Ein Totenritual in Leti

Rituelle Reden während des Totenrituals für Felipus Lanu`

Die nachfolgenden Texte entstanden in der Nacht vom 25. Oktober 1991 während der drei Tage andauernden Begräbnisfeierlichkeiten in Leti, Mauleum (Ostamanuban). Felipus Lanu`, der Schwiegervater von Abraham A. Sakan war gestorben. Ohne Absprache mit der Trauergemeinde nahm mich Abraham mit nach Leti, was nicht allen Anwesenden gefiel, sodass ich von einigen Phasen des Rituals ausgeschlossen wurde.
Die von mir in Leti dokumentierten Reden sind dennoch aufschlussreich. Im Gegensatz zu den weitaus elaborierteren Kuan-Fatu-Texten stellen sie eine degenerierte Form der rituellen Rede dar, die ich in meiner grundlegenden Untersuchung der Tonis-Dichtungen in Amanuban, Die Kuan-Fatu-Chronik, als Pseudo-Tonis beschrieben habe.
Pseudo-Tonis-Texte unterscheiden sich von Tonis-Dichtungen durch die größere Einfachheit der Syntax und des verwendeten rituellen Registers. Grammatisch-parallele Wortpaare werden unvollständig eingesetzt oder semantisch an die moderne oder alltagssprachliche Verwendung angepasst. Pseudo-Tonis zeichnet sich auch durch das Fehlen des die Rede legitimierenden Chorschlusses aus.

Ich kam an späten Nachmittag im Gehöft der Lanu` in Leti an. Der verstorbene Felipus Lanu`, einer der Honoratioren des Weilers, lag, in mehrere lagen ikatgemusterte Textilien eingehüllt, unter dem großen Lopo des Hofes. An beiden Seiten seines aufgebahrten Leichnams saßen trauernde Verwandte, die seinen Übergang in eine andere Existenz begleiteten.
Nach Einbruch der Dunkelheit versammelten sich agnat und affinal verwandte Männer am Lopo, Karbidlampen wurden entzündet und Gespräche geführt. Erst später am Abend begannen die Sprecher der verschiedenen sozialen Gruppen damit, die unten dokumentieren Reden zu halten.

Meine technisch unzureichenden Bedingungen, mit denen ich in Amanuban arbeiten musste, die vielen Nebengeräusche, aber auch die Versuche der Anwesenden, meine Arbeit zu behindern, führten dazu, dass ich nicht alle Texte dokumentieren konnte, einige Reden fehlen, andere blieben fragmentarisch. Das Unbehagen und die Verärgerung verschiedener einflussreicher Ritualteilnehmer an meiner unerwünschten Teilnahme, und die Kritik, die sich A.A. Sakan gefallen lassen musste, führte auch dazu, dass ich keine exegetischen Interviews über den sozialen Kontext und die Bedeutung mehrerer Formeln der metaphorischen Rede führen konnte.
Aufgrund der besonderen Textsorte und deren Kontrast zu den Tonis-Dichtungen aus Kuan Fatu, bin ich dennoch der Ansicht, dass eine Veröffentlichung, dort wo Kontext und Verständnis gegeben sind, lohnend ist.

Empfang der Brautnehmer von Felipus Lanu`

Gemeinsam treten die Männer und Frauen derjenigen Namengruppen (an feto) an den Lopo, die traditionell aus Felipus Lanu`s Namengruppe ihre Frauen erhalten, um Abschied zu nehmen und ihr Beileid zu bekunden. Ernst blickende Männer und klagende Frauen umringen den Verstorbenen, während sich Lukas Banamtuan auf seine bevorstehenden Redebeiträge konzentriert.

Lukas Banamtuan: Sprecher der Lanu`-Brautgeber

1 Suse ma nukat
Jammer und zu große Trübsal
2 Mautum tunom nane mok
Doch gräme dich nicht, sondern sitze bei mir
3 Ho tata fain on
Deinem älteren Bruder, der für dich
4 Pen mine naek ma [. . .]
Wie eine Menge süßer Mais und [. . .] ist
5 Tun keta naek [. . .]
Wie eine große Gewangpalm-Fackel und [. . .] ist
6 Poho [. . .] ma mna`
Der dich beschirmt wie [. . .], und hält
7 Ho kolo ma ho manu
Wie du deinen Vogel und dein Huhn beschützt
8 Ho an feto ma ho an mone
Deine Tochter und deinen Sohn

Die Verse 4 bis 8 verwenden Metaphern des Tonis-Registers, wie sie dort für mächtige soziale und politische Persönlichkeiten verwendet werden. Die Rolle dieser Funktionsträger besteht darin, für ihre Untertanen Nahrung, Schutz und Sicherheit zu gewährleisten. Ihre Untergebenen, für die sie zu sorgen haben, bezeichnen die Tonis-Dichtungen als Hühner (manu) und Vögel (kolo), aber auch als abhängige, unmündige Kinder (an mone und an feto). Metaphorisch werden auch die Beziehungen zwischen Brautgebern und Brautnehmern mit diesen Termini bezeichnet.

9 Es ontak mautut kaib amtekes nane
Gräme dich nicht, meine Worte, die ich für dich spreche
10 On mausi kau ma matua kau
Denn du hast einen Herrscher und einen Herrn
11 Henati mafufu ma manaka kit Ahoit
Damit wir getragen und geleitet werden, Ahoit
12 Henati tam teu kul tam kaet
Wenn wir den Ort des Jammers und der Tränen betreten

Die Verse 10, 11 und 12 weisen eindeutig christliche Bezüge auf, auch wenn Vers 11 in indigenem Gewand auftritt. Der Herr und Herrscher, auf den Lukas Banamtuan hinweist, ist nicht mehr Uis Neno, der indigene Himmelsgott der Atoin Meto. Uis Neno, ohne seinen Namen zu ändern, wurde zum christlichen Gott-Vater. Die kulturspezifische Überzeugung der Atoin Meto kannte kein Jenseits im Sinne christlicher Ideologie. In vorchristlicher Zeit begleitete der Atoin Amaf (MB) den Verstorbenen bis an die Schwelle, trug und leitete ihn in seine neue Existenz, sodass er als Ahne wiedergeboren werden konnte (vgl. Herbert Jardner, Die Verrotzten und Verheulten). Das Leben der Atoin Meto verlief einst zyklisch, durch die Tür der Geburt in seine diesweltliche Existenz, die er durch die des Todes wieder verließ. Und beide Male stand der Atoin Amaf an der Schwelle: Begrüßung und Abschied zelebrierend. Die nachtodliche Welt war früher anscheinend kein Ort des Jammers und der Tränen.

13 Panan bi nane Neno Anan
Du, der dort liegt, und ich, der hier sitzt, Neno Anan
14 Es kaib amtekes nane Pah Tuan
Dies will ich dir sagen, Pah Tuan

Die Bezeichnungen Ahoit</em, Neno Anan (Kind des Himmels) und Pah Tuan (Herr des Bodens) in den Versen 11, 13 und 14 sind respektvolle Anreden für höhergestellte Persönlichkeiten, die einst nur für einen Usif (Fürst) oder den Uis Banam (als höchster Herrscher von Banam) reserviert waren.

Simon Petrus Banamtuan: Sprecher der Brautnehmer der Lanu` (an feto)

Kontext der folgenden Rede ist die offizielle Ankunft der Brautnehmer in Leti, die Felipus Lanu` an seinem Totenbett besuchen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. In den letzten Tagen nach dem Tod von F. Lanu` wurden Boten ausgesandt, die ihnen den Tod ihres Brautgebers anzeigten, und sie aufforderten nach Leti zu kommen. Aufgrund der Entfernungen, die zurückgelegt werden mussten, dauerte es einige Tage, bis alle versammelt waren.
Auf der Schwelle, zwischen Lopo und Gehöft, wenn man so will, zwischen Diesseits und Jenseits, sitzt S.P. Banamtuan, ihr Sprecher, der sie ankündigt und ihre Absichten kund tut. Mit seiner Rede antwortet er auf die Begrüßung durch Lukas Banamtuan.

1 Kabin amtekes nane tut kit
Meine Worte antworten dir

Wie vor ihm Lukas Banamtuan verwendet Simon Petrus den Begriff kabin, ein geflochtenes Körbchen für Betel, das im alltagssprachlichen Zusammenhang oko mama genannt wird. Dieses Körbchen dient als Unterlage für bestimmte Gaben, beispielsweise Geld, Betel oder Textilien, da in Amanuban nicht mit der nackten Hand gegeben werden darf.
In ihren Versen 14 (Lukas) und 1 (Simon Petrus) verwenden beide kabin metaphorisch für die von ihnen gesprochenen (gegebenen) Worte, die außerdem von einem oko mama begleitet werden, in dem der anderen Partei Betel angeboten wird.

2 Ma nen kit natuina
Ich will zuhören, weil
3 Fun kan ta-ta ma kan tok-tok
Ich nicht schweigen und nicht zurückbleiben will
4 Bi Natu ma Bi Liko
Bi Natu und Na Liko
5 Mamonen ma mafet
Sind auf adatgemäße Weise verheiratet

Mafet ma mamonet, wörtlich: Frau besitzen und Mann besitzen, bezeichnet die bevorzugte präskriptive Heiratsverbindung der Atoin Meto, die höchstes Sozialprestige besitzt, und die die Rechtsnorm der Adat (lasi) erfüllt. Anders als gewöhnliche Heiraten erfordert diese Form ein besonderes, mehrphasiges Ritual, das sich über Jahre hinziehen kann und hohe Brautpreiszahlungen bedingt, bei denen Güter (Brautgeber: Textilien; Brautnehmer: Fleisch und Waffen / Werkzeuge) in vorgeschriebener Form zwischen verschiedenen Namengruppen zirkulieren.

6 Mas natuin Na Talu ma Bi Kefi
Und durch Na Tali und Bi Kefi

Die Eigennamen Bi Natu (weiblich) und Na Liko (männlich), in Vers 4, bezeichnen Felipus Lanu` (Na Liko) und seine Gattin (Bi Natu). Ich weiß nicht, ob Simon Petrus damit die Vornamen oder vom Uis Banam verliehene Ehrennamen (akun meint.
Bei Na Tali und Bi Kefi handelt es sich ebenfalls um Eigennamen. Auf einer allgemeineren Ebene repräsentieren diese Eigennamen ritual-relevante, soziale Beziehungen, die auf wichtige verwandtschaftliche Beziehungen und historische Prozesse zwischen den Ritualteilnehmern hinweisen.

7 Fanin on butbuta ma onono
Sind sie wie Butbuta-Blüten und wie der Onono-Vogel
8 Es na butnan ma ono
Denn unlösbar ist die Verbindung
9 Bi Natu ma Na Liko
Zwischen Bi Natu und Na Liko
10 Ma seu neun masak neun
Und da sie beide zusammentrafen
11 Natuin ua kenu ma nal kenu
Und weil ihr Schicksal und ihre Bestimmung
12 Natefan ma naekun
Aufeinandertrafen und zu einem einzigen wurde
13 Natuin Na Talu ma Bi Kefi
Durch Na Tali und Bi Kefi
14 Fanin on nete lanan
Verbanden sich ihre Wege
15 Es le` nane naekub sinin
Sodass sie Eins werden konnten
16 Natefab sinin on tua kenu
Und zusammentrafen mit ihren Herren [des Bodens]

Tua kenu, die Herren des Bodens, bezeichnet die in Leti ansässige Namengruppe Manes, die auch als Kua Tuaf angesprochen wird. Einst bekam der Neuankömmling Tomas Banamtuan, Na Tali, Frau und Land von den Manes.

17 Naekun ma natefan
Zusammentrafen und sich versammelten
18 Malomin ma masimon
Einander liebten und annahmen
19 Esan mafen mamonen
Für einander Frau und Mann wurden

S.P. Banamtuan legt in den Versen 18 und 19 den Fokus seiner Rede auf die christlich-westliche Vorstellung von Liebe, die es in der indigenen Kultur der Atoin Meto sicher so nie gegeben hat. Heiraten waren keine Angelegenheit bürgerlich-romantischer Gefühle, sondern eine soziale Transaktion, die dazu führten, dass Namengruppen miteinander kooperative Allianzen eingingen.

20 Na manunit on Bi Natu tupan
Doch zuletzt starb Bi Natu
21 Nsae hala mbel ansae hala
Und lag aufgebahrt auf ihrem Bett
22 Maten oken saion [. . .] ma
Und nun sind sie alle gestorben, [vom Essen gesäubert ist der Teller]

23 Okat au akam ak
Und ich sage zu mir
24 Naskenu nabalah
[Wie Reptilien ihre] Haut gewechselt und Leben erneuert
25 Es taos ma honis
Damit das Eigene und das Leben [bewahrt bleiben]
26 Es sufa ma ka`un
Damit Blüten herabfallen
27 Es hi li feto li mone
Nämlich unsere Töchter und unsere Söhne
28 On na mi on-oin
So sind unsere Wege
29 Es lan npi`o lan oe
Nämlich fortlaufende Wege, Wege wie Wasser
30 Ai` bi kuan ma bale i
An diesem Ort und an diesem Platz
31 Mautut Na Liko on antupen
Lass nur, Na Liko schläft schon
32 Ma mbelen
Und ist nun [ab-]gefallen
33 Au piu lanan ma etu lanan
Und ich erzähle und berichte, von diesem Weg, über diesen Weg
34 Onan sat ka toit fam
So wie er ist – und ich bitte auch nicht
35 Ka unisu fa talun
Und ich verheimliche ihn nicht seiner Nachkommenschaft
36 Bi kuan i ma bale i
An diesem Ort und an diesem Platz
37 Es ufufum ma umnasib
Denn ich verehre ihn [Na Liko] und achte ihn als den Älteren
38 Eun hena tam
Und wir treffen uns nun, um einzutreten
39 He kisom ma`tae
Damit wir es sehen, und es bezeugen
40 Pan pelo ma mat nu
Mit laufenden Nasen, mit tränenden Augen
41 Kulut ma kaet
Betrübt und weinend
42 Nati kulut ok ki
Zusammen betrübt
43 Ma kaet ok ki
Und zusammen weinend
44 Sium ki lek-leok
Empfange uns gut
45 Es le` kabin nane
So gut, wie auch meine Worte

Mit der folgenden Rede antwortet Lukas Banamtuan auf die vorausgegangenen Worte von S.P. Banamtuan, und weist erneut auf die sozial superiore Position der Brautgeber hin:

1 Mautut au on a poh kit
Lasst gut sein, denn ich halte euch alle [auf meinem Arm]
2 Li feto nae kliko
Ob große Töchter, ob kleine Töchter
3 Ma tam natuina neno i
Tretet gemeinsam ein mit mir
4 Au nek ki ma tauk ki lek-leko
Denn ich liebe und beschirme euch gut
5 Es on abut ki ma nibun ki
Sodass wir Eins sind, ihr alle, von nah und fern
6 Li feto naek ma kliko
Ihr Töchter, ob groß und klein
7 Natuina susal neu kit
Sodass wir in Trauer verbunden sind
8 Mautut au om he tam kukum
Lasst gut sein, denn ich selbst bib gekommen, einzutreten
9 Neu oni – bait le`
Obwohl – seht
10 Ka anah kauf ka olin kauf
Ich bin weder Kind noch jüngerer Bruder
11 Mes natuina anah mfaun ma olin mfaun
Aber weil sich viele Kinder und viele der jüngeren Brüder
12 Ama mfaun ma ena mfaun
Viele Väter und viele Mütter
13 Esa nibun ki ma takun ki
Versammeln und einander beschirmen
14 Mi ekum ma mi tefate ok ki
Sind wir vereint
15 Ma tam neu kulut
Und treten ein in die Betrübnis
16 Bale susal in balen
An diesem Platz der Betrübnis, an diesen Ort

Lukas Banamtuan spricht für die Lanu`-Brautnehmer

Diese Rede fand unmittelbar neben der Leiche des Vorstorbenen Felipus Lanu` unter dem Lopo statt. Sie erinnert die Anwesenden an einen ungelösten Konflikt zwischen den Namengruppen Lanu`, Sakan und Manes, der mit dem Tod von Felipus Lanu` geschlichtet werden muss, da dieser sonst nicht beerdigt werden kann.

1 Kaib amtekes nane
Hört meine Worte
2 Bi Kefi Bi Timo
Bi Kefi und Bi Timo
3 Mautut natuina afi
Vergiss, wenn früher
4 Neon fai unu
An Tagen und in Nächten
5 Nak nusan kae
Gesagt wurde, dass der Nus Vogel weint
6 Mafefa ma masanu
Es gibt einen Mund und [. . .]
7 Maeno ma malanan
Es gibt eine Tür und es gibt einen Weg

Aufgrund der angesprochenen Schwierigkeiten bleibt diese Rede vorerst fragmentarisch und für die Verse 8 bis 52 nur teilweise übersetzt. Inhaltlich bieten die unübersetzten Verse keine Formulierungen, die nicht schon in den vorausgegangenen Reden verwendet wurden. Für meine Übersetzung der metaphorischen Bedeutungen fehlt mir außerdem die Bestätigung der Richtigkeit durch den Autor.
L. Banamtuan wendet sich erneut an Felipus Lanu` als Brautnehmer der Namengruppe Manes, beklagt F. Lanu`s Tod, ruft die Trauergemeinde zu sozialer Einigkeit zwischen agnaten und affinalen Verwandten auf, und erinnert zuletzt auch an Differenzen und Konflikte zwischen ihnen, die der Tod auszugleichen auffordert.

8 Es onane
9 Poh teno ma auni
10 Nak on neh-neh auni
11 Ma poh-pohon teno
12 Teno kmolon pe` ma maisan
13 Auni tan hau` hau besa
14 Es nane natuina
15 Onan tupen ma belen
16 Na Manes ofan fain
17 Fefa naek hana naek
18 Bi kuan i bi bale i
19 Onat kulen ma kaen
20 Hai ama beun manekat
21 Bian onan manekat
22 On ka mi ten`om fa
23 Ka mi lum`om fa
24 Hanaf piu lanan
25 Man etun fain
26 Nao kuan-kuan ma bale-bale
27 Anah-anah ma olif-olif
28 Es hai anah-olif
29 Hai amaf-enaf
30 On emam tian ko
31 Bi kuan i bi bale i
32 Nak ho onam
33 Kuk afu ma meukel
34 Kulum ma kae
35 He mautum ontak
36 Piu lanan ma etu lanan
37 Om ema tam
38 Kuk afu mok`o ma meukel mok`o
39 Pan peol mok`o ma mat nu mok`o
40 Natuina on
41 Pan pelo ma mat nu
42 Tam kuk afu meukel
43 Mautut on ala kitit
44 Kuk afu ala kitit
45 Ma pan pelo ala ki
46 Es ona eut kit lek-lekot
47 Utonan kit lek-leko
48 Bi Kefi Bi Timo
49 Ontak Na Liko
50 Tupan sae hala ma belan sae hala
51 Namauat het kuk afu ala kitim
52 Meukel ala kitim

Die Rede von Lukas Banamtuan endet an dieser Stelle und bleibt fragmentarisch, da die Verse 53 bis 100 seiner Rede technischen Problemen zum Opfer fiele.

Lukas Banamtuan: Die Präsentation von Reis und Fleisch durch die Brautnehmer am Lopo des Verstorbenen

Die folgenden Reden fanden nicht mehr am Lopo statt. Die Nacht war weit fortgeschritten, und die Trauergemeinde hatte sich zu einem entfernten Platz des Gehöftes begeben, wo in der Zwischenzeit das von den Brautnehmern mitgebrachte Vieh geschlachtet und der Reis gekocht worden war.
Vor der gemeinsamen Mahlzeit waren weitere Reden notwendig.

1 Kaib amtekes nane Bi Kefi
Was wir dir sagen wollen, Bi Kefi,
2 Ontak oli Na Lanu`
Als deine jüngeren Brüder Na Lanu`
3 On Le` pan pelo ma mat nu
Als die Verrotzten und die Verheulten
4 Hit onat fain fufun ma mnasi
Als die Getragenen und die Geführten
5 Mautum ontak leot fu`a mese
Wir sind wie zerstoßener Mais, dessen Teile zusammengehören
6 Ai` mu`it maski an-ana
Wie das Geflügel
7 Mautum hai mitnana kit
Haben wir gegeben
8 He on at sonet alkit
Damit die Arbeit gemeinsam gemacht wurde
9 Ai` on at haket alkit Bi Kefi
Damit wir zusammenstehen, Bi Kefi
10 Es kaib amtekes nane Bi Kefi
Dies will ich dir sagen, Bi Kefi
11 On utnana kit utam leot
Und deshalb bringe ich dir gestossenen Mais
12 Ai` oe ma ai
Und Wasser und Feuer
13 Henati tahopi ai ma tapina ai
Damit wir ein Feuer anzünden, es leuchten lassen
14 Neu hit am enu
Für unsere Väter und Mütter
15 Funan natef tan nonom natef
Die durch das Land zogen, bis sie zusammentrafen
16 On mitnana kit oe ma hau
Sodass wir dir Wasser und Holz geben können
17 Es le` nane Bi Kefi
So ist es, Bi Kefi

Marten Luter Manes beantwortet die Rede von L. Banamtuan

1 Kaib amtekes nane Bi Nope
Was ich dir sagen will, Bi Nope

Nope ist das Akun, der Ehrenname von Lukas Banamtuan und seiner Namengruppe, das sein Gegenüber in respektvoller Ansprache verwendet. Doch statt den männlichen Artikel Na (Nai) zu verwenden, sagt er Bi Nope. Die weibliche Form Bi weist noch einmal daraufhin, dass Manes als Brautgeber für Banamtuan sozial höher gestellt ist.

2 Ka sa`ef le`muku`a kabin
Es sind nicht irgendwelche Worte
3 Neu ho an henu    
Für deine Kinder
4 Mak ho bae nbel ma natsel
Du sagst, dein Schwager ist gestorben
5 Mkoenom on
Und du bist gekommen
6 Ka om fa  
Aber du kommst nicht
7 Nok nim luman ai` ben luman
Mit leeren Händen, und nicht mit leerer Schulter
8 Omat fuf matua benam matua
Kommst mit beladenem Kopf, mit beladenen Schultern
9 Mautum le` muku`a kabin
Lass nur, dein Kabin spricht für dich
10 Ut pis mese ai` ika koe mese
Ein Stück Brot und einen Fisch

Brot und Fisch (utan ma ikan) ist eine moderne Metapher der rituellen Rede, die der christlichen Liturgie entnommen ist. Das Lexem ikan ist außerdem ein Lehnwort aus der Bahasa Indonesia, denn die Kultur der Atoin Meto war von jeher eine dem Meer abgewandte, sodass ein entsprechendes Vokabular fehlt

11 Ontak mukbubu sin
Damit du sie vereinigst
12 Neu ho an henu
Für deine Kinder
13 Henati tae he mipu`al
[. . .]
14 Neu hit am enu
Für unsere Väter und Mütter
15 Funam natef ma nonom natef
Die [einst] durch das Land zogen, bis sie sich trafen
16 Es le` kabin nane Man Apinat
So lauten meine Worte, Sonne, Du Strahlende

Darauf antwortet ihm Lukas Banamtuan und beschießt mit seiner Rede den rituellen Austausch:

1 Nobah neu he tut ko on me  
Genug jetzt. Aber wie antworte ich dir ?
2 Ontak ma`ek nanan
Wir, die sich gegenseitig unterstützen
3 Mas muni i es tak
Heute sagen wir
4 Ut ai` ika
Brot oder Fisch
5 Mas afi na tak
Aber früher sagten wir
6 Ai nuta mese ai` oe luli mese
Ein schwelender Holzscheit oder ein Bambusrohr voll Wasser
7 Henati tahoip ai neu hit am enu
Damit wir für unsere Väter und Mütter das Feuer anzünden konnten
8 Ai` tanuim oe neu hit am henu
Oder Wasser für unsere Väter kochen konnten

L. Banamtuan greift die Brot-und-Fisch-Metapher von M.L. Manes auf, der einer jüngeren Generation als er selbst angehört, und kritisiert ihn gleichzeitig. Er weist seine Zuhörer mit seinen Versen 3 bis 8 daraufhin, dass es sich hier um eine moderne, an ein anderes Überzeugungssystem orientierte Innovation handelt, die er nicht schätzt.

9 Henati nalal ok al-ala kit
[. . .]
10 Ontak feto ma mone ai` olif ma tataf
Als feto ma mone oder olif ma tataf

In Vers 10 fasst L. Banamtuan die Trauergemeinde als einen einzigen sozialen Organismus zusammen, als eine ökonomische, soziale und rituelle Konförderation, die durch ihre verwandtschaftlichen Beziehungen strukturiert ist. Mit feto ma mone bezeichnet er die affinalen Verwandten, die füreinander (Ehe-)Mann und (Ehe-)Frau sind. Olif ma tataf sind die jüngeren und älteren Brüder der Lineage. Die beiden Wortpaare enthalten gleichzeitig eine Binnendifferenzierung, wobei das erste Lexem dem zweiten sozial untergeordnet ist.

11 Tanuim oe ala kit
Kochen wir Wasser zusammen
12 Ai` tahoip ai ala kit
Und zünden gemeinsam das Feuer an
13 Es onam bi tabu i al-ala kit
So wie wir es heute zusammen tun
14 Ta`euk ma tatef
Wir treffen zusammen und versammeln uns
15 Maut he matutan hanan
Sprechen mit einer Stimme
16 Ai` masiomon kabin ahoit
Und empfangen unsere Worte

Mit Ende dieser Rede waren die formellen, von der Adat vorgeschriebenen Phasen des Rituals, mit dem die Brautnehmer empfangen wurden, abgeschlossen. Die nächsten Stunden verbrachten die Ritualteilnehmer mit der gemeinsamen Mahlzeit, bei der von allem im Überfluss vorhanden war.

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