Niki Niki Un, 24. – 26. Mai 1992

Interview mit Tipe Mesahk Banamtuan, Teil Eins

Tipe Mesahk Banamtuan ist ein Nachkomme aus der weiblichen (feto) Linie der Nope-Dynastie. Er ist Nachkomme einer Linie, in der das Amt des Meo Usif vererbt wird (mamuit). T.M. Banamtuan hat ein Kompendium über Persönlichkeiten, Herkunft und Titel in Amanuban angelegt, das er als Grundlage für seine Tonis-Reden verwendet.
Tipe M. Banamtuan, Pemangku Adat in Meu, bezeichnete seine Zusammenarbeit mit mir als ein kleines Geschenk für mein Engagement, traditionelle Überlieferungen zu reaktivieren.
Die Informationen des Interviews mit T.M. Banamtuan entstanden im Zusammenhang mit mehreren exegetischen Interviews zu dem in Meu, Niki Niki Un durchgeführten Rollenspiel Die Lebenszyklusrituale der Atoin Meto in Amanuban, Rekonstruktion regionaler Erinnerung für das Theater, das im Februar 1992 als dramatische Performance unter der Leitung von Lukas Nope Banamtuan aufgeführt wurde.
Das Interview fand in Form einiger kleinerer, nicht-standardisierter Gespräche während der Pausen zwischen den einzelnen Interviewphasen zu den Inhalten des Rollenspiels statt. Sie bezogen sich auf offene Fragen und alternative Auffassungen zur Geschichte Amanubans, die ergänzend eine unterschiedliche Version der regional-historischen Daten von Y.K. Sapay aus dem Historiker-Seminar in Kuan Fatu priorisierte.
Daneben ergaben sich beinahe zufällig weitere Angaben zur Genese des `Kai mnutu wie sie im Fa`ot-Interview beschrieben ist.

Sole als Meo Banam

Früher siedelte die Namengruppe Sole im Gebiet des heutigen Desa Ofu. Sie stand zu Abi (Jabi) in einem Vasallenverhältnis und diente ihm als Meo. Nachdem Nope Abi aus Amanuban vertrieben hatte, wurde Sole, der inzwischen weiter nach Osten, mit Stammsitz in Bes Le`u (heute Desa Silo) gezogen war, zum Meo Banam berufen. Sole, der nach Bes Le`u ging, erhielt den Beinamen Sole Molo. Ein anderer Zweig der Namensgruppe Sole zog von Ofu aus westwärts und siedelte sich um den Kuan Fatu an. Diese Gruppe erhielt den Beinamen Sole Molo.
Später kam es zu einem Zerwürfnis von Sole in Bes Le`u mit Usif Nope in Tunbes. Der Namengruppe Sole in Bes Le`u wurde daraufhin Titel und Rang des Meo Banam aberkannt. Dieses Zerwürfnis basiert auf drei Übergriffen Soles gegenüber der Autorität seines Usifs:

  • seiner Weigerung, eine seiner Töchter als Konkubine des Usif in den Nope-Sonaf nach Tunbes zu bringen;
  • der Verwendung von Namen, die für die herrschende Nope-Linie reserviert waren, nämlich des Vornamens Baki; andere unerlaubt verwendete Namen sind: Kusa, Pae und Le`u;
  • der illegalen Vewendung der Namensbildung Noep-Sole beziehungsweise Soel-Nope, die Gleichheit zwischen Usif Nope und seinem Meo Sole unterstellt.

Koli, Toli, Amu, Nope, Nuban und Toi

Hinter den Personennamen dieses Eigennamenbündels, dass in den Texten der Kuan-Fatu-Chronik die Alliierten der Nope-Dynastie repräsentiert, verbergen sich die folgenden Namengruppen:

  • Koli = Isu;
  • Toli = Nakamnanu;
  • Amu = Usif Noemuti (Kaes metan; Keos ha Moen ha);
  • Nope = Nope;
  • Nuban = Nuban / Nubatonis;
  • Toi = Sae und Ba`ok (die Nope-Nebenlinie in Babuin);

Keos ha Moen ha

Unter einer keos ha moen ha -Allianz (die vier Stiere, die vier Männer) verstehe ich die autochthone, sozio-politische Struktur einer politischen Basiseinheit der Atoin Meto in Amanuban. In der modernen Bahasa Indonesia bezeichnet man eine solche soziale Einheit als suku. Dieser Begriff drückt aus, dass es sich hierbei dieser um ein sozial zusammengehörige Organisationsstruktur handelt, deren Ganzheit durch verwandtschaftliche Beziehungen (affinal), ein gemeinsames Siedlungsgebiet, gemeinsam ausgeübte politische Macht und gemeinsame Rituale charakterisiert werden kann. Strukturell betrachtet fällt die keos ha mone ha genannte, sozio-politische Einheit, die Schulte Nordholt (1971) für Insana beschrieben und McWilliam (1989) für Amanuban vorschnell widerlegt hat, mit einer 4+1-Struktur zusammen, die vier äußere, politische Funktionsträger der Peripherie mit einem rituellen Funktionsträger des inneren Zentrum einer Polis verbindet. Funktionell gesehen besteht diese Struktur aus dem ana`amnes, mehreren meo und einem usif.
Bei den keos ha mone ha handelt es sich um verbündete Namengruppen. Die keos ha moen ha übernehmen gleichzeitig die Rolle der atoin amaf, soziale Funktionsträger, die das politische Zentrum um den usif im Inneren der Struktur, durch Anlegen spezieller Gärten (etu ernähren, und die die jährlichen Erntetribute aus der Landwirtschaft ins Zentrum befördern.
Die keos ha moen ha repräsentieren ebenfalls die autochthone Gruppe, die in anderem Zusammenhang als kua tuaf oder pah tuaf bezeichnet werden.
Der usif trat meistens erst später mit den keos ha moen ha in affinale Beziehungen ein:

  • vom Uis Banam als sein politischer Repräsentant in sein Amt eingesetzt;
  • durch das Eintreffen einer mächtigen eziehungsweise einflussreichen Persönlichkeit, die sich soziale Privilegien und politische Macht über ein Gebiet und dessen Bewohner aufgrund besonderer charismatischer Eigenschaften (nesi</em< oder BI. kelebihan) aneignen konnte.

Diese sozialen Gruppen bilden bis heute eine informelle, herrschende Klasse in einem bestimmten Gebiet. Innerhalb dieses Gebietes üben sie (informell und parallel zur indonesischen Administration) politische Autonomie aus. Nach außen hin ist diese ethnisch definierte Selbstbestimmung der im Laufe der Zeit anwachsenden Hegemonie des Nope-Hofes in Tunbes und später in Niki Niki unterworfen.
In den Tonis-Texten werden diese Allianzen immer durch vier Namen ausgedrückt, die mit einem ebenfalls genannten, aus vier Namen bestehenden Ortsnamenbündel korrespondieren. Die Namen dieser keos ha moen ha beziehungsweise die Ortsnamenbündel repräsentieren sich gegenseitig. Diese keos ha moen ha-Struktur ist ei nicht immer realisiertes Ideal, das oft überschritten wird. Auch sind die Personen- und Ortsnamen in Amanuban nicht überall die gleichen, sondern unterliegen der Perspektive der jeweiligen Namengruppe, deren Tonis-Tradition aktuell vorgetragen wird.

Die folgenden gegenseitig repräsentativen Namenbündel finden sich in T.M. Banamtuans Notizbuch:

  • Die keos ha moen ha-Allianz für die Namengruppe Isu – Punuf und Panab, Manu und Sanaba.
  • Die keos ha moen ha-Allianz für die Namengruppe Nakamnanu – Koi und Neonkeba, Koa und Sni.
  • Toni, Bonat, Neonleni, Hautias, Niskofe und Leosae sind die in Neke, Kualin, Ela, Huma Ta`us und Hu Meto herrschenden Namengruppen.
  • Tusi und Tanu, Leo und Benu sind die in Kusi, Tek-Tek No`, Nifu, Pleo, Hono und Ni Feu herrschenden Namengruppen.
  • Das Ortsnamenbündel für die keos ha moen ha-Allianz Ome und Banu, Neonliu und Atnon ist mir verlorengegangen.
  • Tino und Finit, Babis und Sapai sind die herrschenden Namengruppen, die mit den Orten Lete und Mae, Kua Muke und Nai Metan verbunden sind (vgl. den Wiederspruch zu den Tonis-Texten aus Kuan Fatu; Nai Metan identisch mit Bi Taek ???).
  • Die Nitbani-Namengruppe stellt traditionellerweise die beiden O´of (Frauengeber) für die Nope-Dynastie. Die Fraktion in Pene (olif; jüngerer-Bruder-Status) ist mit den Namengruppen (atoin amaf)Fina, Sae, Neonbais, Manu und Liubanu in Pene, Mat Pe`es, Feti, Nabi, Kuku und Tutasin verbunden.
    Zu der Nitbani-Fraktion in Kotolin (tataf; älterer-Bruder-Status) zählen die Namengruppe (atoin amaf) Neonbais, Fina, Sae, Manu. Liu, Tef, Sele und Nesimnasi in Kotolin, Siknoni, Sinoel, Noe Tnana, Siyafu und Fatuat
  • h) Zum ASBANU-O’OF
    Die atoin amaf des anderen Nope-O´of in der Asbanu-Namengruppe, wie sie T.M. Banamtuan aufgezeichnet hat, sind Ta`ek, Neonhai, Tuna, Tapoin, Sone, Neonsae, Toto und Tualaka in Falas, Nabtae, Meni, Nopu, Toto, Oe Kolo, Bui und Sunu.

Bezüglich der beiden Nitbani- und Asbanu-O`of heißt es in Nope-Kreisen, zu denen Tipe Mesakh als ein Banamtuan gehört, sie seien früher die einzigen O´of der Nope-Dynastie gewesen. Die ebenfalls häufig genannten O`of von Sakan und Fa`ot soll es nicht gegeben haben. Vielmehr seien Sakan und Fa`ot (zusammen mit Bel) die meo pelindungi (die beschirmenden Krieger-Kopfjäger), die in den Tonis-Texten metaphorisch ten nine naek, keta nine naek genannten Funktionsträger gewesen.

Die Krieger-Kopfjäger (meo) der Nope-Dynastie

Parallel zu den vier meo naek banam oder meo naek, die Nope in ihre politischem Ämter berief, besteht eine weitere meo-Gruppe, die auf direkte Nachkommen des Uis Banam Nope zurückgeht. Die Stammväter dieser meo sind illegitime Kinder Nopes, mit dieser mit einer seiner Nebenfrauen zeugte. Dem Brauch gemäß, wurden diese Kinder in die Namengruppe (kanaf; Klan) der Herkunftsfamilie (ume; Haushalt) der Frau integriert.
In Gebieten, die früher als unruhige Grenzregionen galten, erhielten die Söhne den Status und das Amt eines dieser meo. Sie waren es, die für die Sicherung der Westgrenze auf dem Gebiet der modernen Desa Hane und Muna (eon neontes) und der Ostgrenze Banams bei Teluk (Oe Uis Neno) (eon neonsaet) zuständig waren. Jede dieser beiden Tore(eno) nach Banam waren von diesen militärischen Funktionsträgern gesichert.
Die Namen dieser Krieger-Kopfjäger Nopes sind in T.M. Banamtuans Notizen folgendermaßen überliefert:

  • Akun Tebi / Kanaf Busi in Tol (heute: Desa Silo) / Osten
  • Akun Soke / Kanaf Telnoni in Ofu (heute: Desa Ofu) / Westen
  • Akun Mamuit / Kanaf Banamtuan in Meu (heute: Desa Niki-Niki Un) / Osten (T.M. Banamtuan gehört zu dieser Gruppe)
  • Akun Tila / Kanaf Tuke in Hoi (heute: Desa Hoi) / Westen
  • Akun (?) Leon Banusu / ??? in Mauleum und Teluk (heute: Desa Mauleum und Teluk)  / Osten
  • Akun (?) Konis Bukae / Kanaf Fa`ot in Tetaf (heute: Desa Tetaf) / Westen

Die diesen Krieger-Kopfjägern vom Uis Banam verliehenen Namen, Tebi, Soke, Tila und Mamuit beziehen sich auf Charakterzüge, Ereignisse oder Handlungen, die mit diesen ersten meo in Verbindung stehen. Leon Banusu bildet dabei eine Ausnahme, während Konis Buake eigentlich Konis Fa`ot heißt.

Obwohl ich akun (ein respektvoll verliehener Ehrenname) schreibe, bin ich mir bei den beiden Namen Leon Banusu und Konis Bukae bewusst, dass es sich hier um metaphorische Bedeutungen handelt, die ich nicht verstehe.
Nach T.M. Banamtuan stammen, außer Leon Banusu, alle diese Krieger-Kopfjäger von Nope-Allianzen mit einer der Amanuban-Namengruppen ab. Leon Banusu dagegen, so Tipe, sei ein Sohn aus der Ehe von Nope mit Baku Banusu oder Akbau To` aus Insana. Meines Erachtens deutet der Vorname, Leon, auf irgendeine Art Verbindung zu den Portugiesen (kaes metan) hin, höchstwahrscheinlich den sogenannten Schwarzen Portugiesen, Europäer die einst Ehen mit Atoin-Meto-Frauen eingingen, und sich so wirtschaftliche Macht und politischen Einfluss sicherten.
T.M. Banamtuan behauptet auch, dass Mamuit derjenige Krieger-Kopfjäger gewesen sei, von dem er selbst abstammt. Der erst Mamuit sei ein Sohn von Kolo Nope gewesen, den dieser mit Timo Nome, einer Tochter eines der vier Meo Naek Banam, nämlich Nome in Hoi, gezeugt haben soll.
Im Verhältnis zu Tila in Tuke habe nämlich in Hoi ein Banamtuan (Mamuit) gesiedelt. Dieser habe zu Tila in einer olif-Tataf-Beziehung gestanden. Nome (in Niki Niki Un) sei in dieser Verbindung der jüngere Bruder (olif für Tule (tataf; älterer Bruder) gewesen.

Die atoin amaf von Tila in Hoi sind: Funan und Mia, Boik und Neonnisa, während in Niki Niki Un die Alliierten von Banamtuan die Namengruppen Meta und Kuafeu, Tefu und Pu`ai sind. Nome, der einst der Brautgeber sowohl für Tila als auch für Banamtuan war, ist ihr gemeinsamer am uf.
Früher in Bena, und später in Hoi, bekleidete Nome zusätzlich das Amt des ana`amnes.

Eine untergeordnete Gruppe von Krieger-Kopfjägern waren einst die meo asu, die gefährlichen, frei beziehungsweise wild herumstreunenden Hunde, die jeden, der ihnen fremd ist, beißen.
Als meo asu wurden neben Fa`ot, zur Sicherung der Westgrenze (eno neontes) gegen die Kolonialmacht Niederlande, die Namengruppen Selan und Ta`uho stationiert. Das assozierte Ortsnamenbündel lautet: Nule, Tenusmala, Loko, Oe Sena, Mela, Koto und Tua Faun.
Nach T.M. Banamtuans Informationen seien die aufgeführten sechs Grenzwächter des nopezeitlichen Banams erst berufen worden, nachdem Usi Urbanu Nope, der Vater von Seo Nope, die vier Meo Banam in ihr Amt eingesetzt habe.

Die vier Meo Naek Banam

Die Namen der vier Meo Naek Banam überliefert T.N. VBanamtuan übereinstimmend mit meinen anderen Indformanten als Sole und Nome, Nabuasa`und Teflopo.
Tipe weiß auch zu berichten, dass Sole und Nome ehemalige Vasallen des legendären Abi Loemnanu gewesen seien.
Nabuasa`und Teflopo sollen in der Vornope-Ära Gefolgsleute von Tkesnai gewesen sein.

  • Sole in Bes Le`u sowie in Aki, Kua Nek, Tutun, Pai, Tol, Saef Neo, Putu und Taktun, die seine Krieger-Kopfjäger stellten. Meo asu habe Sole keine besessen.
  • Nome in Muna, Hane, Seki, Suana, Nunaf, Ul Monet, Munu, Bena, Luluf, Batnunu, Kiko, Ponain, Tesi, Tuapakas, Kok Neo, Fatu Kbubu, Bok Neno und Tua Sena.
    Seine meo asu seien Be`is, Nomleni, Tse, Banfatin, Tenmau und Manobe gewesen.
    Später habe Nome dieses Siedlungsgebiet verlassen. Er sei dem Ruf des Uis Banam (Seo Nope) nach Hoi gefolgt. Seitdem siedelt er dort in Hoi und Neno Tanua, in Pasin und Hu Mone. Das von Nome schutzlos zurückgelassene Gebiet übernahmen, jeder eine Region, Sole und Nabuasa`.
  • Nabuasa` (in der Tunbes-Periode Banams) in Sini und Neof Tasi, in Mekon und Fain Tis.
    Meo asu habe Nabuasa` in der Tunbes-Periode nicht verfügbar gehabt.
  • Teflopo in Puna, Puah Bnao, Polen, Sen Pena, Balu, Laenam, Osu, Asuam.
    Seine meo asu seien Tefnai, Tasoin und Liubanu gewesen.
    Teflopo habe im Norden Amanubans die Grenze gegen das Reich des Sonba`i (Molo-Miomafo) beziehungsweise gegen die Kaes metan in Noemuti gesichert.
    Uis Banam Seo Nope habe Teflopo dort als Meo Naek Banam in sein Amt eingesetzt.

Das Ortsnamenbündel Nenu und Banam, Bunu und Bi Teno

Dieses Ortsnamenbündel nennt repräsentativ das Territorium, das Nuban und Tenis, Asbanu und Nubatonis in der Vornope-Ära beherrschten.

Randbemerkungen zur legendären Persönlichkeit Tkesnai

Die mit Tkesnai zu Bündeln assoziierbaren Ortsnamen sind: Falo, Kua Feun, Sini, Neof Tasi, Mekon, Fain Tis, Ek Menu, Suakolen, Leko Sene und Tai Kalete.
Seine wichtigsten Befestigungen seine Falo und Abi (heute Desa Neke) sowie Saba (heute Kelurahan Niki Niki) gewesen.

Uis Urbanu Nope habe Tkesani nicht in einem Krieg besiegt und ins Exil vertrieben, er habe ihn erschreckt: In die untere Seite von gebündelten, schwarzen Palmfasern der Arenpalme (nao) habe Nope einen Strunk rotes Zuckerrohr gesteckt. An beiden Seiten steckten zusätzlich die in der Trockenzeit roten Blätter des Mangga-Baums.
Solche Konstruktionen hängte er an Tragestangen und ließ sie ununterbrochen durch Tkesnais Territorium tragen. Dieser habe nun angenommen, dass es sich dabei um von Nope erbeutete Kopftrophäen gehandelt habe. Tkesnai habe das rote Zuckerrohr sowie die roten Mangga-Blätter für das geronnene Blut und für die blutigen Fleischteile der abgetrennten Köpfe angesehen, die schwarze Palmfaser für das Kopfhaar. Solchermaßen von der Gefährlichkeit und der militärischen Macht Nopes überzeugt, habe Tkesnai schließlich die Flucht ergriffen und sei nach Putain, und schließlich weiter nach Belu zurückgewichen.

Jabi (oder: Abi Loemnanu)

T.M. Banantuan weiß von einem singulären Ereignis des Abi-Loemnanu-Kriegs, der so in der Kuan-Fatu-Chronik nicht erzählt wird:
Im Krieg gegen Jabi war das erste Opfer, das geköpft wurde Maku Boibolan. Der Platz in Niki Niki, wo dies geschah, heißt bis heute Boibalan. Geköpft haben ihn Boimau und NaA`at, die damals Vorhut von Nopes Heer bildeten.
Der von Nope verjagdte JABI heißt
Der vollständige Name des von Nope verjadgen Jabi lautete: Enus Jabi.

  • Jabis Atoin Amaf waren: Bala, Tabun, Besi, Kmeo, Lele, Laka, Ulu, Tuf und Makono in Saba, Ao Me, Panaf, Bet Belo, Bota, Pen Ta`u, Falo und Le`ot
  • Jabi-Vasallen siedelten ebenfalls in: Tumu, Noebesa, Supul, Tetaf, Naukai und Neonmmat

Jabis Flucht aus dem heutigen Amanuban führte ihn über Saba, Tetaf, Nusa, Muna und Hane, nach Westen über den Noe Mina nach Bokan und Takari, in die Ebene Kaut, die sich westlich von Takari in Richtung Kupang erstreckt. Auf dieser Ebene schlug Jabi / Abi Leomnanu seine letzte Schlacht.
Auf seiner Flucht aus Tetaf soll Jabi einen ne (den Pantunversen ähnlich) verfasst haben, der in Amanuban überliefert ist, und der nicht nur Tipe bekannt ist:

Loel kaktua` bi fem
Fai teme tes tait
Oef bi tet fai tnana
Eunsan koko aka` sanoken

Kommentar zur den Daten zur Geschichte Amanubans

Die auch in T.M. Banamtuans Version auftretenden Widersprüche bei der Darstellung historischer Daten zwischen den verschiedenen Namengruppen zeigt, dass es keine autorisierte Geschichte Amanubans gibt. Es mir begegnete waren allenfalls kanaf-zentrische Versionen einer gemeinsamen Geschichte. Diese kanaf-zentrischen Versionen rücken die jeweils erzählende Namengruppe in das Zentrum der historisch relevanten Ereignisse. Sie dienen ihrer Gruppe dazu, ihren Namen und Ruf sozial zu erhöhen, und ihn durch diese Strategie in die kollektive Eerinnerung einzuschreiben. Regionale Geschichte ist in Amanuban das wichtigste Instrument der ethnischen Identität der Amanuban-Atoin-Meto.
Gemeinsamkeiten innerhalb dieser kanaf-zentrischen Versionen ließen sich dazu nutzen, die Geschichte Amanubans interethnisch zu rekonstruieren.

Herkunft des `kai mnutu

Wie T.M. Banamtuan weiß, wurde das erste `kai mnutu genannte Ikatmotiv in Pene (heute: Desa Pene Utara / Noenoni) verwendet, und dort von Frauen der Namengruppe Neonbais entwickelt. Die Namengruppe Nitbani sei es gewesen, die von Kotolin nach Pene migrierte, und die mit Neonbais als auch mit dem Uis Banam Heiratsallianzen unterhielt. Auf diese Weise sei dieses Motiv in Nopes Besitz gekommen. Der habe es dann für sich reklamiert und für den eigenen, exklusiven Gebrauch monopolisiert.
Wie es dazu kam, dass Nope mit den Nitbani in Pene Heiratsallianzen knüpfte, erklären die beiden folgenden Verse. Über die Töchter (feotnai) der Nitbani aus Kotolin heißt es:

Kaun tekbosu asubat
Oe nanan fin man –
Poit meukele naek

Und von den Töchtern (feotnai) der Nitbani aus Pene sagt man:

Kaun suf nene atoen
Ma`u toen
Man finit katit
Hun akuat

Indigenes Theater: Die Lebenszyklus-Rituale in Amanuban

Nachtrag zu den Liedern, die während der einzelnen Phasen der Dramatisierung des Lebenszyklus gesungen wurden:

  • olen – Geburtsritual; höfische und Umgangssprache identisch
  • obet – Totenritual; nur höfische Sprache
  • boin – Totenritual; nur Umgangssprache

Alle drei Liedformen verwenden die gleichen Vierzeiler mit Endreim, unterscheiden sich aber in der Art des Vortrags, d.h. der Betonung, der Aussprache sowie des emotionalen Ausdrucks.

  • <em<la` si koli sai nu`at – ein zum Trost gesungenes Lied mit melancholischem Inhalt und traurigem Ausdruck; meo und to` – verwenden diese Liedform, ein Usif nicht
  • akalali`e – eine Liedform, die bei den verschiedensten Arbeiten zur Unterhaltung und zur Kurzweil gesungen wird; meo und to` – verwenden diese Liedform, ein Usif nicht

Anmerkung

Feldforschungstagebuch Amanuban: 24. – 26. Mai 1992

Datum 24. – 26. Mai 1992 / 13:00 – 17:00 Uhr
Ort Meu; Niki Niki Un; Zentralamanuban
Teilnehmer Tipe Mesahk Banamtuan; HWJ
Daten offenes Interview; Tonbandaufzeichnung

Copyright 2015. All Rights Reserved (Texte und Fotografien)

Die Feldforschungstagebücher sind urheberrechtlich geschützt. Die einzelnen Kapitel (Websites) dürfen nicht kopiert und die Inhalte nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.
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