Blatt Zweiundzwanzig: So`e

2. Februar 1991

Endlich ich in Amanuban, auf Timor habe einen festen Standort, und schaffe es nicht, mit meiner Arbeit zu beginnen. Ich habe das
Gefühl, in So´e festzusitzen. Weit entfernt von den Dörfern, in denen ich meine Informanten vermute.
Ich mich, fast erleichtert, mit einen guten Grund, hinter mein Sprachstudium zurück, das auch nicht wirklich vorankommt.
Finde Ausreden und sinnvolle Gründe, noch zu warten.
Plötzlich fühle ich mich zu wenig auf mein großes Unternehmen vorbereitet . Bin unsicher, habe das Gefühl, mir zu viel zu getraut zu haben.
Bin ich in So´e unterwegs, macht mir das Angestarrt-Werden zu schaffen.
Ich fühle mich unwohl, ständig im Mittelpunkt.
Freundliche Neugier, Unsicherheit auf beiden Seiten.
Keiner von uns weiß, was er mit dem anderen anfangen soll.
Heidrun meistert diese Situation viel besser als ich. Ist täglich unterwegs. Gewöhnt sich an ihre Außenseiterrolle.
Wie wird es mir erst in den Dörfern ergehen, wenn ich in der Stadt schon nicht klarkomme.
Die Attraktion des Tages, das Gesprächsthema abzugeben.
Das Begafftwerden.
Unterwegs geht es mir damit besser, als ich in meinen vier Wänden vermute.
Die üblichen Startschwierigkeiten eines Unternehmens.
Irrationale Ängste.
Kulturschock.
Ich bin gut vorbereitet, theoretisch und sprachlich. Jetzt rede ich mir ein, dass alles reiche nicht, alles müsse noch besser vorbereitet sein.
Wir fehlt der wissenschaftliche Austausch. Fachgespräche, Gedankenaustausch, meine Sessions mit Guido, der in Kiel auch nicht besser dran ist.
Außerdem friert er im deutschen Winter.
Das ist das letzte, was ich mir wünsche. Diese traurigen, nass-kalten Wintertage, dmit ihrer grauen Melancholie.

Auch die heftiger einsetzende Regenzeit verleitet mich abzuwarten. Es regnet jetzt fast täglich. Mindestens einmal täglich. Abseits der asphaltierten Straßen versinkt So´e im Schlamm.
Alle stöhnen über das Wetter. Überall höre ich die vertrauten Phrasen, mit denen dass Wetter kommentiert wird:
Klofo matane, heftiger Matsch, heißt es in der Regenzeit.
In der Trockenzeit beschwert man sich über manas maput, die heiße Sonne.
Die Atoin Meto unterscheiden, ganz Landwirte, vier verschiedene Jahreszeiten, die die charakteristischen Merkmale des jahreszeitlichen Klimas ausdrücken. Die Einteilung des Jahres in Monate und Wochen gab es ursprünglich nicht.
Die modernen Termini wirken auf mich wie ein sprachlicher Notbehelf vor, nicht wie über Generationen gewachsene Begriffe.
Die die Tage der Woche werden schlicht durchgezählt.
Neno, das Wort für Tag, wird fortlaufend nummeriert: Montag ist neno mese, Tag eins, Dienstag neno nua, Tag zwei und so fort.
Der Sonntag verfügt gleich über drei Namen, je nach Kontext: Neno huit, der siebte Tag, neno kle, der Tag der Kirche oder neno naek, der große Tag, die letzten Bezeichnung eindeutig christlicher Einfluss.
Die Bezeichnungen für die Monate (funan, Mond) verfährt auf die gleiche Weise; man nummeriert sie durch: fun mese, der erste Mond, fun nua, der zweite Mond und so weiter.
Einst hat sich der Kalender der Atoin Meto am Mond und an den jahreszeitlichen Erfordernissen der Landwirtschaft orientiert.
Diese Einteilung orientiert sich außerdem an den Monsunwinden, die eine trockene Jahreszeit von April bis November, eine nasse Jahreszeit von Dezember bis März verursachen. In den Monaten dazwischen, von April bis Juni, überschneiden sich diese beiden Jahreszeiten mit jährlich unterschiedlich langen nassen oder trockenen Phasen.
Eben wie der Wind weht.
Das tut er nicht in jedem Jahr gleich.
Diese Jahreszeiten bestimmen den Rahmen der Aktivitäten der Bewohner, die Arbeit in den Gärten oder die sozialen Ereignisse. Die nasse Jahreszeit ist die geschlossene Periode, in der die Familien sich ganz auf die notwendigen Arbeiten in der Landwirtschaft konzentrieren. In diesen Monaten sind soziale Kontakte und Reisen in die Nachbardörfer selten. Schwere Regenfälle, über die Ufer tretende Flüsse behindern Transport und Kommunikation erheblich.
Im Gegensatz dazu öffnet die Trockenzeit die Gesellschaft der Atoin Meto nach außen. Diese Periode ist durch anwachsende soziale Kontakte zwischen den Weilern gekennzeichnet. Die Leute sind unterwegs: besuchen Nachbarn und Verwandte, organisieren ihre Lebenszyklusrituale und handeln mit den Überschüssen ihrer landwirtschaftlichen Produktion auf den lokalen Märkten.
Die Trockenzeit erlebt die Highlights des sozialen Lebens.
Die Ernte, die in guten Jahren schon im Januar beginnnen kann, zieht sich bis in den April hinein. Spätestens dann t muss ich meine Vorbereitungen abgeschlossen haben.
Alle Entscheidungen getroffen haben, die notwendigen Kontakte gemacht haben.
Das April muss ich bereit sein.
Das fordert der jahreszeitliche Rhythmus in den Dörfern. Dann beginnt die Zeit der sozialen Aktivitäten, zu denen auch meine Forschung gehört.
Der Mai ist der richtige Zeitpunkt für meine Arbeit. Jetzt, da die Existenz der Bevölkerung bis zur nächsten Ernte einigermaßen gesichert ist, kann sich der Dörfer die Muße leisten, meine Fragen zu beantworten.

Das Leben der Atoin Meto hängt ganz erheblich von den Monsunwinden ab.
Nach diesem klimatischen Phänomen teilen sie ihr Jahr und ihre Aktivitäten ein.
Sie unterscheiden eine Phase von November bis Januar, die sie ton mof nennen. Ton bedeutet das Jahr oder Alter, aber auch die Jahreszeit. Mof bedeutet untergehen, und so sagen sie manas mof, wenn am Abend die Sonne im Westen versinkt. Ton mof bezeichnet das alte, das im Wasser der beginnenden Regenzeit untergehende Jahr.
Es ist die frühe Regenzeit, die spätestens im Dezember für das Pflanzen verlässliche Regenmengen bringt. Setzt der Regen früh im Dezember ein, reden die Atoin Meto vom ton makuke, dem einfachen oder jungen Jahr in dem früh gepflanzt werden kann, was gute Ernteerträge verheißt. 1990 / 91 war ein solches ton makuke, was es nicht mehr so häufig geben soll.
Auch in Amanuban schient sich der Klimawandel langsam auszuwirken.
Setzen die Regenfälle spät in dieser Phase ein, steht mit einem ton mnasi, ein Jahr bevor, das spät reif wird und eine unzureichende Ernte voraussagt.
Jetzt, Anfang Februar ist das Jahr der Atoin Meto in seine zweite Phase eingetreten. In den Monaten Februar und März beginnt die richtige Regenzeit, oe fat genannt, mit heftigen Niederschlägen.
Oe fat ist ein interessanter Begriff, gibt es im Englischen und im Indonesischen doch vergleichbare Redewendungen. Dort spricht man davon, dass es Katzen und Hunde regnet, während es hier in Amanuban Steine (fatun) regnet. Der Indonesier spricht bei heftigen Regenfällen vom Steinregen, dem hujan batu.
Der oe fat genannte Regen ist das Stein-Wasser.
Ein Regen, der so heftig auf die Erde trifft, dass es mich an geworfene Steine erinnert.
Im Hochland Westtimors regnet es Steine, nicht Bindfäden wie in Deutschland.
Im April beginnt die dritte Phase des Jahres mit dem kühlen Regen, dem ul manik, die bis in den Juni dauert. Für die Atoin Meto setzt in dieser Zeit die kälteste Jahreszeit ein. Für mich, den Nordländer, beginnt ein deutscher Frühling.
Für die Zeit der intensivsten Arbeitsphase.
Die heiße Jahreszeit, fauf nais, dauert von Juli bis in den November hinein.
Die Sonne, sagt man, brennt dann das Land braun und rissig. Das jetzt tropisch-üppige Grün weicht in diesen Monaten einem rostroten Braun.
Alle Flüsse trocken aus und die Luft sei mit Staub gefüllt.

Ich lebe in So´e in einem flachen Elfenbeinturm, lasse die Ereignisse an mir vorüberziehen und mische mich nicht ein.
Ich schmiede Pläne.
Beobachte. Bin Außenstehender.
In mir findet ein Gärprozess statt.
Ich warte auf den günstigen Moment um loszuschlagen.

Aus Deutschland kommen keine Briefe.
Zu wenig um aus der Ferne am Leben dort teilnehmen lassen.
Was bisher kam: phrasenhaft, hastig hingeworfene Fragmente.

Ich habe begonnen, Sprichwörter zu sammeln.
Mein erstes Sprichwort: Ka maun ka matunan – ohne Stamm, keine Zweige. Das drängt mich zur Identifikation.
Ich fühle mich bodenlos, leicht in der Luft schwebend.
Ohne roten Faden verbringe ich meine Tage.
Ich sehe in die Zukunft: Dieser Zustand wird sich ändern.

So´e ist urban. Was immer das in Amanuban auch heißt. Kleinstadt, städtischer als ich erwartet habe.
In So´e werde ich meine Forschung über die Tracht, die Ritualtextilien, der Atoin Meto nicht durchführen können.
In Kupang hat man das falsch eingeschätzt.
Das wurde mir schnell klar. Daher mein Zögern und meine Frustration.
Täglich gehen Männer aus den umliegenden Dörfern in ihren buntgestreiften Hüfttuch, dem Mau an unserem Haus vorbei.
Sie gehen zum Markt.
Ihrem Mau dominiert die Farbe Rot.
Sie gehen in beide Richtungen. Hin und wieder zurück.
Den ganzen Tag.
Hätte ich den ein oder anderen nur zu mir herüber winken können. Ihn zu befragen. Ihm Informationen entlocken.

Heidrun hat auf dem Pasar Inpres einen Sohn von Raja Nope kennengelernt. Nope ist der inoffizielle König in Amanuban.
Doch heute herrschen hier die Indonesier. Wer immer das ist! Jedenfalls kommen sie aus Jawa.
Nope ist ein Name, der hier respektvoll, fast scheu, genannt wird. Im Klang des Namens schwebt etwas Ehrerbietiges mit.
Die Familie herrschte in Amanuban seit dem 17. Jahrhundert.
Nach den Zweiten Weltkrieg dankte Kusa, der letzte Nope, ab.
Als die Niederländer gingen und die Indonesier kamen.
Westtimor war nun keine Monarchie mehr. Auch keine Kolonie. Indonesien war erst ein Demokratieversuch, dann eine Militärdiktatur.
Die Atoin Meto leben am Rand der indonesischen Ökumene.Schon immer! Sie sind politische Randfiguren. Was Nope bedauert, und mit ihm viele seiner Zeitgenossen.
Der erste Nope war Usurpator. Er kam aus dem Westen, vielleicht aus dem fernen Sina Mallaka.
Bis heute residieren die Nope in Niki Niki.
Sie stehen ganz oben auf meiner Wunschliste. Schon häufig habe ich vom Interesse des alten Nope an der Tracht seiner Kultur gehört, schon oft von seinen Kenntnissen seiner umfangreichen Textilsammlung.
Interessant an Heidruns Bekanntschaft ist: Wie üblich waren die beiden schnell von einer großen Menschenmenge umringt. Unter ihnen mehrere Männer mit dem rotgestreiften Mau. Den Nope-Sohn war ohne Schwierigkeiten diese Männer für seine Zwecke einzusetzen, ging es darum, seine Tasche zu tragen, etwas für ihn zu kaufen oder ihn mit Informationen zu versorgen. Obwohl die Männer nicht seine Begleiter waren, kannte er ihre Namen, kannte er ihre Dörfer, wusste zum wen sie gehörten und wo sie heimisch waren.
Konnte er das an seiner Kleidung ablesen?
Das ist eine meiner Basis-Hypothesen über diese Kleidung: Die Musterung des Mau informiert nicht nur über die territoriale, sondern auch über die Klan-Zugehörigkeit. Über sein kanaf. Ein interessanter Begriff, lautet er übersetzt doch wie ein Name.
Kann der Nope auch Position und Status dieser Männer im sozialen Netzwerk Amanuban ablesen?

In mein Wörterbuch habe ich geschrieben: Die Hüfttücher in Molo werden bet sotis genannt.
Das prominenteste Motiv, fut sotis, ist zugleich für den Namen des Mau verantwortlich.
Für dieses Wort, sotis / soit, gibt es zwei interessante Aspekte hinsichtlich der Funktion dieser Textilien:
Soi bedeutet in Molo zählen oder rechnen.
Für Amanuban gibt Andrew soi mit lesen wieder.
Das Zählen der Streifenbahnen der Hüfttücher hängt damit zusammen, dass technologisch gezählt wird, um das Gewebe zu strukturieren.
In Amanuban kann man diese Struktur, die das Muster trägt, lesen.
Über bete, den Gattungsnamen des Molo-Textils, erzählt Marselinus mir: Bete oder bet heißen in Molo die Männer-Hüfttücher.
In Amanuban ist bete ein Wort für Nahrung. In einem ok bete genannten Korb werden Reis-Geschenke angeboten.
Die ok bete sind geflochtene Körbchen oder Schalen.
Auch beim Flechten legen Zahlenverhältnisse die mustertragende Struktur fest.
Brautgebern an ihre Brautnehmer verwenden gemusterte Textilien als Unterlage für Gaben in ihren Tauschtransaktionen in den Ritualen des Lebenszyklus. Diese Rituale sind wichtig für die personale und ethnische Identität der Gebenden und Empfangenden.

Es lohnt sich zu unterbrechen und festzuhalten:
Kassandra malt gerade ihren ersten Eiermann alleine gemalt.
Heute ist der 6.Februar 1991.
Es ist 19:23:19 Uhr.
Sie gibt sich alle Malanweisungen selbst, wenn auch in verworrener Anordnung. Der Ehrgeiz hat sie gestreift: Ein Eiermann nach, und über dem anderen entsteht.

Anfang Februar überwinde ich meine Abneigung gegen indonesischen Beamte und Behörden. Ich beschieße trotzdem dem residierenden Bupati Piet Tallo meinen Antrittsbesuch abzustatten. Er war natürlich verreist und für den Rest der Woche in Kupang.
Da ich nun schon einmal im Kantor des Bupati war, ging ich zu Andrew ins Büro.
Wir diskutierten wieder ausführlich über das Uab Meto.
Andrew hat mir seine Wörterliste ausgedruckt. Nichts Umwerfendes, aber eine nützliche Zusatzquelle, die mich Marcelinus Molo-Version des Uab
Meto unabhängig macht
Andrew zeigt Interesse an meinem Sprachunterricht, will hin und wieder teilnehmen. Zwei Tage später kam er dazu. Aber nach seiner zweiten Teilnahme führten Andrews bessere Sprachkenntnisse dazu, dass er den gesamten Unterricht an sich riss.
Marcelinus fühlte sich sichbar unwohl und war von Andrews Anwesenheit wenig begeistert.
Ich muss sehen, wie ich Andrew loswerde, ohne ihn zu kränken.

Kassandra hat nun endlich ihr eigen Bett bekommen. Wir haben ein altes Gestell aufgetrieben, ihr eine Matratze anfertigen lassen.
Füllung Reine Baumwolle, in zwei Arbeitstagen handgefertigt für den unverschämt niedrigen Preis von Rp 18.500. Eine schöne Matratze, auf der sie gut schlafen wird.
Das zweite Moskitonetz hängt nun über Kassandras eigener Höhle. Sie ist sehr zufrieden damit, so sehr, dass sie morgens nicht in unser Bett
kommt.
Wir sollen zu ihr ins Bett kriechen.
Das ist viel zu klein. Kassandras Kommentar zu ihrem Bett: ganz viel Patz.
Kassandra spricht immer mehr, bildet komplexere Sätze und verknüpft in freier Assoziation eigene Gedanken und Ereignisse miteinander.
Wir stauen und Lachen oft herzlich über den Witz in ihren Äußerungen und ihrem kreativen Umgang mit der Sprache.
Die Atoin Meto erstaunt sie inzwischen mit einem gut plazierten, leger hingeworfenen pulang, tidak mau oder dia takut.
Damit hat sie ein für ihre Bedürfnisse optimal angepasstes Repertoire der wichtigsten Phrasen.
Ein anderer Renner ist gemeinsame Singen und dann zuzuhören, wie Kassandra die Lieder, die wir ihr Vorsingen, nachsingt.
Oder mit den Liedern auf der Musikkassette singt.
Spitzenreiter ist Hänsche kein, immer häufiger mit lustigem Rollenspiel und Identifikation verbunden.
Mit großem Ernst zelebriert. Es sah aus, als ob Kassandra losgehe, und sagt, sie gehe zum Markt einkaufen.
Daneben behaupten Dornröschen, Oma hüpf mal und Kommt ein Reitersmann daher ihren Platz.
Besonders der unge Önigoon aus Dornröchen hat es Kassandra angetan.
Als ein Nachbarjunge ihr eine Jeruk (Kassandra: uuk) schenkte, sagen wir spaßeshalber, da kommt dein Königssohn.
Kassandra war ganz angetan von dieser Vorstellung.
Was mag sie sich wohl unter einem jungen Königssohn vorstellen“

Die Tage kam ein Brief aus Kupang mit unseren Kontoauszügen. Es war auch im Januar keine neue Zahlung aus Deutschland eingegangen. So wie mit Heidruns Eltern vereinbart. Wieder einmal die unbeantwortbare Frage: Was ist jetzt wieder schiefgegangen?
Wieder finanzielle Probleme. Ich habe die dumme Vorschrift des DAAD, die monatlichen Raten des Stipendiums auf eine deutsche Bank zu überweisen, in den letzten Wochen oft verflucht. Verstehen kann ich sie schon gar nicht. Nichts als Probleme mit den Arschhockern von Bürokraten.
Ich kann meine Arbeit nicht effizient organisieren, wenn ich mir ständig um die finanzielle Grundlage Gedanken machen muss?
Woher nehme ich die zusätzlichen Mittel für Material, Transport und die Bezahlung Informanten?

Der Indonesier fragt Dari mana? wenn er meint: Guten Tag!
Die Atoin Meto fragen Tako me? In Amanuban Muko me? – die gleiche Grußformel.
Ist das der Einfluss des Indonesischen auf die Kultur der Atoin Meto?
Molo, von denen man in So´e sagt, sie seien ausgesproche kasar, also ungebildet, verwenden als Pronomen das höflich inklusive Wir.
Amanuban, natürlich halusund von gutem, vorbildlichem Benehmen, verwendet das Pronomen der zweiten Person.
Alle sind sich einig: Ho, die zweite Person, verwendet man gegenüber Kindern.
Das beliebte ethnische Vorurteil: Die Kannibalen, dass sind die anderen.
Molon und Amanuban waren die meiste Zeit ihrer Geschichte konkurrierende Reiche: Sonba`i und Nope.

Über So´e zu schreiben, fällt mir schwer.
Eine angenehme und liebenswerte Umgebung.
Ich stelle mir vor, langehier zu bleiben. Nach Deutschland zieht mich nichts zurück.
Was erwartet mich in Deutschland?
Wohnungslosigkeit.
Arbeitslosigkeit.
Ich stelle mir den langsamen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenbruch der deutschen Zwangsvereinigung vor.
So´e bedeutet für mich ein finanziell abgesichertes Refugium, in dem ich meinen wissenschaftlichen Interessen nachgehen kann.
Zurück in Deutschland beginnt der Stress, die Jagd nach dem lebensnotwendigen Geld erneut.
Ungeliebte Übergangsjobs. Und was leidet
Am meisten leiden darunter meine wissenschaftlichen Interessen, meine Forschungsarbeit, die mir am sehr Herzen liegt.
Die doch niemand anderes machen kann.
So´e: ein riesiger Garten, mit einem für indonesische Verhältnisse geordnetem Zentrum, das sich zwischen Busterminal, Kantor Bupati und Pasar Lama erstreckt. Eine breite Asphaltstrasse, Straßenlaternen am Abend. Alles sehr großzügig angelegt. Sehr großzügig für eine so kleine Stadt wie So´e am südöstlichen Rand des Archipels.
Sauber und ordentlich, geordnet und friedlich. Geputzt und aufgeräumt.
Fast wie zuhause.
So´e ist ein einziger Garten. Ich bin wieder in der Gartenkolonie in Hamburg, wo ich meine erste eigene`Wohnung bezog.
Eine Gartenlaube in einer Schrebergartenkolonie.
Jedes Haus ist von einem in großen Garten umgeben, der von der ganzen Familie bewirtschaftet wird. Zuerst fallen mir die fast ein Meter auseinanderstehenden Maispflanzen auf. Jeweils vier Pflanzen wachsen aus einem Pflanzloch.
Dazwischen Bohnen, Tapioka, Zuckerrohr und Kürbis. Weitere Pflanzen, die ich nicht kenne. Keine Gärten, angelegt auf deutsche Weise.
Pflanze auf Pflanze in Reih und Glied. Alles ordentlich.
Zwischenkultur in den hiesigen Gärten. Alle Pflanzen wachsen zwischen- und durcheinander, ohne den Eindruck zu machen, sie seien ungeordnet. chaotisch Wildnis.
Die ordnend, kultivierende Hand des Menschen lässt sich auf den zweiten, manchmal auch dritten Blick deutlicher erkennen
Fruchtbäume wie Jeruk, Mangga, Avokado, Nangka oder Kokospalmen umgeben die Häuser, ohne zu viel Licht zu nehmen.
Die Wohnhäuser liegen mitten in dieser Gärten. Kleine, eingeschossige Stein- und Holzhäuser. Fast alle mit Wellblechdach und obligatorischer Veranda. Wichtige Orte: Kinder spielen hier, Frauen verrichten hier Hausarbeiten, Besuche werden hier empfangen und man genießt die kurzen Abende,
besonders wenn der Regen das allabendliche Promenieren auf der Straße verhindert.
Die Straße, an der wir wohnen, führt ins 27 Kilometer entfernt Niki Niki, ist nicht sehr befahren.
Individualverkehr, in So´e kein Problem. Der niedrige Lebensstandard hält die Menschen noch längere Zeit vom Gaspedal.
Die Luft ist sauber und riecht gut. Keine Autoabgase, keine Fabriken.
Die Luft spendiert mit frisches und reines Aufatmen nach den verbrachten Jahren in Stadt.

Auf dem Markt mit dem mysteriösen Namen Pasar Inpres wird Mais und Gemüse aus den Hausgärten verkauft.
Nach Wochen des Verwöhnens mit tropischen Überfluss in Bali, was das Essen in Kupang bescheiden.
Auf unserer Hotelveranda, unserer Küche, hielten wir das Kochen und Essen einfach.
Brot und süßer Aufstrich bildete das Frühstück. Obst und Gemüse gab es selten.
In So´e essen wir nun Reis mit frischen Früchten.
Letztlich hat sich Heidrun an Chapattis versucht. Frisch gebacken.
Für die Hauptmahlzeiten bietet der Pasar Inpres ein reichhaltiges Angebot an Saisongemüse. Der erste, junge Mais, Bohnen, Frühlingszwiebel, ganz jungen Knoblauch, Tomaten, Sojabohnensprossen, eine unbekannte Kürbisart und junge Papayablüten.
Die etwas älteren sind so bitter, dass wir sie nicht essen können.
Unsere Nachbarn schwören darauf: Malariaprophylaxe.
Wir nehmen kein Chinin. wir essen Papayablüten und blätter, sagen unsere Vermieter nicht ohne Stolz.
Wir essen auch Tapioka (Ubi kayu), die Wurzeln gebraten und die Blätter gekocht. Eine Entdeckung. Und jeden zweiten Tag gibt es frischen Temeph.
Frei Haus geliefert, im Wok frittiert, ein wahres Essvergnügen.
Trockenfisch, sparsam als Gewürz verwendet, ein zusätzlicher Proteinlieferant.
Es ist mir unangenehm, wenn mich die toten, glasigen Fischaugen zwischen Nudeln und Tapiokablättern vorwurfsvoll anstarren.
Kaffee, Tee und auf Zimmertemperatur gekühltes, abgekochtes Wasser. Unsere Getränkekarte.
Kein eisgekühltes Bier, aus dem Kühlschrank am Abend.

Fast den ganzen Anfang Februar mit Krankheit zugebracht. Zuerst litt Heidrun an einer starken Erkältung mit hohem Fieber. Eine Woche blieb ihr eine schmerzende Schulter.
Ich unterbrach meine Arbeit.
Dann ein paar Tage lang ein heftiger Allergieanfall.
Zwei Tage starker Schnupfen, nicht gearbeitet, nur gehangen.
Kassandra litt unter der zwangsläufigen Vernachlässigung.

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