutet, das säugende Jungtier von der Mutter trennen.

Zu dieser Zeit – in Ofu – war Sole schon einer der Meo der Abi-Namengruppe. Damals war Abi Loemnanu Usif im gesamten Süden und Westen des heutigen Amanuban. In Ofu herrschte eine Nebenlinie dieser Namengruppe. Bevor Nope den entscheidenden Krieg gegen Abi Loemnani in Pik Pe`es, Hane und Bia Moko führte, gelang es ihm die Abi-Linie in Ofu zu besiegen und zu vertreiben. Sole bleib zurück und wurde auf diese Weise Vasall der Nope-Dynastie (s.a. die Auslegung von Th. Nakamnanu zum Ofu-Krieg). Später, einige Generationen später, als Ergebnis des Krieges gegen Abi Loemnanu auf dem Bia Moko wurde Sole selbständig und erhielt sein eigenes Territorium – nämlich Kuan Fatu. Als Nope Vasall wandte er sich gegen seine eigene Familie.
Den Namen Babis erhielt die Sole-Namengruppe erst sehr viel später, in einem der Kriege gegen den Sonba`i in Molo-Miomafu. Sole erwies sich in diesem Krieg erneut als großer Held, als Besitzer einer außergewöhnlich potenten le`u musu (Feindschafts- / Kriegsmagie). Bei den erwähnten kriegerischen Auseinandersetzungen rieb er seinen Körper mit dieser Le`u Musu ein und wurde so für den Gegener unsichtbar. Im Uab Meto heißt seinen Körper einreiben baib ao, ein Ausdruck von dem sich der Name Babis ableitet. Das finale -s im Namen Babis ist ein, in Südamanuban üblicher, respektvoller Schmeichelsuffix, mit dem der so angeredete geehrt werden soll.

Erst in neuester Zeit wandelte sich der Name Sole zum kan akun und der Name Babis erschien als ein eigenständiger Familienname (kanan oder kanaf). Möglicherweise hängt das auch damit zusammen, dasss ein Name beziehungsweise Titel wie Sole Le`u christlicher Überzeugung nicht mehr gemäß ist.

33 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
34 Ni Suin Teflopo, Ni Ut Nome nahaekbonbam [ nanibon ]
Ni Suni Teflopo, Ni Utan Nome erhoben sich und [ richteten sich auf ]
35 On Sole, Nome, Nabuasa`, Teflopot onan tek sis laiktat es nane onah mak laiktate [ es nane ]
So waren es Sole, Nome, Nabuasa`, Teflopo und man nannte es das Sis Lakit dort, nannte es das Mak Lakit [ dort ]

Als der Uis Banam das Sis Lakit Mak Lakit anbot, soll er nicht den Wunsch nach vier Meo Naek Banam geäußert haben. Er äußerte lediglich seinen Wunsch, dass seine Meo Lamu Humone` ihre Qualifikation und Potenz bewiesen. Er soll weder eine Anzahl, noch rgendwelche Namengruppen priorisiert haben. Aber es habe nur vier Meo gegeben, die den Mut besaßen, sich der Prüfung zu stellen. Diese Interpretation widerspricht aber in der Literatur gemachten Angaben über das politische System der Atoin Meto, das in allen Fällen auf einer 4+1-Struktur ausgerichtet ist – vier periphere (hier exekutive) und eine zentrale (rituelle) Funktion.

Diese vier Meo Naek Banam sollen unmittelbar dem Uis Banam unterstanden haben. Ihr Amt sei darauf ausgerichtet gewesen, ihm direkt zu dienen. Sie sind seine eigenen vier Meo, eine Garde, Special Force oder Leibwache, die von ihm mit der Durchführung aller kriegerischen Auseinandersetzungen beauftragt wurde, und die ihm für die Erledigung dieser Aufträge unmittelbar verantwortlich war. Zu den anderen Meo befehligte der Uis Banam über seine vier Meo Naek. Die anderen Meo, die sogenannten Meo Asu (asu, Hund), unterstanden den vier großen Meo, denen alle Aufgaben der Planung, Organisation und Durchführung von Kriegen, also auch die der Mobilmachung der Meo Asu oblag.
Die Hierachie des Heeres im feudalen Banam muss so ausgesehen haben: An der Spitze steht der Uis Banam mit absoluter Machtfülle. Ihm folgen seine vier Meo Naek Banam mit dem Meo Nae als Oberbefehlshaber des Heeres, dem die Meo Kliko bei- und sozial untergeordnet sind. Das stehende Heer stellen die Meo Asu, zu denen prinzipiell jeder Mann gehören konnte.

Die soziale geschwisterlich organisierte Hierarchie zwischen den Meo Naek Banam hängt von dem Ergebnis der Sis-Lakit-Mak-Lakit-Prüfung ab. Nur wer zuerst gegessen hat, der Mutigste und Verwegenste ist, kann der Ältere sein, da nur er dieser über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen kann, das heißt, für die anderen Verantwortung und den Schutz zu übernehmen. Dies entspricht auch der Aufgabe des ältesten Bruders (tata) in der Familie. Der Meo Nae ist die oberste Autorität innerhalb dieser Vierer-Gruppe – er ist der zum Führer berufene und hat dann auch im Banunaek-Feldzug bewiesen.

Die abweichende Reihenfolge der Meo Sole, Nome, Nabuasa` und Teflopo in der Nennung in den Versen und im Verlauf der Sis-Lakit-Mak-Lakit-Prüfung hängt damit zusammen, dass Sole und Nome, anders als Nabuasa` und Teflopo, ehemalige Gefolgsleute von Abi Loemnanu und seit jeher im Lamu zu Hause sind – Sole in Kuan Fatu und Nome in ???; Nome, so Y.Ch. Sapay sei erst später nach Hoi gegangen). Sie stammen von der gleichen Wurzel ab. Nabuasa` und Teflopo seien seit jeher Meo Humone`und schon immer Nope-Vasallen gewesen.
Erst nach dem Feldzug gegen Banunaek seien Sole und Nabuasa` in Südamanuban als Wächter gegen die Bedrohungen eingesetzt, die aus Westen kamen – von jenseits des Noel Mina und aus Kupang. Nome und Teflopo schützten die Grenze in Norden – nach Molo und Miomafo hin, das heißt gegen den Sonba`i und die schwarzen Portugiesen (kaes metan).

36 Lekom nalalim okem [ nalail ]
Danach war es beendet, war es vollendet und [vorbei ]
37 Nabia sinim natalab nok in oil ninim in muin kinit in feot kenum [ in nae kenu ]
Befreundet wurden sie und vereint mit ihren jüngeren Brüdern und Nachfolgern, mit ihren Schwestern [ den älteren ]
38 Es Kuna, Saefatu, Banu`am [ Tasesab ]
Nämlich mit Kuna, Saefatu, Banu und [ Tasesab ]
39 Es iyam onan fonan sin suni`am on nalain sin [ kenat ]
So wurden ihre Schwerter geschärft und geladen wurden ihre [ Gewehre ]
40 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Vers 38 nennt weitere Eigennamen, die nur im weiteren Sinne mit der hier überlieferten Prüfung zusammenhängen, eher entferntere politisch relavante Gruppen einbeziehen. Kuna (eine Abstammung (uf) mit Kune, einer mythischen Gestalt) und Saefetu sind Molo-Namen. Kuna weist anscheinend nach Ofu und Oe Le`u, Saefetu, aus Molo migriert, heute in Ostamanuban und Amanatun eine häufige Namengruppe. Wer Banu und Tasesab sind, weiß ich nicht.

41 Okatan laik sin man ea` sin na`an fenam nateka sinim natola sin he ai` kahtan kenam na`nuk atan otem [ na`nuka ]
Erst nachdem sie auf die Probe gestellt waren, geprüft waren, erhoben sie sich, versammelten sich und erschossen Verdruss verbreitend und köpften [Leid bringend ]
42 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Für den Banunaek-Feldzug hatte der Uis Banam Kugeln und Schießpulver bevorratet, das er dann bei Kriegsbeginn an seine Meo austeilte. Diese Munition stammte wahrscheinlich aus seinem Handelsprivileg mit Niederländern oder Portugiesen.
Es war Brauch, dass der Uis Banam die Flinten seiner Meo selbst lud, sie mit Munition versorgte, da er es war, der sie forderte, für ihn zu kämpfen. Entschied sich ein Meo auf eigene Rechnung, in eigenen Interesse zu einem Feldzug, einer Kopfjagd, war er auch allein für diese Dinge verantwortlich, .musste Waffen und Munition selbst beschaffen.
Die verwendeten Waffen beschreibt die Überlieferung als Schwert (suni) und Vorderlader (kenat. Ein suni nak nitit ist ein Schwert, dessen Griff (nakan wahrscheinlich silberbeschlagen ist (niti, Silber). Niti, eigentlich ein silberner Armreif (auch nit noni), kann aber auch auf andere Materialien hinweisen: nit molo, ein Messingreif, nit mnutu, ein Goldreif.
Der in den Texten häufig erwähnte ken net besit bezeichnet den eisernen Ladestock (nete, eigentlich Brücke). Kimme, und Korn heißen aber auch ken net besit und so muss, trotz der Beteuerung meines Informanten gefragt werden, ob hier wirklich der Ladestock oder das Zielen mit dem Gewehr gemeint ist. Besonders, da der Ladestock auch baket heißt. Auch der Begriff nete scheint mir eher auf Kimme und Korn hin zu deuten.

43 Enam mnasi am [ mnasi ]
Für die alte Mutter und für den Vater, den [ alten ]
44 Bi Uki po`nesam Tefu [ po`nes ]
In seinem Bananengarten und mit Zuckerrohr [ seinem Garten ]
45 Ki baf esam [ koe bako es ]
Ein Schrei und [ ein Freudenjubel ]
46 Es i neon apinat neon [ aklahat ]
So war es – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Die beiden Begriffe koe bako und baf in Vers 45 sind der Bonet-Terminologie entlehnt. Bako bezeichnet den Moment, in dem eine Gruppe der Tanzenden einen ne (Pantunvers) aufnimmt und diesen in monotonem Singsang beantwortet. Koe bako nennt man die Solo-Interprtation dieses ne, während als baf der im Chor vorgetragende Refrain bezeichnet wird. Der Vortrag solcher spontanen Reime gehört in den Kontext derjenigen Rituale, mit denen Feldfrüchte und Kopfjagdtrophäen dem Uis Banam in seinem Sonaf dargebracht werden, beides als Produkte einer Ernte.
Der baf genannte formalisierte Jubel gliedert sich in zwei Teile, in einen verbalen Sprechgesang sakan und in den lautmalenden Teil baf.

Die Bewährung der Namensgruppe Sole und ihre Berufung zum obersten Heerführer (Vers 47-72)

47 Ni Mnaun Sole na`an telim nahunut tan naom [ nahun ]
Ni Mnanu Sole betrat zuerst den Weg und er machte sich auf den Weg [ als erster ]
48 Nok in olin in munin Ni Pil Sole na`an telim natuin natan naom [ natuin ]
Zusammen mit Ni Pilis Sole, seinem jüngeren Bruder, seinem Nachfolger, der ihm auf seinem Weg begleitete und [ der ihm folgte ]
49 Na`an oetnanam man ken nan atoin puin nua`am manak [ nua ]
Und sogleich köpften sie ihn und erschosse sie ihn, den Mann, die zwei Maiskolben und die Köpfe [ die zwei ]
50 Tef Tualaka ma Neon [ Makatal ]
Tef Tualaka oder Neno [ Makatal ]
51 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Die in Vers 50 erwähnten Männer, Tefa Tualaka und Neno Makatal waren die beiden ersten Opfer der Kopfjagd und ihre Köpfe stehen pars pro toto für all die anderen Trophäen aus dem Banunaek-Krieg, die später am Sona Bnao deponiert werden sollen. Ob es sich bei ihnen um besondere Männer oder Mitglieder bestimmter Namengruppen gehandelt hat, muss offen bleiben. Zufällig werden die Namen dieser beiden Männer bestimmt nicht überliefert, vor allem, da der zweite, Neno Makatal, eigentlich Neno Tfuli heißt.
Die Orte, an die denen die Kopfjagd durchgeführt werden, liegen alle im Umkreis von Oinlasi in Amanuatun: Nono und Ki (wobei Ki als Ortsname zweifelhaft ist), Oe Kiu und Oe Masi, Mnela Anen und der Hügel Hu`e in der Nähe von Mnela Anen.
Nachdem Mnanu Sole Tef Tualaka bei Noe Lela erschlagen und seinen Kopf erbeutet hatte, trennten sich Mnanu und Pilis Sole auf dem Rückweg von Oinlasi zum Sonaf nach Niki-Niki. Pilis Sole zog nördlich, entlang der Grenze Amanatun, bis hinauf nach Mnela Anen, wo er selbst einen Kopf erbeutete. Die erwähnten Ortsnamen der einzelner Weiler beschreiben diesen Zug des Pilis Sole nach Mnela Anen, wo erschließlich am Hügel Hu`e auf Neno Tafuli stieß und diesen enthauptete.

Y.Ch. Sapay bezeichnet Neon Tafuli als großen Meo (meo naek) von Banunaek. Ich konnte allerdings nicht klären, ob er damit einen Titel meinte oder nur den Sachverhalt, dass Tafuli ein bedeutender Meo war. Eigenartig ist auch, dass die Namengruppe Tafuli im allgemeinen mit Anas in Verbindung gebracht wird, die nur bedingt Beziehungen ins südliche Amanatun (Oinlasi und Nunkolo) unterhält. In Anas erzählte man mir, dass Tafuli kein Banunaek-Vasall gewesen sei. Er sei vielmehr ein Lehnsmann eines anderen bedeutenden Usif gewesen, nämlich von Tkesnai. Beiläufig sprach auch Sapay an anderer Stelle von Tafuli als in usife Nesnai, sein Usif sei Nesnai. Weiter erzählt er, dass Nesnai und Banunaek die gleiche Beziehung unterhalten wie Nakamnanu und Nope (Usif zu Usi).

Jedenfalls sind das Hauptsiedlungsgebiet der Tafuli-Namengruppe bis heute die Weiler (kuan) Oe Uis Neno im heutigen Teluk (Ostamanuban) sowie weiter östlich Nasi, Lilo und Putain. Oe Uis Neno ist eine wichtige Wasserstelle an der Straße, die von Osten her nach Amanuban hereinführt. Diese Straße stellt eine der Tore (eno), und zwar das östliche, nach Banam dar. Es handelt sich dabei um eine wichtige, strategisch-geopolitische Region, die durch eine Wache, den Meo apao eno neonsaet (Leon Banusu) geschützt wurde. Gegenüber in Anas, im heutigen Ostamanatun, das heißt in Banunaeks Reich, gab es eine andere Wachstation, dessen Wächter zu einer bestimmten Zeit Neno Tafuli hieß. Die Tötung von Neno Tafuli durch den Meo Nae Ni Sole, die hier überliefert wird, muss deshalb als Kampf um dieses strategisch wichtige Osttor nach Banam aufgefasst werden.

Das zweite Opfer, das Soles jüngerer Bruder und designierter Nachfolger, Ni Pilis Sole, enthauptet, ist Neno Tfuli alias Neno Makatal.
Als Pilis Sole den Hügel Hu`e erreichte, sah er von dessen Spitze unten im Tal (bei Mnela Anen) ein großes Feuer brennen. Dort rösteten Neno Tafuli und seine Amfini das Fleisch in Banam gestohlener Büffel. Wahrscheinlich sind die Anas-Leute durch die Eno Neonsaet in Banam eingefallen und haben den dort lebenden Bauern ihr Vieh gestohlen. Für Meo in Fehde oder Krieg sei dies die übliche Praxis der Ernährung auf den Feldzug gewesen. Da es oft Wochen dauern konnte, bis die Meo erfolgreich waren und einen Kopf erbeuteten, rekurrierten sie in der Zwischenzeit die Nahrung aus der ansässigen Bevölkerung.

Sich auf eine Kopfjagd zu begeben und ohne Schädel zurückzukommen, galt als Schande für einen Mann und so wurde das Unternehmen meist fortgesetzt, bis sich der Erfolg einstellte.
Die erbeutete Kopftrophäe heißt atoin fui in boton, des wilden Mannes Fontanelle (boton). Metaphorisch umschrieben wird die Enthauptung des Opfers einer Kopfjagd als bokan humusu kaes sufan, das Ausreißen der fremden Alang-Alang-Blüte (bok ausreißen; humusu, Alang-Alang; sufan, Büte). Metaphorisch auch als humusu in sufan bezeichnet.
An anderer Stelle heißt es, dass Neno Tfuli den Geruch des anschleichenden Pilis Sole riechen konnte. Diese Fähigkeit gilt als außergewöhnlich und weist auf ein mehr an etwas(nesi) hin, das diesen Menschen über das allgemein Menschliche hinaushebt. Im Uab Meto sind nesi und seine Derivate Begriffe für diese Qualität, die auch den Erwerb von le`u und tonis betreffen. Auch der Name Nesnai verwendet das Adjektiv nesi in diesem Sinne.

Neno Tafuli besaß also die Fähigkeit, den nahenden Feind zu spüren, zu ahnen, ihn schon von ferne riechen zu können. Darüber hinaus wusste er auch genau, wer diesen Geruch ausströmte. Diese Fähigkeit nennt man in anderen Kulturen das zweite Gesicht. In der Überlieferung vom Abi-Krieg besitzt Ni Nope Sanak diese Gabe.
Im Kontext christlicher Überzeugung wird eine solche Fähigkeit heute als von Gott verliehene Gnade verstanden, die nicht jeder erwerben kann.

Die Feinde (musu) auf der anderen Seite der Eno Neonsaet werden als die atoin fui, die wilden, ungezähmten, unzivilisierten Menschen oder Männer (atoni, Mensch, Mann) betrachtet (fui, wild; kaun fui,die wilde Tiere im Buschamu, zahm, domestiziert). Das parallele Paar beul fui / kaes fui, wilder Freund, wilder Fremder wird in diesem Zusammenhang meistens in der rituellen Rede verwendet.
Dieser wilde Feind ist der außerhalb eines eigenen Territoriums, außerhalb bestimmter sozio-politischer Beziehungen stehende Atoin Meto, der auch durch Fehde und Krieg nicht befriedet werden kann. Er stellt deshalb eine potentielle Gefahr für die Gemeinschaft dar. Dagegen ist der zahme Feind der ehemals verfeindete, inzwischen verbündete wilde Feind, der nach der Eroberung nun als Nachbar im eigenen Territorium siedelt.

52 Poh nek sin [ ma na` ]
Trugen sie in den geschlossenen Händen und hielten sie fest
53 Es Hukele oka la sikoli sai nu`ut [ nahaekbonam ]
Nämlich hukele und dann la sikoli sai nu`ut stimmten sie an und errichten [es] und [ richten [es] dauerhaft auf ]

hukele ist ein langgezogener Ruf oder Singsang, bei dem sich die Stimme immer höher schraubt, und dadurch immer lauter wird, sodass sie über eine weite Entfernung gut zu hören ist. Dieses hukele ist eine spezielle Form, ein Lied zu beginnen, oder aber die koe bako oder baf genannten bonet-Rezitationen einzuleiten (für sikoli sai nu`ut siehe anderswo).
nahaekbon oder nahake bedeuten „stehen“ oder „aufrichten“, „errichten“; namnibon bedeutet „dauerhaft“, „beständig“. In der Verbindung mit namnibon verweist der Begriff nahaekbon immer auf den Aspekt der „Beständigkeit“ des Errichteten.

54 Es iyam na`annaot nat nan okam [ nakesi`on ]
Und gingen dann zügig voran und [ näherten sich ]
55 Neu sonaf in nanan pano [ in nanan ]
Dem Haus des Herrschers, in seinen Palast [ hinein ]
56 Es i he onat pen sona bnao ni fanu Klabnam Tain Lasit Maunum [ Nik-Nik ]
Sodass sie das Dach des Sona bnao mit den acht Pfosten schließen können, in Klaban und Tain Lasi, in Maunu und [ Niki-Niki ]

Eine Ruine eines Lopo mit acht Pfosten und riesigen Steinscheiben (papan) befindet sich angeblich auf dem Hügel Tunbes (Desa Pili, Ostaanuban).

57 Neno i Ni Sole na`an bonum in fanu in ne nao nok sun senumaesali ebem sun ai laku`am [ ao me ]
Heute hat Ni Sole seinen fanu, seinen ne verhängt, verbunden mit sun senu ma aesali ebe ma sun ai laku ma [ ao me ]

Mit sun senu ma aesali, ebe ma sun ai, laku ma ao me wird der Name eines Büffels angegeben, den die Krieger von Uis Banunaek gestohlen haben, und dieser Büffel ist im Besitz von Ni Sole Le`u.

58 Es i on nabak sinim namnoa sinit onan fun sinim [ non sin ]
Sie beraubten sie, plünderten sie aus, kreisten sie ein und [ umzingelten sie ]
59 Onan fun koit sinim man non [ koit sin ]
Von hinten kommend kreisten sie sie ein, umzingelten wurden sie
60 On asut na`elen kunum natelhain kunut fafit na`elen kunum [ natelhain kun ]
So wie Hunde, die überall herüberlaufen, alles umstossen, wie die Schweine, die kein Benehmen kennen und keine
61 Na’an poh nekim man nanek puin nua`am manak [ nua ]
Erst dann umfassten sie sie mit ihren geschlossenen Händen, hielten sie fest und brachten sie herbei, die zwei Maiskolben und die Köpfe [ die beiden ]
62 Tipu`on fain neman li`on [ fain nem ]
Kehrten zurück, kamen zurück, wendeten und [ kamen wieder ]
63 Nem natnan okam [ nakesi`ok ]
Kamen gut vorwärts und [ kamen immer näher ]
64 Neu sonaf in nanan neu pano [ in nanan ]
Hinein in das Haus des Herrschers, in seinen Palast [ hinein ]
65 Niuf ainaf Banam tais ainaf [ Banam ]
Mutter des Sees Banam, Mutter des Meeres [ von Banam ]
66 Nunu pupuf Banam lete pupuf [ Banam ]
Waringin-Spitze Banams, Lete-Spitze [ Banam ]
67 On naba`at es na onan koebakot [ es na ]
So wie ein Schrei wie dieser, ein Freudenjubel [wie dieser ]
68 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
69 Lekom nalalim oke [ nalail ]
Danach war es beendet, war es vollendet und war [ vorbei ]
70 Es iyam hen tipu`okan fain neman li`ok [ fain nem ]
Dort wendeten sie, kehrten zurück und [ kamen wieder ]
71 Pel nalali man bu`i [ nalail ]
Deckten das Dach fertig und banden den bu`it [ zu Ende ]
72 Tipu`ok fainem man li`ok [ fain nem ]
Wendeten, kehrten zurück und [ kamen wieder ]

Insignien und Territorien (Vers 73 – 110)

73 Hit tuak hit usik hit enkam [ hit amak ]
Unser Herr, unser Herrscher, unsere Mutter [ unser Vater >]
74 Nabela in neknam in tainat nabela in nopnam [ in nanan ]
Verkündete seine Gedanken und seinen festen Willen, äußerte seine Gedanken und [ sein Innerstes ]
75 Naitnan pen-pene makanam maboniat bikasa makanam [ maboni ]
Nahm die Fahne mit dem Namen, dem Ruf und nahm das Pferd mit dem Namen [ mit dem Ruf ]
76 Naitnan penpen me am bikaes [ me ]
Nahm rote Fahne und den Hengst den
77 Napohtam [ nana`at ]
Umfasste es mit geschlossenen Händen und [ hielt es fest ]
78 Neu Ni Mnaun Sole es i han poh neki man na` [ neki ]
Gab es Ni Mnanu Sole hier, damit der es mit beiden Händen umfaßt, es annimmt, damit er es besitzt und [ mitnimmt ]
79 Henati natikam nasap nao Benam Humonet Lulfam [ Batun ]
– Damit er ausweitet und ausdehnt Bena und Un Mone, Luluf und [ Batnunu ]
80 Es i – neon apinat neon [ aklahat ]
So ist es – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
81 Nati pah Nenu Banamam Bunuam
Möge das Land Nenu, Banam und Bunu und [ Bi Teno ]
82 Nati kaisa ne`uon man ukuon maut he nenuonam [ nakonbon ]
Möge es weit sein und nicht eingeengt, sondern groß und [ ausgedehnt ]
83 Hit tuak hit usik hit enkam [ hit amak ]
Unser Herr, unser Herrscher, unsere Mutter und [ unser Vater ]
84 Nati bukae sis fafit nalalim bukae mak anet [ nalali ]
Möge er für immer Schweinefleisch essen und Trockenreis [ bis ans Ende ]
85 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
86 Naitnan penpen muti`am bikaes moen abu napohta lek-lekom nana`ta [ lek-lekom ]
Er nahm die weiße Fahne und den grauen Hengst, umschloss beides gut in seinen Händen, hielt beides fest [ besonders gut ]
87 Neu Ni Kaba Nabuasa` neon apinat neon [ aklahat ]
Und gab es Ni Kabas Nabuasa` – neon apinat neon [ aklahat ]
88a Neki ma na` [ neki ]
Der beides annahm um es zu besitzen, [ zu bewahren ]
89 Nait natikam nasap nao nak Kiuk Enum Ponainenut Buninum Faut [ Mnanu ]
Möge er so ausdehnen und vergrößeren Kiuk Enu und Ponai Nenu, Buniun und Faut [ Mnanu ]
90 Es iyam es aenet on iyam manaonat [ on i ]
So lauten meine Worte und ereignet hat es sich [ auf diese Weise ]
91 Okat bo`an lek-lekom mabait sin lek-leok
Anschließend teilte er es gut auf für sie, und er teilte es ihnen zu [ besonders gut ]
92 Las Enuat Lasa Nu`ut napohot sinim [ nana`at sin ]
Las Enu und Lasa Nu`ut halten sie in ihrem geschlossenen Händen und [ halten sie fest ]
93 Hen pohon okem man na`an [ oke ]
Damit sie dies alles mit beiden Händen umfasssen und es festhalten [ alles ]
94 Pusfa tlesbat napohot naim sinim nana`at [ nain sin ]
Die Pferde halten sie in den geschlossenen Händen, halten alles, und halten es fest [ dies alles ]

Pusuf ist der respektvolle Klassifkator für den Viehbesitz eines Fürsten wie Büffel, Rinder, Pferde etc. Tlesef ist das entsprechende Parallelwort der rituellen Rede, vielleicht tlese, gemeinsam, alle zusammen.

95 Es Las Hu`e Las Ayo meo kliko onan pohom [ na` ]
Nämlich Las Hu`e, Las Ayo hält der meo kliko in beiden Händen und [ hält es fest ]
96 Es it pan kailsam luke sepet ona pohta lek-lekom nana`ta [ lek-leok ]
Auch pan kalis und luke sepe bewahrt er gut in beiden Händen und besitzt es [ gut ]

Luke sepe ist ein geteiltes Ohr wie es Tiere als Besitzkennung erhalten. Sepe nennt man zerkleinerte Stücke Bambus. Sollte ein ungezeichnetes Ohr gemeint sein, müßte es luke teme oder luke mnanu heißen (Teme, ganz, unbeschädig‘; ein luke teme bezeichnet ein Tier ohne hetis-Markierung, besonders die wilden Tiere des Waldes wie bi`a fui, faif fui etc. Die katholische Liturgie verwendet den Terminus ao teme, jungfräulich, die Jungfrau mit dem unberührten Körper für Maria).
Pan kalis spielt auf eine Durchbohrung der Nasenscheidewand des Büffels an. Als kalsi bezeichnet man aber auch die Würmer oder Maden, die sich in der Wunde dieser Durchbohrung festsetzen.

97 Pan kailsam luke heti maut hena pohot lek-lekom nana`at [ lek-leok ]
Pan kalis und luke heti möge er gut in den Händen halten, und festhalten [ besonders gut ]
98 Nok bikaes moen abum penpen [ muti ]
Mit dem grauen Hengst und der Fahne der [ weißen ]
99 He Ni Kaba Nabuasa` nat ian poh sin okem ma na` [ oke ]
Damit Ni Kabas Nabuasa` dies alles in den Händen halten kann und festhält [ dies alles ]
100 Natikan nao Kiuk Enum Ponainenut Buninum Faut [ Mnanu ]
Er das Land ausdehnt, und bis nach Kiuk Enu und Ponai Nenu geht, bis nach Boniun und Faut [ Mnanu ]
101 Neu es iyat Luke Sepem Nas Banot napohta lek-lekom nana`ta [ lek-leok ]
Dafür auch luke sepe und sas bono, damit er beides gut mit geschlossenen Händen umfassen kann und es festhält [ besonders gut ]
102 Neu Ni Manun Babis nok penpen me`am bikaes [ me` ]
Für Ni Mnanu Babis die rote Fahne und den Hengst den [ roten ]
103 He natika nao Benam Humonet Lulfam [ Batun ]
Damit er das Land ausweitet und bis nach Bena, und Ul Mone geht, nach Luluf und [ Batnunu ]
104 Okat naitnan puin nua`am manak [ nua ]
Schließlich hob er in ihren Rang, die zwei Maiskolben, und die Köpfe die[< zwei ]
105 Ni Ut Nome Ni Suin Teflopo napohtan tenim nana`at [ ten ]
Ni Utan Nome, Ni Suni Teflopo damit auch sie in den geschlossenen Händen halten und festhalten [ für immer ]
106 Penpen muti nua sinim bikaes moen abu [ nua sin ]
Die weiße Fahne nahmen sie beide und den grauen Hengst erhielten [ sie beide ]
107 He natikan bi sin paham [ sin nifu ]
-Um ihr Land auszudehnen und [ ihren See ]
108 Henait hit tuak hit usik hit enkam [ hit amak ]
Damit unser Herr, unser Herrscher, unsere Mutter und [ unser Vater ]
109 Bukae sis fafit nalalim bukae mak anet [ nalali ]
Sein Schweinefleisch aufessen und seinen Ladangreis [ aufessen kann ]
110 Es aenet on iyam manaonet [ on i ]
So hat es sich ereignet und zugetragen hat es sich [ so ]

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