Tetaf, 12. Oktober 1991

Historische Position und Bedeutung der Namengruppe Fa`ot

Wochen sind seit meinem ersten Interview mit Napoleon Fa`ot vergangen.
Heute findet unser Gespräch eine Fortsetzung. Wir treffen uns im Sonaf in Tetaf.
Thema: Die Tracht der Atoin Meto. Wie Fa`ot sie erinnert.

Die Bewohner des Sonaf nennen Napoleon Fa`ot Usi oder Usi mnasi. Er selbst nennt sich Meo oder Usif Nope.
Meo, Krieger-Kopfjäger, war der Titel seiner Namengruppe in der vor-indonesisch feudalen Periode Amanubans. Usif Nope heißt er, weil seine Kanaf als illegitimer Nope Sohn gilt. Nope ist sein Akun, wie das aller unehelichen Kinder der Nope-Dynastie, die nicht unmittelbar an der Herrschaft über Banam beteiligt waren.
Als Krieger-Kopfjäger war Fa`ot einer der prominenten. Er bewachte einst das Westtor Banams von seinem Sonaf aus in Tetaf.
Darüber hinaus ist die Fa`ot-Namengruppe einer der O`of der Nope-Herrscher. Der Viehkraal, aus dem Nope seine Frauen bezog. Fa`ot ist einer der Frauengeber für Nope. Die feudale Nope-Dynastie verfügte über vier O`of.
Fa`ot heißt mit christlichem Taufnamen Napoleon. Eine gute Wahl.
Auch andere nennen Fa`ot einen Meo.
Sein Einflussgebiet reichte einst von Niki Niki bis So`e. Von Zentralamanuban bis Westamanuban. Noch weiter westlich, von So`e bis an den Noel Mina, hatte die Namengruppe Selan, gemeinsam mit Talan, Taho und Saes, das Amt eines Meo inne. Manche bezweifeln, dass Selan zusammen mit Fa`ot die Meo der Nope-Herrscher stellten.
Fa`ot ist eine der einflussreichen Kanaf in Amanuban. Früher war er einer der politischen Exekutivorgane, einer der Ama naek.
Als O`of oder Lop naek von Banam stand er, zusammen mit Asabanu, Boimau` und Nitbani, in einer ökonomisch, politisch und rituell reziproken Beziehung zur Nope-Dynastie.
Fa`ot sagt, dass die Rivalität, die diese Beziehungen prägte, zu häufigen Fehden Anlass gegeben habe.

Ich frage ihn nach Amt und Titel des Meo Naek Banam. Er ignoriert Frage und Titel, zählt mir stattdessen die Namengruppen auf, die gleichzeitig Meo und O`of sind.

Westamanuban Tetaf und Lasi Fa`ot und Nabuasa`
Ostamanuban Falas und ? Asbanu und Falo
Nordamanuban Pene und ? Nitbani und Neonbais

Die Angaben über Region, Ort und Namengruppe, die Fa`ot zusammenstellt, sind zweifelhaft. Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass er O`of und Meo nicht konsequent trennt.
Sicher ist aber, dass Fa`ot einer der vier O`of und Meo für Nope war. Nabuasa` bekleidete das Amt eines der vier Meo Naek Banam.
Nabuasa` war keiner der O`of, da er der Nope- Allianz erst nach dem Abi-Krieg beitrat.

Napoleon Fa`ot hatte sich um Unterstützung,für meine Sache bemüht. Alle Eingeladenen waren älter als er. Später kam noch seine Mutter zu uns.
Heute wollte ich nur eine vorbereitete Befragung durchzuführen. Ich hatte die Absicht, das Interview über Motivbesitz und die Differenzierung der Tracht anhand der unterschiedlichen Motive in Amanubans, Molo und Amanatun zu strukturieren.
Fa`ot war damit nicht einverstanden. Er ging, kaum waren wir unter dem Lopo versammelt, in Medias res. Tonbandaufnahmen lehnte er ab.
Also machte ich Notizen, und nun das Gedächtnisprotokoll.
Ausführliche Notizen. Wir hatten den ganzen Tag Zeit. Niemand war in Eile. Ganz im Gegenteil. Alle waren auf das Kommende gespannt
Als Majordomus gab Fa`ot den Ton an. Seine Rolle bezweifelte niemand unter dem Lopo.
Meine eigenen Vorstellungen lösten sich schnellauf, da Fa`ot genau geplant hatte, was heute zu berichten war.
Tracht und Ornat des Usif, des Meo und des Toh ana. So nannte er die Bevölkerung.
Wie sich zeigen sollte, hatte er sich auf dieses Thema gut vorbereitet.
Fa`ot war für halbe Sachen nicht zu haben.
Nach der obligatorischen Betelzeremonie unter dem schattigen Dach des Lopo, gingen wir für mehrere Stunden gemeinsam hinüber ins viereckige Steinhaus.
Was nun im Steinhaus begann, war eine Datenaufnahme á la Amanuban. Jede Frage berieten die Männer ausführlich, bevor sie sich auf die Antwort einigten, die einen Konsus gefunden hatte. Die Antwort der Männer war noch nicht das endgültige Ergebnis, dass erst noch intensiv diskutiert wurde.
Zwischendurch wurde immer wieder Betel und heißes Wasser gereicht.
Die Debatierenden waren sich einig. Die Namengruppe Fa`ot führte den Titel eines Usif. Dies verlieh das ihr Recht, eigene Meo zu berufen. Ein stehendes Heer zu rekrutieren.
Napoleon Fa`ot nennt mehrere Namen von Krieger-Kopfjägern für das einfache Volk, das Toh ana:

  • Selan mit Sitz in Nulle ist Meo von Fa`ot.
    Zwei Selan werden unterschieden: Selan Molo mit Sitz in Nulle. Selan Metan mit Sitz in Tetaf.
    Die Funktion der beiden Selan blieb unklar. Unklar blieb auch, ob molo / metan identisch sind mit den mysteriösen sozio-politischen Gruppen Nis metan / Nis muti, die Middelkoop undSchulte Nordholt erwähnen. Deren differenzierendes Merkmal sind ihre schwarz gefärbten beziehungsweise ungefärbten Zähne, dieihren Rang markieren.
  • Die beiden Namengruppen Otu und Tahu sind Meo für das Volk.
    Die beiden Selan unterhalten eine unklare Beziehung zu Otu und Tahu. Ich habe versäumt, danach zu fragen. Heute fehlten mir Kontext und Gelegenheit dazu.

Die Tracht der Atoin Meto: Die Fa`ot-Perspektive
1. Die formelle Kleidung eines Usif

Alle Gewebe, die für die Kleidung benötigt werden, fertigen die Weberinnen aus Ab meto, der einheimischen Baumwolle.
Die Garnstränge werden mit Naturfarben gefärbt.
Baumwolle und Naturfarben sind meto, einheimisch.
Die Gewebe der Kleidung aller sozialen Gruppen werden aus diesen Hauptmaterialien gewebt.
Die Beschreibung der Kleidung eines Usif ist idealtypisch und entspricht der Fa`ot-Perspektive.
Die aufgezählten Bestandteile der Tracht des Usif sind vollständig beschrieben. Je nach Situation und Kontext kombinierte der Träger seine Kleidung unterschiedlich.
Die beschriebene Kleidung war bis vor dem Zweiten Weltkrieg das Privileg des Hochadels. Vor allen anderen sozialen Schichten war ihm das Tragen dieser Kleidungsstücke vorbehalten.
Das gilt besonders für Technik des Futus, die Ikatmusterung. Aber nicht weniger fü Buna`, die zusätzlichen, farbig broschierten Mustereinträge
Auch das Motivinventar, das zur Verzierung dieser Gewebe genutzt wurde, galt als Monopol des Adels.
Individuelle Variationen der Kombination einzelner Elemente der Tracht können nicht ausgeschlossen werden. Die größten Unterschiede in der Tracht eines Usif hängen von seiner sozial-politischen Stellung und seinen finanziellen Möglichkeiten ab.
Einst gab es große Unterschiede in Pracht und Vollständigkeit des Ornats eines Uis Banam und seiner Usif, den vielen kleinen Uis Noe.

1.1 Kopfbedeckung und Kopfschmuck

Der Haarknoten, bu`at, auf dem Hinterkopf des Mannes wird von einem dreizinkigen Kamm, so`it, aus Holz, Kokosnuss oder dem Horn des Wasserbüffels (sunaf; sun bi`a meto) zusammengehalten, dessen Kopfteil ein geschnitzter, silberbesetzter Vogel ist.
Für den Bu`at wird das Haupthaar zunächst zu einem Zopf geschlungen Anschließend schiebt man den dreizinkigen So`it am Haaransatz in den Zopf und wickelt ihn um den Kamm. Ein gezwirnter Baumwollfaden (tani` poli) befestigt den Kopf des Kamms mit einem Knoten an dem Kamm. Einen Bu`at tragen nennt man mabu`a.
Seinen Kopf bedeckt ein Usif mit einem Kopftuch, dem Tun mabuna`, einem Piul tuna, der mit den aufwendigen, broschierten Mustereinträgen, den Buna`-Motiven, verziert ist. Dieses Kopftuch ist ein dreieckig gefaltetes Tuch, mit der Längskante an der Stirn angesetzt und mit den beiden Zipfeln am Hinterkopf verknotet. Die Spitze des Dreiecks legt man über den Scheitel gelegt und hinten in den Knoten. Variationen dieser Art, ein Piul tuna zu tragen, sind durchaus üblich. Ein Piul tuna des Adels ist zusätzlich oft noch mit Silbermünzen, den Noni, geschmückt.
Der Bokof oder Piul bokof ist ein zweiter, textiler Kopfschmuck, der so um die Stirn gelegt wird, dass die Fransen des Tuchs auf Stirn und Augen herabfallen.
Über diesen Textilien trägt der Adelige ein flaches Diadem,den Pikan, meist Silber (noni) geschmiedet wurde, um die Stirn.
Die Vorderseite des Pikan schmückt eine sichelförmige Verzierung, dessen wahre Bedeutung vergessen wurde. So spekuliert man, es könne sich einerseits um eine Mondsichel, andererseits um ein Büffelhorn handeln. Beide Interpretationen haben etwas für sich, besonders da die Sichel auch Funan, Mond, genannt wird. Morphologisch ist allerdings beides, Mondsichel und Horn möglich, besonders da nicht klar ist, ob Funan nicht eine rezente Bezeichnung ist. Das männliche, Kraft und Potenz symbolisierende Büffelhorn bildet die polare Ergänzung der weiblichen, sich empfangend öffende Sichel als weibliches Erdsymbol.
Der Pikan bildet die Basis für den weiteren Kopfschmuck: für den Pet no` und den Oe maun fanu.

  • Die Pet no` sind die an den Pikan gesteckten, baumförmig arrangierten Blätter aus flachem Edelmetall. Die Pet no` des Usif bestehen aus gehämmerten Gold. Vergleicht man ihn mit den Pet no` eines Meo, dass sind die aus Gold erheblich größer. Der Name dieses Schmucks leitet sich von dessen Ähnlichkeit mit den Blättern des Hau peta ab. Peta ist die Sammelbezeichnung für alle die Palmenarten, deren Blätter Palmwedel sind. Pet no` oder Peta in non heißt der Palmwedel.
  • Die Oe maun fanu symbolisieren einen Strauß Hahnenfedern. Sie werden an drei Stellen auf ein Kreuz aus dünnen Bambusstäben gesteckt. Sie sind ein Verzierungsaufsatz, der vorne am Pet no` befestigt wird.
    Die Wellengestalt der feinen Federn erinnert an fließendes Wasser; daher der Name Oe maun fanu, Hahnenfedern-Wasser.
    Napoleon Fa`ot weiß, dass es früher beim Adel Mode war, die Federn diesen Federbuschs durch weiße Kakadufedern zu ersetzen, die gerne mit den grünen und hellgelben Federn einer Papageienart, des Kol kita, gemischt wurden.

1.2 Die Kleidung des Oberkörpers

Über dem Oberkörper trägt der Usif eine hemdförmige Jacke (kume) mit langem Arm, die aus selbstgewebten Stoffen genäht wurde. Diese Jacken waren einst Privileg des Adels. Sie wurden außerdem nur noch dem erfolgreichen Meo verliehen. Insbesondere war es der lange Arm, der nur dem Adel zustand. Für niemand anderen war diese Tragart freigegeben.
Seine Betelingredienzien und die für den Konsum notwendigen Instrumente verwahrte der Usif, zusammen mit diversen anderen, persönlichen Gegenständen, wie Pinzette, Münzen, Tabak oder Amulette, in seiner Aluk. Dieser, gerade oder kreuzweise über der Schulter getragene, oben offene Beutel aus prachtvollem, buna`gemusterten Stoff genäht, heißt mit vollem Namen: Aul ais noni. Der Trageriemen, an dem diese Tasche hängt, besteht aus einem Lederband, auf dem dicht an dicht antike niederländische oder portugiesische Silbermünzen (noni) aufgenäht sind. Vom offenen Rand, dem Fefan (Mund), dieses Beutels, hängen aufgereihte Perlenschnüre herab.
Die kreuzweise Tragart dieser Aluk war alleiniges Privileg des Adels.

1.3 Der Oberkörperschmuck

An beiden Oberarmen trug der Usif silberne, mit Stoff und Haaren verzierte Armbänder, die sogenannten Buku sbeta.
Um den Hals hing dem Usif der Masat, ein Schmuckstück . . . . ????
Der Usif trug auch zwei `Mana`, die ihm Hals auf seine Brust herabfielen. Die beiden flachen, runden Scheiben aus geschmiedetem Silber hängen übereinander auf der Brust des USIF.
Den Silberschmuck ergänzen zahlreiche, unterschiedlich lange Perlenketten auf Hals und Brust des Usif. Die Ketten bestehen aus Perlen, die aus einer orangefarbigen Koralle hergestellt wurden, und die von den  Kolonialmächten als Tauschartikel auf Timor eingeführt wurden. Über der Herkunft dieser Perlen, die insgesamt als Inuh, oder je nach Größe und Qualität als Iun leko, bezeichnet werden, liegt nach wie vor Dunkelheit.
Vor der Brust und auf dem Rücken trägt der Usif einen weiteren Silberschmuck, den Seku (oder Seuk noni), dessen Kreuzungspunkte in Höhe des Brustbeins und diesem gegenüber auf dem Rücken liegen mussten. Der Seku besteht aus einer ledernen Unterlage, auf der in dichter Folge Silbermünzen der Kolonialmächte aufgenäht sind.
An den Handgelenkten trägt der Usif ein oder mehrere, silberne Armbänder (niti) mit rundem Querschnitt, die entweder mit Knubben besetzt oder mit Ritzungen verziert sind. Auch diese Armbänder bestehen aus Silber.

1.4 Die Kleidung des Unterkörpers

Den Unterkörper eines Usif bedeckten zwei unterschiedlich getragene, oft auch unterschiedlich verzierte, rechteckige Gewebe, die Mau genannten Hüftumschlagtücher.
Im Alltag und in den in nicht-offiziellen Situationen im Sonaf war der Mau des Adels mit Ikatmotiven verziert. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und bis zur indonesichen Unabhängigkeit, war der `Kai mnutu absolutes Privileg des Usif. Allen anderen sozialen Schichten war das Tragen dieses Motivs unter Androhung harter Strafen verboten.
Die anderen Ikatmotive waren für die unteren Adelsschichten reserviert. Alleredings mit einem wesentlichen Unterschied: der Usif besitzt die flächendeckende Ikatmusterung, den Fut puah oder Fut luman.
Die prominenteste Verzierungstechnik für die Kleidung des Usif war aber nicht der Ikat, sondern die Buna`technik mit ihren kunstvollen broschierten Mustereinträgen. Zu allen offiziellen, juristischen oder rituellen Gelegenheiten der Adat trägt der Usif die buna`verzierte Kleidung.
Die heute so charakteristischen Streifenanordnungen waren für die Usifgewebe verpönt.
Einen `Kai mnutu verzierten Mau trug der Usif auch, wenn er seinen Sonaf zu Fehde oder Kriegszug verließ.

Zu einer vollständigen Männertracht gehören immer zwei der großen Hüftumschlagtücher, der Mau naek.
Der Mau pinaf wird als Unterkleid getragen, und fällt bis auf die Knöchel herab, bedeckt aber zumindest die halbe Wade.
Der Mau fafof wird über dem Unterkleid getragen und endet oberhalb der Knie.
Ein Usif trägt immer zwei der Mau übereinander: ein völlig gleichgemustertes Unter- und Oberkleid, die aus zwei etwa gleich großen, zusammengenähten Webbahnen bestehen. Der untere Mau wird kurz unterhalb des Nabels verknotet und mit Gürteln fixiert. Erst dann wird der zusammengefaltete Mau um die Hüften gelegt und mit beiden Enden auf der Vorderseite eingeschlagen.
Das Unterkleid wird mit mehreren, handgewebten Gürtel gehalten. Zuerst bindet sich der Usif den Fut muti um, ein zwei bis drei Meter langes weißes, schalförmiges Textil. Dieser Gürtel ist an beiden Enden auf einer Fläche von ungefähr zwanzig Zentimetern mit in weiß ausgeführten Buna`motiven der `Kaifkategorie verziert. Über dem Fut muti trägt er zwei bis drei weitere, farbige Gürtel, die Piul saluf. Die Bezeichnung saluf, Franse, hängt mit dem speziell verarbeiteten Fransenteil an beiden Enden des Textils zusammen. So wie der Fut mutu besitzen auch diese Gürtel unaA`verzierungen, die allerdings farbig ausgeführt sind. Napoleon Fa`ot behauptet, dass die Gürtel des Usif alle grün gewesen seien.
Über den beiden Mau und den verschiedenen Gürteln trägt der Usif den Pasu. Dieser ist ein breiter, aus Ziegen- oder  Pferdeleder hergestellter Gürtel, auf dessen Vorderseite drei rechteckige Taschen aufgenäht sind. Mit vollem Namen heißt dieser Gürtel Paus fut noni. In der rechten und linken Tasche bewahrt der Usif die Kugeln (fua`af) für seine Steinschlossflinte (kenat) auf. Die mittlere Tasche enthält das Schießpulver (upat).

1.5 Beinschmuck und Fußschmuck

Unterhalb beider Knie trägt der Usif schmale Bänder, die aus dem Fell von Pferd oder Ziege hergestellt werden, wobei es sich um schwarze Tiere handeln muss. Das prestigeträchtigste, und daher begehrteste Material für diese Pon tuf genannten Schmuckbänder ist das Smala genannte Fell, dessen Haare rot-violetter gewesen sein sollen, deren Herkunft nicht mehr bekannt ist.
Unmittelbar über den Knöcheln beider Füsse trägt der Usif breite, silberne Buk haif genannte Bänder mit an beiden Öffnungen nach außen gedrehten Rändern. Die etwas zurückgesetzte Fläche dieser, an einer der Längsseiten offenen Fußspangen, besitzt zwei umlaufende Erhebungen.
Unterhalb der beiden Buk haif trägt er weitere Fellbänder, die jetzt Pon hai heißen.

1.6 Die Waffen eines Usif

Die traditonelle Waffe der Atoin Meto ist das Suni, ein Schwert mit schmaler, leicht nach innen gebogener Klinge.
Zeichen der Repräsentation seiner Macht und der Autorität, der sozialen und politischen Position des Usif ist der nur bei offiziellen Anlässen geträgene Speer (auni).
Seit Beginn der Kolonialzeit kamen die Kenat genannten Steinschlossflinten immer mehr in Gebrauch. Die Flinte des Usif, wie die seines Meo, wurde Ken male`u genannt. Anders als die unverzierte Flinte des Krieger-Kopfjägers, war die des Usif mit Fut-Noni-Lederbändern, auf die Silbermünszen (noni) genäht waren, geschmückt.

1.7 Schmuck für das Pferd eines Usif

Viele der Schmuckelemente der Tracht eines Usif wurden auf die Elemente der Pferdemontur übertragen:
Die runde, `Mana` genannte Silberscheibe hing auch von der Brust des Pferds herab.
Das lederene Zaunzeug des Usifpferds war mit Noni-Münzen besetzt. Auf dem Kopf, zwischen den Ohren des Pferdes, erhob sich der Pusuf oder Pus bikase, ein Pet no` mit dem Oe maun funu.
Hinter beiden Ohren war das Zaumzeug mit Pilu-tunaf-Gewebe umwickelt. Das Zaumzeug vor den Ohren war an zwei, kurz hintereinanderliegenden Stellen, mit farbigerem Piul-saluf-Gewebe verziert. Die Umwicklungen hinter den Ohren heißen Pilu tunaf, die beiden Umwicklungen vor den Ohren (Piul) Oe lukef.

1.8 Das Motivinventar der Usiftracht

Die kompliziert zu realisierende Verzierungstechnik Buna` war einst absolutes Privileg des Adels.
Das prominenteste Motiv, das in dieser Technik ausgeführt wurde, war der `Kai bi`a suna, der einst wohl `Kai tola genannt wurde. Mehrere diese Motive wurden zu einem Motivensemble kombiniert.
Wegen der Feinheit dieses Motivs nennt man es auch `Kai  mnutu.
Alternativ zur Buna`technik der Usiftracht, verwendet der Meo die Saeb genannte Eintragsmusterung.
Die Motive der Ikatmusterung der Usiftracht sind der `Kai mnutu und die Kaunavariationen.
Beide Motive waren vor der indonesischen Unabhängigkeit alleiniges Privileg des Adels; heute sind diese Motive die beliebtesten und am häufigsten zu sehenden in Amanuban.
Die Verzierungstechniken und Motivinventare, die einst Adelsprivileg waren, die frühere Kleidernorm des Adels wurde nach ihrer Freigabe durch Indonesia Merdeka zur Kleidernorm für Jedermann.
Die Verwendung der durch den chinesischen Überseehandel mit Sandelholz und Bienenwachs nach Timor gekommene Seide war ebenfalls Privileg des Adels.
Gleiches gilt für das zu Schmuck verarbeitete Gold sowie das von den Münzen der Kolonialmächte gewonnene Silber. Mit diesen edlen Metallen stellte der Adels seine Macht, seinen Reichtum und seine Beziehungen zu den Kolonialmächten zur Schau. Das galt einst auch für die Goldfäden, die in die Textilien des Usif eingewebt wurden.

2. Die Tracht der Kato

Die Bezeichung Kato ist ein ehrender Titel, etwa Fürstin, wie er der ersten Frau eines Usif, eines Fürsten, zusteht.

2.1 Die Kopfbedeckung

Den Haarknoten, Bu`at, befestigt die Kato, wie der Usif, mit einem So`it. Sie verwendet dazu aber auch eine Haarnadel (Pos noni), deren oberes Ende mit einem Silberaufsatz verziert ist. Anders als der Mann, der seinen Knoten hoch oben auf dem Hinterkopf trägt, sitzt der Knoten der Frau im Nacken.
Zusätzlich schmückt sich die Kato mit einen kammartigen Schmuck, den Kili noni, den sie sich ins Haar steckt.
In den Ohren trägt sie goldene Ohrringe (Falo mnatu).

2.2 Die Kleidung des Oberkörpers

Für ihren Oberkörper besitzt die Kato eine Jacke (Nos kato), die aus handgewebtem Stoff geschneidert und mit einem `Kai mnutu verziert ist. Diese Jacke ist langärmelig und kann unterschiedlich lang sein. Verschlossen wird ihre Jacke mit goldene Verschlüssen, den Faneneti mnatu, aber auch silbenrn Verschlüsse, Nos kato faneneti noni, sind nicht selten.
Iun-leko-Ketten in unterschiedlicher Länge hängen ihr vom Hals bis auf die Brust; gelegentlich auch bis auf die Hüfte, ein Zeichen des Reichtums, der das Prestige der Kato steigert.
An jedem Handgelenk trägt sie zwei der Nit noni, silberne Armbänder, die auch zur Usiftracht gehören.
An jeder Hand trägt sie vier Ringe; goldene Fingerringe (Kle mnatu) oder mit Silbermünzen besetzte Ringe (Kle noni).

2.3 Die Kleidung des Unterkörpers

Den Unterkörper einer Kato bedeckt der pan-indonesische Sarung, der in Amanuban Tais heißt. Dieser röhrenförmige Rock ist entweden mit dem Ikatmotiv `Kai mnutu oder mit broschierten Mustereinträgen, mabuna`, gemustert
Die Mabuna`-Musterung trägt sie bei Festen oder offiziellen Anlässen über dem ikatgemusterten Tais. Im Alltag des Sonaf trägt die Kato allein den ikatgemusterten Tais mit `Kai-mnutu-Motiven.
Einen flachen Ledergürtel, der mit rechteckigen Silberplatten, die lose mit jeweils zwei Metallgliedern verbunden sind, Fut noni genannt, trägt sei um die Hüften.

3. Die Tracht des Krieger-Köpfjägers

Die Kleidung eines Meo gleicht in vielem der des Usif, weicht aber in einzelnen Elementen von der des Usif ab:

3.1 Kopfbedeckung und Kopfschmuck

Die Kleidung des Krieger-Kopfjägers (Meo) sowie die Tragart seiner Tracht unterscheidet sich nicht von der der Bevölkerung (Toh ana). Zum Meo wird der Mann erst, wenn er sienen ersten Kopf erbeutet und in die Gemeinschaft integriert hat.
In einem besonderen Ritual wurde der neue Meo vom Usif eingekleidet und mit speziellen Kleidungs- und Schmuckprivilegien ausgestattet. Diese dienten dazu, seinen neuen gesellschaftlichen Rang zu kennenzeichnen. Eine spezielle Kleiderordnung hob den Meo aus der Gesellaschaft heraus. Erst der erbeutete, in der Überzeugung der Atoin Meto geerntete Kopf, brachte dem Meo das Privileg ein, an der Kleiderordnung des Udis zu partizipieren. Napoleon Fa`ot ergänzt: Diese Textilien mussten von einer nahen, weiblichen Verwandten (Mutter, Schwester oder Ehefrau) des Meo hergestellt werden. Dem neuen Meo war es verboten, das Dorf zu betreten, solange diese Kleidung nicht fertiggestellt war. Bevor er sich nicht angemessen kleiden konnte, war es unmöglich, den neuen Krieger-Kopfjäger zu initiieren. Diese Kleidung war erforderlich, um die Hitze des Krieges, die dem Meo anhaftete, rituell abzukühlen.

Die Kopfbedeckung und der Kopfschmuck unterscheiden sich prinzipiell nicht von der des Usif. Unterschiede beziehen sich vornehmlich auf Material und Technik.
Seinen Bu`at trägt der Meo auf die gleiche Weise wie der Usif. Die Tragweise, maub`at, ist ohnehin für jeden Mann die gleiche. Anders als ein Usif verwendet der Meo einen viel einfacheren, dreizinkigen So`it, der aus Holz oder Bambus geschnitzt ist, wie für den Nicht-Adeligen charakteristisch.
Die Art, wie Atoin-Meto-Männer jeder sozialen Schicht ihren Haarknoten tragen, unterscheidet sich nicht voneinander: Der Mann trägt seinen Knoten hoch oben auf dem Hinterkopf.
Das um die Stirn gebundene, den ganzen Kopf bedeckende Tuch der Piul nakan, unterscheidet den Meo nicht von der Bevölkerung (Toh ana). Wie diese verwendet er das für Männer in Amanuban übliche Kopftuch.
Diese Behauptung wurde gelegentlich in Frage gestellt. Sie steht im Gegensatz zu der Information, dass ein Piul nakan ein Batiktuch ist. Solche Batiktextilien waren in Amanuban früher nicht allgemein im Umlauf, sondern wurden durch Handelskontakte erworben, einst Privileg des Adels. Es wäre dann auch möglich, dass der Usif diese Tücher an seine Meo oder andere, verdiente Alliierte gegeben hat.    
Wie dem auch sei: Zu der dem Meo verliehenen Kleidung gehört die folgende Kopfbedeckung.
Der Piul tuna wird im Gegensatz zu dem buna`verzierten Kopftuch des Usif in der heute in Amanuban fast verschwundenen Ala`-Technik gefertigt.
An der Stirn und am Hinterkopf trug ein Meo die Bokof genannten Textilien, deren Saluffransen über Stirn und Hinterkopf herabfielen.
Diesen Kopfschmuck vervollständigten Pikan, Pet no` und Oe maun funu. Im Unterschied zum großen, goldnen Pet no` des Usif trug der Meo ein kleineres, silbernes Pet no`. Farbe und Art der Hühnerfedern für das das Oe maun funu des Meo konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Wie auch beim Usif, so wird auch beim Meo ein Oe maun funu als Zeichen der Kühnheit angesehen, was mit dem aggressiv hochgestellten Kamm des Hahnes zusammenhängt. So ist auch die Bezeichnung nai, Hahnenkamm, mit der respektvollen Anrede Nai, für adelige Männer, identisch.

3.2 Die Kleidung des Oberkörpers

Wie der Usif, trägt der Meo eine Jacke, die seinen Oberkörper bedeckt. Im Unterschied zur Jacke eines Usif, ist die des Meo kurzärmeling. Die Privileg eine Jacke zu tragen, wurde dem Meo vom Usif verliehen. Der Oberkörper des Mannes der einfachen  Bevölkerung war unbekleidet. Die gestreifte Jacke des Meo, die Napoleon Fa`ot als Tuis (mit Streifen) bezeichnete, wurde aus selbstgewebtem Stoff geschneidert. Dieser Stoff war längsgestreift: weiß, blauschwarz (taum), rot (bauk`ulu) und gelb (huki).

3.3 Der Schmuck für den Oberkörper

Um den Hals trug der Meo Masat, Seku und zwei bis drei Inuh-Ketten.
An den Oberarmen trug er die schon für den Usif beschriebenen Buku Sbeta.
Die Handgelenkte zierten zwei verschiedene Schmuckarten: Buk Ninaf, die flachen, silbernen Spangen und Niti oder Nit noni, die schon erwähnten silbernen Armreifen.
Die Aluk des Krieger-Kopfjägers wurde in Ala`technik hergestellt. Auf die an der Öffnung (fefan) verbliebenen Kettfäden reihte man Inuh-Perlen auf. Diese Perlenstränge hingen von der Öffnung über des Beutels herab. Silberne Münzen (noni) sind dem MEO als Schmuck für seine Aluk nicht gestattet. Er darf seinen Beutel auch nicht über der Schulter tragen wie der Usif. Statt dessen verlangt die Kleiderordnung seines Standes, die Aluk in der Hand zu tragen, den Tragriemen um diese gewickelt.

3.4 Die Kleidung des Unterkörpers

Auch der Meo trägt zwei Mau naek übereinander: den Mau pinaf als Unterkleid und den Mau fafof als Oberkleid.
Die beiden Mau naek des Meo weichen in ihrem  Erscheinungsbild erheblich von denen des Usif ab. Verantwortlich dafür ist die verwendete Verzierungstechnik sowie die andere Gestaltung der textilen Fläche der Meotracht.
Der Mau naek des Meo besteht aus drei zusammengenähten Webbahnen. Die mittlere dieser Webbahnen (tnanaf) ist ikatgemustert, mit dem Ikatmotiv, das dem Meo zugeschrieben wird: dem `Kai naek. Die beiden Seitenbahnen, die den Tnanaf rahmen, sind mit farbigen Kettstreifenbündel (matui) gemustert, deren unterschiedliche Breite durch schmale Ikatstreifen (Tua sufa) gegliedert ist. Die Verwendung eines weiteren Ikatstreifens, des Puah kebi, war ebenfalls verbreitet.
Aus der Perspektive der verwendeten Verzierungstechniken war der Mau naek des Usif der Mau mabuna`, der des Meo der Mau matui.
Auch der Meo band seinen Mau pinaf kurz unterhalb des Nabels und fixierte ihn mit Gürteln.
Darüber legte er den Mau fafof schmal zusammengelegt um die Hüften, und schlug die beiden Enden auf der Vorderseite übereinander.
Auch dem Meo ist der Fut muti erlaubt, ebenfalls das Tragen von zwei oder drei Piul saluf.
Der Piul saluf des Meo darf aber nicht grün sein; er muss auch schmaler sein, als der des Usif. Für die Gürtel des Meo sind die Farben rot, schwarz und gelb obligatorisch. Die Übertretung kostet ihn Wasserbüffel oder Silbermünzen als Kompensation ein Privileg missbraucht zu haben.
Für die Musterung seiner Gürtel verwendet der Meo wiederum die Ala`technik; die Saebmusterung der Usiftextilien ist ihm nicht gestattet.
Wie der Usif besitz auch der Meo den Paus fut noni, allerdings häufiger ohne die applizierten Silbermünzen, die ihm aber grundsätzlich gestattet sond.

3.5 Der Schmuck für den Unterkörper

Um beide Knie trägt der Meo die bereits beschriebenen Pon tuf.
An jedem Knöchel sitzen die Buk haif genannten Fußspangen, die die wichtigste Insignie des Meo sind.
Darunter trägt er ebenfalls die Pon hai genannten Fellbänder.

3.6 Die Waffen des Meo

Der Meo benutzt die gleichen Waffen, die auch der Usif im Krieg verwendet. Die Unterschiede beziehen sich auf die Prächtigkeit ihrer Verzierung.
Betritt der Meo den Sonaf, hat er seine Waffen am Eingang zu deponieren.
Das Schwert des Meo, sein Suni, entspricht in Form und Aussehen prinzipiell dem Schwert des Usif. Die Beschreibung des Meoschwerts durch Napoleoon Fa`ot ist deswegen genauer, weil er sein eigenes Schwert als Vorbild hat. Ob es unterschiedliche Verzierungselemente gab, konnte ich nicht klären.
Die schmale, leicht nach innen gebogene Klinge (Suin nesan) besitzt eine hölzerne Handhabe (Suin haun), die aber auch aus Büffelhorn (Suin sunaf) gefertigt sein kann. Der Griff ist in Form eines Hahnenkopfs geschnitzt.
Das obere Ende des Schwertgriffs zeigt den Kamm es Hahns (Nanin), der mit Silberblech überzogen ist. Eine im oberen Drittel eingesetzte Silbermünze bildet das Hahnenauge (Mat noni). Den Schnabellappen des Hahns symbolisieren Hahnenfedern, die am hinteren Ende des Schwertgriffs herabhängen (Maun funu).
Das sehr spitz zulaufende Schwert steckt in einer Scheide (Tapan), die aus zwei flachen Hölzern zusammengesetzt sein kann, alternativ auch aus Büffelhorn (Sunaf). An drei Stellen ist die Scheide mit flachen, schmalen Streifen aus Silberblech umwunden (Suin fut). Ein Piul saluf, der am oberen Ende dieser Scheide befestigt ist, dient der Aufhängung der Waffe am Körper oder dem Tragen in der Hand.
Bis auf die fehlende Verzierung mit Silbermünzen unterscheidet sich die Flinte (Kenat) des Meo nicht von der des Usif. Aus diesem Grund heißt die Flinte des Meo auch Ken luman, leere Kenat, gilt aber wie die des Usif als Ken male`u.
Der Speer des Meo dient, anders als der des Usif, nicht der Repräsentation, sondern der Kriegführung. Der Auni des Meo ist ein langer Holzstab (Auni hau) und besteht aus dem harten Kernholz des Ayo` (Hau tias). Als einfache Variante fertigte man ihn aus einem Bambusstab der Spezies `O`. Die Speerspitze (Auni nesan) ist blattförmig und aus geschmiedetem Eisen.
Um die Treffsicherheit des Speers zu erhöhen sprach der Werfer vor dem Wurf die Formel Nana Lul Nakan, in der Hoffnung, den Kopf seines Opfers zu treffen.

3.7 Schmuck für das Pferd eines Meo

Im Gegensatz zum prächtig aufgeputzten Pferd des Usif trägt das Pferd eines Meo weder Schmuck noch Verzierung. Einen Sattel benutzt der Meo nicht.
Das Zaunzeug besteht aus unverziertem Leder.

3.8 Materialien und Motivinventar der Meotracht

Die Materialen, Verzierungstechniken und das Motivinventar der Meotracht sind die folgenden:

Alle Gewebe für die Textilien der Meotracht bestehen aus der einheimischen Baumwolle (Ab meto).
Napoleon Fa`ot weist immer wieder so ausführlich auf diesen Umstand hin, dass er wie eine nostalgische Attitüde erscheint. Seit maschinengesponnene Garne in Amanuban erschwinglich wurden, wechselte die Mehrheit der Atoin-Meto-Weberinnen zu dieser Garnsorte. Heute wird aus offizieller Sicht der Anbau und die Verwendung von Ab meto verstärkt propagiert, sodass die Verwendung dieser Garne wieder in Trend liegt.
Vermutlich wurde für die Produktion der Usiftextilien, und das aus Gründen der Abgrenzung und Presigemehrung, schon sehr lange die importierte Baumwolle (Ab kase) verwendet.
Silber als Ausgangsmaterial für den Schmuck und die silbernen Trachtelemente waren einst das Privileg der Meotracht. Sehr wahrscheinlich auch für die soziale Schicht der politischen Funktionsträger, der Amaf.
Der Teil der Meotracht, der unmittelbar mit dessen Kopfjagd assoziiert war, wurde in der Ala`technik hergestellt und rituell verliehen.
Die in Ala` hergestellten Textilien sind mit den Variationen der verschiedenen `Kaifmotive verziert, die für die Herstellung der alltäglicheren Mau naek und Tais nicht verwendet wurden. Es handelt sich um kleinere, filigrane Motive, die aus einzelnen, ineinandergreifenden, rückwärtsweisenden Haken bestehen.

Die Kleidung der Frau eines Meo entspricht der Kleidung der Frauen der Bevölkerung. Nach Napoleon Fa`ot bestehen keine Unterschiede in dieser Hinsicht.
Angeblich gibt es auch keinen Schmuck, den die Frau des Meo trägt.

4. Die Tracht der Bevölkerung

Die nicht-adelige Bevölkerung, Toh oder Toh ana, ist von dem größten Teil der textilen Techniken und Motive ausgeschlossen, die der Adel in Amanuban, und darüber hinaus sehr wahrscheinlich in ganz Timor, für sich monopolisiert hat. Es ist diese soziale Differenzierung durch Gewebe und Motivinventare, die für die Trachten der Ethnien Timors charakteristisch ist.

4.1 Die Tracht des Mannes

Den Kopf des Mannes schmückt der Haarknoten, der mit einem So`it aus Bambus fixiert wurde.
Der Oberkörper des Mannes blieb unbekleidet.
Von den Hüften abwärt trug der Mann den Mau naek aus einheimischer Baumwolle, der anders als bisher beschrieben, nur mit alternierenden Streifenabfolgen in den Farben weiß, rot und schwarz gemustert war.
Gehalten wurde der Mau naek mit einem schwarzen, ungemusterten Gürtel (Futu). Einen Piul saluf zu tragen, war ihm nicht gestattet.
Ikatmusterung war ihm nur begrenzt erlaubt, und zwar in Form schmaler Musterstreifen, die Blockmuster (Tua suaf oder Fut mnutu) und Dreieckmotive (Pua kebi) enthielten.
Alle anderen Ikatmotive sowie Buna` und Ala waren der Bevölkerung bei Strafe verboten (Büffel und Silbermünzen).
Auch die Aluk des einfachen Mannes, die er auf der Hüfte trug, war mit diesen alternierenden Streifen gemustert, und hieß daher auch Aul matui.
Schmuck besaß der Mann des Volkes keinen.

4.2 Die Tracht der Frau

Die adelige Frau (Kato) bekleidet ihren Oberkörper mit einer Bluse aus handgewebtem Stoff, wie man sie heute wohl nur noch in Boti sieht, einem Weiler in Ostamanuban, der eine folkloristische Show für touristische Besucher organisiert. Ihren Unterkörper bedecken zwei der handgewebten röhrenförmigen Tais; der untere fällt von der Hüfte bis auf die Füße, der obere von der Hüfte bis unterhalb der Knie.

Bis heute trägt die Frau zwei Tais übereinander (nabnab), was allerdings auf offizielle Anlässe beschränkt ist. Modern ist es geworden, den handgewebten Tais als Unterkleid zu tragen, den importierten, auf dem Markt oder im Laden erworbenen Lipa als Oberkleid. Dies schützt das technologisch hochwertige Unterkleid, präsentiert gleichzeitig die finanziellen Möglichkeiten der Frau.

Die Kleidung der Frauen der einfachen Bevölkerung (Toh anah) entspricht der des Mannes. Zwei Tais, mit alternierenden Streifen sowie mehreren Tua sufa und Pua kebi gemustert.
Das Unterkleid reicht ihr von der Hüfte bis auf die Füße, das Oberkleid knotet sie über der Brust zusammen, sodass es ihr bis unterhalb der Knie fällt.
Unverheiratete Frauen tragen ihren oberen Tais nur bis oberhalb der Knie.
Ansonsten war der Oberkörper der Frauen der Bevölkerung unbekleidet.
Mit Ausnahme des Haarknotens und des So`it trägt die Frau keinen Schmuck.

Der inzwischen beliebte und weit verbreitete Mau anah, ein schmaler Schal, sowie seine spezielle Tragart, ist kein Bestandteil der indigenen Atoin-Meto-Tracht, sondern ein westindonesischer Import, der über Städte auf Timor verbreitet wurde.

Im Sonaf, und in Gegenwart des Usif, darf der Mau nicht neu gebunden werden, selbst wenn sein Träger mehrere Tage im Sonaf verweilt. Der Mann muss, bevor er den Sonaf betritt, seinen Mau so fest zusammenbinden, dass er ihn nicht mehr neu gebunden werden muss.

Anmerkungen zur Kleiderordnung im feudalen Amanuban

In der vor-indonesischen Vergangenheit war die Bevölkerung Amanubans in vier feudale soziale Schichten gegliedert:

Usif / Uis Noe Adel
Amaf Bürokratie
Meo Krieger-Kopfjäger
Toh Anah Bevölkerung

Die Kleiderordnung für den Usif, die Amaf und das Toh anah unter scheidet sich hinsichtlich des verwendeten Materials, der Technologie und des Motivinventars. In Bezug auf die Kleiderordnung der Meo bestehen weiter Unklarheiten, die sich auf die Differenzierung der Kleidung des Meo und des Amaf sowie auf eine mögliche interne Gliederung der Amaf bezieht. Es ist offen, ob die Kleidung des Amaf und anderer, untergeordnete Beamte wie des A na` mnes, Mafefa oder Lopo weiter unterschieden wurden, und ob sich die Kleidung des Meo von der des Amaf durch bestimmte, ihm als erfolgreichem Krieger-Kopfjäger vom Usif verliehene Kleiderprivilegien unterscheidet.
Die indigene Kleiderordnung dieser vier Schichten spiegelte die soziale Ordnung Amanubans wider, da sie diese Ordnung symbolisch markierte. Heute ist diese ehemalige Kleiderordnung noch erkennbar, jedoch ihre Beziehung zu einzelnen sozialen Schichten aufgehoben. Die einst priviligierte Kleiderordnung ist in der Tracht der modernen Bevölkerung aufgegangen.

Die Herkunft der Motive der Tracht in Amanuban

Napoleon Fa`ot eröffnete seinen Kommentar zur Herkunft der Motive in Amanuban mit der Aufzählung seiner Genealogie:

Die Mutter von Konis Fa`ot war Suni Sae. Von ihr stammen alle Vorfahren von Napoleon Fa´ot ab.

  • 1. Generation: Konis Fa`ot heiratete Bi Fo Kian
  • 2. Generation: Tipe Fa`ot heiratete Bi Nun Kina (Tipe Sohn von Konis)
  • 3. Generation: Nep Fa`ot heiratete Bi Kek Isu (Nep Sohn von Tipe)
  • 4. Generation: Konis Fa`ot heiratete Bi Leo Nome (Konis Sohn von Nep)
  • 5. Generation: Tipe Fa`ot heiratete Jakobe Hitarihun Fa`ot (Tipe Sohn von Konis)
  • 6. Generation: Napoleon Fa`ot heiratete Amelia Abineno Fa`ot

Ab der 4. Fa`ot-Generation besteht die Möglichkeit, diese mit der Nope-Genealogie zu synchronisieren:

  • 4. Generation: Konis Fa`ot ist Zeitgenosse von Noni Nope
  • 5. Generation: Tipe Fa`ot ist Zeitgenosse von Pae Nope (1920-55)
  • 6. Generation: Napoleon Fa`ot ist Zeitgenosse von Kusa Nope (bis 1964)

Bevor die Namengruppe Fa`ot in ihren heutigen Sonaf nach Tetaf umsiedelten, befand sich der Sonaf auf einem Hügel (Tetaf tunan) in der Nähe ihres jetztigen Wohnplatzes. Zu diesem Sonaf gehörte ein Lopo, der Lopo Mese oder Lop Malula genannt wurde. Die Holzkonstruktion dieses Lopo ist von den Männer der Fa`ot vollständig mit Schnitzereien verziert worden. Die Schnitzereien dieses Lopo zeigten die folgenden Motive (die Reihenfolge der Aufzählung folgt den Angaben von Napoleon Fa`ot):

  • `Kai mnutu (Ikatmotiv filgran rückwärts gebogener Haken; `kai)
  • `Kai makiu (Ikatmotiv ? Haken)
  • `Kai nanaf (Ikatmotiv nach innen rückwärts gebogene Haken)
  • `Kai kotif (Ikatmotiv nach außen rückwärts gebogene Haken)
  • Fut Na`besi (Ikatmotiv Krokodil)
  • Fut Atoni (Ikatmotiv Mensch)
  • Fut Teme und Fut Kolo (Ikatmotiv Adler und Ikatmotiv Vogel)
  • Fut Bikase (Ikatmotiv Pferd)
  • Fut Lus (Ikatmotiv Hisch)
  • `Kai Nak Bi`a suna (Ikatmotiv Wasserbüffelkopf)
  • `Kai naek (Ikatmotiv großer rückwärts gebogener Haken)
  • Fut Mabuna` (Ikatmotiv mit zusätzlichen broschierten Mustereinträgen)

Nach dem Vorbild der Schnitzereien des Lop Mese entwarfen die Frauen der Fa`ot, als erste Bi Fo Kian, die Ikatmotive, die heute in Amanuban verwendet werden.
Die Fa`ot zeigten diese Motive später Noni Nope. Dieser wählte für sich die Motive 1., 2., 10. und 12. aus, und verbot die Verwendung dieser Motive für alle anderen sozialen Gruppen.

Eine abenteuerliche Behauptung, alle Amanuban-Motive seien seinerzeit im Fa`ot-Sonaf erfunden worden, und zwar von Pene Utara bis zum Noel Mina, die Napoleon Fa`ot, gemeinsam mit der Kato mnasi und H. Luan, präsentiert.
Mit dieser Legende macht Napoleon Fa`ot seine Namengruppe zum Ursprung nicht nur der Ikatmotive, sondern nimmt gleichzeitig die Erfindung der Ikattechnik für seinen Klan in Anspruch. Mit seiner Geschichte behauptet er auch, die Atoin Meto kennen die Ikattechnik erst seit ungefähr 200 Jahren, nämlich seit seiner Ur-Ur-Ur-Großmutter. Er geht sogar soweit, und stellt an den Ursprung der Ikattechnik die Schnitzereien der Männer: sagt damit indirekt, die Ikatmotive seien in Wirklichkeit Erfindungen der Männer.

Solche Geschichten sind charakteristisch für viele Informationen, die ich erhalte. Immer ist der Informant Mitglied einer Kanaf, die alle Kenntnisse und Rechte für sich beansprucht, seine Namengruppe ist der Ursprung aller Dinge. Nicht ungewöhnlich ist auch Fa`ots Behauptung, dass Nope die Motive, die er verwendet, von ihm bekommen habe. Noch vor wenigen Tagen erklärte mir Lukas Banamtuan, die Motive, die es heute in Amanuban gibt, stammen alle aus Tunbesi, von Nope, und sind ursprünglich von dessen Frauen hergestellt worden. Vor der Nope-Dynastie hätten die Bewohner Amanubans andere Motive verwendet.

Kanaf gegen Kanaf, Fa`ot gegen Nope. Die Streitigkeiten, die Intrigen und die Selbsterhöhungen einer Namengruppe auf Kosten einer anderen, werden heute nicht mehr mit Waffen ausgetragen, sondern ideologisch, durch Diffamierung.
Die Version der Herkunft der Motive von Napoleon Fa`ot ist sicher eine Übertreibung. Ob und wieweit einzelne Details korrekt sind, ist heute nicht mehr zu verifizieren. Eines zeigt diese Legende aber: Wenn es sich Napoleon Fa`ot leisten kann, solche Behauptungen zu veröffentlichen, dann sind sie entweder wahr oder er ist sich sicher, dass ich sie nicht überprüfen kann.
Möglicherweise ist das Wissen über das Textildesign der Atoin Meto so gering, dass er sich damit über die Nope-Kanaf stellen kann. Er wiederholt diese Strategie mit anderen Details, die die beiden Namengruppen betreffen, in der Nope immer der Dumme, Fa`ot immer der Klügere ist. Zwei weitere Beispiele:
Während eines Fests in Boibalan, Niki Niki, kommt es zwischen Nope und Fa`ot zum Streit. Im Verlauf erschießt Fa`ot mit einem Schuss fünf von Nopes Büffeln. Nope bittet die Japaner in Kupang um Hilfe, die auch angerückt kommen. Fa`ot, der davon erfährt, pflanzt die indonesische Nationalflagge (rot-weiß) auf den Sonaf der Nope in Niki Niki, der dann von den Japanern zerstört wird, in der Annahme es sei der Sonaf Fa`ots. Nope, der sich in einem Erdloch versteckt hat, wird bei dem Angriff der Japaner in diesem Loch verbrannt.
Napoleon Fa`ot liebt es, sich als Usi bezeichnen zu lassen, ein Titel, der von alters her dem obersten Herrscher Banams (Uis Banam), der Nope-Dynstie, zusteht. Allenfalls noch Isu und Nakamnanu.
Die Mitglieder der Nope-Dynastie sagen: Usi seien nur sie selbst. Die anderen hochrangigen Adeligen seien die Usif (wie ein Usi)
Die Namengruppe Fa`ot besitzt Titel und Rang eines Ama Naek.
Aber Fa`ot kann sich nennen lassen wie er will, da der Titelraub im modernen Amanuban nicht sanktioniert ist.
Niemand hindert ihn daran, sich mit dem ehemaligen Herrscher von Amanuban gleichzustellen.
Indem er sich den Uis-Titel aneignet, handelt er wie die Bevölkerung von Amanuban.
Die Übernahme der Webtechniken, des Motivinventars und der Tragart der Tracht, die einst Privileg des Adels war, ist im modernen Amanuban ungeschützt.
Visuell und symbolisch steht in Amanuban heute jeder auf einer Stufe mit dem feudalen Adel der Vergangenheit.

Ergänzende Informationen zum Amanuban-Motivinventar

  • Der `Kai Bi`a suna sei von den Kalat, den Kalkbehältern, die die Namengruppe Fa`ot verwendet, kopiert.
  • Es gibt nur einen `Kai naek.
  • Es gibt zwei verschiedene Kauna-Motive: Fut Na`besi und Fut Biklusu.
  • Die Motive des Fetor waren: Fut luman, Fut Nak bi`a suna und Fut `Kai makiu.
  • Die Motive des Temukung Besar in Tetaf waren: Fut Na`besi, Fut teme und Fut manu.

Fazit des Fa`ot-Interviews

Die Beschreibung der Tracht durch Napoleon Fa`ot bezieht sich ganz wesentlich auf die Tracht des Adels und des Militärs. Sollte es im feudalen Amanuban keine andere Kleidung gegeben habe, als die, die Fa`ot beschreibt, dann muss davon ausgegangen werden, dass politische Funktionsträger wie Ama naek, O`of, Lopo naek, Meo naek oder Mafefa sowie später der Fetor und Temukung der Kolonialverwaltung zur sozialen Schicht des Adels gezählt werden müssen.
So bleibt die Abgrenzung eines Hochadels der vor-indonesischen Atoin Meto von der Schicht des niederen Adels durch Textilien und ihre Musterung, trotz der Fülle von Informationen aus dem Sonaf von Tetaf, hypothetisch. Gab es für Usif und Meo, und selbst für die Bevölkerung, eine vorgeschriebene, differenzierende Kleidung, dann gab es sie möglicherweise auch für die anderen politischen Funktionsträger der herrschenden Klasse Amanubans.

Anmerkung

Feldforschungstagebuch Amanuban: 12. Oktober 1991

Datum 12.10.1991 / 09:30 – 17:00 Uhr
Ort Fa`ot-Sonaf; Tetaf; Westamanuban
Teilnehmer Napoleon Fa`ot; Kato Jakobine Fa`ot Hitarihun; Saulus Selan; Halena Luan; HWJ
Daten systematisches Interview Tracht Atoin Meto; Fotografie

Copyright 2015. All Rights Reserved (Texte und Fotografien)

Die Feldforschungstagebücher sind urheberrechtlich geschützt. Die einzelnen Kapitel (Websites) dürfen nicht kopiert und die Inhalte nur zum privaten Gebrauch verwendet werden.
Jegliche unautorisierte gewerbliche Nutzung ist untersagt.

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