Das Feldforschungstagebuch

Die Feldforschungstagebücher widme ich
meinen Führern durch die Kultur der Atoin Meto,
dem Bauer Abraham Aleksander Sakan aus Eno Kiu,
dem Fürsten Charles Zeth Babys aus Kuan Fatu,
dem Mafefa Musa Seo, Sprecher des Fürsten in Kuan Fatu,
dem Dichter-Sprecher Johan Christian Sapay aus Nunusunu

Obwohl der Entstehungszusammenhang ethnologischer Daten meist verschämt verschwiegen oder nur explizit angedeutet wird, bewegt sich ethnographische Forschung doch immer zwischen den beiden Polen der Subjektivität des Wissenschaftlers und seinem Bemühen, die in fremden Kulturen gesammelten Daten nach dem Reglement zu präsentieren, das ihm seine Wissenschaft vorschreibt. Ironisch getönt findet Vincent Capranzano für diesen Konflikt die geeignete Formel, indem er den Ethnographen mit dem Götterboten Hermes vergleicht: Als Hermes die Aufgabe des Götterboten übernahm, versprach er Zeus nicht zu lügen. Aber er versprach nicht, die ganze Wahrheit zu sagen. Zeus verstand. Der Ethnograph nicht.

Erntedank in Niki-NIki

Die Auseinandersetzung mit ethnographischen Monographien und ethnologischen Analysen führt zu der überraschenden Feststellung, dass in der Mehrzahl dieser Publikationen der Autor sich nicht als Subjekt versteht. Erst in der jüngeren Vergangenheit verspüren Ethnologen vermehrt das Bedürfnis, offen über die subjektive Dimension ihrer Feldforschung zu berichten.

Der Bruch mit der Tradition des Malinowskischen Mythos liegt wohl darin, dass wir heute versuchen, die Grenzen der Feldsituation und den Entstehungszusammenhang der Daten offen zu schildern. Ob die so entstehenden neuen Monographien fremde Kulturen besser widerspiegeln als die Schriften der Klassiker unseres Fachs, wird sich erst noch erweisen müssen.

Die Kapitel meines Feldforschungstagebuchs sind chronologisch gegliedert, in der Reihenfolge ihrer Entstehung. Bei der Lektüre ist zu beachten, dass es sich bei diesen Texten um originale, unveränderte Dokumente meiner Forschung handelt. Sie geben einerseits meine Erlebnisse und Erfahrungen, Gedanken und Gefühle, die gesammelten Daten und Informationen im Kontakt und in den Gesprächen mit meinen Informanten wieder, andererseits dokumentieren sie die indigenen Meinungen und Überzeugungen der Kulturteilnehmer, ihr Wissen über ihre Kultur: unbearbeitet, unkommentiert und unzensiert. Aufgrund ihrer chronologischen Präsentation spiegeln sie jeweils immer nur meinen aktuellen Kenntnisstand.

Copyright 2014. All Rights Reserved (Texte und Fotografien)

Die Feldforschungstagebücher sind urheberrechtlich geschützt. Die Kapitel (Websites) dürfen nicht kopiert und die Inhalte nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.
Jegliche unautorisierte gewerbliche Nutzung ist untersagt.

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