Lebenszyklusrituale

Lebenszyklusrituale habe die Funktion, spezielle Phasen des Lebenslaufs wie Geburt, Heirat und Tod oder besonders problematische biografische Stationen im Leben eines Individuums rituell zu begleiten. Die rituelle Sicherung dieser Lebensphasen gewährleistet den gefahrlosen Übergang in einen anderen sozialen Status oder bedeutet für den Initianden einen Gewinn an Prestige in seiner Gemeinschaft oder kulturellen Umgebung.

Die Dokumentation von Lebenszyklusritualen im modernen, christlich geprägten Amanuban, bringt große Probleme mit sich, da niemand ohne weiteres bereit ist, über rituelle Praktiken zu reden, die allgemein als heidnisch oder animistisch diffamiert werden. Wer sich öffentlich zu diesen Überlieferungen bekennt, riskiert Ausgrenzung und den Verlust von sozialer Mobilität.
Genaueres über das Heiratsritual der Atoin Meto zu erfahren ist noch relativ einfach, da dieses Übergangsritual heute auf doppelte Weise stattfindet:

  • einerseits als christliche, von einer der beiden in Amanuban vertretenen christlichen Kirchen legitimiert und kontrolliert oder
  • andererseits als nach der Regeln der überlieferten Adat veranstaltetes Ritual, das durch den Segen der Kirche nur noch als folkloristische Attitüde weiterbesteht.

Die Teilnahme an den Adat-Ritualen der Geburt oder des Todes sind dagegen kaum öffentlich. An dem von mir dokumentierten Totenritual für Felipus Lanu` konnte ich nur durch die Unterstützung von Abraham Sakan teilnehmen, der mich unterstützte, obwohl ihm das von seiner Gruppe heftige Kritik eintrug. Der geheime Charakter dieser Rituale, die heute in den Untergrund gedrängt sind, war dafür verantwortlich, dass ich das Totenritual in Leti nur fragmentarisch beobachten konnte.
Noch schwieriger hat sich die Dokumentation eines Geburtsrituals gestaltet. Dass in den zwei Jahren, in denen ich in Amanuban gelebt hat, kein Kind geboren wurde, ist nicht wahrscheinlich. Gehört habe ich davon jedenfalls nicht.

Aus diesen Gründen habe ich vieles über das Heiratsritual erfahren, wenig über das Totenritual und nichts über das Ritual der Geburt.
In vielen sind meine Beobachtungen deshalb fragmentarisch geblieben und bedürfen, falls dies überhaupt noch möglich ist, weiterer intensiver Forschung. Bis dahin liegen die Berichte früherer Reisender und Wissenschaftler vor, die ihre Beobachtungen in die ethnografische Literatur eingeschrieben haben.
Eine Zusammenfassung dieser Quellen habe ich im Rahmen meiner Arbeiten über die Textilien, die in den Lebenszyklusritualen der Atoin Meto eine besondere Rolle spielen, zusammengefasst:

Die Lebenszyklusrituale der Atoin Meto

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