Grammatischer Parallelismus in Ostindonesien

Roman Jakobson und James J. Fox und der grammatische Parallelismus

Die Grundlage auf der James J. FOX in den 1960er Jahren begann die mündliche Dichtung der Atahori Roti zu untersuchen, waren Roman JAKOBSONs sprachwissenschaftliche Studien zum Phänomen Parallelismus.
Obwohl JAKOBSON schon früher, beispielsweise in seinem Aufsatz Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie von 1961, zu diesem Phänomen Stellung bezogen hatte, erschien sein entscheidender Beitrag zum grammatischen Parallelismus der russischen Volksdichtung erst 1966. [1] In diesem Aufsatz nannte JAKOBSON als definitorisches Merkmal eines durchgehenden grammatischen Parallelismus [2], dass auf jeder sprachlichen Ebene das Wesen des dichterischen Kunstwerkes aus ständig wiederkehrenden Elementen besteht. [3] In diesem Rahmen kam er zu dem Ergebnis, dass die syntaktische sowie die semantische Struktur seines exemplarischen Gedichts parallel ist:

6 Unmöglich für einen Glatzkopf lockig zu sein,
7 Unmöglich für einen Faulpelz reich zu sein,
8 Unmöglich einen dürren Baum zu pflanzen,
9 Unmöglich einen dürren Gaul zu mästen,
(…)
15 Und ich floh vor Gram in dunkle Wälder,
16 Und Gram war immer schon vorher dort;
17 Und ich floh vor Gram zum Ehren-Gelage,
18 Und Gram war schon da, – vorne sitzt er;
19 Und ich floh vor Gram in des Zaren Schenke,
20 Und Gram grüßt, – schenkt Bier aus. [4]

JAKOBSON bezeichnet die sprachlichen Kompositionen als parallel bei denen gewisse Ähnlichkeiten zwischen sukzessiven verbalen Sequenzen obligat oder besonders bevorzugt sind. [5] Er definiert dieses Phänomen konsequent als das Ergebnis einer elementaren Operation, die er als ein Zusammenbringen von zwei Elementen beschreibt, eine Beobachtung, die auf HOPKINS zurückgeht. JAKOBSON sieht sich in der Nachfolge der von ihm als bahnbrechend bezeichneten Studie von Gerald Manley HOPKINS, [6] dem aufgefallen war, dass sich ein dichterisches Werk überhaupt auf das Prinzip des Parallelismus reduzieren lässt. Jede dichterische Sprache basiert demnach ganz allgemein, und diese Beobachtung geht auf HOPKINS zurück, auf einer grundsätzlichen Operation: der Kombination von zwei Elementen, die semantische Varianten eines gemeinsamen Vorstellungskern sind. Milman PARRY hat bei seiner Untersuchung der homerischen Epen die gleiche Beobachtung gemacht, und dieses Phänomen als dichterische Formel bezeichnet.

Dieses Zusammenbringen von zwei Elementen nennt JAKOBSON, wie schon vor ihm LOWTH und STEINITZ grammatischen Parallelismus. Und was HOPKINS zuerst einen technical so-called parallelism of Hebrew poetry genannt hat, bezeichnen später JAKOBSON und FOX, über die Kennzeichnung dieses Phänomens als grammatisch hinaus, als zwingenden und kanonischen Parallelimus. Ergänzend im Sinne seiner Dualismus-Doktrin kennzeichnet FOX amit Bezug auf die Rotinese Ritual Language den Parallelismus in diesem Sinn an extension of the binary principle of opposition to the phonemic, syntactic, and semantic level of expression (…) poetic language is the most manifest and complex expression of binary opposition. [7]
Die Rede vom Parallelismus bei JAKOBSON und FOX ist dogmatisch, da beide Parallelismus als ein absolutes, konsequentes und durchgehendes Mittel der Komposition in traditioneller mündlicher Dichtung auffassen. Was HOPKINS (und vor ihm auch LOWTH) zuerst einen technical so-called parallelism of Hebrew poetry genannt haben, bezeichnet JAKOBSON nun als grammatischen Parallelismus und meint damit bestimmte Relationen syntaktisch und semantisch wiederkehrender Elemente. FOX geht noch einen Schritt weiter, denn er bezeichnet den Parallelismus der Rote-Dichtungen als durchgehend und zwingend.
Nach JAKOBSON, und auch diesen Gedanken greift FOX in einem veränderten Kontext auf, besteht das Wesen des sprachlichen Kunstwerkes im Falle eines dichterischen Parallelismus auf jeder Ebene der dichterischen Sprache aus ständig wiederkehrenden Elementen. Später ergänzt FOX, entsprechend der von ihm bevorzugten Dualismus-Doktrin ostindonesischer Gesellschaften: Parallelism in this sense, is an extension of the binary principle of opposition to the phonemic, syntactic, and semantic level of expression (…) poetic language is the most manifest and complex expression of binary opposition. [8]
Genau genommen betrachtet er das Phänomen der Rotinese Ritual Language als Aspekt eines weltanschaulichen Dualismus ostindonesischer Kulturen.
Die mündliche Rote-Dichtung charakterisiert er konsequent als most elaborate and complex expression of this phenomenon. Verwendet FOX einen Terminus wie dyadic set hinsichtlich der parallelen Wortpaare der rituellen Rede, so reiht er diesen Begriff, allerdings leicht modifiziert, als dyadic structure in ein Dualismus-Konzept ein, das für ostindonesische Kulturen seit den programmatischen Thesen von DE JOSSELIN DE JONG und VAN WOUDEN diskutiert wird. [9]

JAKOBSON verfolgte mit seinen Parallelismus-Studien die Absicht, Einsichten in die grammatische Struktur der Sprache zu gewinnen. Insbesondere ging es ihm um die Beantwortung der Frage, wie die mannigfaltigen Beziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen der Sprache zusammenhängen. Er sucht nach einer Antwort auf die Frage: Welche verwandten grammatischen oder phonologischen Kategorien können innerhalb eines gegebenen Musters als äquivalent gelten? Und antwortete: Man kann folgern, daß solche Kategorien im sprachlichen Kode der jeweiligen Sprachgemeinschaft einen gemeinsamen Nenner haben. [10]
In seinem Artikel Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie ging er JAKOBSON einige Jahre früher schon einmal auf die Möglichkeiten ein, die parallele sprachliche Systeme bieten, und bezeichnete sie dort als als direkte Einsichten in die eigene Konzeption grammatischer Entsprechungen der Sprecher dieser Sprache. [11]

Mit den sozialethnologisch orientierten Forschungen von FOX, [12] die er in den 1960er Jahren unter dem Einfluss strukturalistischer Theorien auf der Insel Rote begann, nahm das systematische, wissenschaftliche Interesse am Phänomen einer ritual language [13] ostindonesischer Ethnien einen ersten Aufschwung.
Wie ich schon erwähnt habe, und ich hoffe, Sie werden mir nach der Erörterung der Kritik und der Theorie-Argumentation der Ethnography Of Speaking zustimmen, ist der Terminus ritual language für die Bezeichung von mündlichen Dichtungen, die in spontaner Rede im Ritual vorgetragen werden, nicht geeignet. In der Regel repräsentieren mündliche Dichtungen keine von der natürlichen Sprache unabhängige, eigene Sprache, wie es dieser Terminus suggeriert. Es handelt sich vielmehr um ein sekundäres modellbildendes System im Sinne von Jurij LOTMAN. [14] Sekundär ist dieser Sprachgebrauch, da er auf und über der natürlichen Sprache errichtet, und modellbildend, weil er der Struktur der natürlichen Sprache nachgebildet ist. So verfügen beispielsweise die Tonis-Dichtungen der Atoin Meto in Westtimor als sekundäre modellbildende Systeme über eine eigene Struktur zur Übermittlung von Inhalten, die mit der elementaren sprachlichen Struktur so nicht übermittelt werden können. Ritueller und / oder dichterischer Sprachgebrauch unterscheidet sich von der jeweiligen Sprache lediglich durch ein reserviertes Lexikon sowie die besondere Formgebung der Rede. Neben LOTMANs Terminus des sekundären modellbildenden Systems können wir auch von unterschiedlichen Rede- oder Literaturgattungen sprechen, die insgesamt einem Sprachsystem angehören. Die Begriffe langue und parole, die DE SAUSSURE vorgeschlagen hat, beziehen sich ebenfalls auf diesen Unterschied zwischen grammatischen Regelsystem und der gesprochen Sprache. Ob natürliche Sprache, Umgangssprache, Literaturgattung oder rituelle Rede, sie alle unterliegen den gleichen grammatischen Regeln, anders: die Regeln ihrer Bildung sind Variationen eines grammatischen Systems und somit Bestandteile einer Sprache.

Die Bedeutung der mündlichen Dichtung, die ein Konglomerat mythischer und historischer Überlieferungen verarbeitet und in Form der rituellen Rede während der Durchführung entsprechender Rituale präsentiert, wurde in Indonesien eigentlich nie übersehen. [15] Übersehen wurden lediglich die Bedeutung der Form sowie die enge Beziehung zwischen Form und Situation, in der diese Überlieferungen vorgetragen wurde. Wissenschaftler machten sich früher einfach nicht die Mühe, die entsprechenden Sprachen sowie die spezifische Form der Rede zu erlernen, in der mythistorische Überlieferungen tradiert werden. Als Ergebnis ihrer Forschungen konnten sie dann allenfalls Nacherzählungen, bestenfalls Nachdichtungen der Mythen und historischen Ereignisse publizieren. Dass eine solche Vorgehensweise einer elaborierten mündlichen Dichtung natürlich nicht adäquat ist, braucht nicht mehr besonders betont zu werden. [16]
Doch schon DE JOSSELIN DE JONG machte in seiner Antrittsrede von 1935 auf die Wichtigkeit mündlicher Dichtung in indonesischen Kulturen aufmerksam, indem er in diesen Dichtungen in ihrem organischen Zusammenhang mit der sozialen Struktur und dem Ritual einen noch immer verkannten und oft auch mißbrauchten, aber dennoch unvergleichlich reichen Quell kulturwissenschaftlicher Einsicht erkannte.[17] Es bleibt so weitgehend unverständlich, warum mündliche Überlieferungen erst seit den 1960er Jahren in authentischer Form dokumentiert und publiziert wurden.

Die Entdeckung der Rotinese Ritual Language

In seinem grundlegenden Artikel, der 1971 in der Zeitschrift Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde veröffentlicht wurde, [18] beschreibt und definiert FOX für die kleine, Timor vorgelagerte Insel Roti das Phänomen, das er als Rotinese Ritual Language in die ethnographische Literatur Ostindonesiens einführte. Mit den beiden charakterisierenden Merkmalen compulsive und / oder canonical pervasive parallelism definiert er das Wesen seines Gegenstands.
Der erwähnte Artikel von FOX ist die erste systematische Untersuchung dieses Gegenstandes für eine ostindonesische Kultur. In diesem Text führt er eine gründlichere Auseinandersetzung mit diesem Phänomen in ostindonesischen Kulturen. [19]
Wie wir an mehreren Beispielen aus der mannigfaltigen Forschungsgeschichte zum Phänomen mündlicher Dichtung inzwischen gesehen haben, ist eine rituelle Rede, die zur Komposition mündlicher Dichtungen die sprachliche Struktur des Parallelismus voraussetzt, anscheinend ein Phänomen aller Zeiten und Räume. Syntaktischer und /oder semantischer Parallelismus, so legen zahlreiche Forschungsergebnisse nahe, muss als ein kultureller Universalismus gewertet werden. [20]

Die Auffassung von DE JOSSELIN DE JONG und die vielen Aufsätze, die FOX zu Syntax und Semantik der Rotinese Ritual Language verfasst hat, haben dazu geführt, dass dem sprachlichen Phänomen der paired in dyadic sets, structured in formulaic phrases, and expressed as couplets or parallel verses,in ostindonesischen Kulturen besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. [21] Neben den Maya-Kulturen Mesoamerikas gibt es zur Zeit kein anderes Studienfeld für das eine so dichte Untersuchungssituation neueren Datums vorliegt, wie gerade für die ostindonesischen Inseln Sumba, Flores, Roti und mit Einschränkungen auch für Timor. Beklagte JAKOBSON sich in seinem Aufsatz von 1966 noch darüber, dass unser Wissen über die Verteilung des Parallelismus in der Volksdichtung der Welt und dessen Charakter in den verschiedenen Sprachen der Erde noch immer spärlich und bruchstückhaft ist, [22] so besteht heute eher das Problem, die Menge der Fallstudien so zu reduzieren, sodass Generalisierungen sichtbar werden. [23]
Einleitend, aber noch sehr allgemein, definiert FOX die Rotinese Ritual Language als eine Form of oral poetry characterized by the required coupling of virtually all semantic elements, eine Einschätzung, die er mit STEINITZ teilt, der den Stil der finnisch-karelischen Volksdichtung ebenfalls als formal und inhaltlich parallel beschrieben hatte. [24] Als weiteres, wichtiges definitorisches Kriterium bezeichnet FOX a knowledge of these ritual forms als essential to an understanding of Rotinese social classification, [25] womit er an DE JOSSELIN DE JONG anknüpft, der davon überzeugt war, mündliche Dichtung sei eine Quelle weltanschaulich-philosophischer Informationen.

Die Rotinese Ritual Language besitzt, so FOX, wie die meisten anderen mündlichen Dichtungen die in Ritualen vorgetragen werden, eine besonders enge Beziehung zu einer bestimmten sozialen Situation, nämlich dem Ritual, in dem sie ihre Funktion ausübt. Diese Funktion umschreibt er in dem obigen Zitat als understanding of Rotinese social classification, mit anderen Worten: Funktion der Rotinese Ritual Language ist die Bewahrung, Überlieferung, Thematisierung und Interpretation einer kulturspezifischen Weltanschauung. Diese soziale Situation zeichnet sich durch den Sachverhalt aus, dass in ihr die sogenannte Alltagssprache weitgehend gemieden wird und eine, für diese Situation reservierte Rede vorgeschrieben ist. Diese Rede ist hochgradig formalistisch und kanonisch, eben rituell, und nur einer Minderheit der Ritualteilnehmer verständlich. Darin liegt auch der Grund, warum FOX sich für den Terminus ancestral language entschieden hat, obwohl Ancestral Speech treffender gewesen wäre.
Jahrzehnte später unterstreicht FOX die Auffassung von der Bedeutung mündlicher Dichtung für das Verständnis indigener Weltanschauungen in seinem Vorwort zu der Studie von E. Douglas LEWIS über die Ostflores-Kultur Ata Tana` Ai ganz im Sinne DE JOSSELIN DE JONGs. Nachdem er die distinguishing features ostindonesischer Kulturen aufgelistet hat, die sich auch in der Kultur der Ata Tana` Ai widerspiegeln, fasst er diese resemblances throughout Eastern Indonesia noch einmal zusammen, indem er der ritual language die Funktion zuweist, die Merkmale zu thematisieren, auf der die Weltanschauung ostindonesischer Kulturen beruht: the quest for orign, the delegation of authority, the use of multiple metaphors of vitality, and the lively manipulation of dual categories, asuch as male/female, elder/younger, and center/periphery, which are given poetic voice in a ritual language itself structured by canonical parallelism. [26]

Anders als JAKOBSON verwendet FOX zur Bezeichnung einer Rotinese Ritual Language nicht den den Terminus grammatischer Parallelismus, sondern spricht vn einem canonical parallelism. Warum er diesen Begriff bevorzugt, lässt sich nur indirekt schließen, da er ihn an keiner Stelle eingeführt hat, sondern seinen Inhalt unerörtert voraussetzt. Fragen wir aber nach der Bedeutung des Begriffs Kanon, nach seiner Funktion und dem Umfang seiner Verwendungsmöglichkeiten hinsichtlich mündlicher Dichtungen, deren Ort das Ritual ist, so wird seine Begriffswahl plausibel.
Um den Kanonbegriff einzuführen und um die Bezeichnung von FOX, die das Adjektiv grammatisch nicht mehr verwendet, zu rechtfertigen, wechsele ich noch einmal zur Kuan-Fatu-Chronik der Atoin Meto. Ohne Rücksicht auf den textuellen Zusammenhang zu nehmen, zitiere ich zwei Passagen meiner Dissertation:

Beipiel 1: Der Kanonbegriff – Bedeutung und Funktion

In Bezug auf die mündlichen Dichtungen der Kuan-Fatu-Chronik muss der Begriff Kanon [27] sowohl auf die Form dieser Dichtungen (als äußerste formale Festlegung) als auch auf deren historische Themen (als höchste inhaltliche Verbindlichkeit) angewendet werden. Im Idealfall orientiert sich der Dichter-Sprecher an der Vorschrift, dass weder hinsichtlich der Form noch bezüglich des Inhalts seiner Dichtungen etwas hinzugefügt noch ausgelassen werden darf. In diesem Sinne bezeichnet Jan ASSMANN einen Kanon als Instrument, das einem normativen Zweck verpflichtet ist. Als solches verhilft der Kanon zu einer präzisen Orientierung, das heißt zu gesellschaftlich angemessenem Handeln. [28]
Welche Phänomene bezeichnet nun dieser Terminus bezüglich der Kuan-Fatu-Dichtungen genau? Ethnologie, Geschichte und Religionsgeschichte konfrontieren uns mit Traditionshorizonten, die sich seit Jahrtausenden dem kulturellen Wandel gegenüber relativ stabil verhalten haben. Neuere Untersuchungen zur Archäologie der literarischen Kommunikation [29] haben gezeigt, dass die überlieferten Texte der Großen Traditionen ein gemeinsames Merkmal besitzen, nämlich: in ihrer Umgebung scheint die Zeit im Sinne diachroner Verewigung stillzustehen. Die Texte dieser Großen Traditionen stehen nebeneinander in der Kopräsenz ewiger Gegenwart und entfalten unvermindert verbindlich ihre Botschaften. Gemeinsames Merkmal dieser Traditionen ist ihre Zeitresistenz. [30] Die Zeitresistenz, die diese Traditionen genießen, sichert ihnen auch das Privileg der Erinnerung und verleiht ihnen die Aura unvergänglicher Aktualität und jugendlicher Frische. Deshalb kann Carsten COLPE auf die Entstehung solcher, von ihm Heilige Schriften genannten Texte, verweisen, wenn eine Textüberlieferung gepflegt wird, welche für die Gemeinschaft eine gewisse Norm darstellt (…) Heiligkeit zeigt sich ferner an besonderer Sorgfalt bei der Textüberlieferung, einschließlich der Aufbewahrung, an der Dignität des Inhalts, an der Art der Vorlesung, am Gebrauch für Zauber, Heilung, Rechtsprechung; an Inanspruchnahme von wundersamer Auffindung, Inspiration, hohem Alter (…) Heiligkeit kann sich paradoxerweise an beidem zeigen, an Geheimhaltung wie an Promulgation der Schriften, je nach sozialen Umständen.“ Mit anderen Worten: Heiligkeit oder ewige Wahrheit zeigt sich „last not least an Kanonisierung. [31] Auch Alois HAHN verwendet zur Kennzeichnung seines Kanonbegriffs Qualitativa wie heilig, verbindlich, vorbildlich um den Prozess der Kanonisierung zu beschreiben. Mit diesen Adjektiven bezieht er sich unter anderem auf religiöse, literarische, historische, medizinische und rechtliche Texte oder Textsammlungen. [32]
In unserem alltäglichen, westeuropäischen Sprachgebrauch repräsentiert der Begriff der Klassik und des Klassischen den des Kanons. In seiner philosophischen Hermeneutik hat H.G. GADAMER eine Bestimmung des Klassischen vorgelegt, die Klassik als Bewußtsein des Bleibendsein (…) eine Art zeitloser Gegenwart, die für jede Gegenwart Gleichzeitigkeit bedeutet [33] aufgefasst hat. Vergleicht man die Merkmale Heiliger Schriften wie COLPE sie zusammengestellt hat mit den Kriterien des Klassischen nach GADAMER und der Definition des Kanons durch Aleida ASSMANN und Jan ASSMANN so bemerkt man, dass es sich hier nur um einen einzigen Gegenstand handelt: die Heiligen Schriften großer Traditionen sind klassisch in dem Sinne, als sie das Ergebnis einer Kanonisierung darstellen. [34] ASSMANN und ASSMANN, deren Kanondefinition auf GADAMERs Klassikdefinition aufbaut, formulieren dessen etwas vage Bestimmung in operationalen Begriffen, und kennzeichnen die Phänomene des Kanon-Syndroms als Zeitresistenz, Enthistorisierung, Institutionalisierung, Normativität und Identifikation. [35] Mit Hilfe dieser dreifach zusammengestellten Kriterien ist es möglich geworden, das Feld abzustecken, das ein Kanonbegriff in seiner Bedeutung abdecken muss, will er für eine lebendige Tradition wie die mündlichen Überlieferungen verbindlich sein.
Bei der Entwicklung seiner Kanonformel [36] stellt Jan ASSMANN die folgenden Aspekte als begriffsbestimmend heraus:
a) Instrumentalität als Wurzel des Kanonbegriffs sowie
b) die zwangsläufige Ausweitung dieses Begriffs hinsichtlich Normativität, Wertbezug und Allgemeinverbindlichkeit. [37]
Ein Kanon hat das Streben nach höchster Genauigkeit im Blick. Ihm geht es vor allem um Ordnung, Reinheit und Harmonie, um den Ausschluss von Zufall und unkontrollierter Abweichung. Als Norm ist der Kanon das Vorbild des richtigen Handelns, das die Grenzen festlegt, innerhalb derer sich der Dichter-Sprecher bewegen kann. Der Kanon erzeugt Muster im Sinne von kompositorischer Vorbildlichkeit, die die Selbstdarstellung sozialer und politischer Gruppen ermöglicht. Kanonisierung und Zensur sind Selbstdarstellungen einer Gesellschaft, in denen es vor allen Dingen um Kanonisierungen von Niveaus der Partizipation geht. Die Verbindlichkeit besteht also nur für den, der dazu-gehören will. [38] Ist der kompositorische Kanon der Kuan-Fatu-Chronik erst einmal als Handlungsnorm gegeben, wird er für den Dichter-Sprecher zur allein maßgeblichen und verbindlichen Grundlage, sowohl in Bezug auf die formalen Regeln seiner Textproduktion als auch hinsichtlich der Auswahl von Thema, Kommentar und Exegese seiner Dichtung. Auf diese Weise liefert er ihm eine sichere Orientierung durch Invarianz von Form (die beinahe absolut ist) und durch Invarianz von Inhalt (die zeitgebunden und relativ ist): er stiftet Gleichheit, Genauigkeit und Entsprechung genau dort, wo sie gesellschaftlich erwartet wird und verschließt auf diese Weise Willkür und Zufall den Weg in Gestalt und Repertoire der Dichtung. Konkrete Vorbilder, und besonders die strenge Orientierung an abstrakten Regeln der Form oder thematischen Vorgaben, ermöglicht diese Invarianz. Invariante, aber nichtsdestoweniger allgemeingültige Regeln geben dem Dichter-Sprecher in seiner mündlichen Komposition Sicherheit und zeichnen seine Rede durch Verlässlichkeit aus. Unsicherheiten im Verhalten des Dichter-Sprechers und unwägbare Erwartungen des Auditoriums werden durch diese Regeln so kompensiert, sodass sie von vornherein ausgeschlossen sind.
Auf dieser Grundlage lässt sich das Programm, das Kanonisierungsprozesse verfolgen müssen, als ein zweifaches bestimmen:
a) Genauigkeit versus Ungenauigkeit und
b) Kontinuität versus Willkür.
Invarianz ist in diesem Prozess das Mittel der Wahl. Nur ein kontrolliert invarianter Kanon ist in der Lage, diesen Anforderungen zu entsprechen, nur er kann Inbegriff einer als vorbildlich und maßgebend vorgestellten Tradition werden, kann mit Recht Authentizität und Verbindlichkeit für sich beanspruchen. Die Verlagerung vom Richtigen auf das Sakrosankte ist dann nur noch die logische Konsequenz der Kanonisierung. [39]

Beipiel 2: Kanon und Identität

Eine weitgehende und möglichst enge Orientierung an den Vorschriften des Kanons ist wichtig und unverzichtbar, weil die Kanonisierung von Überlieferungen erhebliche Auswirkungen auf die Konstituierung und Konsolidierung personaler und ethnischer Identität besitzt. Der Kanon, zu einem situationsunabhängigen Maßstab aufgewertet, zieht eine scharfe Trennungslinie zwischen der erwünschten Gestalt einer Tonis-Dichtung und der tabuisierten Gestalt der Pseudo-Tonis-Varianten. Anders ausgedrückt: die Polarisierung zwischen den Kategorien Wir und Nicht-Wir, die die identitätsichernde und -stiftende Funktion des Kanons betrifft, ist seine entscheidende Orientierungsleistung für die gesellschaftliche Gruppe, die diesen Kanon für verbindlich erachtet. Als Resultat dieser Polarisierung führt ASSMANN mehrere Beispiele an: maßgerecht und abweichend (konkreter Kanon), gut und böse (moralischer Kanon), schön und hässlich (ästhetischer Kanon), gerecht und ungerecht (politischer Kanon), wahr und falsch (logischer Kanon). Hinzuzufügen wäre diese Aufzählung als weiteres Beispiel: parallel und nicht-parallel (grammatischer Kanon). [40]
Heilige Schriften, durch Prozesse der Kanonisierung in einen sakrosankten Zustand überführt, formen die personale, ethnische und kulturelle Identität ihrer Adepten. Entsprechend ergänzt ASSMANN dann auch die Definition seiner Kanonformel: Wir bestimmten Kanon daher als das Prinzip einer kollektiven Identitätsstiftung und -stabilisierung, die zugleich Basis individueller Identität ist (…) Kanon stiftet einen Nexus zwischen Ich-Identität und kollektiver Identität. Er repräsentiert das Ganze der Gesellschaft und zugleich ein Deutungs- und Wertsystem, im Bekenntnis zu dem sich der Einzelne der Gesellschaft eingliedert und als deren Mitglied seine Identität aufbaut. [41] Die Eingliederung in eine soziale oder politische Gruppe, wie beispielsweise in eine Namengruppe (kanaf) oder in eins der politisch autonomen Territorium des feudalen Amanuban, verläuft nicht nur über die Differenzierung von Wir und Ihr, sondern das Wir-Gefühl als Gruppe muss mit einem Anspruch des Anspruchsvollen und Erstrebenswerten verbunden sein. Auch hierzu dient die Formulierung eines Kanons und seine Übertragung auf eine historische Überlieferung als Heiliger Text oder Wort und Weg der Ahnen. Die Heiligung einer bestimmten Überlieferung läuft immer auf die Heiligung der mit dieser Überlieferung verbundenen Gemeinschaft hinaus: aus dem neutralen Orientierungsinstrument Kanon wird dann eine Überlebensstrategie. So gesehen wird der Kanon dann zum Prinzip einer Form kultureller Kohärenz. [42] Kulturelle Kohärenz kann aber nur entstehen, wenn die Dimension der Bedeutung von Tonis-Dichtungen nach außen über offene, instabile Grenzen verfügt – die Bedeutungsdimension muss individuellem Mitteilungs- und Gestaltungsdrang gegenüber zugänglich sein, und das heißt auch: Kommentar und Version müssen in das Repertoire des Kanons aufgenommen werden, sodass dieser auf den Wandel von Kultur und Gesellschaft geschmeidig reagieren kann. [43]
Nur unter diesen Voraussetzung, so meine ich, kann FOX den grammatischen Parallelismus der Rotinese Ritual Language berechtigterweise als kanonisch bezeichnen.

Nach der längeren Einordnung, die aufgrund der besonderen Stellung der Arbeiten von FOX für die rezente Untersuchung ostindonesischer mündlicher Dichtungen notwendig ist, will ich Ihnen zwei Textsegmenten der Roti-Dichtungen präsentieren, Dichtungen, deren Struktur Ihnen im Verlauf dieses Seminars inzwischen vertraut geworden sein sollten. Bevor ich auf die charakteristischen Merkmal dieser Textsegmente (bini), wie FOX sie beschrieben hat eingehe, zwei Beispiele:

Beispiel (1): Versbildung mit aufeinanderfolgendparallelen Zeilen adjacent)

1 Sa-Lepa-Lai nunun
The waringin tree of Sa Lepa-Lai
2 Ma Huak Lali-Ha kekan
And the banyan tree of Huak Lali-Ha.
3 Keka maba`e faluk
The banyan has eight branches
4 Ma nunan mandana siok
And the waringin has nine boughs:
5 De dalak ko sio boe
Nine roads indeed
6 Ma enok ko falu boe.
And eight paths as well.
7 Fo dala sodak nai ndai
The road of well-being is there
8 Ma eno mamates nai na
And the path of death is there.
9 De suli malamumula
Therefore watch with car
10 Ma mete makananae
And look with attention.
11 Ndanak esa dulu neu
One branch points east,
12 Ma boso musik ndia
But do not follow that
13 Te fiti-ngge ledon dalan ndia
For the fiti-ngge on the sun` s road is there
14 Ma telu-ta` e bulan enon ndia
And the telu ta` e on the moon` s path is there. [45]

Das exemplarische Textsegment für the power of parallelism to create a cosmology, simply and effectively [46] besteht aus 51 Verse, die FOX couplets nennt, und die aus je zwei vorwiegend semantisch aufeinanderbezogenen Zeilen bestehen, die nach STEINITZ Halbpaarverse, nach JAKOBSON Halbverse sind. Im Verlauf dieses Seminars haben wir uns allmählich für die Begriffe Grundvers und Variationsvers entschieden. Nur vier dieser Verse besitzen keine parallele Struktur (wie Vers 12) und stehen isoliert. Die Verse sind semantisch relevante, in diesem Fall synonymparallele Paarbildungen. FOX schreibt in Bezug auf die Versbildung der Rote-Dichtungen, dass the number of parallel terms per line varies from one to four. Three, however, is by far the most common number of parallel terms that may occur in one line. [47] Das gerade als Beispiel für eine typische Rote-Dichtung herangezogene Textsegment enthält, ausgenommen Vers 11 und 12, synonymparallele Verse, die den Waringinbaum als Axis mundi beschreiben, von dem fünf Wege abzweigen (vier äußere, entsprechend der vier Himmelsrichtungen, ein innerer, entsprechend der Berücksichtigung des Zentrums).
Dem thematischen Schwerpunkt regeneration and renewal ordnet FOX das folgende Textsegment zu, das in der Versbildung anders verfährt als Beispiel (1), obwohl die Parallelismus-Diktion dadurch nicht im Geringsten verletzt wird. Die poetische Form dieses Textsegment ist gemäß FOX ebenfalls ein couplet, und so erläutert er: but the lines of couplets may often be interlaced rather than adjacent. [48]

Beispiel (2): Versbildung mit alternierendparallelen Zeilen (interlaced)

1 Oe No Dain biin
The goat of Oe No from Dai
2 Na bii ma-pau henuk
The goat has a yellow-necklaced beard
3 Ma Kedi Poi Selan manun
And the cock of Kedi Poi from Sela
4 Na manun ma-koa lilok.
The cock has gold-stranded tail- feathers
5 De ke heni pua biin
Cut away the goat´s beard
6 Te hu ela lesu biin
Leaving but the goats throat
7 De se lesun na pau seluk
That throat will beard again
8 Fo na pau henu seluk;
And the beard will be a yellow necklace again;
9 Ma feä heni koa manun
And pluck out the cock´s tail- feathers
10 Te sadi ela nggoti manun
Leaving only the cock´s rear
11 Fo nggotin na koa seluk
That rear will feather again
12 Fo na koa lilo seluk.
And the tailfeathers will be gold strands again.
13 Fo bei teman leo makahulun
Still perfect as before
14 Ma tetu leo sososan.
And ordered as at first. [49]

Als auffälligstes Merkmale einer Rote oral poetry beschreibt FOX die Eigenschaften, die die Autoren der gerade zitierten bini verwenden, als formal, formulaic und parallelistic. Die semantischen Elemente dieser Texte nennt er konventionalisierte, diadische Paare (dyadic sets oder speaking in pairs wie FOX immer wieder betont), die hinsichtlich ihrer formalen Anordnung nach vorgeschriebenen, syntaktischen Regeln oder Regeln der Versbildung strukturiert sind (eben formulaic). Als Ergebnis dieses Kompositionsprozesses entstehen mündliche Dichtungen, deren herausragendstes Merkmal teilweise syntaktisch-, in der Hauptsache aber semantischparallele, poetische Verse sind, und die in ihrer formalen Struktur eine große Nähe zum Parallelismus hebräischer und mesoamerikanischer Dichtungen besitzen.

Für die, das Wesen des Parallelismus ausmachenden, ständig wiederkehrenden Elemente (der recurrent returns) prägte FOX den Terminus dyadic sets. Bei der Analyse seiner Rotinese Ritual Language, in Bezug auf Rote den Redegattungen Gedicht, Sprechgesang oder -chor (bini) und Lied (sosodak), [50] richtet er sein Interesse vorwiegend auf diese expression of dyadic sets in parallel verse sowie auf die ihnen underlying semantic organization of the elements of these sets. [51] Die einzige indigene Regel, die die Produktion der bini auf Rote betrifft, besteht darin, dass die syntaktische und semantische Ordnung innerhalb der Verse diadisch angelegt ist, also aus parallelen Wortpaaren oder Verspaaren besteht. Während der Parallelismus der syntaktischen Anordnung in Grund- und Variationsvers relativ locker ist, besteht eine zwingende Vorschrift zur Verwendung semantischparalleler Paare, die aus mindesten zwei Partnern bestehen müssen, und die den eigentlichen grammatischen Zusammenhang der Verse (sowie Verspaare) und ihrer Aussage sichern. Der syntaktisch größere Spielraum der Rote-Verse rückt diese Dichtung in die Nähe der schon erörterten Versbildung in der hebräischen und aztekischen Poesie, wie sie LOWTH und LEÓN PORTILLA beschrieben haben. Innerhalb eines Verses (Wortpaares) dient einerseits die Mitgliedschaft eines Elements in einem bestimmten parallelen Paar, andererseits der Kontext, der durch die Ordnung innerhalb des Verses (Wortpaares) etabliert wird dazu, Gebrauch und semantische Bedeutung zu bestimmten. Bei der Anordnung der Elemente eines diadischen Paars ist Synonymie und seltener Analogie ein charakterisierender Prozess. FOX scheint davon auszugehen, dass die semantische Relation der Lexeme eines parallelen Wortpaares in den Rote-Dichtungen zwischen den beiden Polen synonym- und analogparallel ozillieren kann, betont aber auch, dass the criteria for synonymy or antithesis are difficult to make precise (…) using, however, a loose notion of synonymy, it is apparent that many pairs have ´similar meaning´, eine nur schwache Kennzeichnung, da eine solche Definition analogparallele Paare auch nicht ausschließen kann. [52] Ob nun synonym- oder analogparallel, es liegt ja gerade im Interesse der spezifischen Anordnung der beiden Lexeme eines parallelen Wortpaares, dass sie eine similar meaning ausdrücken, da sie nur so die Vorschrift der Entsprechung erfüllen können. Dabei stehen die beiden Elemente der dyadic sets einer Rotinese Ritual Language in eben der komplementären Beziehung, in der das zweite Glied eines Paares dazu beiträgt, Form und Bedeutung des vorausgehenden zu intensivieren.
Über diese Charakterisierung der formalistischen Merkmale paralleler Wortpaare und ihre Gebrauchs hinaus, fährt FOX mit der Behauptung fort, parallele Wortpaare auf Rote seien neutrale, intern ungeordnete Paare. Es ist weitgehend irrelevant, erklärt er, which element of a set occurs first or second in a single line or in parallel lines. [53] Syntaktisch gesehen mag dies angehen, obwohl schwer nachvollziehbar, semantisch ist dies aber nicht plausibel, besonders wenn er später einräumt (1989), die dyadic structures weisen Merkmale eines weltanschaulichen Dualismus auf, die die Neutralität der parallelen Paare der rituellen Rede mehr als fraglich erscheinen lassen, wie vor allem die von ihm postulierte Asymmetrie der Kategorien. Es ist also mehr als zweifelhaft, ob FOX hier berechtigterweise von der Neutralität der Position der beiden Elemente innerhalb eines dyadic sets spricht, da besonders zwischen den benachbarten bini aus Rote und den Tonis-Texten aus Kuan Fatu ein wesentlicher Unterschied auffällt. Die parallelen Wortpaare der Tonis-Texte sind in ihrer Anordnung nicht neutral, sondern unterliegen einer Asymmetrie, wobei das zweite Lexem eines parallelen Paares von den Dichter-Sprechern schwächer gewertet wird als das erste. KUHNT-SAPTODEWO schildert die gleiche Beobachtung für Südkalimantan: Die in diesem Abschnitt versuchte sprachliche Analyse der Basa Sangiang (rituelle Rede der Ngaju Dayak; HWJ) anhand einiger Textbeispiele kommt zu dem Ergebnis, daß die Basa Sangiang zwei in der Alltagssprache der Ngaju fehlende wichtige Aspekte aufweist, die die rhetorische Struktur und die Tanduk-Ebene betreffen (tanduk, dyadic set; HWJ). Unter rhetorischer Struktur wird die Teilung der Sätze in einen männlichen und einen weiblichen Teil verstanden, und mit der Tanduk-Ebene ist die formelhafte, manchmal metaphorische Umschreibung oder Kode gemeint. [54]

Grammatischer Parallelismus als dichterisches Stilmittel allein ist nicht dazu in der Lage, die Beziehung der Glieder eines parallelen Wortpaares auf spezifische Weise zu arrangieren, darin ist FOX natürlich zuzustimmen, wenn er schreibt: The rules of parallelism provide no such criterion. Wohl aber ist die kulturelle Überzeugung und die den parallelen Wortpaaren zugewiesene, konventionalisierte semantische Bewertung durch die Kulturteilnehmer selbst dazu in der Lage.
Ich zitiere im folgenden drei Tonis-Wortpaare aus meiner Kuan-Fatu.Chronik, die diese Kritik untermauern sollen:

(1) koko in anan // nai bate in anan
koko ihr Kind // nai bate ihr Kind

(2) nunu pupuf banam // lete pupuf banam
Waringin-Spitze Banam // lete-Spitze Banam

(3) niuf ainaf banam // tais ainaf banam
See-Mutter Banam // Meer-Mutter Banam

Entsprechend der Vorstellung und Anordnung der Elemente eines parallelen Wortpaares als stark-schwach, führen die Dichter-Sprecher aus Kuan Fatu ein Asymmetrie der Elemente in ihre parallelen Wortpaare ein, eben die Asymmetrie, die FOX als definitorisches Kriterium der dyadic structure fordert. In allen drei Wortpaaren bezeichnet das erste Element (koko in anan, nunu pupuf banam sowie niuf ainaf banam) den erforderlichen Sachverhalt mit einem Begriff, der in vielen anderen Zusammenhängen ebenfalls verwendet wird. Koko (eine Schlangenart und Symbol für den feudalen Herrscher), nunu (Waringinbaum und Symbol für die beschirmende Funktion der Aristokratie) sowie nifu (See und im parallelen Wortpaar pah // nifu, Heimat) stehen in einem strengen Gegensatz zu den schwachen Lexemen nai bate (ein unspezifischer Begriff für eine Schlange), lete (ein großer, in Amanuban weitverbreiteter Baum) und tasi (das dem zentripetal ins Landesinnere orientierten Atoin Meto suspekte Meer), deren Funktion nicht primär bezeichnend, sondern sekundär kommentierend und interpretierend aufzufassen ist. Insbesondere besitzen die schwachen Lexeme keine symbolisch konnotierte Bedeutung: Nai Bate ist einfach nur eine Schlange, von der niemand mehr Genaueres sagen kann, während die numinose Koko den Herrscher mit meint. Koko, Nunu und Nifu bezeichnen den gemeinten Sachverhalt, sind die eigentlich bedeutungtragenden Lexeme des Verses, während Nai Bate, Lete und Tasi die Funktion übernehmen, diese Bedeutung zu intensivieren, das parallele Wortpaar durch ihre Anwesenheit zu ergänzen und ästhetisch abzurunden. Eine alternative Anordnung der Lexeme, wie beispielsweise nai bate in anan // koko in anan etc. ist nicht möglich, und würde von den Dichter-Sprechern nicht akzeptiert und als Pseudo-Tonis bewertet.
Bei der internen Beziehung der parallelen Elemente in den Versen mündlicher Dichtung aus Rote und Timor handelt es sich um eine polare Beziehung der Entsprechung und Ergänzung, nicht um einen antithetisch konzipierten, dualistischen Gegensatz, wie FOX diesen Sachverhalt formuliert hat. Gemessen an den zitierten Beispielen aus Südkalimantan und Westtimor ist es kaum wahrscheinlich, dass bei aller sonstigen Ähnlichkeit der Form, die Rote-Dichtung gerade in diesem Aspekt eine Ausnahme bilden sollte und die beiden Elemente einer parallelen Konstruktion als gleichwertig behandelt, wie FOX meint, wenn er schreibt: one element is not superior to another and either element may precede the other in expression. Extralinguistic criteria are required to transform parallel elements into elements of a dual organization od cosmplogy. [55]

Allein die Mitgliedschaft in einem parallelen Paar sowie dessen Kontext gestattet demnach die Annahme, dass die Bedeutung des unbekannten Elements in Zusammenhang mit der Bedeutung des bekannten Elements interpretiert werden kann und darf. Die Interpretation der parallelen Wortpaare der Rote-Dichtung, die im gleichen Paar Lexeme aus zwei unterschiedlichen Rote-Dialekten kombinieren, erscheint den Rezipienten solange als archaisch und unverständlich (the impression of ritual language on its hearers is one of strangeness), als diese nur einen dieser Dialekte beherrschen. [56] Daneben enthält die rituelle Rede Rotes auch häufig genug Formen der Alltagssprache, die mit diesen unbekannten Elementen verwandt sind.

Für eine general nature of ritual language in Rote präsentiert FOX verallgemeinernd fünf Kriterien, die er u.a. später auch in der Diskussion um einen weltanschauulichen Dualismus in Ostindonesien benutzen wird: [57]

  • Rituelle Rede (ritual language nach FOX) ist eine hoch entwickelte und ausgearbeitete Gattung der Rede mit erstaunlich abwechslungsreichen Äußerungsmöglichkeiten, die sie ihrem umfangreichen Lexikon paralleler Wortpaare verdankt. Die durchgehende Verwendung eines grammatischen Parallelismus als dichterisches Stilmittel entspricht kultureller Konvention und Erwartung von der Form mündlicher Dichtungen. Allein deshalb kann in ritueller Rede vorgetragene, mündliche Dichtung nicht auf eine einfache, zu Wiederholungen neigende Mentalität zurückgeführt werden. [58]
  • Die in der rituellen Rede benutzten, parallelen Wortpaare (dyadic sets nach FOX) sind in dem Sinne formulaic und canonical, indem jedes Paar eine traditionell ausdrücklich festgelegte Einheit darstellt. Die interne Beziehung der Lexeme dieser Paare ist nicht neutral, da sie sowohl polar (komplementär) als auch asymmetrisch angelegt ist, wodurch wesentliche Überzeugungen einer kulturspezifischen Weltanschauung reflektiert und sprachlich ausgedrückt werden. Solche semantischparallelen Paare bilden einen Vorrat (ein Lexikon) an ganzheitlichen Einheiten, aus denen die Verse der Rede komponiert werden.
  • Rituelle Rede ist poetisch und metaphorisch, ihre Metaphern sind jedoch systematisch geordnet, da sie an die vorgeschriebene parallele Struktur gebunden sind.
  • Rituelle Rede ist eine hochgradig formalisierte Widerspiegelung der Umgangssprache, die sich aber von der Umgangssprache durch bestimmte Regeln des Sprachgebrauchs unterscheidet.
  • Rituelle Rede bezieht ihre Autorität aus der Überzeugung der Kulturteilnehmer, sie sei archaisch, traditionell und adat- und ahnenkonform, obwohl dieser Sachverhalt in der wissenschaftlichen Analyse nur bedingt bestätigt werden kann.

In der paarweisen Anordnung sprachlicher Elemente im Rahmen eines canonical parallelism sowie im formalisierten Sprachgebrauch sieht FOX das wesentlichste Merkmal der mündlichen Rote-Dichtungen. Wie er festgestellt hat, formuliert niemand auf Rote explizite Regeln für das Arrangement paralleler Wortpaare in Reihen oder Versen von solch poetischer Schönheit und Ausdruckskraft. Konsequenterweise hängt deshalb jede Beurteilung der poetischen Form von beobachtbaren Regelmäßigkeiten des Textes sowie des Kontextes ab. Auffällig ist ebenfalls, dass die parallele Struktur der rituellen Rede nicht alle Worte einbezieht. Es gibt eine beschränkte Anzahl von wiederkehrenden Elementen, die keine parallelen Paare bilden, wie Konjunktionen, Pronomen, deklinierte Präpositionen oder bestimmte, unveränderliche Elemente. Ebenfalls gibt es einzelne Zeilen (von FOX orphan lines genannt), die keinen parallelen Vers bilden. Trotz der Forderung wiederkehrender Elemente sind solche Zeilen oder Verse weder unvollständig noch fehlerhaft. Auf das Phänomen der nicht-parallelen Zeilen ohne unmittelbaren Partner hat schon JAKOBSON hingewiesen. Er konnte aber nachweisen, dass hier kein Bruch des parallelistischen Kanons vorliegt, sondern dass anscheinend nicht-parallele Zeilen dennoch mit dem parallelistischen Muster verklammert sind, und dass sie darüber hinaus einen internen grammatischen Parallelismus in ihren Halbversen aufweisen. [59]
Das oben exemplarisch zitierte Rote-Bini (Beispiel (1) – Verse mit aufeinanderfolgendparallelen Zeilen – zeigt deutlich eine Möglichkeit der Verklammerung scheinbar nicht-paralleler Verse mit dem parallelistischen Grundmuster, indem die Verse mit nicht-parallel aufeinanderfolgenden Zeilen (11 und 12, 19 und 20, 25 und 26, 31 und 32), obwohl von Versen mit parallelen Zeilen unterbrochen, selbst alternierendparallel angeordnet wurden, sodass das folgende parallele Muster entsteht:

11 Ndanak esa dulu ne
One branch points east,
12 Ma boso musik ndia
But do not follow that
(…)
19 Ndanak esa muli neu
One branch points west,
20 Boso musik ndanak ndia
Do not follow that branch
(…)
25 Ndanak esa ki neu
One branch points north (left),
26 Boso musik ndanak ndia
Do not follow that branch
(…)
31 Ndanak esa kona neu
One branch points south (right),
32 Boso musik ndanak ndia
Do not follow that branch [60]

In seinem grundlegenden Aufsatz von 1971 beschreibt FOX, ohne Bezug auf PARRY und LORD und ihre Theorie der Mündlichkeit, die formulaic features of dyadic sets as traditionally fixed units of expression. [61] Wie DAVIES bei der Untersuchung der formalen Dimension chinesischer Poesie, so kommt auch FOX zu dem Ergebnis, dass der von LOWTH erstmals definierte, synthetische oder konstruktive Parallelismus in seiner Rotinese Ritual Language überwiegend vertreten ist: The overwhelming majority of parallels in Rotinese are ´synthetic´. They reflect the correspondence of elements by a specific speech community, its stock of prescribed social ´metaphors´. [62]

Mündliche Dichtung in Ostindonesien: Forschungsgeschichte und Forschungsstand

Mündliche Dichtungen, die in ritueller Umgebung ihre Funktion erfüllen, weisen weltweit (und zu jeder Zeit) prinzipiell gleiche formale und funktionale Merkmale auf. Eine Ausnahme bilden allenfalls die chinesischen Dichtungen, was aber daran liegt, dass sie schon seit sehr langer Zeit in schriftlicher Gestalt überliefert werden.
Unter der Federführung von FOX erscheint es inzwischen als ausgemacht und Konsens, dass die Form mündlicher Dichtungen in Ostindonesien das Ergebnis einer durchgehenden dualen Organisation der sozio-politischen und kosmischen Ordnung der Kulturen dieser Region ist. In einschlägigen Untersuchungen ist die Parallelismus-Doktrin, wie FOX sie von JAKOBSON übernommen, als binary opposition in Form von dyadic sets ein allgemein akzeptierter Leitfaden geworden. Eine allzu einseitige Orientierung dieser Dichtung am Begriff der dualen Strukturen, des Dualismus, erscheint allerdings problematisch. Sind auch die Beobachtungen, die FOX bedauerlicherweise unter dem problematischen Terminus ritual oder dyadic language zusammengefasst hat, berechtigt und für die weitere Forschung ungemein inspirierend, so ist die von ihm verwendete Terminologie dann irreführend, wenn sie mit dem Begriff Dualismus vermischt oder diesem mehr oder weniger untergeordnet wird. Grundsätzlich ist FOX allerdings zuzustimmen, wenn er den Parallelismus in ostindonesischer Dichtung als promoted to the status of canon, and paired correspondances, at the semantic and syntactic levels, result in what is essentially a dyadic language – the phenomenon of ´speaking in pairs´ beschreibt. [63] Und er fährt fort: Oral composition in a binary mode is an essential means of social as well as ritual communication. Dyadic language is (…) em>the primary vehicle for the preservation and transmission of cultural knowledge. Thus, in eastern Indonesia, fundamental metaphoric structures of culture are embedded in forms of dyadic language. [64] FOX beschließt seine theoretischen Annahmen mit dem Hinweis, dass die Analyse dieser Dichtungen fundamental für ein ethnographisches Verständnis dieser Region sei. Aber das hat bereits DE JOSSELIN DE JONG festgestellt.

Der grammatische Parallelismus in den mündlichen Dichtungen ostindonesischer Kulturen ist gerade kein dichterisches Stilmittel dualistischer Provenienz, sondern muss als Polarität aufgefasst werden, deren besonderes Merkmal darin besteht, dass die zu Paaren kombinierten Elemente sich gegenseitig ergänzen und entsprechen. Elizabeth TRAUBE zitiert in einen Vers der Mambai in Osttimor, der diese polare Beziehung in besonders pointierter Form zum Ausdruck bringt:

Keo buti nor meta
Keo the white and the black
Keo buti ba rat
Keo the white is not enough
Nor meta fe tlut.
Join it with the black.
Keo meta ba natou
Keo the black is not sufficient
Nor buti fe naur.
Increase it with the white [65]

Als auffälligstes Merkmal trat in dem forschungsgeschichtlichen Exkurs der letzten Stunden die Vorschrift in den Vordergrund, dass mündliche Dichtungen nach einem bestimmten formalen Prinzip zu gestalten sind. Dieses muss den formalen Prinzipien und Gegebenheiten der rituellen Umgebung entsprechen, in der diese Dichtungen in ritueller Rede vorgetragen werden. Vorgeschrieben ist in allen Fällen die Verwendung metaphorisch kodierter, semantischparalleler Wortpaare in mehr oder weniger syntaktisch ebenfalls paralleler Umgebung sowie der Umfang der Möglichkeiten und der internen Beziehungen, nach denen diese Wortpaare miteinander kombiniert werden dürfen. Botschaften und Bedeutungen können erst dann richtig und vollständig geäußert werden, wenn diese in einem parallelen Wortpaar, in einer parallelen Phrase (Halbpaarvers) oder in einem parallelen Vers arrangiert sind. EMENEAU bringt den Zusammenhang zwischen dem zwingend formalen Charakter der mündlichen Dichtungen in einer bestimmten Situation auf den Punkt, wenn er über die Dichtungen der südindischen Toda schreibt, dass ihre Verse fixed by convention for particular contexts sind. [66]

Wie anders kann eine ancestral language als wahr anerkannt werden, wenn nicht qua Konvention? Doch nur einige der parallelen Wortpaare der Verse sind konventionalisiert. Die meisten anderen beruhen als metaphorical and metonymic poles of languages auf Auswahl und Kombination, wie JAKOBSON und HALLE alle ihrem Buch Fundamentals of language fordern. Sie sind eine interdependente Beziehung der Auswahl und Kombination aufgrund von Ähnlichkeit und Nachbarschaft). Dennoch werden die mündlichen Dichtungen als Sprache der Ahnen aus geschichtlichem Dunkel akzeptiert. Es ist diese Konvention, eine gemeinsame, quasi kollektive dichterische Tradition, die den mündlichen Dichtungen im Ritual ihre Wirksamkeit und Autorität verleiht, deren Ursprung DU BOIS mit Formulierungen wie self-evident und voice from nowhere umschreibt.

Die Beachtung dieser Vorschrift hat FOX möglicherweise dazu veranlasst, seine beiden Begriffe dyadic set und dyadic structures zu verwenden, und sie hinsichtlich desselben Sachverhalts zu unterscheiden. Er begründet dies so: Extralinguistic criteria are required to transform parallel elements into the elements of a dual organization or cosmology. Oder an anderer Stelle: In short, the canonical parallelism of the ritual languages of eastern Indonesia may account for the elaborateness of dualistic structures in the region, but it canot explain them. [67] Dass zwischen den dyadic sets der rituellen Rede und den dyadic structures der sozio-politischen Ordnungen ein, allerdings interdependenter Zusammenhang besteht. Dass die Form der Rede und die Form der sozialen Organisation einer Gemeinschaft im Ritual aufeinander bezogen sind, dazu hat die Theorie der ethnography of speaking in ihren Untersuchungen Interessantes beigetragen.

Anmerkungen

[1] Vgl. ebenfalls R. JAKOBSON, Der grammatische Parallelismus und seine russische Spielart (beide Aufsätze in: E. HOLENSTEIN und T. SCHELBERT, Roman Jakobson – Poetik, Ausgewählte Aufsätze 1921 – 1971, Frankfurt a.M., 1966,264:310.

[2] FOX, 1971:215 beschreibt diesen Parallelismus als canonical, pervasive parallelism und bezieht sich mit diesem Terminus auf den Sachverhalt eines feststehenden Registers von Elementen und Regeln, die die grammatisch-semantischen Proportionen und Kombinationen betreffen. DU BOIS weist in einem Artikel darauf hin, dass ein ritual register is often buildt up from elements which are archaic, borrowed, tabooed, or formulaic (1986:317).
Die Darstellung der Rotinese Ritual Language und des Standpunktes von FOX in Bezug auf diesen Gegenstand bezieht sich v.a. auf die folgenden Publikationen: FOX, J.J., Semantic parallelism in Rotinese ritual language, Bijdragen Taal-, Land- en Volkenkunde, 1971:127; Dictionary of formal dyadic language, Boston, 1972; On bad death and the left hand: a study of Rotinese symbolic inversion, in: NEEDHAM, R., Right and left: essays on dual symbolic classification, Chicago University Press, 1973; Our ancestors spoke in pairs: Rotinese views of language, dialect and code, in: BAUMAN, R. & J. SHERZER, Explorations in the ethnography of speaking, Cambridge University Press, 1974; On binary categories and primary symbols: some Rotinese perspectives, in: WILLIES, R., The interpretation of symbols, Malaby Press, 1975; Roman Jakobson and the comparative study of parallelism, in: VAN SCHOONEVELD, C.H. & D. ARMSTRONG, Roman Jakobson: echoes of his scholars, Lisse, 1977; Chicken bones and buffalo sinews: verbal frames and the organization of Rotinese mortuary performances, in: CLAESSEN, H.J.M. & D.S. MOYER, Time past, time present, time future, Verhandelingen Koninklijk Instituut Taal-, Land- en Volkenkunde 131, 1988a; To speak in pairs: essays on the ritual languages of Eastern Indonesia, Cambridge University Press, 1988b; To the aroma of the name: the celebration of a Rotinese ritual of rock and tree, Bijdragen Taal-, Land- en Volkenkunde 145, 1989a; Category and complement: binary ideologies and the organization of dualism in Eastern Indonesia, in: MAYBURY-LEWIS, D. & U. ALMAGOR, The attraction of opposites. Thought and society in the dualistic mode, University of Michigan Press,1989b.

[3] JAKOBSON, 1966:265; vgl. auch FOX, 1988:3, der die Definition von JAKOBSON verwendet und den Parallelismus ostindonesischer Kulturen als extention of the binary principle of opposition to the phonetic, syntactic, and semantic level of expression auffasst. Somit ornet FOX die poetische Sprache der mündlichen Dichtungen als „the most elaborate and complex expression of this phenomenon einer Vorstellung von binären Ideologien und dualen Organisationen (dyadic structures) unter, Theorien also, mit denen seit VAN WOUDEN und LÉVI-STRAUSS sozio-politische und religiöse Systeme in Ostindonesien beschrieben werden (zuletzt in: FOX; 1989; VAN WOUDEN; 1935, LÉVI-STRAUSS, C., Gibt es duale Organisationen?, in: ders. Strukturale Anthropologie, Bd.1, Frankfurt a.M., 1978:148.

[4] JAKOBSON,1966,175:176.

[5] JAKOBSON, 1966:265.

[6] Poetic diction, The journals and papers of Gerard Manley Hopkins, zitiert in: JAKOBSON, 1966:265: Die kunstwerkliche Seite der Poesie, vielleicht sogar alles Kunstwerk läßt sich auf das Prinzip des Parallelismus zurückführen. Die Struktur der Dichtung ist die eines fortlaufenden Parallelismus.

[7] FOX, 1977:60.

[8] FOX, 1977:60.

[9] Vgl. DE JOSSELIN DE JONG, J.P.B., De Maleische archipel als ethnologisch studieveld, Leiden, 1935 sowie VAN WOUDEN, F.A.E., Sociale struktuurtypen in de Groote Oost, Leiden, 1935. In der Auseinandersetzung mit den Kriterien eines sozio-kosmischen Dualismus in Ostindonesien, die hauptsächlich von VAN WOUDEN als dubbel-unilineale stelsel, clan-connubium, ceremonieele ruilverkeer, phratrie-dualisms und social-kosmische dualisme definiert und später von LÉVI-STRAUSS bestätigt wurden, eines Dualismus also, der wesentlich auf Qualitäten wie weiblich-männlich rekurriert, macht FOX folgendes Argument geltend: All of these ethnographies, without exception, confirm the prevalence and importance of dyadic structures. Yet the sheer variety and diversity of these structures militate against any conception of a single institution of dual organization. Nor is it simply the variety of these dyadic structures among the many different societies of the region that makes it difficult to apply the classic models of dual organization; more difficult still is the application of this concepot to the diversity of dyadic structures within any single society (FOX, 1989:35). Wendet sich FOX zu Recht gegen die Generalisierungen VAN WOUDENs und LÉVI-STRAUSS´ und votiert er relativistisch für kulturell eigenständige Konzepte, übernimmt er mit seinem Begriff dyadic structures dennoch die grundlegende Vorstellung eines antagonistisch-gegensätzlich, d.h. ausschließenden Denkstils für ostindonesische Kulturen, in denen, wie seine eigenen Forschungen gezeigt haben, polare Beziehungen der Entsprechung und Ergänzung vorliegen.

[10] JAKOBSON, 1966:265.

[11] JAKOBSON, R., 1961; in: HOLENSTEIN und SCHELBERT:1979:233.

[12] Für diese ersten Forschungen siehe FOX, J.J., The Rotinese: a study of the social organization of an Eastern Indonesian people, D.Phil.thesis, Oxford University, 1968 sowie The harvest of the palm: ecological change in Eastern Indonesia, Harvard University Press, 1977.

[13] Der in der englischsprachigen Literatur übliche Terminus ritual language wird dem Phänomen der rituellen Rede nicht gerecht. Die Verwendung der eurozentristischen Terminologie des dualism, die FOX in die Diskussion eingeführt hat, unterstellt den ostindonesischen Kulturen das aristotelische tertium non datur. Von Dualismus zu sprechen entspricht weder der Weltanschauung der betroffenen Kulturen noch dem Phänomen dessen, was rituellen Rede wirklich ist. Die oben in der FOX-Literaturliste aufgeführten Publikationen zu diesem Gegenstand haben den Diskurs über eine sogenannte ritual language/em> ostindonesischer Kulturen begründet.

[14] LOTMAN, J.M., Die Struktur literarischer Texte, München, 1989:19-46.

[15] DE JOSSELIN DE JONG:1941.

[16] Siehe beispielsweise die Publikationen von KRUYT, A.C., Reis naar Timor, Tijdschrift Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap 38, 1921:769-807; DERS., De Timoreezen, Bijdragen Taal-, Land- en Volkenkunde, 1923:347-490 und teilweise, obwohl in gewisser Hinsicht die große Ausnahme, auch MIDDELKOOP, P., Iets over Sonba`i, het bekende vorstengeslacht in Timor, Tijdschrift Indische Taal-, Land en Volkenkunde 78, 1938:392-509; DERS., Amarassisch-Timoreesche teksten, Verhandelingen Bataviaasch Genootschap voor Kunsten en Wetenschapen 74(2), 1939; DERS.:1949; DERS.:1952; ders.:1963; DERS.:1968 für die Atoin Meto Westtimors.

[17] (…) in hun organischen samenhang met de sociale structuur en het ritueel een nog steeds miskende en vaak ook misbruikte, maar ongeevenaard rijke bron van cultuurwetenschapelijk inzicht vormen (DE JOSSELIN DE JONG, 1935:13).

[18] FOX, 1971.

[19] KOENTJARANINGRAT stellt die Bedeutung der Forschungen von FOX für die indonesische, ethnologische Forschung folgendermaßen heraus: Fox lebih banyak dan lebih seksama meneliti dan menganalisis sejarah, bahasa upacara dan mitologi orang Rote, dan dalam hal itu ia mengembangkan beberapa gagasan khusus mengenai bahasa simbolik. Ia mengajukan hipotese bahwa dalam banyak bahasa yang sekeluarga (bahasa Rote, bahasa-bahasa di Nusa Tenggara Timur), di sebagian dari Nusa Tenggara, dan di Indonesia pada umumnya, dapat diduga ada berpuluh-puluh motif dan sub-motif mitologi, dalam banyak versi yang bervariasi, yang berkorelasi secara mantap, dengan pasangan-pasangan dualisme diadik ataupun konsentrikal tertentu. Hal itu dapat dijadikan kerangka untuk klasifikasi simbolik yang sangat luas(Sejarah teori antropologi 1, Penerbit Universitas Indonesia, Jakarta, 1987,242:243).

[20] The extend of the literature and the frequency with which canonical parallelism has been cited in different oral traditions suggests it is a phenomenon of near universal significance (FOX, 1977:69-70).

[21] FOX, 1989:40.

[22] JAKOBSON, 1966:270.

[23] Vgl. BAUMAN und SHERZER (1974) für weltweites Vorkommen ritueller Rede sowie DIES., The ethnography of speaking, in: Annual Report of Anthropology 4, 1975:95-119. Die Fallstudien in BAUMAN und SHERZER (1974) nähern sich Sprache und Rede from a wider ethnographic and social perspective und sie sind ein Beitrag zur socially constituted linguistics, concerning fundamentally with socially based modes of linguistic means rather than the abstract grammar of a single language im Sinne von Dell HYMES (The scope of sociolinguistics, in: SHUY, R., Readings in English transformational grammar, Waltham, Mass. 1973:316) und meinem Begriff ethno-linguistisch.
Darüber hinaus unternehmen BAUMAN und SHERZER ebenfalls den Versuch, to identify and analyse the dynamic relationship among elements which go to make up performance, toward the construction of a descriptive theory of speaking as a cultural system in a particular society (1974:7). Siehe ebenfalls FOX speziell für die ostindonesischen Fallstudien: Although the essays of this volume address important issues in the study of canonical parallelism, each individual essay is primarily concerned to examine the specific characteristics of parallel poetry as a living tradition of oral compositions in a particular cultural setting (1988:11).

[24] Unter dem Terminus ceremonielle taal (dZeremonialsprache) scheint ONVLEE diese Bezeichnung von FOX übernommen, und in seinem Buch Kultur als Antwort in die niederländische Literatur eingeführt zu haben. ONVLEE, L., Cultuur als antwoord, Verhandelingen Koninklijk Instituut Taal-, Land- en volkenkunde 66, 1973.

[25] FOX (1971:215) nähert sich mit seinem Hinweis auf die Bedeutung der ritual language für die soziale Klassifikation, die auch symbolisch ist, der Perspektive der ethnography of speaking, deren Hauptanliegen die Untersuchung der Performance ritueller Rede ist. Am Ende seiner Analyse der ritual language in Rote stellt er die Bedeutung von Form und Inhalt der rituellen Rede zurück, zugunsten der eigentlichen Bedeutung der rituellen Rede als Ausdrucksmittel einer kulturspezifischen, polar orientierten Weltanschauung: What is important in ritual language is neither the form – which is dyadic – nor the content of compositions – which may vary – but the overall and highly detailed view of the world communicatied by the structure of thousands of dyadic sets (ebenda 248).

[26] FOX,1988:xii, in: LEWIS. In diesem Sinn diskutiert P.E. DE JOSSELIN DE JONG die Frage, inwieweit die Leidener Theorie eines field of anthropological study den heutigen Anforderungen der ethnologischen Forschung noch gewachsen ist. Er schließt sich dabei LEACH an: if, as Leach has said, we have succeeded in making comparative studies respectable once more, this is because we have understood that similarity as such does not exist; it is only a particular form of difference, namely one in which the difference approaches zero (DE JOSSELIN DE JONG, P.E., A field of anthropological study in transformation, in: DE JOSSELIN DE JONG:1984:7.

[27] Bei der Verwendung des Kanonbegriffs stütze ich mich in meiner Argumentation in weiten Teilen auf J. ASSMANN, 1992:103:129 sowie auf A. ASSMANN und J. (Hrsg.), Kanon und Zensur, in: dies., Kanon und Zensur. Archäologie der literarischen Kommunikation, München, 1987:7-27.

[28] Unter einem Kanon verstehen wir jene Form von Tradition, in der sie ihre höchste inhaltliche Verbindlichkeit und äußerste formale Festlegung erreicht. Nichts darf hinzugefügt, nichts weggenommen werden (ASSMANN, 1992:103) . Oder: Die Geschichte der Kanonformel führt in ganz verschiedene Bereiche sozialen Handelns: die wahrheitsgetreue Wiedergabe eines Ereignisses (Zeugenformel), die sach- und sinngetreue Wiedergabe einer Botschaft (Botenformel), die wortlautgetreue Wiedergabe einer Textvorlage (Kopisten- oder Tradentenformel) und die buchstäbliche Befolgung eines Gesetzes- oder Vertragswerks (Vertragsformel) (ASSMANN und ASSMANN,1987:12). In diesem Sinne vereint der Dichter-Sprecher aus Kuan Fatu in seiner Dichtung Zeugen- und Botenformel und zu einem gewissen Grad Kopisten- und Tradentenformel. Siehe auch: Der heilige Text erfordert wortlautgetreue Überlieferung, wie es die alttestamentarische Wendung, die man wohl als ´Kanon-Formel´ verallgemeinern darf, ausdrückt: „Ihr sollt nichts wegnehmen und nichts hinzufügen“ (Dtn 4,2; 13,1).

[29] A. und J. ASSMANN sowie Chr.HARDMEIER (Hrsg.), Schrift und Gedächtnis, Archäologie der literarischen Kommunikation, Bd.1, München, 1983; A. Und J. ASSMANN (Hrsg.), Kanon und Zensur., Archäologie der literarischen Kommunikation, Bd.2, München;, 1987; A. ASSMANN (Hrsg.), Weisheit, Archäologie der literarischen Kommunikation, Bd.3, München, 1991; J. ASSMANN, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München, 1992.

[30] ASSMANN und ASSMANN (1987:7-9) fassen Zeitresistenz als nichts naturgegebenes sondern Ergebnis einer bewußten Anstrengung oder, wenn man so will, Sache einer besonderen kulturellen Strategieauf (auch 15).

[31] COLPE, C., Sakralisierung von Texten und Filiationen von Kanon, in: ASSMANN und ASSMANN: 1987:80-81. Wenn ASSMANN und ASSMANN (1987:10) mit ihrem Begriff Große Traditionen vordergründig auf das Alte Ägypten, das konfuzianische China, den Hinduismus und Buddhimus sowie auf das Judentum und seiner Ableger im Christentum und im Islam verweisen, so schließen sie Traditionen, wie sie beispielsweise in den Tonis-Dichtungen der Kuan-Fatu-Chronik in mündlicher Überlieferung vorliegen, keinesfalls aus: Die Schrift ist zweifellos eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für das Entstehen Großer Traditionen (…) Zeitresitente Überlieferungszusammenhänge sind also nicht unbedingt auf das Medium der Schrift angewiesen, und sie sind andererseits durch das Medium der Schrift in keiner Weise garantiert.

[33] Der Terminus Kanon bzw. Kanonisierung fungiert in zahllosen Disziplinen als Ausdruck für einen Vorgang, in dem bestimmte Kulturaspekte als heilig, verbindlich, vorbildlich usw. festgeschrieben werden (…) In allen Fällen geht es bei Kanonisierungen um ein Reflexivwerden der Traditionen. Diese verlieren den Charakter selbstverständlicher Gewohnheiten, Lebensformen, Sitten, Rechtsauffassungen, Kultformen, Frömmigkeitsweisen oder Weltbilder. Der Kanonisierungsvorgang bezieht sich niemals auf den Gesamtbestand verbindlichen Sinns oder Handels, sondern er wählt bestimmte Teile aus, die als Symbol für das Ganze stehen. Es geht also nicht notwendig um Sinnverknappung, sondern um explizite Thematisierung, um Heraushebungen (HAHN, A., Kanonisierungsstile, in: ASSMANN und ASSMANN:1987:28-29).

[34] Als Merkmale des Klassischen nennt GADAMER unbegrenzte Fortdauer, unmittelbare Sagkraft, die Bildungsmacht des Humanismus, verpflichtendes Vorbild sowie Gemeinsamheit und Zugehörgkeit (Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, Tübingen,1960:272).

[35] GRIMM hat dies bezüglich der Kanonisierung der chinesischen Klassiker gezeigt: In jedem Fall haben wir es in China mit langfristigen Gültigkeiten der kanonischen Schriften zu tun. Die ´Fünf Klassiker´ (Wandlungen, Königliche Mahnworte, Hymnen und Lieder, die Riten und die Geschichtsschreibung) sind zustande gekommen in einer Zeit, die mehr als ein Jahrtausend umfasst: 1027 v.Chr. bis 220 n.Chr. (GRIMM, T., Der chinesische Kanon – seine Struktur, Funktion und Kritik, in: ASSMANN und ASSMANN:1987:113).

[36] ASSMANN und ASSMANN, 1987:8 sowie 25.

[37] Der Begriff Kanonformel wurde im Zusammenhang mit der Textstelle Dtn 4,2 des Deuteronomium des Alten Testaments in die diesbezügliche Diskussion eingeführt. CRÜSEMANN merkt an, dass man sie noch nicht auf Wortlaut und Buchstaben, wohl aber auf die Sache und ihren Kern beziehen muss (CRÜSEMANN, F., Das portative Vaterland. Struktur und Genese der alttestamentlichen Kanons, in: ASSMANN und ASSMANN:1987:.64-77. Das Deuteronomium enthält die Gesetzgebung, die Moses jenseits des Jordan im Lande Moab vorgetragen haben soll, in Wirklichkeit das von König Josia (621 v.Chr.) eingeführte Gesetz in literarischer Erweiterung und Umrahmung. Den Kern des Deuteronomium bilden die Kapitel 5.Mose 12-26 (vgl. BERTHOLET, A., Wörterbuch der Religionen, Stuttgart, 1976:136). Die entsprechende Stelle des Deuteronomium (5.Mose) lautet: Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davon tun, auf daß ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes, die ich euch gebiete (Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers, Wuppertal 1967,182).

[38] Als Instrument dient der Kanon der Orientierung, er verhilft zu exakten, d.h. flucht- und maßgerechtem Bauen, im übertragenen Sinn, zu normativen Handeln ( ASSMANN,1992:112). Und weiter: Ein Kanon ist ein normatives Instrument, was nicht nur feststellt, was ist, sondern vorschreibt, was sein soll (112). Und: Der Kanonbegriff hat das Instrumentelle verloren, und sich dafür mit den Kategorien der Normativität, Wertbezogenheit und Allgemeinvebindlichkeit angereichert (…) Regelhaftigkeit ist notwendige Vorbedingung jeder Kommunikation und damit jeder form von Gesellschaft und Sinnstiftung (115-116).

[39] HAHN, 1987:30 und 32, in: ASSMANN und ASSMANN:1987. Vor einer Verfälschung und Verfremdung durch kulturelle Kontakte oder einen kulturellen Wandel werden Kanon und Überlieferung durch die Zensur geschützt, da sie bestimmt, welche Ereignisse, Themen oder Inhalte auf welche Weise überliefert werden können. Die bewahrenden, weniger negativen Aspekte der Zensur sind die Text- und Sinnpflege.

[40] JARDNER, Die Kuan-Fatu-Chronik, 1999:149-153.

[41] ASSMANN, 1992:124-125.

[42] ASSMANN, 1992:127.

[43] ASSMANN, 1992 :127.

[44] JARDNER, 1999:169-170.

[45] FOX, 1989:40.

[46] FOX, 1989:40-42.

[47] FOX, 1977:76.

[48] FOX, 1977:76.

[49] FOX, 1974:74, in: BAUMAN und SHERZER. Weitere Beispiele ostindonesischer mündlicher Dichtung, die entsprechend dem Schema von FOX verschriftet wurden, finden sich in: SCHULTE NORDHOLT, 1971:54-55; 63-66; 69-70; 74; 81-82; 83-84; 88-89; 191-200; KUIPERS, J.C., Weyéwa ritual speech: A study of language and ceremonial interaction in Eastern Indonesia, Yale University, University Microfilms International, 1983:120-136; TRAUBE, E.G., Cosmology and social life, Ritual exchange among the Mambai of East Timor, University of Chicago Press,1986:11; 18; 17-28; 37-50; 54; 62-64; 103-107; 115; 118; 123; 149-151; 169-176; 189; 191-193; 194-198; 220; 227; LEWIS, E.D., People of the source. The social and ceremonial order of Tana Wai Brama on Flores, Verhandelingen Koninklijk Instituut Taal-, Land- en Volkenkunde 135, 1988:49; 53-59; 63-69; 94-95; 101-103; 113; 118; 162; 176-178; 250-251; 266-277; 287-291; 294-295.

[50] FOX spricht in diesem Falle auch von speech forms (1971) obwohl der Begriff speech genre operationaler ist.

[51] FOX, 1971:230.

[52] FOX, 1974:80.

[53] FOX ebenda, 239.

[54] KUHNT-SAPTODEWO (1993:39) betont implizit den Sachverhalt, dass die rituelle Rede der Ngaju als sekundäres modellbildendes System nach LOTMANN aufgefasst werden muss oder als linguistic game, wie Norman es formuliert, das should be possible to produce ritual speech by adding a few rules to ordinary Quiché (vgl. NORMAN, 1980 für die Quiché-Maya in Guatemala).

[55] Für diese Argumentation s. FOX:1989 a.a.O. S.43-44.

[56] Rote ist sprachlich in zwei verschiedene Dialekte gegliedert, einen östlichen (lamak-anan) und einen westlichen Dialekt (henak-anan). Bestimmte Sets der rituellen Rede korrespondieren konsequent mit der Dialektsituation der Insel und die Sets kombinieren ein Element des östlichen mit einem solchen des westlichen Dialekts. This ritual code. in its entirety, is probably beyond the comprehension of any of its individual participants. To this participants, it is an ancestral language, which they continue Oder in reflektiver Perspektive: Rotinese are aware that in ritual language many synonymous sets are composed of one term from the eastern division and one from the western division (…) In all cases, an individual´s knowledge is held in relation to his own local dialect (FOX, 1974:80-83). Darüber ist die Verwendung von Lehnwörtern aus dem Malaiischen, Portugiesischen und Niederländischen bei der Bildung synonym- und analogparalleler Paare von Bedeutung (ebenda, 81-82). Auf Rote besteht in der rituellen Rede außerdem eine Klasse von Sets, die in der Umgangssprache, hinsichtlich Form und Bedeutung, keine Entsprechung besitzen (ebenda, 323).

[57] FOX,1971:235.

[58] Vgl. auch JAKOBSON, 1966:296, der sich ebenfalls gegen die Auffassung abgrenzt, die Verwendung des Parallelismus sei ein Anzeichen für Primitivismus: Solche Beispiele könnte man leicht vermehren, und sie unterhöhlen die fiktive, aber unausrottbare Meinung, es handele sich beim Parallelismus um ein noch lebendes Überbleibsel einer unbeholfenen, zungengebundenen Urausdrucksform.

[59] JAKOBSON, 1966:278. Er weist an gleicher Stelle auch darauf hin, dass anscheinend nicht-parallele Einzelverse, die oft aus Nomen im Nominativ mit einer Apposition bestehen, meistens Eigennamen, persönliche oder mythologische Substantive sind. Vgl. auch STEINITZ, 1934:41, § 12: Nicht-parallele Eigennamenverse und 1934:50, § 14 Nicht-parallele Appellativverse.

[60] FOX, 1989:40-42.

[61] FOX,1971:239.

[62] Ohne von FOX in seinem Artikel ausdrücklich erwähnt zu werden, muss man davon ausgehen, dass synthetic hinsichtlich ostindonesischer Kulturen nur im folgenden Sinn verstanden werden darf: ganz anders bei der Synthese: das Objekt der Erkenntnis wird in Zusammenhang mit dem Ganzen, modern physikalisch ausgedrückt: in seiner Relativität, seiner Bedingtheit durch das ´Feld´ gesehen (…) und da er niemals ein Ding für sich definiert, sondern in erster Linie nach dessen Bezogenheit zum Ganzen, zu einem ´Feld´, zu einer Gruppe beurteilt, so ergibt sich zwangsläufig, daß jede Gesetzesmäßigkeit immer auf den größeren Zusammenhang hinweist und ihren Platz in einem Zyklus (nicht in einer linearen Reihe) einnimmt. Da ein Zyklus zwar nicht unendlich, wohl aber endlos ist, kann es mithin aus einer solchen Weltsicht definitionsgemäß kein absolut unerklärtes oder unerklärbares Phänomen geben (PORKERT, M.:1961, Einführung: Zu einem neuen Chinabild, in: GRANET ebenda, 14-15).

[63] FOX, 1988:1.

[64] FOX, 1989 2.

[65] TRAUBE, E ., Mambai rituals of black and white, in: FOX, 1980:290-314. Genau den gleichen Gedanken drückt ein Vers des Daudesching aus, den Gebser in der Übersetzung von Rouselle wiedergibt, mit der Absicht, Polarität als Hauptcharakteristikum der mythischen Bewußtseinsstruktur anzugeben:
Kennen seine Mannheit,
Wahren seine Weibheit,
Wird man zu Strombett der Welt.

……………………………
Kennen seine Weiße,
Wahren seine Schwärze,
Wird man zum Vorbild der Welt
(GEBSER, 1974:25 und 37; vgl.a. DERS., Ursprung und Gegenwart, Bd.1, Die Fundamente der aperspektivischen Welt, München, 1973:106-125).

[66] EMENEAU, 1937:547.

[67] FOX, 1989:44.

[67] BERTHE publizierte eine große Zahl mündlich tradierter, mythischer Dichtungen der Bunaq, einer nicht-austronesischsprechenden Bevölkerung in Zentraltimor, in der Regel in der Form paralleler Verse komponiert (BERTHE, L., Bei Gua: Itinéraire des ancetres, Paris, 1972).

 

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