Niki Niki Un, 7. Juni 1992

Interview mit Tipe Mesahk Banamtuan, Teil Zwei

Das folgende Interview mit T.M. Banamtuan über die historischen Ereignisse, auf die sich die Dichtungen aus Kuan Fatu beziehen, ist eigentliche nur eine Fortsetzung, da beide Gespräche an verschiedenen Tagen geführt wurden. Thematisch knüpft es unmittelbar an das erste Interview von Ende Mai an.
Das Interview fand einige Tage später bei Tipe zuhause statt.

Abi und Tkesnai

Jabis / Abi Loemnanus politisches Zentrum, sein Kerngebiet, erstreckte sich auf die Orte Saba, Ao Me, Fao Le’ot, Bota, Pen Ta`u, Panat und Bet Belo.
Seine Festung (kota) erhob sich in Saba-Ao Me (im modernen Kelurahan Niki Niki; RW Saba).
Wer seine Krieger.Kopfjäger waren, fehlt an dieser Stelle meiner Aufzeichungen, sodass ich nicht sagen kann, ob Tipe auch die Jabis Meo auch erneut aufgezählt hat.

Tkesnais politisches Zentrum, sein Kerngebiet, umfasste Falo, Kua Feun, Nais, Boki, Oelet, Sini, Neof Tais, Mekon, Fain Tis, La`o, Bi`u, Ekminim und Suakolen.
Seine Festung (kota) lag in Falo-Kua Feun (Desa Neke, Amanuban Tengah; in der Nähe von Elo-Abi).
Seine Krieger-Kopfjäger stellten die Namengruppen Suat, Lene, Po`e, Nabe, Bois, Laktenas, Bois, und Tfua Nai.

Die Meo-Meo Banam der Nope-Dynastie

Über die Meo Meo Banam hat Tipe folgende Informationen gesammelt:

  • die Namen der Meo Meo Banam sowie die sie repräsentierenden Ortsnamenbündel;
  • die Gliederung der Meo Meo Banam entsprechend ihrer territorialen Zugehörigkeit zu den Landschaften Humone` (die Steppe des nördlichen Banam) und Lamu (dem bewaldeten südlichen Banam, das an die Bena-Ebene reicht);
  • ihre Differenzierung entsprechend ihren Funktionen als Wächter der Ostgrenze (eon neonsaet) und der Westgrenze (eon neontes;
  • die Beziehungen der Krieger-Kopfjäger entsprechend der sozial-politischen Hierarchie der Feudalzeit.

1. Die vier Meo Naek Banam

Die vier Großen Krieger-Kopfjäger von Banam, die Meo Naek Banam bildeten einst die Spitze der hierarchisch gegliederten Kriegerkaste (meo) der Atoin Meto. Es sei Nope gewesen, der die ersten Meo Naek Banam auf den Rang eines obersten Heerführers erhöhte.
Die vier Großen Meo übten die Befehlsgewalt über alle Krieger-Kopfjäger Banams aus. Ihre Berufung muss als eine raffinierte, politische Taktik der Nope-Dynastie verstanden werden. Nach Nopes erfolgreich beendeten Expansionskriegen gegen Tkesnai im Osten und Jabi / Abi im Südwesten, liefen ein großer Teil der Gefolgsleute der besiegten Herrscher zu Nope über, eben auch die vier späteren Meo Naek Banam: Sole und Nome, Nabuasa` und Teflopo.
Sole und Nome, so überliefert Tipe Mesahk Banamtuan, seien Vasallen Abis, Nabuasa` und Teflopo dagegen gehörten zu Tkesnai.

  • Sole in Aki, Kua Nek, Nutun, Pa`i, Tol und Saef Neo
  • Nome in Muna, Hane, Seki, Suana, Nunaf, Ul Monet, Munu, Bena, Luluf, Batnunu, Kiko, Ponain, Tesi, Tuapakas, Kok Neo, Fatu Kbubu, Bok Neno Und Tua Sena
  • Nabuasa` in Sini, Neo Tasi, Mekon und Fain Tis
  • Teflopo in Puna, Pua Bnao, Polen, Sen Pene, Balu, Laenam, Osu und Osuan

2. Die Meo Usif am Eon Neonsaet und Eon Neontes

An die Tore des Ostens, aber auch die Tore des Westens, siedelte Nope drei Wächter an, die Meo Usif (fürstlicher Krieger-Kopfjäger, die Meo des Usif, des Atoion-Meto-Adels), die aber auch als Große Adlerschwinge / Große Gewangpalmrippe (Tem Nine Naek / Keta nine Naek) bekannt waren. Adlerschwinge und Gewangpalmrippe stehen metaphorisch für die beschützende und beschirmende Funktion dieser Männer für die Gemeinschaft: das Militär zum Schutz gegen die feindlichen Aktivitäten der Nachbarn.
Die sechs Wächter an den Grenzen übten den Oberbefehl über die Schar der untergeordneten Meo Asu in der Humone` sowie im Lamu aus.

Die Wächter am Eon Neonsaet waren:

  • Tebi (Namangruppe Busi) in Tol, Saefneo, Pupu und Taktun (Orte im modernen Desa Silo, Ostamanuban)
  • Mamuit (Namengruppe Banamtuan) in Meu, Neosop, Kaubani, Matani, Neku, Taku, Tuke und Atolan (Orte im modernen Desa Niki Niki Un, Zentralamanuban)
  • Leon Banusu (Namengruppe Banusu) in Mauleum, Sun Pe, Nansu, Fatu Tkuas, Lole, Afatis und Neno Ainam (Orte im modernen Desa Teluk und Mauleum, Ostamanuban)

Die Wächter am Eon Neontes waren:

  • Soke (Namangruppe Telnoni) in Ofu, Manenu, Sele und Faut Manu (Orte im modernen Desa Ofu, Zentralamanuban)
  • Tila (Namengruppe Tuke) in Hoi Neno, Ta`nua, Paisan und Humone (Orte im modernen Desa Hoi, Zentralamanuban)
  • Konis Bukae (Namengruppe Fa`ot und Bel) in Tetaf, Naukae, Neke und Neo (Orte im modernen Desa Tetaf und Nusa, Westamanuban)

3. Die Meo Eon Usif

Das Territorium, das früher Tor des Fürsten (eon usif) hieß, ist heute das Desa Niki Niki Un im nördlichen Zentralamanuban, einst jedoch ein vorgeschobener Posten, den jeder, der aus dem Norden und Osten Timors kam, passieren musste. Die Funktion der Meo Eon Usif bestand darin einen peripheren Puffer zu bilden, der den Nope-Sonaf in Niki Niki vor unerwartetem oder unerwünschtem Besuch bewahrte.
Die folgenden Namengruppen nahmen diese Funktion für die Nope-Dynastie wahr:

  • Teflopo in Polen, Tsen Pena, Puna, Pua Bnao und Balu
    Tefnai in Laenam, Osu und Osuan
    Tasoin in ?
    Liubana (wie Teflopo) in der Region des modernen Desa Polen, Zentralamanuban
  • Nomnafa in Neke, Oe Nino, Hoi Neno, Ta`nua, Falo und Kua
    Pu`ai in Feun, Elo und Abi
    Tuno in ?
    Fina` (wie Nomnafa) in der Region des modernen desa Neke, Zentralamanuban

4. Die Meo Asu der nördlichen Savanne (humone)

Die als Meo Asu bilden die niedrigste Gruppe Schicht der Krieger-Kopfjäger, die deshalb auch Meo Baun, kleine Krieger-Kopfjäger heißen. Ihre Aufgabe war es, in kriegerischen Auseinandersetzungen in der vordersten Front zu stehen.
Die Meo Asu Neontes waren:

  • Nome in Boniun, Fatu Mnanu, Lek-Leku, Fatu Toni
    Be`is in Nepa und Hu Oe
    Tse in ?
    Banfati in ?
    Tenmau in ?
    Manobe in ?
  • Selan in Nule, Tenu Smala, Loka, Oe Sena und Mnela
    Tauho in Koto, Tua Fanu (modernes Desa Nule, Westamanuban)
  • Beti in Supul, Napneo, Patu, Hauboe, Noe Besa und Faut
    Nubatonis in Sahan, E`en, Besa Lauhau
    Bulan in der Region des modernen Desa Lakat und Supul in Westamanuban Barat
    Liunima in der Region des modernen Desa Besa, Zentralamanuban)

Zu den Meo Asu Neonsaet gehörten:

  • Sole in Aki, Kua Net, Putun, Pa`i, Kunu und Bileon
    Tobe in Tol, Saefneo, Pupu und Taktun (modernes Desa Silo, Ostamanuban)
  • Talan in Tef-Tef, Oe Naek, Tol-Toli und Oe Fatu
    Soinbala metan in ?
  • Manu in Toko, Baefenu, Teluk, Oe Uis Neno
    Soinbala molo in Mane, Oe Nae, Pisan und Lais Non
    Falo in der Region des modernen Desa Teluk, Ostamanuban
    Beti in ?
  • Soni in Kiki, Babne`u, Fau, Faut Kopa und Baik Po`an
    Napa in Matli, Aen Konof, Tua Toi Enu Und Uniun
    Uas in Matain Helo
    Neonbanu in der Region des modernen Desa Faut Kopa, Ostamanuban)
    Sanaunu in ?
    Keubanu in ?
  • Nition in Tua`len, Oe Bila, Nale, Haumen und Pupu
    Nabuasa` metan in Hu Le`u, Bi`ito, Bata`nama`, Suba, Oe Manas, Neken Und Bah Tias (modernes Desa Bila, Ostamanuban Timur sowie Neke, Zentralamanuban)

5. Die Meo Asu des südlichen Waldlands (lamu)

Zu den Meo Asu des Lamu gehörten:

  • Sae in Kian, Babuin, Putun, Nun Pen, Sunaf und Oe
    Ba`ok in Naka, Paha, Oe Boin, Se`i, Kolbano und Pene
    Na`at in Batnit
    Boimau in der Region der modernen Desa Babuin, Se`i, Pene und Kolbano in Zentralamanuban)

6. Die Krieger-Kopfjäger der Peripherie und des Zentrum (Meo Usaf)

Die unter 1. bis 5. aufgelisteten Krieger-Kopfjäger siedelten an den Grenzen des vor-indonesischen Amanubans (Banam), wo sie an der Peripherie des Reichs ihre militärische Funktion erfüllten. Dort bildeten ihre Siedlungen eine Pufferzone

  • im Norden nach Oenam, zum Reich des Sonba`i
  • im Westen nach Kupang (Jabi und die europäische Kolonialmacht)
  • im Osten nach Onam, d.i. Banunaek
  • im Osten nach Anas d.i. Nesnai (Tkesnai)
  • im Süden an das Küste (Tasi mone)

Das politische Zentrum Banams sicherten die Meo Usaf gegen feindliche Aktiviäten von innen und von außen. Jedes der semi-autonomen, vor-indonesischen Atoin-Meto-Territorien, das von der keos ha moen ha-Struktur regiert wurde, besaß zu ihrem Schutz eigene Krieger-Kopfjäger, die Meo Usaf. Beispielhaft nennt T.M. Banamtuan die Meo Usaf in Kualin:

  • Neonleni: politische Funktion Meo Neontes
  • Toni: politische Funktion Usif und Feto Nae Banam
  • Hautias: politische Funktion Meo Neonsaet
  • Leosae: politische Funktion Ana`amnes
  • Tkefan und Leosae, Tbet und Patnai: politische Funktion: Amaf

Randbemerkung

Die vorausgehend genannten Namengruppen (kanaf) siedeln heute in den Kecamatan Kecamatan Amanuban Barat, Tengah und Timur. Inoffiziell bewahren sie nach wie vor ihren Rang und ihre Funktion und werden in dieser intraethnisch respektiert und akzeptiert.
In T.M. Banamtuan Notizbuch ist das Kecamatan Amanuban Selatan auffällig unterrepräsentiert. Es nennt in diesem Zusammenhang nur die Kanaf-Namen von Nabuasa`, Nome, Tse und Banfati. Tse und Banfati, repräsentieren heute das Desa Basmuti, wo si ezu den Amaf gehören. Ihr Stammgebiet liegt aber in Pene und Noenoni (Zentralamanuban).
Nome, ursprünglich ein Vasall Jabis, und damals in Südamanuban ansässig, folgt später dem Ruf Nopes nach Hoi (in Zentralamanuban) und gibt sein Territorium in Südamanuban auf, die Nope an Sole und Nabuasa` gibt. Auch die Namengruppe Nabuasa` lebte früher in der Region von Tunbes, bevor er nach Lai weiterzieht.
Als Erklärung für die auffällige Unterrepräsentanz des Südens Amanubans bieten sich zwei Hypothesen an:

  • Da der Süden Amanubans grenzt an das Tasi Mone, wo Landungsmöglichkeiten selten sind, sodass von dort mit Überfällen oder unerwünschten Besuchen kaum zu rechnen war. Die gefährdete Grenze Banams ist die Nord- und Ostgrenze.
    Nach der Expansion von Tunbes aus, wurde das ürsprüngliche Siedlungszentrum in die heutigen Kecamatan Amanuban Tengah und Timur verlegt. Nach Westen ist Banam durch den Noe Mina relativ abgesichert. Zusätzlich sorgten die in der damals nur dünn besiedelten Grenzregion Westamanubans angesiedelten Krieger-Kopfjäger-Verbände für Sicherheit. Nach dem Krieg und der Vertreibung Jabis festigte Nope seinen politischen und rituellen Einfluss und besetzte diese Region.
    Im äußersten Westen, nach Kupang hin, bildete der Noel Mina eine zuverlässige Grenze, die außerdem durch weitere militätrische Forts, die Meo Usif Neontes, gesichert wurde.
  • Der Süden Amanubans wurde anscheinend erst in den letzten hundert Jahren, als der Bevölkerungsdruck im heutigen Zentral- und Ostamanuban zu stark geworden war, intensiv von Nordosten her besiedelt. Für diese Annahme sprechen vier Gründe:
    1. Die Besiedlungsgeschichte von Lasi / Noe Beba durch Nabuasa` wie sie Andrew McWilliam in seiner Dissertation darstellt.
    2. Die Geschichte der Nai`a Lamu wie sie Y.Ch. Sapay in seinen Tonis-Dichtungen tradiert.
    3. C.Ch. Punufs wissenschaftlich bearbeitete Geschichte Amanubans, in der er berichtet, dass die beiden Kefetorane Noe Muke und Noe Beba bei der territorial-politischen Gliederung Amanuban in Kecamatan zuerst unberücksichtigt blieben und der gesamte Süden Amanubans zuerst dem Kecamatan Amanuban Barat zugeschlagen wurde. Diese Vorgehensweise spricht dafür, dass der Süden Amanubans als geschlossene politische Einheit weder Tradition noch Akzeptanz für beanspruchen konnte.
    4. Im Süden Amanubans gibt es keine alteingesessenen, allgemein akzeptierten Namengruppen, wie beispielsweise Isu und Nakamnanu in Zentral- und Ostamanuban, sondern nur die von Nope durch Landnahme und Besiedlung beauftragten Namengruppen Sole und Nabuasa`. Sole ist bis heute ein loyaler Nope-Gefolgsmann, während Nabuasa` sich erfolgreich von Nope gelöst hat und eine autonome Polis in Lasi gegründet hat.

Im Zusammenhang mit dem historisch neuen Status des Südens, als eigenständige politische Einheit, dominierten Mitglieder der Nope-Dynastie in den obersten politischen Ebenen der Swapradja- und Kecamatan-Verwaltung von Noe Muke und Noe Beba. Dies könnte darauf hinweisen, dass der Süden Amanubans, nämlich Noe Muke und Noe Beba, als ein erst in rezenter Zeit hinzugewonnener Expansionsraum angesehen wurde, kein historisch gewachsenes, traditionelles politisches Territorium, wie beispielsweise Noe Bunu (Isu) oder Moe Liu (Nakamnanu).

Anmerkung

Feldforschungstagebuch Amanuban: 7. Juni 1992

Datum 7. Juni 1992 / 17:00 – 22:00 Uhr
Ort Meu; Niki Niki Un; Zentralamanuban
Teilnehmer Tipe Mesahk Banamtuan; HWJ
Daten offenes Interview; Tonbandaufzeichnung

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