Oebesa, 19. August 1991

Yonas Teloni erläutert die Atoin-Meto-Tracht

Nachmittags kommt überraschend Eben Nenohaifeto, mein Feldassistent, mit einem mit unbekannten Mann, zu Besuch nach Oebesa. Wir trinken Tee und sprechen lange über das deutsche und indonesische Schulsystem, die Unterschiede und Besonderheiten. Eben hat einen SMA-Abschluss, aber nicht die finanziellen Möglichkeiten, zu studieren. Später wechselt Eben das Thema, kommt auf Motivnamen zu sprechen. Es macht den Anschein, als habe er etwas arrangiert, versucht vorsichtig mich zu gewinnen. Erst jetzt stellt er mir den Mann vor, den er mitgebracht hat: Yonas Telnoni, Beamter im Kantor DEPDIKBUD (Departemen Pendidikan dan Kebudayaan), Kecamatan Südmolo, wurde mir schon mehrmals als Kenner der Kultur der Atoin Meto empfohlen, ohne dass ich bisher die Möglichkeit hatte, ihn zu treffen. Nun ist er zu mir gekommen.
Ich bin überrascht, nicht gut genug für ein systematischen Interview vorbereitet, und außerdem in einer stunde mit meinem Sprachlehrer verabredet. Alles reden wir über alle möglichen Themen, ohne eines davon zu vertiefen. Schließlich entschließt sich Yonas Telnoni mich in meiner Arbeit zu unterstützen. Wir verabreden uns für einen der nächsten Tage.

Zuletzt bleiben einige Informationen aus dem Gespräch mit Y. Telnoni, die zu notieren lohnen:

  • Außer der mir schon bekannten Schlammfärbung mit meok no` kennt Y. Telnoni eine weitere Methode Garne schwarz zu färben. Man verwende dazu auch die Rinde des Ayo-Baums (BI cemara). Die Färbung mit der Rinde sei aber viel länger in Gebraucht als die Schlammfärbung.
  • Y. Telnoni bestätigt, dass die Ikatmotive der sozialen Differenzierung dienten, aber nur bis zur indonesischen Unabhängigkeit.
  • Das kauna-Motiv sei alleiniges Privileg des Adels gewesen, sei nur von den Namengruppen Nope, Banunaek und Sonba`i verwendet worden. Die zoomorphe Kategorie Kauna sei ebenso gefürchtet gewesen, wie die Macht der Aristokratie; bestimmte Spezies (v.a.: liuksae, der Felspython; besimnasi, das Krokodil) seien aber auch verehrt worden.
    Vgl.a. die Parallelität von usif und nakan. Nach M. Besa: oe in nakan, das Wasser besitzt einen Kopf (im Sinne von Herrscher). Dem Usif stehe das Recht zu, gnadenlos zu strafen, ist aber auch verpflichtet Schutz und Hilfe zu leisten.
    Dem Adel und der Kauna wurden numinose Gefühle entgegengebracht; s.a. die Möglichkeit der visuellen Assoziationen durch die Ikatmotive. M. Adams berichtet vergleichbares über die Ikatmotive der Maramba, des Adels in Ostsumba.
  • Alle Variationen der `Kaif-Motive waren ebenfalls Privileg des Adels: der `Kai naek und der `Kai mnutu, wie sie die höheren Beamten (die amaf) verwendet haben. Das differenzierende Merkmal der Musterung auf den Textilien des Adels sei der ´Kai maneuk gewesen.
    Aber auch die Bevölkerung habe den `Kai naek und den `Kai mnutu verwendet. Auf diesen Textilien sei der `Kai fetin das unterscheidende Merkmal gewesen.
    Die letzte Angabe steht im Widerspruch zu der Aussage von N. Fa`ot, der angegeben hat, dass die Bevölkerung früher nur gestreifte, also weitgehend ungemusterte Textilien tragen durfte.
    Y. Telnoni betätigt zwar, dass auch gestreifte Textilien von der Bevölkerung getragen wurden (und werden), und er diese noch aus seiner Kindheit kenne. Sie seien aber ab 1950 schnell verschwunden.
    Als Ausnahme nennt er die Ortschaften Naip in Südamanuban, und Sei in Zentralamanuban. Dort würden weiter schwarz-weiß gestreifte Textilien getragen. Dies sie auch in Snok, in Nordamanatun, bei den Mitgliedern der Kanaf Benmetan üblich. Die Benmetan beachten ein Tabu, da das Tragen von ikatgemusterten Textilien bei ihnen angeblich Krankheiten verursache.
  • Non bife sei ein derbe, nicht sehr höfliche Bezeichnung für einen homophilen Weber. Besser und respektvoller sei es, sie non fenai zu nennen.
    Nur Männern, die impotent sind, sei es möglich und erlaubt, zu weben. Für alle anderen Männer bestehe ein Tabu in Bezug auf die Weberei. Auch ist ihnen verboten, Webgeräte und Webutensilien zu berühren. Übertritt ein Mann dieses Verbot, so ist er bei der Jagd (einer männlichen Tätigkeit) nicht mehr erfolgreich, und davon bedroht, vom Jagdwild gebissen oder getötet zu werden (maet le`u, schlimmer Tod).
    Männer die weben, sind ans Haus gebunden, und verlieren die Möglichkeit des Umherstreifens draußen, des Umherwanderns, in der heißen Sphäre, die unmittelbar an der Grundstückgrenze beginnt. Der Bruch des Web-Verbotes bedroht Männer prinzipiell mit Unglück, das ihnen draußen zustößt. Sie werden durch die Weberei anfällig für Unfälle. Es kann ihnen auch passieren, dass sie sich bei der Feldarbeit mit dem Parang ins Bein hacken.

Anmerkung

Feldforschungstagebuch Amanuban: 19. Juli 1991

Datum 19.07.1991 / 15:30 – 16:30 Uhr
Ort So`e, Oebesa; Westamanuban
Teilnehmer Yonas Telnoni; Eben Nenohaifeto; HWJ
Daten Kontaktaufnahme; Atoin-Meto-Tracht; unstrukturiertes Interview

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