Meo Nae Meo Kliko: Dichtung

Für das Verständnis des folgenden Textes setze ich die Dokumentation und die Ergebnisse meiner Untersuchung Die Kuan Fatu-Chronik voraus.

Textsegment 1: Thema und Kontext der Dichtung (Vers 1 – 4)

1 Neno pinat, neon aklahat – matua kaut mausi kaut maama kaum [ maena kau ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du Versengende – mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]

Die in der Kuan-Fatu-Chronik äußerst charakteristische Zeugen- oder Botenformel Neno Pinat Neon Aklahat, grammatisch korrekt Neon Apinat, Neon Aklahat, habe ich im Kommentar zu Vers 1 von Die Ernennung der Meo Naek Banam ausführlich erläutert und interpretiert.

2 Pen-pen nalali sona bnao ni fanu Nenu Banamat Bunuam [ Bi Ten ]
Nachdem das Dach des Sona Bnao mit den acht Pfosten gedeckt war in Nenu, Banam und in Bunu und [ Bi Teno ]

Für Bedeutung und Umfeld des Namens Sona Bnao vgl. Die Ernennung der Krieger-Kopfjäger Banams.

3 Ni Nuban, Ni Toli, Ni Poli, Ni Amu, Ni Nope bi Klabnam Tain Lasit Maunum [ Nik-Nik ]
Ni Nuban, Ni Toli, Ni Koli Ni Amu, Ni Nope in Klaban und Tain Lasi, in Maunu und [ Niki-Niki ]
4 In neknam in tainat in nopnam [ in nanan ]
Seine Gedanken und sein Wille, seine Gefühle und [ sein Innerstes ]

Das Eigennamenbündel in Vers 3 zählt im ersten Teil die mit Nope alliierten Namengruppen auf. Das Ortsnamenbündel in der zweiten Hälfte des Verses nennt die mit dem Nope-Sonaf in Niki-Niki assoziierten Ritualorte.
Die Bedeutung der parallelen Wortpaare in Vers 4 habe ich in meinem Essay Damit Dein Herz versteht, damit Dein Bauch begreift ausführlich beschrieben und interpretiert.

Textsegment 2: Grenzziehung in Südamanuban (Vers 5 – 34)

5 Es na neno i leun Ni Laep Isum man pi` o lanan man nao [ lanan ]
Und an diesem Tag wurde Ni Lape Isu angewiesen den Weg zu beschreiben und [ dem Weg zu folgen ]
6 Netu Ayo Toenam tu` i [ Ayo Toen ]
Zum Hügel Ayo Toen und zur Anhöhe [ Ayo Toen ]
7 Neno pinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
8 Na` an lulun paham mana lul [ nifu ]
Um das Land zu bestimmen und um anzuweisen den [ See ]
9 Neno pinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
10 Es Kaulam Foi Fatuam Si` u nonon neno pinat neon [ aklahat ]
Nämlich Kaula, Foi Fatu, Si` u Nono – Himmel du Strahlender, Sonne du [Versengende ]
11 Napau neu tasit ten tipu` on fain neman li` ok [ fain nem ]
Am Meer hielt er inne und kehrte zurück, kehrte um, wendete und [ kam zurück ]
12 Nak lel on man baina neu neno in tesnam neno [ in mofum ]
Wendete und blickte in Richtung Westen, [ nach Westen ]
13 Neno pinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
14 Es Ayo Toenenu Oe Haen neno pinat neon [ aklahat ]
Nämlich von Ayo Toen nach Oe Haen – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende ]
15 Okat Oe Haen Kobe Bi Uki neon apinat neon [ aklahat ]
Und nachdem er nach Oe Haen gezeigt hatte, wies er nach Kobe Bi Uki – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
16 Kobe Bi Uki Nono Namen neno pinat neon [ aklahat ]
Und von Kobe Bi Uki zum Nono Lamen – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
17 Nono Namen Oe Sena neno pinat neon [ aklahat ]
Von Nono Lamen nach Oe Sena – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende ]
18 Na` okat No` Fatum Boilasi Nifu Pap neno pinat neon [ aklahat ]
Und schließlich nach No´ Fatu, Boilasi und Nifu Pap – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
19 Na` Boilasi Nifu Pap neno pinat neon [ aklahat ]
Boilasi und Nifu Pap – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
20 Nifu Pap Noe Saha neno pinat neon [ aklahat ]
Von Nifu Pap nach Noe Sahan – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende ]
21 Noe Saha Kelo Nakaf neno pinat neon [ aklahat ]
Von Noe Sahan nach Kelo Nakaf – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende ]
22 Nanbol neu Faut Kelo neno pinat neon [ aklahat ]
Und kam dann in Faut Kelo an – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende ]
23 On mone nae moen [ kliko ]
Nämlich der Mone Nae und der Mone [ Kliko ]

Ni Lape Isu, der in Vers 5 erwähnt wird, ist einer der beiden Usif, der andere ist Nakamnanu, der hier die Funktiion der Landverteilung wahrnimmt und den verdienten Nope-Vasall Ni Sole mit einem Lehen beschenkt. Die in den Versen 14 bis 22 aufgezählten Orte, wobei der Uis Banam in jedem Vers als Zeuge angerufen wird, bezeichnen Landmarken, Hügel (ayo), Felsen (fatu), Quellen (oe), Bäche (nono) und Flüsse (noe) sowie Tümpel und Seen (nifu), die die Grenzen des Territoriums von Ni Sole beschreiben.
Mone Nae oder Mone Kliko, der männlich Ältere beziehungeweise der männlich Jüngere hinischtlich seiner kriegerisch-männlichen Eigenschaften und Kompetenzen, sind synonym mit Meo Nae und Meo Kliko und militärsche Rangbezeichnungen für Sole und Nabuasa` (meo, Krieger-Kopfjäger). Es besteht kein Unterschied, es sei denn, dass die in Vers 23 verwendete Metapher persönliche Qualitäten, die andere das politische Amt dieser beiden Meo Naek Banam im Auge hat (naek, groß; nicht zu verwechseln mit nae, älter; Sole als nae ist der ältere Bruder von Nabuasa`, als Meo Naek ist er einer der vier großen Krieger-Kopfjäger Banams). Bezogen auf die sozialen Beziehungen und Hierarchien auf der Ebene von Lineage und Klan berührt nae in der Aussage des Verses verwandtschaftliche Beziehung olif-tataf, jüngerer-älterer-Bruder.

24 Sini eu kenuat es nane sini tef kenuat [ es nane ]
Die sich dort trafen und die zusammengetroffen sind [ dort ]
25 Sini mnah kenuat es na sinim mniun kenuat [ es na ]
Die dort gegessen haben und die getrunken haben [ dort ]

Das parallele Wortpaar ekun und tefan bezeichnet in den Tonis-Dichtungen das (Zusammen-)treffen oder die Begegnung von sozialen oder politischen Gruppierungen. Sin euk enuat sin tef kenu bedeutet entsprechend Sole und Nabuasas Begegnung, ihr Zusammentreffen. Vers 23 nennt Sole und Nabuasa`, den Mone Nae und der Mone Kliko, die laut Zeile 24 am Nifu Pap zusammentrafen und zwar während des Abi-Krieges. Später definiert Isu dann den Nifu Pap als eine der Grenzmarken des im Abi-Krieg von Nope hinzugewonnenen und geschenkten Territoriums. Mit diesen beiden Zeilen erinnert Musa Seo an die Grundlage der Beziehung zwischen Sole und Nabuasa`.
Vers 25 erwähnt mit sin mnah kenuat sin mniun kenu ihren Hunger und ihren Durst. Diese Metapher hat eine doppelte Bedeutung: Einerseits drückt sie den Hunger und Durst nach neuem Siedlungsland aus, wie schon hinsichtlich von Ni Nope Sanak Lehenforderung in der Tonis-Dichtung über den Abi-Krieg beschrieben. In diesem Text wird die heiße Sphäre der Kriegsmagie (der le`u musu) durch die Gabe eines Lehens abgekühlt und damit das Ergebnis dieses Krieges besiegelt. Andererseits bezeichnet die Hunger-Durst-Metapher Land und Landbesitz, den Ort, an dem sich der Vasall niederlässt, an dem reiche Ressourcen vorhanden sind, guter fruchtbarer Boden, Quellen und Nutzbäume, von dem Sole ißt und trinkt und von dem Nabuasa` isst und trinkt.

26 Natik pah Nenu Banamat Bunuam [ Bi Ten ]
Und ausdehnten das Land Nenu, Banam und Bunu und [ Bi Teno ]

Natik und nasap sind ein paralleles Wortpaar mit vergleichbarer Bedeutung. Beide Worte weisen auf eine Tätigkeit hin, bei der etwas von sich weg und nach (weiter) vorne geschoben wird. Während natik ein Vorwärtsschieben mit dem Fuß meint, dessen Ferse dabei fest gegen den Untergrund gedrückt wird, muss man sich bei nasap ein einmähliches, aber dennoch kontinuierliches zur Seite schieben mit dem Fuß vorstellen. Handelt es sich natik um ein Vorwärtsschieben nach vorne, ist mit nasap ein Wegschieben zur rechten oder linken Seite gemeint. Im übertragenen Sinne beziehen sich die beiden Begriffe auf die Tätigkeit, auf die Pflicht und Verantwortung des Krieger-Kopfjägers (meo) für das ihm zum Schutz anvertraute Territorium. Beide Verben müssen im übertragenen Sinn als ausdehnen und ausweiten übersetzt werden. Wesentlich ist in diesem Zusammenhang das parallele Wortpaar, das den aktuellen Zustand eines Teritoriums angibt, das ausgedehnt und erweitert werden muss: Ma`lenat / manuan, das heißt, ein Territorium ist entweder begrenzt und eng, überbevölkert könnte man auch sagen oder weit und ausgedehnt und damit geeigneter neuer Siedlungsraum, der zur Migration einlädt.
Das Ortsnamenbündel in diesem Vers bezieht sich auf Amanuban (Banam), beziehungsweise auf einzelne Regionen dieser Landschaft, das vergrößert (erobert) werden soll.

27 Nenuonam nakonbon – neno pinat neon [ aklahat ]
Es weit machten und groß machten – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [Versengende ]

Nenuon bedeuter lang (gestreckt), muss in den Tonis-Texten aber als weit, ausgedehnt verstanden werden. Dieses Verb findet immer dann Verwendung, wenn man ein Territoriums als ausreichend groß und ausreichend reich an Ressourcen für die gegenwärtige Bevölkerung einschätzt.
Nakonbon, in der gleichen Bedeutung, verwendet die rituelle Rede als Parallelwort.
nNnuon / nakonbon bezeichnet das Resultat der Aktivität der Meo, die das Land breit treten wie ich schon hinischtlich Vers 26 erläutert habe.

28 Kan uk nale` ubonam kan ek [ nale` u ]
Damit es nicht gefaltet, nicht zerstört wurde und nicht bedeckt, nicht [ zerstört wurde ]
29 Neno pinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
30 Oktan batin tenim man bo` [ ten ]
Und schließlich wurde es weiter geteilt und zugeteilt wurde es [ weiter ]
31 Nok Ni Fa` ot neno pinat neon [ aklahat ]
Mit Ni Fa`ot – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Batin und bo` in Vers 30 sind ein paralleles Wortpaar in der Bedeutung von teilen, aufteilen. Zusammen mit Vers 31 thematisiert der Dichter-Sprecher eine weitere Grenze, nämlich die zwischen Nabuasa` und Fa`ot im heutigen Desa Tetaf (Westamanuban), die nördliche Grenze von Lasi. Diese Region gehörte ehemals zum reich von Abi Loemnanu und wird nach dessen Niederlage den Nope-Verbündeten, nämlich Fa`ot und Bel gegeben, die zu den Meo Humone, den Krieger-Kopfjägern der Savanne gehören. Im Unterschied dazu gehören Sole und Nabuasa` zu den Meo Lamu, den Krieger-Kopfjägern des Waldes, beide Titulaturen in Bezug auf den Charakter der Landschaft in der diese Namengruppen siedeln.

32 Es at na` ko Supul neno pinat neon [ aklahat ]
In Supul – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
33 Leuk nana Noe Hiukenu in nonon bol aha` Mio neno pinat neon [ aklahat ]
Dem Noe Huki folgend bis nach Mio – Himmel ,du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Der Noe Huki, ein Fluß, der durch Nulle, Mnela Lete (Namengruppe Selan) fließt, bildete eine weitere begrenzende Landmarke. Mio ist das heutige Desa Mio in Südamanuban.
Beide Ortsbezeichnungen markieren die nördliche Grenze des Nabuasa`-Territroiums, die dieser mit Fa`ot gemeinsam hat.

34 Es nak sinit nak on Linah LakSopot Usapi Ta` eli neno pinat neon [ aklahat ]
– Deshalb nennt man sie Linah Laksopo und Usapi Ta`eli – Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Linah ist der Granatapfelbaum (Punica granatum; BI delima) und usapi (Schleichera oleosa MERR.; BI kusambi). Laksopo ist einer der Ehrennamen (kan akun von Nabuasa`, während Ta`eli einer der kan akun von Fa`ot ist.
Vers 34 nennt in metaphorischer Rede die Protagonisten der historischen Ereignisse. Linah Laksopo / Usapi Ta`eli erinnert an das Ritual, das anlässlich der Grenzziehung, der Regelung des territorialen Besitzes zwischen Fa`ot und Nabuasa`, stattfand. Fa`ot und Nabuasa` befanden sich dabei auf den gegenüberliegenden Ufern des Flüßchen Noe Huki. Während Nabuasa`, als Ni Isu die Grenzmarkierungen nannte, an einem großen Linah-Baum lagerte, weilte Fa`ot unter einem Usapi-Baum.

Textsegment 3: Legitimation und Motivation der Tonis-Rede (Vers 35 – 49)

35 Es matua kaum mausi kaut maama kaum [ maena kau ]
So besitze ich einen Herrn, einen Herrscher, einen Vater und [ eine Mutter ]
36 Koen nabetin funam natef tan nonom [ natef ]
Die Jugend streift umher, trifft zusammen, zieht umher und [ trifft wieder zusammen ]
37 Nen toinat nahin ma nen a` nat [ nahin ]
Hört die Rede und versteht sei, hört die Worte und [ versteht sie ]
38 Henati bi neno amuintam fai [ amunit ]
Damit in den kommenden Tagen, den Nächten [ die kommen werden ]
39 Mikfili nabalahat miponi [ nabalah ]
Der Fili bestehen bleibt, der Poni [ erhalten bleibt ]
40 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
41 Neu afi fef bela han bela mone nae moen [ kliko ]
Denn früher wurde es so geordnet zwischen dem Mone Nae und dem Mone [ Kliko ]

Das Verb bela, niederlegen, deponieren, in Vers 41 muss im übertragenen Sinn als etwas ausdrücken, etwas äußern übersetzt werden. Die metaphorische Bedeutung dieses Verses verifiziert die Entscheidung hinischtlich der Grenzmarkierungen zwischen den Lehen, die dem mone nae und dem mone kliko zugewiesen werden.
Ein anvertrautes Gut, ein Mandat, für das die Treuhänderschaft übernommen wurde, wird im Tonis als fefan bela // hanan bela symbolisiert (fefan, Mund, hanan, Stimme). Wörtlich bedeutet dieses Wortpaar den Mund bewahren // die Stimme bewahren und ist eine Metapher für Funktion und Absicht eines Tonis-Dialogs, der darin besteht, Überlieferungen zu bewahren und zu tradieren (nabela, (auf)bewahren). Fef bela // han bela bezeichnet eine Ordnung, die einst von den Vorfahren aufgestellt wurde. Die möglichen Urheber für eine solche Übereinkunft sind die Ahnen, die Ältesten oder der Uis. Von der Nachkommenschaft beziehungsweise der Gefolgschaft wird erwartet, dass sie sich an diese Ordnung binden, ihr folgen, sodass diese Übereinkunft bewahrt und nicht vergessen wird.

42 Neno pinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
43 Nateta fuf kenum nahakeb hae kenu neon apinat neon [ aklahat ]
Den Kopf von unten einstechen, um die Füße anzuheben- Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Die Metapher in Vers 43 besteht aus zwei Teilen: nateta fufun bedeutet den Kopf von unten her einstechen (fufun, Scheitel; der Teil des Kopfes, auf dem Frauen ihre Lasten tragen) und nahake hae, die Füsse nach oben hochheben: etwas in den Kopf stechen, um so die Füsse vom Boden abzuheben.
Die Gemeinsamkeit des Meo Nae und des Meo Kliko besteht in ihrer Funktion für das Usiftum Banam, dieses zu sichern und weiter auszudehnen. Das Potential, die kämpferische Kraft dieser beiden großen Krieger-Kopfjäger, besonders wenn sie gemeinsam handeln, ist vergleichbar mit dem Schrecken, den dise Metapher androht. Sie erinnert den Zuhörer an die grausame Strafe des im feudalen Amanuban verhängten Pfählens (pos manu) auf mit Öl präparierten Bambusstäben.

44 Tatik pahan funam natef tan nonom [ natef ]
Damit das Land ausgeweitet und breit werden konnte, streiften sie umher und trafen aufeinander, umkreisten das Land und [ trafen wieder zusammen ]
45 Tasap pahan funam natef tan nonom [ natef ]
Machten das Land breit, streiften umher und trafen zusammen, umkreisten das Land und [ trafen aufeinander ]
46 Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope ona tefu po` an nuam on ai pina [ nua ]
Ni Nuban, Ni Toi, Ni Koli, Ni Toli, Ni Amu, Ni Nope legten zwei Zuckerrohrgärten an und die Feuerflammen [ die beiden ]

Die beiden Zuckerrohrgärten (tefu po`an nua) und die beiden Feuerflammen (ai po`an nua) stehen metaphorisch für die beiden neuen Usiftümer. Der Dichter-Sprecher spricht in Vers 46 zwei (nua) Einheiten an, Gärten und Flammen, die an Sole und Nabuasa` gegebenen Lehen.

47 Manu hana nuam on ai pina [ nua ]
Einen Hahn mit zwei Stimmen und das eine Feuer, mit den Flammen [ mit beiden ]

Der Parallelismus manu hanan nua / ai pina nua in Vers 47 nimmt auf die veränderte politische Situation in Banam nach der Vertreibung Abis Bezug. Der Hahn mit den zwei Stimmen (manu hanan) und die beiden Feuerflammen (ai pina) bezeichnen Sole und Nabuasa`, die die nach dem Abi-Krieg neu gewonnene Einheit Banams verteidigen und bewahren sollen. Um die ehemaligen Abi-Vasallen an sich zu binden, gab Nope ihnen ihr Land und ihren See (pah ma nifu).

48 Koe bako nuam ma baf [ nua ]
Hörten zwei Freudenjubel und die Schreie [ die beiden ]

Erneut variiert entspricht Vers 48 in seiner Bedeutung den vorausgehenden Versen 46 und 47. Sole und Nabuasa` jubeln und freuen sich über das ihnen anvertraute Lehen.
Im feudalen Amanuban war es früher üblich, in den Sonaf singend einzutreten. Dieser Gesang begleitete die Präsentation der Erstlinge der Ernte und der Ernteabgaben (poni pah) an den Usif, dem man tributpflichtig war. In Rhythmus und Melodie gleicht dieser Gesang demjengen der Bonet-Tänze und in beiden Fällen ist es üblich, in einer Art Sprechgesang der Situation angemessene Verse ne zu rezitieren. Solche Gesänge hießen koe bako (koe, ein individueller Ruf oder Schrei ähnlich dem Jodler).
Bei einem baf handelt es sich um einen in Melodie und Rhythmus völlig anderen Sprechgesang, der von Freude und Applaus gekennzeichnet ist. Während des Eintretens, des Einzugs in den Sonaf verband man früher diese beiden Arten des Sprechgesangs zu einer Abfolge.
Während der koe bako eine feierliche, fast ehrfürchtige Rezitation ist, steht bei einem baf der Jubel applaudierender Zustimmung im Vordergrund.

49 Neno pinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]

Textsegment 4:Abschluss (Vers 50 – 59)

50 Es aub om im u` taim [ on i ]
Sodass ich mich so respektvoll nähere und es entgegennehme [ so ]

Aub bedeutet ankommen um Respekt zu zollen, eine Handlung, die mit dem Entgegennehmen einer Anordnung oder eines Befehls verbunden ist. Utaim entspricht dem Parallelwort simo, entgegennehmen, empfangen.

51 Ablas on iyam ubhae [on i ]
Meine Arme so respektvoll über der Brust gekreuzt und den Willen erfülle [ auf diese Weise ]

Ablas bezeichnet die Geste, die im Angesicht des Uis eingenommen wurde. Mit untergeschlagenen Beinen, die Arme vor der Brust verkreuzt, nahm einst der Untergebene den Willen des Fürsten mit gesenktem Haupt entgegen. War es nötig, dem Uis zu antworten, so bedeckte der Sprechende den Mund mit erhobenen, gefalteten Händen (aub ma u`tain), vermied es dabei, ihm in die Augen zu sehen. Dies wäre als Respektlosigkeit aufgefasst worden, die einer Anmaßung gleichgekommen wäre. In dieser Haltung ist der Untergebene bereit, den Willen des Fürsten entgegenzunehmen und seine Befehle auszuführen. Ubhae bedeutet dienen, zu Willen sein, zur Verfügung stehen. Die abhae sind die Diener im Palast, die dem Usi für die verschiedensten Tätigkeiten zur Verfügung stehen.
Die vier Begriffe aub und utaim (Vers 50) sowie ablas und ubhae bezeichnen Haltungen und Verhaltensweisen der Demut und des Respekts im Angesicht des absolut regierenden Usi, der als neno anan, Kind der Himmelsgottheit Uis Neno, betrachtet wurde.
Ablas / ubhae beschreibt eine andere Gestik, die ebenfalls die höfliche Unterordnung und respektvolle Zurücksetzung der eigenen Person ausdrückt. Diese Haltung entspricht dem Atoin-Meto-Ideal des gesitteten Menschen, der die geltenden Konventionen kennt und beachtet.

52 Au tuak au usi kam au amkam [ au enak ]
Mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]
53 Naitin nen toinat nahinem nen a`nat [ nahin ]
Sodass meine Rede Gehör findet und verstanden wird, meine Worte gehört und [ verstanden werden ]
54 Nak iyam fain nu`un leta neu suf amuintam taub [ amunit ]
Sie wurden gesprochen als Erzählung, als Gleichnis für die kommende Generation, für die Zeit, [ die kommende ]

Nu`un und leta in Vers 54 bezeichnen literarische Genre, nu`un undifferenziert jede Art von Erzählung, sei es Märchen, Legende, Genealogie oder die historischen Berichte der Tonis-Gattung.
Leta bringt einen Vergleich zum Ausdruck, ein Sinnbild, Gleichnis oder Ähnliches. Als leta bezeichnet man auch ein Gleichnis oder Sprichwort, das ein erwünschtes Verhalten auslöst, eine Redewendung, die erzieherischen Wert besitzt und als Handlungsorientierung im Sinne der Adat gedacht ist. Fefan bela // hanan bela fließt durch seine bindenden Auswirkungen in die nu`an oder leta` genannten Textsorten ein.
Das parallele Paar sufan amunit / tabu amunit verweist auf die kommenden Blüten (sufan), die die Nachkommen sind und die kommende Zeit (tabu), die Zukunft, die Zeit der folgenden Generation.

55 Neon apinat neon [ aklahat ]
Himmel, du Strahlender, Sonne, du [ Versengende ]
56 Esa ablas on iyam ubhae [ on i ]
Sodass ich die Arme respektvoll über der Brust kreuze und dir diene, [ auf diese Weise ]
57 Aub on iyam u`taim [ on i ]
Ich mit untergeschlagenen Beinen sitze und deinen Willen respektvoll entgegennehme, [ auf diese Weise ]
58 Au tuak au usik au amkam [ au enak ]
Mein Herr, mein Herrscher, mein Vater und [ meine Mutter ]
59 Nen toinat nahinem nen a`nat [ nahin ]
Hört meine Rede und versteht sie, hört meine Worte [ und begreift sie ]

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