Anas, 3. – 5. Juni 1992

Die Nesnai-Tafuli-Interviews in Anas

Die Interviews mit dem inoffiziellen Usif und amtierenden Pemangku Adat von Lilo, Neno Aleksander Nesnai, seinem Mafefa Ana Anderias Tafuli sowie Nino Simon Petrus Tafuli wurden in der vergangenen Woche verabredet und durch meinen Feldassistenten, Misstro Boimau`, in Lilo vorbereitet. Neben den beiden geannten Funktionen ist Neno Nesnai außerdem Beamter der indonesischen Kecamatan-Verwaltung von Amanatun Utara in Ayotupas.
In seiner Funktion als Sprecher von Usif Nesnai ist Ana Anderias Tafuli aus Snok in der indigenen politischen Hierarchie poitan teli ma tamtan teli (Türschwelle und Türsturz) beziehungsweise eno ma toi ma lanan (Tür, Eingang und Weg), derjenige, der einst die Gäste des Usif empfing und für ihn (rituell) sprach. Den Titel Mafefa (Mund), der in Amanuban für dieses Amt üblich ist, akzeptiert er nicht. Der Parallelismus der rituellen Rede, poitan teli / tamtan sutai, bezeichnet in Amanuban den Ort, wo der Mafefa rituell spricht, nämlich auf der Schwelle und unter dem Sturz, der Grenze zwischen außen und innen, dem Fremden und Vertrauten. Als eine Art Adjudant begleitet Ana Tafuli den Pemangku Adat auf seinen Dienstreisen.
Nino Simon Petrus Tafuli aus Lilo bekleidet im inoffiziellen politischen System die Position des Meo ana für Nesnai. In Lilo ist er als Makono mnasi bekannt, eine Umschreibung seiner einstigen Funktion als Krieger-Kopfjäger. Makono ist von der Wendung fin ma kono abgeleitet, die sich darauf bezieht, dass der Meo vorwärts und vorbei stürmt, das Land erobert und die Ernte der Köpfe einbringt.
Darüber hinaus ist er der Atoin amaf unseres Gastgebers.
Neno Nesnai bat um eine Vorbereitung sowie die Aufklärung über die Themen der Interviews, die Misstro mit dem Pemangku Adat vorab diskutierte, sodass dieser genügend Zeit hatte, sich auf das Arbeitstreffen vorzubereiten.
Die Themen, die ich für dieses Treffen vorschlug, waren:

  • die Erzählung des Krieges zwischen Tkesnai (Anas) und Tubani Nope (Banam);
  • zwei Interviews zu den Themen Krieg, Kopfjagd und Meo-Tradition sowie zum Le`u-Komplex.

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen war für mich wichtig, da sie Wissenslücken in Bezug auf meine Dokumentation der Kuan-Fatu-Chronik schließen sollte. Daneben war mir daran gelegen, eine weitere Außenperspektive zu den historischen Überlieferungen von Y.Ch. Sapay und Musa Seo zu bekommen.
Die Interviews mit Neno Nesnay und Ana Tafuli sollten mir helfen, meine Datenlage aus Amanuban zu vervollständigen und, falls erforderlich, zu korrigieren.
Mir war sehr daran gelegen, Näheres über den Expansionskrieg zwischen Nope und Tkesnai zu erfahren, da ich wiederholt auf den Namen dieses mysteriösen Herrschers im Osten von Banam gestoßen war.
Der Tkesnai-Krieg war scheinbar der erste Krieg, den die Nope-Dynastie von Tunbes aus führte, um ihren politischen Einfluss auszudehnen, und so das heutige Amanuban zu schaffen. In Amanuban hatte ich zu diesem Krieg bisher nur Fragmente in Erfahrung bringen können, einzelne historische Details, die auf einer so dünnen Argumentation beruhten, dass ich mir kein zusammenhängendes Bild machen konnte.
Zwei Gründe veranlassten mich, nach Anas, in den Nordosten von Amanatun, zu gehen, um dort Näheres über eine Persönlichkeit, den Herrscher Tkesnai, zu erfahren, von der ich nicht wusste, ob sie historisch oder legendär ist.

Während ich in Amanuban arbeitete, wurde ich immer wieder darauf hingewiesen, wie gefährlich die Menschen in Amanatun seien. Und gleichzeitig versicherte man mir, dass ich in Amanuban gut und sicher aufgehoben sei. Die Menschen in Amanatun lebten jedoch in den Wäldern, seien alle Atoin fui, der Inbegriff des Uab Meto für alles Wilde, Unzivilisierte und Gefährliche. Und Christen seien sie auch nicht. Raub und Mord seien an der Tagesordnung. Ich dürfe auf keinen Fall so verwegen sein, nach Amanatun zu reisen. Wenn aber doch, dann ginge ich am Besten nackt, sodass man mir nichts fortnehmen könne. Außerdem hätte ich nur so die Chance, lebend zurückzukommen.
Solche Warnungen und Berichte machten mich aber nur noch neugieriger, sodass ich jetzt, kurz vor dem Abschluss meiner Feldforschung in TTS, unbedingt nach Nordamantun wollte, um mich von der Wildheit der Bewohner, und der dort auf mich lauernden Gefahren, selbst zu überzeugen. Von Anfang an war ich abder davon überzeugt, dass ich mit einem ethnischen Vorurteil konfrontiert war, und die Warnungen sagten mir, dass es sich lohnen müsse, nach Amanatun zu gehen. Dort, so vermutete ich, könnte die ursprüngliche Atoin-Meto-Kultur noch lebendiger sein als in Amanunban. Ich konnte mir diese Warnungen nur als Reflex auf einen Traditionalismus vorstellen, der in Amanuban nicht mehr verstanden wurde, und deshalb suspekt war.
Erst später erfuhr ich, dass im Grenzgebiet zwischen Belu und Nordamanuban, besonders in Lotas und Bokong, die kriegerischen Auseinandersetzungen des Osttimor-Konflikts ins indonesische Westtimor übergriffen. So erklärten sich die Mahnungen meiner Informanten zur Vorsicht diese Gegend zu meiden, vor allem, da ich dort keine Verwandten oder Freunde hatte, die für meine Sicherheit sorgen könnten. Ich erfuhr auch, dass es sich bei dem Gebiet, vor dem ich gewarnt wurde, um das Usiftum Anas handelte, eine Landschaft, die in der Literatur nur erwähnt, aber nie näher dokumentiert bearbeitet wurde.

Auf den Namen Tkesnai stieß ich zum ersten Mal bei Lektüre einer Schrift von Pieter Middelkoop. Später dann erneut in der Arbeit von Andrew McWilliam, zuletzt dann in einem Pseudo-Tonis-Monolog von Lukas Banamtuan anlässlich der Totenfeier für Felipus Lanu` in Leti, Ostamanuban.
In dem erwähnten Text vertritt Middelkoop die Auffassung, dass die beiden Herrscher Tkesnai und Abi zwei autochthone Bevölkerungen Westtimors repräsentieren: Tkesnai als Herrscher über Nordost-, Abi als Herrscher über Südwest-Westtimor. McWilliam kommt aus nicht näher zu klärenden Gründen zu der Auffassung, dass es sich bei Tkesnai um eine authochthone Bevölkerung handeln müsse, die von der Nope-Dynastie nach Osten verdrängt wurde. In dem Pseudo-Tonis-Monolog, sowie in späteren Interviews, mit Lukas Banamtuan ist die Rede von einem Krieg, in dem ein gewisser Kesnai nach Osten bis hinter Oe Uis Neno zurückgedrängt wurde. Erst bei der Auswertung dieses Monologs wurde mir klar, dass es sich bei der Landschaft Anas um eine Region in Nordostamanatun handeln muss. Ich verstand auch, dass die als gefährlich diffamierten Atoin fui die Beohner dieser Region Amanatuns sind. Erst als ich selbst nach Amanatun ging, erfuhr ich, dass es Nordamanatun und Anas identisch sind.

Da ich über den zweiten Expansionskrieg, der sich gegen Abi Loemnanu richtete, ausführlich in Kuan Fatu geforscht hatte, wollte ich mich über den ersten Expansionskrieg von Tubani Nope gegen Tkesnai und Anas, ausführlich vor Ort informieren. Mir war inzwischen klar geworden war, dass der Name ehemalige Name Tkesnai später in Nesnai umgewandelt wurde, und so lag es auf der Hand, dass ich mich an die Namengruppe Nesnai in Nordamanatun wandte.

Soweit der Hintergrund meiner Überlegungen, die mich für einige Tage nach Anas führten. Während der Gespräche mit Nesnai und Tafuli verlief allerdings vieles anders und überraschender, als ich geplant hatte.
Die Aufnahme im Haus von Neno Nesnay war ausgesprochen freundlich und liebenswürdig, von vorbildlicher Gastfreundschaft. Für meinen Besuch war ein Schwein geschlachtet worden, was nicht unbedingt die Regel, sondern besonderen Situationen wie den Lebenszyklus oder hohem Besuch vorbehalten ist.
Neno Nesnay hatte alles gut vorbereitet. Gegen meine bisherigen Erfahrungen begannen wir gleich nach dem Essen mit der Arbeit. Diese Arbeit stellte sich dann jedoch als eine mühsame und stundenlange Diskussion über das Was und Wie der Textproduktion und Datenaufnahme heraus. In seinem Bemühen, und vielleicht auch in seinen Befürchtungen, nur sorgfältig Ausgewähltes und Abgesichertes auf das Band sprechen zu lassen, erschwerte Neno Nesnay beinahe zwanghaft unsere gesamte Arbeit. Die anwesenden Informanten, die sichtbar heiß darauf waren, ihre Kenntnis zu präsentieren, wurden immer wieder blockiert und zurückgehalten. Als der Pemangku Adat dann weit nach Mitternacht nicht mehr die Augen auf halten konnte, brach ich die Diskussion ab und ich ging enttäuscht schlafen.

Nino Tafuli, und besonders Ana Tafuli, waren mit den Vorgehen des Pemangku Adat nicht einverstanden, hielten sich aber respektvoll zurück. Sie waren bestrebt, ihre Kenntnisse zu präsentieren. Während der stundenlangen, mühsamen Diskussion zeichnete sich immer deutlicher ab, dass ich es mit zwei konkurrierenden Fraktionen zu tun hatten. Einerseits Neno Nesnay und Nino Tafuli, auf der anderen Seite Ana Tafuli, die sich nicht immer einig zu sein schienen.
Misstro und ich beschlossen daraufhin, Ana Tafuli am nächsten morgen zu Hause aufzusuchen, um ihm die Gelegenheit zu geben, seine Position frei und unbeeinflusst vortragen zu können. Denn schon während der Diskussion über die Geschichte von Anas waren mir Aspekte aufgefallen, die ich mit Ana Tafuli alleine besprechen wollte. Dieses Interview erwies sich als sehr ergiebig, sodass mein zweites Treffen mit Neno Nesnay sich vor diesem Hintergrund fruchtbarer verlief. Die abweichende Perspektive von Ana Tafuli war schon deshalb sehr wichtig, da mir der Pemangku Adat bei meinem Eintreffen seine Version der Geschichte von Anas schriftlich präsentierte. Damit betrachtete er unsere Diskussion über dieses Thema als abgeschlossen.

Ein Thema, das ich am ersten Abend mehrfach angesprochen habe, war meine Bitte, über den Krieg von Tubani Nope gegen Tkesnai zu erzählen. Einen solchen Krieg, so belehrte mich Neno Nesnay, habe es nie gegeben. Dies sei schon deshalb undenkbar, das Anas und Banam durch eine Heiratsallianz verbunden waren, und deshalb wie Geschwister seien. Kleinere, unbedeutende Fehden um Viehdiebstähle und illegale Grenzverschiebungen, so räumte er ein, habe es sicherlich gegeben.

Auch das zweite Arbeitstreffen erwies sich als schwierig und anstrengend. Mein Assistent und ich hatten uns abgesprochen, auf den Tkesnai-Krieg sowie andere historische Ereignisse nicht mehr einzugehen, und auf die beiden vorbleibenden Interviews zu drängen. Aber schon wieder verlangte Neno Nesnai eine vorbereitende „Übung“, damit er die Informationen auch richtig wiedergeben könne. Er verstand darunter die doppelte Durchführung der Interviews: einmal zur Probe und vorausgehenden Kontrolle, das andere Mal dann als von ihm autorisierte Version, die ich auf Band aufzeichnen durfte. Seoine Vorgehensweise begründete er damit, dass die anwesenden alten Männer anders denken würden als wir, und dass deren Denken erst in die richtigen Bahnen gelenkt werden müsste. Sonst, so der Pemangku Adat, würden sie nur Märchen erzählen. Dass ich gerade an diesem anderen Denken und den Märchen der alten Männer interesiert war, konnte ich ihm nicht begreiflich machen.
Vorsichtiges Taktieren schien mit momentan hilfreicher, da ich weitere Arbeitstreffen plante, die ich mir nicht schon jetzt verderben wollte.

Die Interviews zu Krieg und Fehde, zum Stand der Krieger-Kopfjäger sowie zur Le`u erfolgte wieder unter Aufsicht des Pemankgu Adat. Ana Tafuli brach das Interview unerwartet ab, und erklärte mir später heimlich, dass vieles verschwiegen werde. Wieder verabredeten wir uns mit ihm auf ein späteres Treffen. Mir dem Pemangku Adat fassten wir uns daraufhin kurz, und erklärten unsere Arbeit für beendet. Später in der Nacht, sowie am nächsten Morgen, wiederholten wir das Le`u-Interview mit Ana Tafuli, und führten weitere Interviews mit ihm durch.
Die Gründe, die zu dem Verhalten von Ana Tafuli führten, lassen sich nur vermuten. Möglich das rivalisierende Namengruppeninteressen eine Rolle spielten, vielleicht fühlte er sich auch nicht genug beachtet oder ihm ging es wirklich um eine „Reinheit der Lehre“. Zumindest bewahrte er mich davor, mich zu einseitig auf eine Meinung zu verlassen, die seiner Meinung nach durch den Pemangku Adat, als Repräsentant der lokalen Kirche, manipuliert wurde.
Meine Informationen aus Anas stammen aus zwei verschiedenen Perspektiven, die sich an manchen Stellen überschneiden, ergänzen oder widersprechen. Die genaue Analyse dieser Daten erfordert mit Sicherheit weitere Gespräche.

Donnerstag Nacht wurden wir mit den üblichen Dankes- und Abschiedsreden entlassen. Ich bedankte mich bei den Männern mit dem erwarteten Uang Sirih Pinang, einem Geldgeschenk, das symbolisch für Betel verwendet wird. Daraufhin trug Nino Tafuli eine weitere Tonis-Dichtung vor und Neno Nesnays frau überreichte mir einen ikatgemusterten Mau anah.

Auf den ersten Blick unterscheiden sich Anas und Amanuban grundsätzlich kaum voneinander. Abgesehen davon, dass es in Anas keine Atoin fui gibt, kehre ich mit guten Erfahrungen und vielen neuen Details zur Geschichte der Region zurück. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es in Westtimor keine Geschichtsschreibung im westlichen Sinne gibt. Historische Daten werden aus der Erinnerung wiedergegeben, sind also subjektiver Veränderung gegenüber ungeschützt. Nicht vergessen werden darf dabei auch nicht, dass die Atoin Meto diese Erinnerungen als ihre Geschichte bewahrten und überliefern.
In Anas kam mir vieles authentischer, unverfälschter und weniger aufgesetzt vor. Niemand machte viel Aufhebens um meine Person, und doch merkte ich dass ich ein gern gesehener Gast war, durch dessen Anwesenheit man sich geehrt fühlte und mit dem man gerne zusammenarbeitete. Meine Anwesenheit in Lilo war ein Ereignis, über das im Dorf geredet wurde. Die Nesnay und Tafuli betrachteten meinen Besuch als ein Privileg.
Leider war der Pemangku Adat ein Beamter der Camat-Verwaltung und Kirchenfunktionär, der er sich gezwungen sah, nur eine offiziell vertretbare Version zu veröffentlichen. Sein bürokratischer Stil und sein Bemühen um politische Korrektheit haben die Datenaufnahme oft kompliziert, ihr teilweise Spontanität und Offenheit genommen. Dies ist verständlich, für die wissenschaftliche Forschung aber nur sehr bedingt nützlich. Aber seien wir ehrlich: Gerade darin besteht doch das Dilemma der ethnologischen Feldforschung. Oder, wie Victor Capranzano mit Blick auf den Trickster und Götterboten Hermes pointiert bemerkt: Zeus verstand, der Ethnograph nicht!.

Die Zusammenfassung der Anas-Daten

Die Ergebnisse der verschiedenen Interviews können in drei unterschiedliche Themenbereiche gegliedert werden:

  • Fragmente zur Geschichte des Usiftum Anas;
  • Krieg, Kopfjagd und Meo-Traditionen;
  • Le`u – Herstellung, Anwendung und Funktion einer magischen Praxis.

Während die beiden letzten Themen als Interview auf Band aufgezeichnet wurden, liegen mir für die Nesnai-Tafuli-Version der Geschichte von Anas Mitschriften und Tonbandaufzeichnungen vor, die ich im folgenden zusammenfasse

Die traditionelle politische Struktur im vor-indonesischen Anas

Das Gebiet des ehemaligen Usiftum Anas ist heutige Kecamatan Amanatun Utara, der nordöstliche Teil von Amanatun im Kabupaten Timor Tengah Selatan. In der Innensicht grenzen Nesnay und Tafuli das Kecamatan Amanatun Selatan als Onam ab, das sie als das Usiftum von Banunaek bezeichnen. Orientiert man sich an den indigenen politischen Strukturen, gliedert sich das Gebiet, das als Amanatun bezeichnet wird, in zwei politisch autonome Regionen, nämlich in Onam, regiert durch Usif Banunaek, und in Anas, regiert durch Usif Nesnai.
Das Territorium Anas ist in zwei politische Einheiten gegliedert:

  • in Neo Manu Muti – Fetor Fa`i;
  • in Noe Bokong – Fetor Nenometa.

Die folgenden acht Dörfer bilden gemeinsam Noe Maun Muti: Lilo, Fotilo, Nasi, Snok, Tumu, Faut Oni, Sono und Lotas.
Die folgenden fünf Dörfer bilden gemeinsam Noe Bokong: Toi Anas, Bokong, Sambetb, Skinu und Oe Le`u.

Die Spitze der politischen Hierarchie bildet der Anas in Usif, nämlich Nesnai. Der Name Nesnai ist eine Verkürzung von Nesi Naif, der alles überwiegende Fürst. Wie mir der Pemangku Adat, momentaner Repräsentant und inoffizieller Usif der Namensgruppe Nesnai, erklärte, verwendet seine Kanaf keine Le`u nono, da allein sein Name Nesi (mehr) ausreicht, und alle Formen von Fruchtbarkeitsmagie umfasst.
Eine Le`u nono, die die Gesamtheit der magischen Praktiken und Ritualle der Landwirtschaft umfasst, und die vor der Aussaat und nach dem Einbringen der Ernte aktiviert werden muss, sei für sie nicht notwendig, da allein schon sein Name ausreichend magische Potenz und Wirkung entfaltet.

Das Amt des Usif, des höchsten politischen Funktionsträgers, bekleidet die Namengruppe Nesnai, die als Uis mone mit der Namengruppe Fa`i (Uis feto) in einer Feto-Mone-Heirat verbunden ist. Eine solche verwandtschaftich und sozial kooperierende Gruppe bildet eine ökonomische, rituelle und politische Konförderation vielfältig reziproker Beziehungen.
Der Beamtenapparat, über den die herrschende Klasse – Nesnai und Fa`i – ihre exekutive Macht ausübt, sind die Amaf, die für die Bevölkerung wie Väter sind. In der indigenen Kultur der Atoin Meto bilden die Amaf eine peripher gedachte Vierer-Gruppe, die Keos ha/ Moen ha, die vier Stiere, die vier Männer, die ein inneres Machtzentrum umgeben.
Zuständig für Noe Maun Muti sind die Amaf: Tefa und Liubanu, Nome und Tapoin.
Zuständig für Noe Bokong sind die Amaf: Sae und Nabu, Bonat und Loi.
Das Amt des Ana`anmes, des Bewahrers der landwirtschaftlichen Rituale, in Neo Maun Muti sind Tefa und Liubanu (Nabu Molo), in Noe Bokong sind es die Namengruppen Sae und Linis (Nabu Metan).
Abweichend bezeichnet Ana Tafuli die Namengruppen Tefa und Liubanu, Nome und Tapoin als die Keos ha / Moen ha von Usif Nesnai. Auf meinen Einwand, die seien doch die Amaf von Fa`i erwidert er, das sei so in Ordnung, da Nesnai und Fa`i Baefeto-Baemone seien. Dieser Anspruch lässt sich, wenn überhaupt, aus der Genealogie von Nesnay nur für die letzte Generation begründen. Zuerst nannte er Liulai und Sonba`i, Abi und Banunaek, und behauptete, dies seien die Keos ha Moen ha von Nesnai und ihm und dem Sonaf auf dem Faut Anas tributpflichtig gewesen. Dass dies nicht stimmen kann, versteht sich von selbst, handelt es sich bei diesen Namen doch um die legendären mythistorischen Herrscher Westtimors, wahrscheinlich sogar um Titel.
Die Heiratsallianz zwischen Nesnai und Fa`i, weiß auch Ana Tafuli zu berichten, sei eine Feot le`u / Moen le`u. In dem Meo-Interview mit ihm stellte sich dann aber heraus, dass Anas das Institut des Meo Feto nicht kennt. Ganz im Sinne der modernen Siht verwies er energisch darauf, dass die Krieg und Kopfjagd keine weiblichen Tätigkeiten seien. Dies steht anscheinend in krassem Widerspruch zu der Situation in Amanuban. Ana Tafuli berichtet aber auch, dass der Uis Feto und die Meo eine Le`u musu verwenden.
Dieses Aussage lässt daran denken, dass die Beziehung des Meo Feto zum Meo Mone in Amanuban der des Uis Feto zum Uis Mone in Anas entspricht.

Die Genealalogie von Neno Aleksander Nesnay

Die folgende Genealogie ist Bestandteil der erwänten schriftlichen Aufzeichnungen, die ich am zweiten Tag meines Aufenthalts in Lilo von ihm selbst bekam:

G +11 Tae Nesnai verheiratet mit Afu Nai
G +10 Neno Nesnai verheiratet mit Lini Tkesnai
G +9 Tsae Nesnai verheiratet mit Nati Nai
G +8 Loit Nesnai verheiratet mit Fanu Tkesnai
G +7 Neno Nesnai verheiratet mit Tae Timo
G +6 Tmesen Nesnai verheiratet mit Timo Bau
G +5 Tsae Nesnai verheiratet mit Nino Timo
G +4 Loit Nesnai verheiratet mit Klae Tafuli
G +3 Tsae Nesnai verheiratet mit Tae Liubanu
G +2 Le`u Nesnai verheiratet mit Seo Tafuli
G +1 Le`u (Gustaf Adolf) Nesnai verheiratet mit Finit (Wilhelmine) Tafuli
G 0 Neno (Aleksander) Nesnai verheiratet mit Neno (Irene Henderina) Fa`i

Anmerkungen zur Nesnai-Genealogie:
1 Durch die Heirat von Neno Nesnai und Lini Tkesnai (G +10) ging die politische Macht sowie der Titel eines Usif von der Namengruppe Tkesnai an die Namengruppe Nesnai über, die so den ehemaligen Herrscher Tkesnai von der Macht ablöst.
2 Nach einer Korrektur von Ana Tafuli ist der Name der Ehefrau Tef Timo (G +7).
3 Nach einer Korrektur von Ana Tafuli ist der Name der Ehefrau Tae Timo (G +6).
4 Die Heirat mit Neno (Irene Hederina) Fa`i (G 0) begründet die affinale Verwandtschaft und politische Allinaz mit der Namengruppe Fa`i. Fa`i übernimmt damit Amt und Titel eines Uis Feto, wird bevorzugter Frauengeber von Nesnai. Dies lässt sich auf die erste Heiratsallianz von Nesnai und Tkesnai übertragen, die dazu führte, dass Tkesnai die politische Macht in Anas verlor. Nesnai wurde durch diese Heirat zum Uis Mone (Frauennehmer), politisch superior, Tkesnai zum Uis Feto (Frauengeber), rituell superior, für Nesnai.

Der Sonaf der Nesnai-Dynastie befand sich zu Beginn ihrer Herrschaft auf dem Faut Anas, wo auch der Sonaf von Tkesnai gestanden haben soll. Später verlegte die Namengruppe Nesani ihren Sonaf auf einen Hügel bei Put`ain.

Die Anas-Kriege mit den Kaes Muti

Für die Angabe von Jahreszahlen setzt Neno Nesnai eine Generation mit fünfzig Jahren an, sodass er den Jahre zwischen 1600 und 1800 vermutet. Ergänzend sagt der VOC, Vereinigte Ostindische Konpanie. Wie Neno Nesnai berichtet fanden in diesen Jahren vier Kriege zwischen Anas und den Weißen Fremden (Kaes muti) statt, ohne dass ich klären konnte, ob mit Kaes Muti die Niederländer, Portugiesen oder Westindonesier gemeint sind.
Meine Bitte, die Berichte über diese Kriege als Tonis-Dichtung zu präsentieren, lehnte er mit dem Argument, es sei in Anas nicht üblich, historische Ereignisse als Tonis wiederzugeben, ab.

Der erste Kaes-Muti-Krieg

Anders als die folgenden Kaes-Muti-Kriege, die von Nesnai in Anas geführt wurden, ist der Kriegsherr des ersten Kriegs ein Tkesnai, anscheinend zusammen mit seinem Sohn.

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Taku Tkesnai und Ana Tkesnai Ti`i und Toe Tenu, Toen und Tap An Faut Anas und Lunu, Tesi und Ayo Fanu Simu

Der zweite Kaes-Muti-Krieg

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Neno Nesnai (G +10) [5] Lubu, Makasal, Ele, Kainias [6] Fatu Anas und Ayopupu an die Küste zurück

Anmerkungen zum zweiten Kaes-Muti-Krieg
5 Neno Nesnai übernahm die politische Macht in Anas durch Heirat von Tkesnai, und wurde so zum Gründer der bis heute herrschenden Nesnai-Dynastie.
Von Tkesnai wird erzählt, dass er es gewesen sei, der zuerst auf dem Faut Anas Feuer entzündet habe. Wie Nope, der dies auf dem Tunbes in Zentralamanuban getan haben soll, und wie der Sonba`i, der der Tochter von Kune am Mutis in strahlendem Glanz erschienen sein soll, so tritt auch Tkesnai als Lichtbringer und Kulturheros in die mythische Zeit.
Taku Tkesnai und Ana Tkesnai sind die Kriegsherren des ersten Krieges gegen die fremden Eindringlinge. Aber schon kurz darauf geben sie die Macht an Nesnai ab und verschwinden aus den Überlieferungen der Kanaf Nesnai.
So bleibt die Vermutung, bei Tkesnai handele es sich nicht um eine mythistorische Persönlichkeit, sondern dass er eine autochthone Bevölkerung, repräsentiert, die später unter dem Namen ihres Herrschers in die Geschichte von Anas eingeht.
Für Neno Nesnai ist Tkesnai der Faut Anas in Tuan, sein Apical ancestor, Schirm und Beschützer der Namengruppe Nesnai. Durch die Heirat von Lini Tkesnai und Neno Nesnai (in der G 10) wird Tkesnai zum ersten Frauengeber der Kanaf Nesnai, wird so zum Am Uf für Nesnai; symbolisch für die gesamte Bevölkerung von Anas.
Entsprechnend der Überlieferung wird Neno Nesnai nach der Heirat mit Lini Tkesnai durch die Amaf von Tkesnai in der Stand des Usif von Anas erhoben. Diese Amaf repräsentieren die Namengruppen: Lanu`, Bah, Laun, Kenat, Fina`, Isu, Sae, Baku, Usu, Bi`e, Bani, Obe, Boti, Kenu, Ninbi`e, Nabu, Bonat, Tloe, Tbo`ut, Tkela, Tefa, Liubanu, Nome, Tapoin.
Nesnai wird USIF und mone, während Tkesnai für Nesnai zu Ena mnasi/ Ama mnasi/ Fufu mnasi wird, zum Am Uf und in der symbolischen Klassifikation feto.
Ein klassifikatorisches Schema, das diese Beziehung ausdrückt, wäre folgendermaßen beschaffen:

Nesnai Tkesnai
mone (politisch) feto (politisch)
feto (rituell; sozial) mone (rituell; sozial)
Himmel Erde
(politische) Macht Ritual

6 Bei den geographischen Bezeichnungen Lubu und Makasal, Ele und Kainias handelt es sich um phonetische Anpassungen der Namen Lombok, Makasar, Ende und Kalabahi (Alor) an das Uab Meto in Anas. Dieses Ortsnamenbündel der rituellen Rede, bezeichnet die Handelsroute der Bugi- und Makasarschoner im interinsularen Sandelholzhandel zwischen Sulawesi und Westtimor. Neno Nesnai verwendet dieses Ortsnamenbündel zur Bezeichnung des Feindes im zweiten Kaes-Muti-Krieg. Er spricht auch davon, dass der Feind damals mit vier Schiffen gekommen sein soll.
Gleichzeitig verweist dieses Ortsnamenbündel auf die Präsenz von Tonis-Dichtungen in Anas hin.

Der dritte Kaes-Muti-Krieg

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Neno Nesnai (G + 10) Boluk metan / Boluk muti [7] Fatu Anas Timau

Anmerkungen zum dritten Kaes-Muti-Krieg:
7 Bei den Boluk muti handelt es sich um die Niederländer (Kaes muti) aus Timau (Amfo`an) an der Westküste Timors, nördlich von Kupang gelegen. Ana Tafuli nennt sie auch Timau naek beziehungsweise Nai fo`an naek. Die Boluk metan sind die Atoin Meto in Anas.

Der vierte Kaes-Muti-Krieg

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Tsae Nesnai (G + 9) [8] Amalika [9] Fatu Anas Penfui, Kupang

Anmerkungen zum vierten Kaes-Muti-Krieg:
8 Den vierten Krieg führte Tsae Nesnai gegen die Portugiesen in Kupang, die bis nach Anas vorgedrungen waren, und die der Kanaf Nesnai ihren Machtanspruch sowie ihre Ressourcen (v.a. Sandelholz) steitig machten. Tsae Nesnai wurde in diesem Krieg geschlagen, und mit einem großen Teil seines Volkes nach Penfui verschleppt. In einem Aufstand, bei dem viele Portugiesen ihr Leben ließen, konnte er sich befreien. Die anschließenden Friedensverhandlungen wurden durch den folgenden Fanu abgesichert: Punu` Penfui / Atu Penfui // Sulat Nunpo`/ Atu Nunpo`. Neno Nesnai interpretiert die Bedeutung dieses Schwurs mit den Worten: „Jede weitere Feindschaft ist aufgehoben, der geschlossene Frieden führt zu Handelsbeziehungen.“
Der Name der Le`u musu, die Tsae Nesnai in dem Krieg gegen die Portugiesen eingesetzt haben soll, habe Tabenu / Takelob / Tanapo gelautet. Eine Exegese blieben Neno Nesnai und Tafuli schuldig.
9 Die Bedeutung Amalika wird spontan mit Amerika angegeben. Später führt die Bezeichnung Li Kase auf die Spur: Amalika, richtig verstanden, Ama li Kase, bezeichnet die Portugiesen als Gegner im vierten Kaes-Muti-Krieg. Interpretiert man Ama[f] als Titel oder respektvolle Anrede für höhergestellte Personen, Inhaber von Macht, und Li kase als Kind von Fremden, sind die Gegner von Tsae Nesnai die Nachkommen der Portugiesen, vielleicht die da Costas oder die Kaes Metan, die mysteriösen schwarzen Portugiesen, Afrikaner aus den portugiesischen Kolonien.
Unklar geblieben ist auch hier wieder die Bedeutung der von Neno Nesnai erwähnten Le`u musu: beu` mat noib / tnes mat tita mat fonat.

Die weiteren Kaes-Muti-Kriege

Neno Aleksander Nesnay spricht von weiteren Kriegen, die seine Vorfahren geführt haben, um ihre territoriale und politische Autonomie zu sichern. Er hat auch bezüglich dieser militärischen Auseinandersetzungen konkrete Vorstellungen davon, wann diese stattgefunden haben, und nennt absolut chronologische Daten, die er selbst errechnet hat:

Krieg 1

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Tsae Nesnai (G +6 / G +5) [1] Banam (Amanuban) [10] Ku Feu Tunbes

Anmerkungen
10 Kriegsherr ist ein Sohn des Tsae Nesnai, der mit Nino Timo verheiratet ist. Ein anderer Sohn dieses Tsaevon ihm ist Loit Nesnai, der den Krieg gegen Onan geführt haben soll (s.u.).
Der Krieg den Tsae Nesnai im Jahre 1835 gegen Banam geführt haben soll, versteht A.N. Nesnai als Verteidigung gegen einen Angriff aus Amanuban.

Krieg 2

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Loit Nesnai (G +6 / G +5) Onam(Amanatun) [11] Neo ?

Anmerkungen
11 Loit Nesnai wird in diesem 1880 geführten Krieg besiegt. Sein Meo Sese Tafuli, der diesen Krieg befehligt, fällt auf dem Schlachtfeld.
Banunaek, der Herrscher in Amanatun, habe in dieser Schlacht die Unterstützung der Kaes metan aus Noemuti erhalten, sodass Loit Nesnai in einen Zweifrontenkrieg verwickelt worden sei, dem er unterlag.

Krieg 3

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
? [12] Afi und Nokas ? ?

Anmerkungen
12 A.N. Nesnai erwähnt einen weiteren, wenig belegten Krieg, den er, wie auch den Krieg gegen Banunaek, als uf nok uf (Ursprung gegen Ursprung), einen Krieg zweier rivalisierender Anas-Namengruppen, bezeichnet.

Krieg 4

Kriegsherr Gegner Schlachtfeld Flucht nach
Le`u Nesnai (G +2) [13] Kaes Muti Fotilo ?

Anmerkungen
13 Le`u Nesnai ist der Großvater von A.N. Nesnai, auf den die folgende Information zurückgeht: 1911 schlägt Seki Tafuli ein niederländisches Kommando auf dem Gebiet des heutigen Desa Fotilo in die Flucht. Dieses Kommando habe aus einem Leutnant und elf Soldaten bestanden. Der niederländische Leutnant wird erschossen, aber auch Kolo Tafuli und seine Familie werden in ihrer Festung Fotilo erschlagen.
Den Namen der Le`u musu, die Seki Tafuli bei dieser Auseinandersetzung eingesetzt hat, gibt Nino Simon Petrus Tafuli mit Lais Lima` an.

Die Namen der ersten Herrscher in Westtimor

A.N. Nesnai nennt die Namen dieser Herrscher, wie sie in seiner Namengruppe überliefert werden:

  • Anas (Nordamanatun) = Nesi Taek
  • Insana = Sana Taek
  • Biboki = Boki Taek
  • Belu = Leki Taek
  • Molo = Babu Taek
  • Amanuban = Nuba Taek
  • Onam (Südamanatun) = Natu Taek

Diese Taek-Persönlichkeiten hält A.N. Nesnai für die Gründer der späteren Atoin-Meto-Territorien. Er nennt Nesi Taek zuerst, dessen Name Nesi (nesi, mehr von etwas; schwer von Inhalt) auf seine besondere Potenz verweist. Auffällig ist auch, dass einige Namen dieser Gründer auf den Namen des entsprechenden Territoriums hinweisen: Sana, Boki, Nuba und Natu. Vermutlich kann dies als Hinweis darauf verstanden werden, dass sie als Herrscher mit ihrem Land in eine mystischen Union verbunden sind.
Über die Herkunft dieser Taek-Herrscher besteht noch keine Klarheit. Hinweise aus den Literatur kenne ich nicht.
Möglicherweise besteht irgendeine Beziehung zu den Heiratsallianzen, die im nächsten Punkt aufgelistet werden.

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Heiratsallianzen Tkesnai / Nesnai

Frauen der Tkesnai- beziehungsweise Nesnai-Namengruppe wurden benachbarten Usiftümern gegeben, sodass sozialer und politischer Einfluss durch Heiratsallianzen gesichert wurde. Durch diese Strategie wurde Anas zum primären Brautgeber (Am Uf und mone) wichtiger politischer Regenten in Westtimor.
Mit Anas als angeblich ältestem Usiftum an der Basis politischer Macht entstanden verwandtschaftliche Bindungen zu weiteren Usiftümern. Damit postuliert A.N. Nesnai mit den Namen Tkesnai / Nesnai Anas als älteste Bevölkerung in Westtimor.

Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
Molo / Molo Tuklua [14] Loit Nesnai Telek Tkesnai ?

Anmerkungen
14 Abweichend von den vorleigenden Kenntnissen zur Geschichte Westtimors, erklärt A.N. Nesnai Molo Tuklua zum Gründer des usiftums Molo.
Er behauptet auch, dass die beiden Tkesnai-Töchter Neno und Telek nach Molo verheiratet, und Molo Tuklua, in Molo und Miomafo, Mutis und Babnain, zur Frau gegeben wurden. Diese Heirat habe eine soziale Beziehung zwischen Molo und Anas begründet, die als Lulai feto / Lulai mone bezeichnet werde.

Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
Belu / ? [15] Ana Tkesnai Mau Tkesnai Rabasa und Umalor

Anmerkungen
15 A.N. Nesnai nennt weitere Töchter dieser Namengruppe, die nach Belu verheiratet worden seien:

  • Telek Tkesnai, eine Tochter von Loit Nesnai in Rabasa und Umalor
  • Taela Tkesnai, eine Tochter von Loit Nesnai in La Saen
  • Loit Tkesnai, eine Tochter von Loit Nesnai in Oe Tulan

Mau Tkesnai wird von Ana Anderias Tafuli als die älteste der nach Belu verheirateten Frauen bezeichnet, womit A.N. Nesnai aber nicht einverstanden ist.
Die Ortsnamen / Wohnorte in der Tabelle nennen den Standort des Sona mnasi / Kua mnasi der Tkesnai-Töchter in Belu. A.A. Tafuli bezeichnet diese Orte alternativ als Manu ha / Fafi ha (vier Hühner / vier Schweine), ein Name, der auf deren Beziehung zu den jährlichen Tributzahlungen hinweisen soll. Er führt weiter aus, das alle Usiftümer, einschließlich Anas, die Tkesnai-Töchter zur Frau bekamen, ihren Erntetribut an diese Orte nach Belu abliefern mussten.
Bei diesen Orten handelt es sch um hoch respektable Orte. Umalor (sei An feto) und Rabasa (sei An mone) stehen in einer Fetof-Nauf-Beziehung (älter-jünger in der Geschwisterreihe) zueinander. Die älteste Tochter, Mau Tkesnai, lebt dort zusammen mit ihrer jüngeren Schwester, Telek Tkesnai. Gemeinsam werden sie ehrerbietig als Enaf (Mutter) angesprochen. La Saen und Oe Tulan stehen zueinander in der gleichen Beziehung. Alle vier Orte liegen, so A.A. Tafuli, in der Nähe von Besikama.
Die Angaben von Nesnai und Tafuli zu den Heiratsallianzen widersprechen sich mehrfach. Wahrscheinlich ist, welcher Abstammung auch immer diese mysteriösen Tkesnai-Töchter sind, wurden sie von Belu, dem Sona mnasi (alten Palast) / Kua mnasi (alten Weiler), nach Westen verheiratet, sodass Belu (Wehale) die politisch überlegene (mone) Position bekleidet.

Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
Onam (Amanatun) / Tae Natu (Gründer)</strong Ana Tkesnai Tae Tkesnai ?r
Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
? / Olak Mali / = Nope (aus Rote) Ana Tkesnai Takesin Tkesnai ?
Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
Banam (Amanuban / Leki Nuban Loit Nesnai Nupi Tkesnai Tunbes
Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
Insana-Biboki (ein Usiftum) / Tua Sana Ana Tkesnai Neno Tkesnai ?r
Usiftum / Gatte Vater Tochter / Gattin Sonaf in
Anas / Namengruppe Nokas [15] ? Neno Tkesnai ?

Anmerkung

Feldforschungstagebuch Amanuban: 3. – 5. Juni 1992

Datum 03.- 05.06.1992
Ort Snok und Lilo, Anas; im Haus von A. Nesnay, Pemangku Adat, Lilo; Kecamatan Amanatun Utara)
Teilnehmer Neno Aleksander Nesnay; Ana Anderias Tafuli (Mafefa); Nino Simon Petrus Tafuli; Misstro Boimau` (Feldassistent); HWJ
Daten Diskussion zur Vorbereitung der Textproduktion; Interviews; fotografische Dokumentation der Tracht; Tonbandaufzeichnung

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