Meo Nae Meo Kliko

Die Grenzen der politischen Territorien Kuan Fatu und Lasi

Die historische Überlieferung der Atoin Meto in Amanuban bewahren Spezialisten (mafefa, der einen Mund hat) in Form konkurrierender Versionen regionaler Geschichte (tonis), die gleichzeitig ethnische und Klanidentität stabilisieren und sichern. Im Verlauf geredeter Riotuale komponiert der Mafefa komplexe Dichtungen (tonis) aus dem Stegreif, die in dieser Form nicht wiederholbar sind.

Die folgende Tonis-Dichtung, die Musa Seo im Juli 1992 vortrug, behandelt die Landmarken der Territorien von Sole, dem Meo Nae Baman in Kuan Fatu und Nabuasa`, einem der drei Meo Kliko Banam in Lasi. Diese beiden Namengruppen (kanaf) repräsentieren, einst wie heute, die politische Elite dieser beiden politischen Territorien in Südamanuban.

Die historischen Ereignisse, auf die Seos Dichtung sich bezieht, scheinen sich nach dem Krieg ereignet zu haben, den Tubani Nope im 17. Jahrhundert gegen den autochthonen Herrscher im heutigen Südamanuban – Abi Loemnanu – führte (vgl. meine Untersuchung Die Kuan-Fatu-Chronik, die den Abi Loemnanu-Text als Grundlage der Analyse der mündlichen Dichtung der Atoin Meto vorstellt). Die Verleihung der Titel Meo Nae und Meo Kliko regelt die politisch-territoriale und soziale Hegemonie der Namengruppen in dieser Region und bindet ehemalige Vasallen Abi Loemnanuns an die Nope-Dynastie. Meine Angabe nach dem Krieg bezieht sich allein auf die Überlieferungsperspektive der Dichter-Sprecher (mafefa) in Kuan Fatu und ist relativ zu verstehen. Legendenbildung und Regionalgeschichte im Umfeld oraler Literatur kennt keine absolut chronologischen Angaben.

Musa Seo, dem dieser Text zu danken ist, war während meines Aufenthalts in Kuan Fatu der vorerst letzte politische Sprecher (mafefa) der Sole-Babis-Kanaf. Seine Nachfolge war bei meiner Abreise noch ungeregelt. Weil seine Dichtung nur die historische Perspektive des Kuan Fatu-Adels reflektiert, nicht die der Namengruppen aus dem benachbarten Lasi, ist sie kanafzentrisch wie die entsprechende Lasi-Version, die die Nabuasa`-Namengruppe priorisiert, auch. Wie jede andere regionale Überlieferung der Atoin Meto konkurriert sie mit vergleichbaren Versionen mytho-historischer Ereignisse, beleuchtet schlaglichtartig den für die eigene Gruppe wichtigsten Aspekt. Neben der Überlieferung grenzsetzender Landmarken, die gleichzeitig die Migration der jeweiligen Gruppe erinnern, übernimmt eine Tonis-Dichtung auch die Aufgabe, das soziale und politische Prestige einer Namengruppe zu mehren. Die historische Wahrheit, wenn es denn überhaupt eine solche gibt, liegt allenfalls zwischen einzelnen Versionen.

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